Recherchiert und niedergeschrieben von Wilhelm Trapp (†)
mit freundlicher Unterstützung von Röttker Feigel

angenscheid gehört seit ältester Zeit zur Esterau im Engersgau. – Esten = Astina, erste urkundliche Erwähnung 950. Unser Ort hat seinen Namen von dem langgestreckten Höhenrücken, der als Wasserscheide den Daubach und

den Schwarbach als Nebenbäche der Lahn trennt. Die Größe der Gemarkung beträgt 884 ha, davon 343 ha landwirtschaftliche Nutzfläche und 541 ha Nieder- und Hochwald. Langenscheid liegt 242 m über N.N. und zählt heute knapp 600 Einwohner. (Bemerkenswert: diese Zahl ist seit Kriegsende 1945 annähernd konstant).
Die Gemarkung wird östlich vom Daubach, südlich von der Lahn, westlich vom Schwarbach und nördlich von der Gemarkung Hirschberg begrenzt. Diese Begrenzung durch Lahn, Daubach und Schwarbach spiegelt sich auch in dem Wappen Langenscheids wider, welches die Gemeinde seit 1989 führt.

   
 
1298 Erste urkundliche Erwähnung des Ortsnamens Langenscheid (Langscheyt). Im Jahre 1298 unterhält das Kloster Thorn bei Usingen einige Güter und Rechte, die es vor dem Jahre 1500 dem Marienstift in Diez verkauft. Der größte Teil des Langenscheider Grundbesitzes dürfte jedoch den Landesherren, den Grafen von Nassau, gehört haben.
   
1301 Die Dörfer Mühlberg und Wilsberg kamen (im 30jährigen Krieg durch Pest und Blattern untergegangen) als Schenkung an das Kloster Seligenstadt (Schiephage). Die Stiftung dieser Dörfer wird bezweifelt, sie kommen aber in den Arnsteiner Urkunden vor.
   
1308 Die Spechte von Bubenheim verkauften Gefälle und Weinberge in Langenscheid, die sie von Nassau belehnt hatten.
   
1345 Erstmalige urkundliche Erwähnung der Kapelle in Langenscheid.
   
1352 Das Koblenzer St. Florianstift besitzt Grundeigentum in Langenscheid. Das Stift war Kirchherr der Kirche zu Esten (Holzappel), der Mutterkirche der Esterau.
   
  Älteste Urkunde aus dem Kloster Arnstein = Zinsregister aus dem Ende des 14. Jahrhunderts. Arnstein hatte Gefälle in Langenscheid.
   
  Egenolf und Heinrich von Langenscheid und die Töchter Gertrund und Cunikunde waren vornehme Wohltäter des Klosters. Desgleichen Emele, die Frau des Johannes von Langenscheid, für welche deren Sohn anlässlich des Jahresgedächtnisses all seine in Rupprechtsberg verkauften Güter gestiftet hat (Stift = ausgegangenes Dorf bei Dörnberg).
   
1509/10 Zwei Brüder von Langenscheid streiten um den Besitz des Lehnsgutes in Langenscheid. Schultheiß und Schöffen zu Esten – dort war das Zehntgericht – belegen das Gut mit Arrest und Pfändung.
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Schulchronik
   
  Vor dem 30jährigen Krieg sind die Dörfer so klein, daß man sie mit der heutigen Größe nicht vergleichen kann. Esten hat vier bis fünf Häuser, Langenscheid ist größer, besitzt aber keine 20 Häuser. In diesem grausamen Krieg herrschen Pest- und Blatternepidemien furchtbarsten Ausmaßes. Diez leidet durch dauernde Einquartierungen entsetzlich. Langenscheid wird schlimm verwüstet. Von ursprünglich 30 Häusern stehen nur noch fünf. Die Krieger missbrauchen das Papier der Kirchenbücher als Büchsenstopfen. Urkunden werden vernichtet.
   
  Von der Landwirtschaft müssen sich die Langenscheider ärmlich und mühsam ernähren. Das meiste Land liegt brach. Die besten Teile – Trieb, Heckenweg, Almendorn, Hecke, Inner, Gebück, Börnsgrub und Wolfskaute werden als Weideland genutzt. Das karge Land ernährt zwar viele Pferde, zahlreiche Schafe und Schweine, aber weniger Rindvieh.
   
  Weinbau wird an allen Talhängen der Lahn betrieben.
   
1512 Die Gemeinde streitet mit den Adligen von Haßlern aus der Grafschaft Diez wegen einer Viehweide.
   
1517 Die Reformation beginnt mit Luthers Anschlag der 95 Thesen an die Schlosskirche in Wittenberg am 31.10.1517.
   
1538 Abgeordnete der Herren treten zusammen, um Luthers Lehre einzuführen. Ein zweites Treffen findet im Herbst des gleichen Jahres in Nassau statt. Darauf folgen die Einführung der Reformation und 1544 die erste Visitation (Langenscheid hatte Besetzungsrecht).
   
  Collatores der Kirche zu Esten waren die Grafen zu Nassau und zwar Weilburg und Idstein einmal und Dillenburg zweimal.
   
  Den Hauptaltar hat ein Pfarrherr zu konferieren oder einem Pfarrer zu übertragen.
   
  An Pastoren herrscht kein Mangel. Der Lohn eines Pastors beträgt 10 fl. oder ein Fuder Wein aus Langenscheid. ( fl. = Gulden, Fuder = 900/1500 Liter, wahrscheinlich je nach Qualität.). In der Grafschaft Nass.- Weilburg führen zwei Pfarrer aus Tirol die Reformation an.
   
1550 Im Kirchspiel Esten herrschen trostlose Zustände. Die Esterau gehört zu den "Dreiherrischen", das heißt, die drei nassauischen Grafschaften Dillenburg, Idstein und Weilburg besitzen das Gebiet gemeinsam und zwar Dillenburg die Hälfte, Idstein und Weilburg je ein Viertel.
   
1563 Von 1563 an wechselt mit den Nachfolgern der Nass. Grafenlinie noch mehrmals die Konfession.
   
1575 Langenscheid ist Filiale von Esten. Collator ist der Pfarrherr von Esten. Der Langenscheider Kapellenrezess beträgt 5 Ohm (8500 l) Wein. Geilnau muß ein fl. und fünf Albus (Weißpfennig = alte deutsche Münze) entrichten (aus den Berichten des "Theologischen Seminars Herborn" – Visitationsbericht von Superintendent Vincenz Chuno 1577).
   
  Die Pfarrei Esten hat den Weinzehnten von Langenscheid, Geilnau, Laurenburg, Dörnberg und Obernhof. Esten hat nur neun Häuser (Pfarrchronik Holzappel).
   
1590 Die Langenscheider Geschichte ist eng verwoben mit dem Leben von Peter Melander.
   
  1590 wird die Familie Eppelmann (Melander) von Niederhadamar mit dem Wein- und Fruchtzehnten (großen Zehnten) und mit der Lahnfischerei zu Langenscheid für 6815 fl. belehnt.
   
  Nach Schiephage wird die Kirche zu Langenscheid schon vor 1600 von Esten abgetrennt. Der Nass. Antiquar belegt dies erst 1649 nach Wiedereinführung des refomierten Glaubens.
   
  1607 Die Söhne Johannes VI. des Älteren teilen das Land. Johann Ludwig erhält außer Hadamar unter anderem die Vogtei Isselbach mit Isselbach, Ruppenrod, Eppenrod und Teile an der Esterau.
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Schulchronik
   
1618-48 Der 30jährige Krieg.
   
1619 Ende des gemeinsamen Besitzes von Nass.-Saarbrücken und Nass.-Hadamar. Doch amtiert 1638 noch ein Saarbrückischer Schultheiß (Archiv Wiesbaden).
   
1620 Die Mutter von Peter Melander besitzt Güter in Langenscheid (Beschwerdeschrift des Hans Georg Eppelmann –Bruder von Peter Melander an Johann Ludwig von Hadamar).
   
1629 Graf Johann Ludwig von Hadamar zwingt auch seine Untertanen zum katholischen Glauben.
   
1630 Letzter reformierter Pfarrer in Esten ist Johann Lotz. Esten bleibt eine Zeit ohne Pfarrer, dann hält der Prälat von Arnstein Gottesdienst. 1637 wird die Stelle mit dem katholischen Pfarrer Anton Thelen aus Balduinstein besetzt, der schon im Oktober desselben Jahres stirbt. Dann sollen die Franziskaner von Limburg den Dienst versehen, tun es aber nicht.
   
1631 Furchtbare Pestzeiten und Verwüstungen in Langenscheid.
   
1643 Peter Melander kauft die Esterau für 64.000 Taler. Esten wird seine Residenz und erhält den Namen Holzappel.
   
1644 Vor 1645, wahrscheinlich 1644 läßt er die Leiche seiner Tochter Loudowika nach Langenscheid bringen und unter dem Altar der Kirche beisetzen.
   
1645 Melanders Testament: Er will in Langenscheid beigesetzt werden, einer seiner Söhne soll Pfarrer daselbst werden. Seine Gemahlin Agnes, geb. Freiin von Effern, und seine Tochter Elisabeth Charlotte werden enterbt.
   
1647 Melander ist im Felde, die Schweden verwüsten die Esterau. In Langenscheid bleiben 1648 fünf Häuser stehen.
   
1648 Tod Peter Melanders. Der geplante Schlossbau in Langenscheid kommt nicht mehr zustande. Sein Testament wird für ungültig erklärt. Seinem Wunsch, in Langenscheid beigesetzt zu werden, wird nicht entsprochen. Im Frieden zu Münster und Osnabrück werden den nass. Grafschaften, mit Ausnahme von Hadamar, Holzappel und dem Trierischen, Satisfaktionsgelder (Satisfaktion = Genugtuung) auferlegt. Hadamar ist frei und die Grafschaft Holzappel hat fast nichts zu bezahlen.
   
  Langenscheid hilft den oranischen und trierischen Orten mit Geld und erhält Wiesen in Isselbach und Ettersdorf dafür.
   
1649 Langenscheid wird von seiner Mutterkirche Esten gelöst und zur selbstständigen Pfarrei erhoben. Die Witwe Peter Melanders duldet die Wiederkehr des reformierten Glaubens, und von 1649 bis 1652 vollzieht sich der Glaubenswechsel. Hadamar klagt beim Kaiser.
   
1656 1656 kauft die Witwe Melanders Schaumburg (Schuwenburg = schauen) mit Cramberg und dem Kirchspiel Habenscheid und nennt die ganze Grafschaft Schaumburg.
   
1666 Beginn der Langenscheider Kirchenbücher.
   
1680 12. Juli findet eine genaue Volkszählung in der Grafschaft Holzappel statt, die uns einen Eindruck von der niedrigen Einwohnerziffer der Ortschaften vermittelt. Das gleiche Bild ergibt sich aus den Zählungen von 1651 und 1669. Die dünne Besiedelung scheint aber nicht durch den 30jährigen Krieg verursacht worden zu sein, denn nach Deissmann soll Holzappel 1577 auch nur neun und Langenscheid nur sechs Häuser gehabt haben.
   
1681 1681 wird berichtet, dass verschiedene Langenscheider Mädchen nach Balduinstein in die Kirche gegangen sind. Der Bürgermeister erhält Befehl, diese namhaft zu machen.
   
1695 Am 15.4. muss Pfarrer Scholl suspendiert werden. Er ist von der Fürstin zweimal ermahnt worden wegen der am letzten zweiten Osterfeiertag veränderten Kirchen- und Fürbitteformalien. Die ihm darauf angesagte Suspension hätte gemindert werden können, wenn er sich nicht "auf eine einem Pfarrer übel anstehende Art gegen die Fürstin benommen" hätte.
   
1719 Am 6.3. verhandeln der Bürgermeister Hermann Schaub und der Gemeindsmann Emanuel Ebertshäuser von Geilnau mit den Kirchen-ältesten Tönges Schaub, Leonard Nöllgen, Johann Jacob Trapp und Pfarrer Hospinian von Langenscheid über die Abhaltung des heiligen Abendmahls und der Gottesdienste in Geilnau und der anteiligen Kosten.
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Schulchronik
   
1724 1724 werden des Richard Lotz Stieftochter Maria Margretha und des Johann Blank Tochter bestraft, weil sie Sonntags nach Balduinstein gegangen sind und dort getanzt haben.
   
1727-31 Langenscheid baut seine Kirche unter Pfarrer Hospinian, der auch den Kartoffelanbau im Nassauer Land einführt.
   
1728 Im Streit mit Diez lässt der Kurfürst von Trier das Balduinsteiner Wehr sperren. Gewaltsam wird es von den Diezern geöffnet und von Trier wieder geschlossen.
   
1745 Die Franzosen öffnen das Balduinsteiner Wehr.
   
  Am Ende des 30jährigen Krieges werden in der Landwirtschaft immer mehr Rinder als Zugtiere eingesetzt. Wölfe gibt es und wenige Schafe. Die Entwicklung des Kartoffelanbaues schützt vor Hungersnot. In dieser Zeit wirken viele Langenscheider als Diener und Soldaten in Schaumburg.
   
1756 1756 wird verordnet, dass kein Geistlicher oder Schulmeister mehr außer Landes reisen dürfe, der nicht zuvor dazu die Erlaubnis vom Fürsten oder Consistorium eingeholt habe. Das scheint auch früher so gehandhabt worden, aber dann in Vergessenheit geraten zu sein, denn als Pfarrer Hospinian 1720 in die Schweiz reisen will, um sich in ein christliches Eheverlöbnis einzulassen, muss er um die Erlaubnis einkommen, die ihm erteilt wird.
   
1787 1787 bestand der Hahner Hof noch, dagegen 1822 nicht mehr; denn im Geburtseintrag des Adalbert Willmann zu Langenscheid (*1822) heißt es von dessen Vater Heinrich Christian: " geboren auf dem ehemaligen, abgebrochenen Hof Hahn". Auch 1799 besteht er noch, denn am 2. November dieses Jahres ist dort Johann Jacob Kauffmann geboren.
   
1792 Ausbruch des ersten Koalitionskrieges. Preußen und Franzosen an der Lahn.
   
1795/96 Schlachten bei Diez zwischen Kaiserlichen und Franzosen.
   
1799 Die Franzosen rücken ab.
   
1800 Um 1800 wird der Kleeanbau eingeführt. Ende des Weideganges und mehr Feld. Von der Dreifelder- zur Sechsfelderwirtschaft.
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  In Langenscheid laufen vier Wassermühlen. Die nass. Grafen lassen Müller aus dem Böhmerwald kommen – Müllername "Güll".
   
  Kalkbruch an der Lahn.
   
1806/07 Jakob Schang zieht mit gegen Preußen.
   
1809 Die Langenscheider Philipp Künzler, Jakob Herold und Johann Philipp Schäfer ziehen in den Krieg nach Spanien. Herold verschwindet bei Barcelona und Johann Philipp Schäfer * 1791, stirbt als Soldat im 1. Bat. des II. Regiments Nassau 3. Komp. am 13.12.1812 an Fieber im Hospital zu Cortosa in Catalonien. – K.-B. Lischeid .
   
1812 Franzosen auf dem Rückzug in Langenscheid. Marschall Ney nimmt Quartier bei Forstjäger Pabst.
   
  1812 werden außer allerlei Abgaben, die für das gesamte Herzogtum Nassau in Wegfall kommen, insbesondere im Amt Schaumburg und Rezepturbezirk Holzappel " gänzlich und für immer" aufgehoben, z.B. die Eierabgaben zu Langenscheid.
   
1815 Zwei Langenscheider in den Kämpfen bei Quatrebras und Waterloo: Bornwasser und Schaub. Letzter fiel.
   
1816 Alle Schaumburgischen Orte links und rechts der Lahn kommen zum Amt Diez.
   
1825 Langenscheid errichtet den jetzigen Friedhof.
   
1829 Am 2. April kommen die Schüler von Geilnau zum letzten Male nach Langenscheid zum Unterricht. Geilnau erhält einen eigenen Lehrer, nachdem dort ein Schulhaus erbaut worden ist.
   
1835-36 Bau der ersten Wasserleitung aus Holz. Teile davon werden im Heimatmuseum Holzappel und bei den Verbandsgemeindewerken in Diez aufbewahrt. Die Dorfbrunnen erleichtern der Bevölkerung die Wasserversorgung sehr. Bis dahin müssen die Langenscheider (vorwiegend die Frauen) ihr Wasser auf den Schultern (Schulterjoch) von außerhalb des Dorfes nach Hause tragen.
   
1835 Am 25. Oktober wird in Langenscheid das Brunneneinweihungsfest gefeiert, da die neue Wasserleitung vollendet ist und ihr frisches Quellwasser aus fünf Stöcken im Dorfe fließen lässt.
   
1836 Die Neuanlage, die heutige Schulstraße, wird errichtet.
   
1838 Am 29. Juli Einweihung der Orgel in der Kirche in Langenscheid.
   
1838/39 Die neue Schule wird gebaut und am 12. Februar 1840 eingeweiht. Die alte Schule erwirbt Johann Adam Deutesfeld für seine Töchter Luise und Henriette. Luise heiratet Johann Peter Koch (Peters) und Henriette heiratet Philipp Anton Schlau (Schneider).
   
1840 Abbruch der Herren- Zehnten- Scheuer. Das Bauholz wird nach Limburg verkauft. Der Platz wird der Schule als Spielplatz überlassen. Bepflanzung des Platzes mit 30 Kugelakazien und einer rotblühenden Kastanie (gefällt am 23.4.1982).
   
1842/43 Zehntenaufruhr in Langenscheid. Die Bauern weigern sich die Zehntenabgaben abzuliefern.
   
1844 Ablösung des Zehnten. Die Gemeinde kauft ihn für 30.000 Gulden.
   
1847 Lehrer Wilhelm Priester (gestorben am 18.4.1861 in Eppenrod) macht in Langenscheid die ersten Versuche mit Seidenraupen und hat guten Erfolg.
   
1848 Ludwig Born wird in die Frankfurter Nationalversammlung berufen. In dem nassauischen Parlament ist er Abgeordneter der zweiten Kammer, später sogar Vizepräsident der ersten Kammer. 1867 gelangt er in den preußischen Landtag als liberaler Streiter neben Graf Schlieffen und Professor Virchow.
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  Bürgergarde in Langenscheid.
   
  Erzherzog Stephan kommt nach Schaumburg und besucht Langenscheid.
   
  Das Schaumburger Schloß wird gewaltig vergrößert und der alte Bau mit einer neuen Fassade versehen. Die Basaltsteine werden aus der Nachbarheck geholt und durch Langenscheid und die Lahn gefahren.
   
1857 Seit diesem Jahr war die Lahn schiffbar von Wetzlar bis zur Mündung.
   
1858-62 Bau der Lahntalbahn. Viele Langenscheider finden Arbeit.
   
1862 Totschlag Bornwasser.
   
1866 Philipp Wilhelm Künzler wird Kriegsteilnehmer.
   
1870-71 Deutsch - französischer Krieg: Sieben Langenscheider Kriegsteilnehmer. Dies sind unter anderem Philipp Wilhelm Künzler, Philipp Ludwig Künzler, Friedrich Koch, Adrian Raab...
   
  Das Bergwerkseigentum wird häufig verliehen, so z.B. an den Mühlenbesitzer Philipp Jakob Güll in der Rupbach für Eisenerze in der Gemeinde Biebrich.
   
1870 Am 22.3., dem Geburtstag Kaiser Wilhelm I. wird zu Langenscheid auf dem freien Platz neben der Kirche eine Friedenslinde gepflanzt.
   
1876 Am 29. Juni wird die Leiche der ledigen Catharine Friederike Ehrlich in der Gemarkung Langenscheid schrecklich verstümmelt aufgefunden. Die entsetzliche Mordtat wurde von der Bevölkerung allgemein einem Juden zur Last gelegt, der sich dann auch nach Amerika davon machte.
   
1883 Landeskonservator Oberst von Cohausen erkennt Gebücks- und Schlaggraben als vorgeschichtliche Befestigungen. (Analen 1849 – 15/968)
   
1886 Die Gemeinde beschließt jeden Acker im Gemeindegut Neurod auf Gemeindekosten mit einem Baum zu bepflanzen. Die ersten 100 Stück werden im Herbst gesetzt.
   
1886/87 Ein Winzerverein bildet sich im Winter 1886/87. Den 26 Mitgliedern werden ungefähr 12 Morgen des Gemeindewaldes im Pfaffenberg pachtweise zur Bepflanzung mit Weinreben abgetreten. 1889 wurden die ersten Trauben geerntet.
   
1889 Gründung des Männergesangvereins "Liederwald Langenscheid"
   
  Erste Traubenernte.
   
  Der Lebensstandard in Langenscheid steigt. Fleiß, Belesenheit, Gemeinsinn und die Gründung der Darlehnskasse führen zu relativem Wohlstand. Professoren und Lehrer im Dorf.
   
1891 Die Kirche erhält einen Ofen. Am 25 Januar 1891 findet in Langnscheid der erste Gottesdienst in einer erwärmten Kirche statt.
   
  Im 18. und 19. Jahrhundert sterben die meisten Menschen in Langenscheid an Schwindsucht und Typhus.
   
  Am 30. September wurde die Maschine eines von Limburg kommenden Schnellzuges schadhaft, so dass dieser etwa 50 Meter vor dem Cramberger Tunnel halten musste. Der diensttuende Assistent im Bahnhof Laurenburg ließ nun trotz nicht freigegebener Strecke einen Zug durch, der mit Pilgern besetzt war, die von der Besichtigung des heiligen Rockes in Trier heimkehrten. So fuhr der Pilgerzug mit vollem Dampf auf den Schnellzug. Die Maschine des Pilgerzuges, sowie vier Wagen des Schnellzuges wurden zertrümmert. Ein Heizer kam ums Leben.
   
1898 Am 9. und 10. Juli fand in Langenscheid das vierte Gauturnfest des Ahrgaues statt, mit dem die Fahnenweihe des Langenscheider Vereins verbunden war.
   
1899 An den Weihnachtsfeiertagen führten die Mitglieder des Langenscheider Turnvereins "Körners Zriny" auf.
   
1900 Auf dem zweiten Bundesfest des Unterlahn- Sängerbundes in Freiendiez am 1. Juli erringt der Gesangverein Liederwald einen zweiten Preis.
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Schulchronik
   
1901 Der Weinertrag in Langenscheid beträgt 20 hl und 15 l.
   
1902 Die Zahl der Geburten beträgt 37, der Eheschließungen 11 und der Sterbefälle 21.
   
1903 Im Bereich der Langenscheider Jagd wurden von deren Pächter Fasanen und belgische Hasen ausgesetzt.
   
1908 Die Weinberge im Pfaffenberg sollen wieder in Wald umgewandelt werden, da die Reblaus und die Blattfallkrankheit in den letzten Jahren die Ernten zunichte gemacht haben.
   
1909 Bau der neuen Wasserleitung mit Hausanschlüssen.
   
1913 Langenscheid erhält elektrisches Licht.
   
1914 Am 12.7. feiert der MGV Liederwald sein mit Fahnenweihe verbundenes Stiftungsfest.
   
1914-18 Der erste Weltkrieg bricht aus. Langenscheid beklagt den Verlust von 20 Kriegsteilnehmern (42 Bürger werden eingezogen).
   
1917 Die größere der beiden Kirchenglocken wird beschlagnahmt. Am ersten Juli 1917 letztes Geläut zum Glockenabschiedsgottesdienst.
   
  Beschlagnahme der vorderen Orgelpfeifen (Prospektpfeifen) für Kriegszwecke. An Palmarum 1921 werden die Pfeifen wieder ersetzt.
   
  Im Herbst wird die elektrische Straßen- und Ortsbeleuchtung fertiggestellt.
   
1922 Verkauf der vorhandenen kleinen Glocke. Lieferung von zwei neuen Glocken durch die Firma Rinker, Sinn.
   
1926 Im Frühjahr werden die Arbeiten an der Staustufe Cramberg begonnen.
   
1927 Einweihung des Kriegerdenkmals auf dem Friedhof.
   
1929 Feierliche Einweihung und Eröffnung des Lahnkanals durch die Behörden, und zwar wurde die Strecke von Diez bis Bad Ems befahren. Seitdem ziehen fast täglich fünf Lahnmotorschiffe an Laurenburg vorbei und tragen die Lasten zum Rhein hinab.
   
1931 200jähriges Kirchenjubiläum am 19. u. 20. September.
   
1939-45 Der zweite Weltkrieg. Langenscheid beklagt 41 Kriegstote.
   
1952 Glockenweihe am 10. Februar.
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Schulchronik
   
1962 Am Pfarrhaus wird eine Gedenktafel für Prof. D. Dr. Adolf Deißmann eingeweiht.
   
1965 Auf dem Friedhof wird eine Leichenhalle errichtet.
   
1969 Die Volksschule Langenscheid wird aufgelöst. Neuer Schulort ist Holzappel.
   
1970 Am Weiher entstehen ein neuer Kindergarten und das Feuerwehrgerätehaus.
   
1973 Einweihung der renovierten Kirche.
   
Bildung der Verbandsgemeinde Diez.
   
1974 Fertigstellung der Kläranlage. Erneuerung der Kanalisation und der Wasserleitung im ersten Bauabschnitt.
   
1980 Erneuerung der Kanalisation und Wasserleitung im zweiten Bauabschnitt.
   
1981 250jähriges Kirchenjubiläum am 19./20. September.
   
  Erneuerung der Gemeindestraßen und der Kreisstraße.
   
1982 Neugestaltung des Schulplatzes. Einweihung am 17.7.1983.
   
1984 Ausbau weiterer innerörtlicher Straßen.
   
  50jähriges Bestehen der "Freiwilligen Feuerwehr".
   
1985/86 Ausbau der ehemaligen Schule zum Gemeindehaus (Eigenleistung).
   
  Neugestaltungsarbeiten auf dem Friedhof (neue Wege, neue Grabfelder, Sträucher und Bäume werden gepflanzt, die Leichenhalle wird mit Strom versorgt, und der Vorplatz der Leichenhalle wird gepflastet).
   
1987 Sanierungsarbeiten an Feld-, Wald- und Wanderwegen.
   
1988 Der Gemeinerat beschließt das von Rudi Jüngst gestaltete Wappen "Unter blauem Schildhaupt, darin ein weißer Wellenbalken, eine rote Doppelflanke beidseits des gelben Feldes, in der Doppelflanke jeweils ein weißer Wellenpfahl, im gelben Feld eine blaue Kirche mit Turm, mit weißen Fenstern und weißer Tür" bei der Bezirksregierung Koblenz zu beantragen.
Der Vorbau der Außentreppe zum Gemeindesaal wird angebaut.
   
  Der Gemeinderat lehnt die Eingliederung der Isselbacher Straße in das Gebiet der Gemeinde Hirschberg ab.
   
  Interessengemeinschaft wehrt sich gegen die Erhebung von Abwasserbeiträgen durch die Verbandsgemeinde Diez.
   
  Der Tränkeweg wird für 145.000 DM ausgebaut.
   
  Der Feldweg aus dem Neubaugebiet "Rechts vom Heckenweg" wird ebenfalls asphaltiert.
   
  Der Bürgersteig "Isselbacher Straße" wird von den Anliegern in Eigenleistung gepflastert.
1989 Die Bezirksregierung Koblenz erteilt die Genehmigung, das 1988 beantragte Wappen zu führen.
   
Die Heizung Kindergarten/Feuerwehr wird erneuert.
   
  Baulandumlegung "Unterm Dorf" und Grenzregelung "Neurod" werden vom Gemeinderat beschlossen. Eine neue Wasserleitung nach Langenscheid wird verlegt.
   
  Der Dachboden des Gemeindehauses wird ausgebaut und eine Motorsense angeschafft.
   
  Das gemeindeeigene Wohnhaus in der Oberstraße 2 erhält eine neue Heizung und der Gemeindesaal eine Entlüftungsanlage.
   
  In der Leichenhalle wird die Bestuhlung ergänzt.
   
  Am Steinweg und Sportplatz werden 30 Bäume gepflanzt und auf dem Friedhof ein Wasserzählerschacht errichtet.
   
1990 Langenscheid und Holzappel nehmen Gebietsaustausch vor (Ferienhausgelände am Herthasee).
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Schulchronik
   
  Der Bebauungsplan "Isselbacher Straße" wird beschlossen.
   
  Der Kindergarten Langenscheid/Hirschberg wird zweigruppig. Der erforderliche Anbau kostet über 300.000 DM.
   
1991 Die Gemeinde Langenscheid scheidet aus dem Planungsverband "Ferienpark Herthasee" aus. Der Gehweg zum Friedhof wird gebaut. (170.000 DM). Der Sitzungsraum im Gemeindehaus wird erweitert.
   
1992 Der Lahntal- Rad- und Wanderweg wird von Diez bis zur Brücke Balduinstein ausgebaut.
   
  Der Eingang zum Gemeindehaus wird restauriert.
   
  Eine Grenzregelung im Ortsbereich wird beschlossen. Am Friedhof wird ein neuer Abfallbehälter gebaut.
   
1993 Am Lahntal- Rad- und Wanderweg werden Tische und Bänke aufgestellt.
   
   

Bearbeitet , niedergeschrieben und mit einem Nachwort versehen von Röttker Feigel
mit freundlicher Unterstützung von Wilhelm Trapp (
†)

 
Schulchronik

oder fortlaufende Erzählung
der wichtigsten Ereignisse der Langenscheider Schule. Angefangen im Jahre 1820 von dem zeitigen Schullehrer P r i e s t e r daselbst gebürtig von Holzappel..

Alt 43 Jahre.

Das hier in Abschrift nachfolgende Rescript Herzogl. Nassauischer hoher Landesregierung, die von den Schullehrern zu führende Schulchronik betreffend, wurde durch den Herzoglichen Herrn Schulinspektor und Pfarrer W i l h e l m i zu Holzappel uns Schullehrern mitgeteilt, und die baldige, pünktliche und genaue Aufstellung und Führung derselben sehr empfohlen.
Möge der edle Zweck Herzoglicher hoher Landesregierung auch hierbei, wie bei allen solchen guten Unternehmungen erreicht, um durch Gottes Beistand gekrönt werden, damit das Schulwesen im ganzen Herzogtum Nassau wohltätig, und zum Segen des Ganzen glänze.

Abschrift

des übenseitigen erwähnten Rescripts:

Die Herzogliche Nassauische Landesregierung an Herzoglichen Schulinspektor W i l h e l m i zu Holzappel, die von den Elementarlehrern zu führende Schulchronik betreffend.

Das Aufzeichnen und Aufbewahren der wichtigsten Ereignisse einer jeden Schule oder der Verfertigung einer Schulchronik erscheint als belohnend und nützlich.
Zu derselben würden ohne besondere Bemerkungen, die Veränderungen mit den Lehrern und ihrer kurzen Biographie; die halbjährige Anzahl der Schulkinder nach den Klassen; dem Geschlecht und der Konfession; die Zahl der neu Eingetretenen und Abgegangenen; die Zeit und Art der Schulprüfungen und der Schulfeierlichkeiten; die Veränderungen der Schulinspektoren und des Schulvorstandes; der zur Schule gehörigen Grundstücke; des Schulhauses; so wie die wichtigsten Ereignisse des Vaterlandes und der Gemeinde, welche auf das Schulwesen einen Einfluss haben, kurz aufgezeichnet. Wo mehrere Lehrer angestellt sind, führt jedes Mal der Älteste diese Schulchronik, welche mit Nachholen der bekannten früheren Geschichte vor der neueren Organisation beginnt. Sie werden für jede Schule ein besonders Buch, von vier Buch Schreibpapier in folio auf den zur Anschaffung von Schulbedürfnissen bestimmten Kredit anschaffen, und bei ihren Schulvisitationen jedes Mal nachsehen, dass diese Schulchronik richtig geführt werde.

Wiesbaden den 14ten August 1819
Möller. vt. Hofmann


In den Jahren 1798 und 1799 stand der Erzähler dieses als Schullehrer zu Mogendorf im Fürstl. Neuwiedschen, ohne vorher besonderen Unterricht in den nötigsten Schulwissenschaften genossen zu haben. Auf der einen Seite fühlte er sich gedrungen Schulmeister zu werden, und dürstete nach bestem Unterrichte, um in Zukunft das Amt, welches ihm damals schon sehr wichtig schien, zur Zufriedenheit seiner Vorgesetzten verwalten zu können; auf der anderen Seite fehlte es ihm aber an eigenen Mitteln sich ferner zu bilden und bilden zu lassen. Seine Eltern waren arm und konnten ihm in der Hinsicht nichts mitteilen. Er war sich also allein überlassen. In der Verlegenheit nahm er seine Zuflucht zur edlen Herrschaft, dem damals regierenden Fürsten Carl Ludwig, Fürst zu Anhalt Berneburg Schaumburg, und war so glücklich, dass er auf Kosten des Durchlauchtigsten Fürsten im Jahre 1800 bei seinem Bruder dem damaligen Mädchenschullehrer zu Holzappel in Kost und Unterricht kam. 1801 wurde er auf Vorstellung des damals lebenden Herrn Kanzlei-Direktors M a r c h a n d zu Schaumburg Schullehrer-Adjunkt bei seinem Vorgänger dem verstorbenen Schullehrer S c h n e i d e r dahier zu Langenscheid. Noch in demselben Jahre den 3ten Nov. wurde ihm mit der Erlaubnis zu heiraten die Schule förmlich übergeben. Der damalige Schullehrer S c h n e i d e r war gebürtig von Anhausen dem Fürstl. Neuwiedschen, und hat mit gewissenhafter Treue, und zur Zufriedenheit seiner Vorgesetzten, sein Amt etliche 30 Jahre im Schaumburgischen verwaltet. Derselbe behielt auch seine volle Besoldung so lange er lebte und bekam bis dahin 100 fl. aus fürstlicher Kasse von Schaumburg aus.
Zeitsprünge
Schulchronik:

vor 1820
1820-1830
1831-1840
1841-1850
1851-1860
1861-1870
1871-1880
1881-1890
1891-1900
1901-1910
1911-1920
1921-1930
1931-1940
1941-1950
1951-1960
1961-1969

Ortschronik
1804 starb der Schullehrer S c h n e i d e r und P r i e s t e r erhielt von da an die ganze Besoldung hiesiger Schule.
In seiner Ehe war er so glücklich, dass ihm bis dahin 7 Kinder geboren wurden, wovon die zwei ältesten Knaben taub sind. - Unglück mag der Schreiber hier dieses nicht nennen – aber wie viele Seufzer und wie manches Ach ihm und seiner lieben Frau der immerhin armen Kinder wegen entquoll – und welche bange Sorge sie beide erfüllte, wenn sie so traurig in die Zukunft sahen – das kann hier nur berührt aber nicht vollständig erzählt stehen. -
Auf einmal, ohne Erwarten, erschienen den betrübten Eltern als Engel von Gott gesandt: die Durchlauchtigste edle Fürstenfamilie zu Schaumburg, die stets bereit war und ist, Elend zu lindern; ja aufruft, um so recht wohl zu tun und die Tränen derer zu trocknen, die wehmutsvoll weinen: und ließen durch ihn im Jahre 1811 seine armen tauben Kinder nach Wien ins K.K. Taubstummeninstitut bringen, worin dieselben nun bis dahin schon, oder seit dem 2ten August 1819 über acht volle Jahre, auf Kosten der edeligsten gnädigsten Herrschaft sind. Hierzu verdient hier noch bemerkt zu werden, dass dieses das Werk der jetzt noch lebenden Durchlauchtigsten Fürstin Amalie, geborene Prinzess von Nassau Weilburg ist, welches von dem hochseligen Fürsten, Victor Carl Friedrich, Fürst von Anhalt Berneburg Schaumburg willig unterstützt wurde.
Die Eltern dieser, durch die hier beschriebene ausgezeichnete große Gnade versorgten Kinder, flehen täglich Gott um Vergeltung einer Wohltat, die sie zu vergelten nicht imstande sind.

Die Schulprüfungen wurden früher jährlich einmal im Schaumburgischen von den da damals in Schaumburg angestellten Herrn R ä t h e n und dem Kanzlei-Direktor M a r c h a n d durchgeführt, welchem das Schulwesen besonders sehr oblag und sich deshalb große Verdienste erworben hat. Dem geheimen Regierungsrat P a u l i, Amtsassessor B e c k e r, wo gewöhnlich die sämtlichen Herrn Pfarrer und Schullehrer des Landes, die Kirchenvorsteher des Orts, wo Prüfung war, zugegen waren. Die Schullehrer waren besonders verpflichtet, auf allen Examen des Landes zu erscheinen, wogegen sie sie aus fürstlicher Kasse hinlängliches Kostgeld empfingen und zum Mittagessen gewöhnlich in Holzappel mehrere Maße Wein. Die Schullehrer nahmen diese Geschenke als Zeichen der Zufriedenheit ihrer Vorgesetzten mit ihnen mit Dank an, und benutzen die Gelegenheiten bei ihren Zusammenkünften einander über manches zu belehren und waren herzlich froh. Zu diesem Frohsinn erhielt sich das Schulwesen so lange, als der Direktor desselben, der erwähnte Kanzlei-Direktor M a r c h a n d zu Schaumburg lebte. Es wurde nach dem auch jährliche Schulprüfung gehalten, allein die Lebendigkeit im Ganzen sank allmählich, bis zur neuen Organisation, die im Jahr 1817 im ganzen Umfange des Herzogtums Nassau begann. Es wurden Schulbezirke gebildet, Schulinspektoren und Ortsschulvorstände angeordnet. Es erschien ein Lehrplan, nach welchem die Lehrgegenstände in folgende 6 Hauptrubriken gebracht wurden:
1. Religion
2. Sprachunterricht
3. Realunterricht
4. Zahlenlehre und Rechnen
5. Form- und Maßlehre
6. Gesanglehre
Die Besoldungen der Schullehrer wurden neu reguliert, welche mit dem 1. Oktober 1818 ihren Anfang nahmen, und jeder Schullehrer erhielt ein neues Anstellungs- und Besoldungsdekret. Erzähler dieses war, in Hinsicht seiner vorherigen Anstellung und Besoldungsteile, mit seiner neuen Schullehrerstelle und den damit verbundenen Besoldungsteilen vollkommen zufrieden: Sommer- und Winterschule wurden eingeführt, im ganzen Jahre durften nicht über 8 Wochen Ferien sein. Zweimal des Jahres, im Frühling und Herbst waren von da an Schulprüfungen. Die Schüler wurden in 4 Klassen eingeteilt und der Stufengang dieser 4 Klassen nach den angegebenen Unterrichtszweigen in einer besonderen Instruktion, die jeder Schullehrer erhielt, anempfohlen.
Im Jahre 1819 den 11. Oktober war hier in Langenscheid die erste feierliche Prüfung.
Der Herr Schulinspektor und Pfarrer W i l h e l m i zu Holzappel hielt sie im Beisein des hiesigen Ortsschulvorstandes, namentlich des Herrn Pfarrers S t e u b i n g, Herrn Schultheißen B o r n von hier, und des Herrn Schultheißen I s s e l b ä c h e r von Geilnau als ständige Mitglieder; dann das Feldgerichts-Mitglied Philipp M e i e r und das Gemeindevorstandsmitglied Anton K ü n z l e r Sen. von hier.
Mit Gebet und einem 2 stimmigen Kirchenliede wurde der Anfang gemacht. Darauf nahm der Herr Schulinspektor meinen vom Monat August eingesendeten Begleitungsbericht zur Schultabelle für 1819, ließ mit der ersten Klasse die darin angegebenen Lehrgegenstände durchgehen, und so mit der IIten, IIIten und IVten Klasse. Geschlossen wurde mit Gebet und einem 2stimmigen Volkslied.
Die Zufriedenheit des Herrn Schulinspektors und des anwesenden Schulvorstandes mit ihm und seinen Schülern war ihm reichlicher Ersatz für die in dem sommerhalben Jahre 1819 gehabte Mühe und Anstrengung. Die IV te Knabenklasse zählte 14; die III te Klasse 13; die II te Klasse 16, und die I te Klasse 17 Schüler, zusammen 60 Knaben.
Die IV te Mädchenklasse zählte 12; die III te Klasse 12; die II te 19 und die I te 13 Schüler, zusammen 56 Mädchen; mithin Knaben und Mädchen zusammen 116. Hiervon waren 107 evangelisch christlich, 3 katholisch, und 6 jüdischer Konfession. Abgegangen waren in diesem 1819 er Jahre 19, und neu eingetreten 13 Schüler.
In diesem Jahre den 2 ten November erschien nach dem höchsten Edikt vom 24 ten März 1817 die Anordnung, dass zur Unterstützung der Witwen und Waisen der Real- und Elementar-Lehrer ein Zentralvorstand gebildet wurde, nach welchem jeder in dem Herzogtum angestellte Real- und Elementarschul-Lehrer, wenn sie das Normalgehalt von 200 fl. bezogen, jährlich ein Prozent ihres dekretmäßigen Gehalts, dann 25 fl. Eintrittsgeld zu bezahlen hatten. Schreiber dieses trug seinen Anteil zu dieser äußerst wohltätigen Anordnung mit Freuden bei.

1820 den 12 ten April war die 2 te feierliche Schulprüfung dahier. Dieselbe wurde ebenfalls vom Herrn Pfarrer und Schulinspektor Wilhelmi zu Holzappel im Beisein des hiesigen Ortsschulvorstandes, namentlich des Herrn Pfarrer S t e u b i n g , des Herrn Schultheißen B o r n von hier und des Herrn Schultheißen W e l k e r von Geilenau als ständige Mitglieder, dann des Feldgerichts-Mitglieds Philipp M e i e r und des Gemeindevorstands- Mitglieds Anton K ü n z l e r Sen. als unständige Mitglieder, beide von hier, gehalten. Es wurden wie bei der Herbstprüfung die Lehrgegenstände nach meinen eingesendeten Begleitungsberichten zur Schultabelle für 1820 durchgegangen, mit mehrstimmigem Gesange und mit Gebet begonnen und geendet. Die Zahl einer jeden der 4 Klassen war dieselbe wie die der umstehenden Seite 9 angegebenen. Entlassen wurden 18 und neu aufgenommen 10 Schüler. Die Herbstprüfung war den 25 ten September und wurde vom hiesigen Schulvorstand Herrn Pfarrer S t e u b i n g , Herrn Schultheißen B o r n von hier, des Schultheißen W e l k e r von Geilenau und des Gemeinde-Vorstands-Mitglieds Anton Künzler, Schreinermeister dahier, auf eben die Art wie im Frühjahr gehalten.

Die Frühlingsprüfung im Jahr 1821 den 30 ten April wurde ebenfalls von dem Herrn Pfarrer und Schulinspektor
W i l h e l m i zu Holzappel und dem hiesigen Ortsschulvorstande gehalten, und zwar so, dass die III te und IV te Klasse des Morgens und die I te und II te Klasse des Nachmittags vorgenommen wurde. Die Zahl dieser 4 Klassen war 108. Entlassen wurden 11, und neu aufgenommen 14 Schüler.. Die Herbstprüfung wurde vom hiesigen Ortsschulvorstande, abermals wie im vorigen Jahre gehalten.

Zeitsprünge
Schulchronik:

vor 1820
1820-1830
1831-1840
1841-1850
1851-1860
1861-1870
1871-1880
1881-1890
1891-1900
1901-1910
1911-1920
1921-1930
1931-1940
1941-1950
1951-1960
1961-1969

Ortschronik
Im Jahre 1822 den 1 ten März wurde wie in den drei vorhergehenden Jahren abermals die Frühlingsprüfung von dem Herrn Schulinspektor W i l h e l m i zu Holzappel und dem hiesigen Ortsschulvorstande auf die vorbeschriebene Art gehalten und der Anfang mit der III ten und IV ten Klasse gemacht und mit der II ten und I ten Klasse geendet. Die Zahl dieser vier Klassen war 114. Entlassen wurden 15 und neu aufgenommen 11 Schüler.
Die Herbstprüfung in diesem 1822er Jahre wurde wieder wie in den vorhergehenden Jahren vom hiesigen Ortsschulvorstande, so wie im Frühjahr nach den verschiedenen Lehrgegenständen gehalten.

1823 den 21 ten April wurde die Frühlingsprüfung von dem herzogl. Schulinspektor und Pfarrer W i l h e l m i zu Holzappel, dem hiesigen Ortsschulvorstand wie gewöhnlich gehalten. Mit der II ten und I ten Klasse wurde angefangen und mit der IV ten und III ten Klasse geendet. Die Zahl der IV ten Klasse war 30, der III ten 16, der II ten 36 und die der I ten Klasse 18 Schüler, zusammen 100. Entlassen wurden 15 und neu aufgenommen 11 Schüler. Die Herbstprüfung in diesem 1823 er Jahre wurde abermals wie in den vorhergehenden Jahren von dem hiesigen Ortsschulvorstande nach den verschiedenen Lehrgegenständen gehalten.

1824, den 12 ten März wurde die Frühlingsprüfung von dem Herrn Schulinspektor und Pfarrer W i l h e l m i zu Holzappel und dem hiesigen Ortsschulvorstande wie in den vorhergehenden Jahren gehalten. Mit der I ten und II ten Klasse wurde begonnen und mit der III ten und IV ten Klasse geendet. Die Anzahl der IV ten Klasse war 27, der III ten 15, der II ten 29 und die der I ten 25 Schüler, zusammen 96. Entlassen wurden 7 und neu aufgenommen 15 Schüler.
Die Herbstprüfung wurde in diesem 1824 er Jahre abermals wie früherhin, doch mit dem Unterschiede gehalten, dass diesmal dieselbe von dem hiesigen Orts-Schulvorstande, dem Herrn Pfarrer und Schulinspektor
S t e u b i n g als Schulinspektor zum erstenmal gehalten wurde.

Ferner trat die in unserem Inspektionsbezirk ins Stocken geratene Lesegesellschaft wieder ins Leben, und den 30 ten März 1825 wurde die 1 te Konferenz in hiesiger Schule gehalten, wobei der Herr Inspektor S t e u b i n g einige Punkte, das Erschweren des Unterrichtens und Erziehens betreffend, sehr fachlich anhandelte und uns Lehrer nicht allein darauf, sondern auch auf das Erfreuliche, das mit genauer treuer Pflichterfüllung verbunden ist, aufmerksam machte. Der Lehrstunden-Plan wurde bestimmt und über die ferneren anzuschaffenden Bücher der Lesegesellschaft gesprochen, so dass die 2 Stunden lange Konferenz uns kurz und angenehm vorüber ging.
April 1825 wurde die Frühlingsprüfung von dem Herrn Pfarrer und Schulinspektor Steubing in Gegenwart der übrigen Kirchspiels- Schulvorstände dahier gehalten. Mit einem zweistimmigen Kirchenliede und kurzen Gebeten wurde begonnen. Mit den beiden I ten Klassen wurde angefangen und mit den beiden letzten geendet. Der Anfang war um ½ 8 und das Ende um ½ 2 nachmittags. Entlassen wurden 14 und neu aufgenommen 11 Schüler.
Die Herbstprüfung dieses 1825 er Jahres wurde ebenfalls vom Herrn Pfarrer und Schulinspektor S t e u b i n g zu Eppenrode und dem übrigen Schulvorstande, als Herrn Schultheißen S c h e u r e r , Heinrich Anton
S c h a u b und Anton L o t z von hier und Herrn Schultheißen S c h m i d t von Geilenau gehalten.

Die Frühlingsprüfung 1826 den 10 ten April, wurde abermals von Herrn Pfarrer und Schulinspektor S t e u b i n g zu Eppenrode nebst den Mitgliedern des Schulvorstandes gehalten.. Nur unser guter Herr Pfarrer K a i s e r konnte wegen Kränklichkeit nicht zugegen sein. Mit der II ten und I ten Klasse wurde begonnen und mit der IV ten und III ten Klasse geendet. Die 4 te Klasse zählte 19, die 3 te17, die 2 te 22 und die 1 te Klasse 34, zusammen 92 Schüler. Entlassen wurden 13 und neu aufgenommen 11 Kinder.

Die Frühlingsprüfung 1827 wurde ebenfalls nach der mehr erwähnten gewöhnlichen Weise, von dem Herrn Schulinspektor S t e u b i n g zu Eppenrode, dem Herrn Pfarrvikar P f e i f f e r von Weilburg, welcher die Stelle des Herrn Pfarrers K a y s e r dahier vertrat, und den übrigen Mitgliedern des hiesigen Schulvorstandes den 11 ten März gehalten. Die 4 te Klasse zählte abermals 19, die 3 te 16, die 2 te 26 und die 1 te Klasse 31 Schüler. Entlassen wurden 13 und neu aufgenommen 15 Schüler.
Die Herbstprüfung war diesmal wieder etwas spät, nämlich den 15 ten Oktober. Weil unser guter Herr Pfarrer K a y s e r noch nicht gesund, und der neue Vikarius, welcher dessen Stelle vertreten sollte noch nicht da war, so wurde dieselbe abermals von Herrn Pfarrer und Schulinspektor S t e u b i n g zu Eppenrode auf die gewöhnliche Weise gehalten.

Die Frühlingsprüfung 1828 wurde wieder von Herrn Pfarrer und Schulinspektor S t e u b i n g zu Eppenrode, dem Herrn Pfarrvikarius V i e t o r, Stellvertreter des Herrn Pfarrer K a y s e r und den übrigen Mitgliedern des Schulvorstandes dahier wie zu Geilenau am 22 ten April in hiesiger Schule auf die gewöhnliche Art gehalten. Die Schule zählte 94 Schüler. 5 wurden davon entlassen und dafür 15 neu aufgenommen.
Die Herbstprüfung 1828 wurde von dem Herrn Pfarrvikarius V i e t o r und den übrigen Mitgliedern des Schulvorstandes dahier gehalten. Sie waren, so wie auch der Herr Geheime=Rat S c h e n k von Wiesbaden, welcher, im Beisein des Herrn Justizrats M i l c h s a c k von Diez, und dem hiesigen Orts- und Schulvorstand, wenige Wochen vorher die Schule dahier visitierte, mit dem Wissen der Schüler zufrieden..

Die Frühlingsprüfung 1829 wurde abermals auf die gewöhnliche Weise, den 2 ten April, von dem Herrn Schulinspektor Pfarrer S t e u b i n g zu Eppenrode, dem Herrn Pfarrvikarius V i e t o r und dem übrigen Schulvorstande gehalten. Die Schülerzahl betrug diesmal 102, 55 Knaben und 47 Mädchen. Doch war es auch diesesmal grade das letzte Mal, dass die Schüler von Geilenau hierher nach Langenscheid in die Schule kamen, indem die Geilenauer eine neue Schule in ihrem Ort erbaut hatten, und sie einen eigenen Lehrer bekamen, nämlich den Sohn des ehrwürdigen verstorbenen Herrn Schullehrers S c h ä f e r von Holzappel.
Die Herbstprüfung desselben Jahres wurde wie die des vorigen Jahres vom Herrn Pfarrvikarius V i e t o r und den übrigen Mitgliedern des Ortsschulvorstandes gehalten: und waren, wie sie bezeugten, mit mir und dem, was die Schüler geleistet hatten in dem Sommerhalbjahr, zufrieden.

Die Frühlingsprüfung 1830 wurde den 30 ten April auf die gewöhnliche Weise, von dem Herrn Pfarrer und Schulinspektor S t e u b i n g zu Eppenrode, in Gegenwart des Herrn Pfarrers K a y s e r und Herrn Pfarrvikarius
V i e t o r , und den übrigen Mitgliedern des Schulvorstandes gehalten. Die Schülerzahl betrug 62, 5 wurden entlassen und 6 Kinder wieder neu aufgenommen.
Die Herbstprüfung wurde in diesem 1830 er Jahre den 21 ten September vom Herrn Pfarrvikarius D e i s m a n n und dem Herrn Pfarrer K a y s e r im Beisein des übrigen Schulvorstandes auf die mehrerwähnte Weise gehalten.

Zeitsprünge
Schulchronik:

vor 1820
1820-1830
1831-1840
1841-1850
1851-1860
1861-1870
1871-1880
1881-1890
1891-1900
1901-1910
1911-1920
1921-1930
1931-1940
1941-1950
1951-1960
1961-1969

Ortschronik
Die Frühlingsprüfung 1831 wurde den 27 ten März von dem Herrn Pfarrer und Schulinspektor K e l l e r zu Diez in Gegenwart des Herrn Pfarrvikarius D e i s m a n n und den übrigen Mitgliedern des des hiesigen Ortsschulvorstandes gehalten. Vier Schüler wurden entlassen und 5 wieder neu aufgenommen. Die Herbstprüfung in diesem 1831 er Jahre wurde von dem Herrn Pfarrvikarius D e i s m a n n auf die gewöhnliche Art gehalten.

1832, den 26 ten März, war abermals Prüfung dahier und wurde von dem Herrn Pfarrer und Schulinspektor
K e l l e r zu Diez im Beisein des hiesigen Ortsschulvorstandes gehalten. Entlassen wurden 10 und neu aufgenommen 9 Schüler. Die Anzahl der Schüler war 64. Schreiber dieses erhielt eine Gratifikation von 10 fl als Anerkennung seines Fleißes. Die Herbstprüfung wurde abermals und auf die gewöhnliche Weise gehalten von Herrn Pfarrvikarius D e i s m a n n in Gegenwart des hiesigen Herrn Pfarrers K a y s e r. Möchte es dem lieben Gott gefallen, dass Herr Pfarrer K a y s e r seine Stelle ganz vertreten könnte.

1833 den 28 ten März wurde die jährliche Frühlingsprüfung von dem Herrn Schulinspektor K e l l e r zu Diez, dem Herrn Pfarrer K a y s e r im Beisein der übrigen Mitglieder des hiesigen Ortsschulvorstandes abermals auf die bekannte feierliche Art gehalten. Die Schülerzahl betrug 64; 5 wurden entlassen und 5 wieder neu aufgenommen.
Die Herbstprüfung desselben Jahres 1833 wurde den 20 ten September auf die gewöhnliche Weise im Beisein des Herrn Pfarrers K a y s e r und des übrigen Ortsschulvorstandes von hier abgehalten.

Die Frühlingsprüfung 1834 fand am 10 ten März in Gegenwart des Herrn Schulinspektors K e l l e r von Diez, des Herrn Pfarrers K a y s e r und der übrigen Schulvorstände von hier auf die bekannte feierliche Weise statt. Die Schülerzahl betrug 66; 9 wurden entlassen und 6 wieder neu aufgenommen. Leider war diese Prüfung für den bisherigen Lehrer die letzte, denn neun Tage nach derselben endete er durch den Tod sein bisheriges dem Unterricht und der Erziehung rastlos und gewissenhaft gewidmetes Leben Zwei Tage nämlich nach der Prüfung reiste er nach Idstein, um der dortigen Frühlingsprüfung im Schullehrerseminar beizuwohnen, woselbst er sich die Freude machen wollte, seinen jüngsten Sohn im Seminar bei der Prüfung zu hören und ihn nach Haus in die Ferien abzuholen. Doch bei dem Allmächtigen war es anders beschlossen. Kaum in Idstein angekommen überfiel ihn die heftigste Krankheit (Lungenentzündung), und schon nach fünftägigem Krankenlager war er eine Leiche. Die hiesige Schule betrauert in ihm ihren guten Lehrer, die Familie ihren treuen Ernährer und Versorger und die ganze hiesige Gemeinde einen ihrer besten Freunde und Berater. Sein mühevolles und wirkungsreiches Leben brachte er auf 57 Jahre und 2 Tage, nachdem er 32 Jahre und 9 Monate hier im Orte gewissenhaft der Bildung und Unterweisung den Unmündigen gewidmet. Sein Andenken bleibe im Segen. -

Die verwaiste Schule erhielt nun vom 15ten April bis 1ten Juli d. J. im Schulkandidaten Karl
E b e r t s h ä u s e r von Biebrich einen stellvertretenden Lehrer.

Mit dem 1ten Juli 1834 wurde alsdann Schreiber dieses, Wilhelm P r i e s t e r, Sohn des verstorbenen Lehrers, bisher Lehrer in Scheidt, an die hiesige Elementarschule von Herzoglich Hoher Landesregierung angestellt, wie das nachstehende in Abschrift genommene Dekret bezeugt.

Abschrift des Durchlauchtigsten Herzogs und Herrn, Wilhelm, souveränen Herzogs zu Nassau. p.p.

Wir zu Höchst Dero Landesregierung verordnete Präsident, Direktoren, Geheime Regierungs-und Kirchen-, Oberschulräte und Assessoren ernennen hiermit den Lehrer Wilhelm P r i e s t e r von Scheidt, Amt Dietz, zum Lehrer an der Elementarschule zu Langenscheidt, Amt Dietz, und zugleich zum Organisten und Glöckner an der dasigen evangl. christl. Kirche und bewilligen ihm eine vom 1ten July laufenden Jahresanfangende, in Quartalsraten aus der dasigen Gemeindekasse zahlbare jährliche Besoldung

von 182 f. 55 Cr. (182 Gulden, 55 Kreuzer)
sodann
2. freie Wohnung angeschlagen
15 -
3. vom standesherrlichen Speicher
zu Langenscheidt 3 ½ Malter
Korn angeschlagen zu 9 f. pr.
Malter
31 - 30-
4. Zinsen von einem Schulkapital
zu 291 f.
14- 35
5. Benutzung von 137 Rth.
9 ¾ Schuh Schulländereien
6-
_________
250 fl.
Zweihundert Fünfzig Gulden.

Wir erteilen demselben hierüber gegenwärtiges Dekret zu seiner Legitimation.

Urkundlich der gewöhnlichen Unterschrift und des beigedrückten Regierungssiegels.

Wiesbaden, am 29ten Mai 1834

Möller

Dem Herrn Schulinspektor K e l l e r in Dietz zur Einberufung und Diensteinführung.

Schreiber dieses ist geboren den 26ten Oktober 1807 dahier zu Langenscheid, besuchte vom 6ten bis 15ten Lebensjahre die hiesige Elementarschule, erhielt ein Jahr Privatunterricht zur Vorbildung fürs Seminar besonders in der Musik, bei seinem Vetter, damals Schullehrer zu Dörnberg, und wurde alsdann im 16ten Jahre zu Ostern 1823 in das Schullehrerseminar zu Idstein aufgenommen.

Nach beendigtem dreijährigen Lehrkursus daselbst erfolgte zu Ostern 1826 seine Entlassung aus dem Seminar und noch zu Ende desselben Jahres am 1 ten Dezember seine Anstellung als Schulgehilfe zu Niedershausen herzoglichen Amts Weilburg. Aber nur ein Jahr und 5 Monate wirkte er dort, denn mit dem 1ten April 1828 versetzte ihn Herzogliche Hohe Landesregierung auf Präsentation der Durchlauchtigsten Fürstin zu Schaumburg nach Scheidt, Herzogl. Amts Dietz. Daselbst währte seine Wirksamkeit 6 Jahre und 2 Monate, nach welcher Zeit ihn diese hohen Behörden an die gegenwärtige Stelle beriefen. Kränklichkeit des Lehrers halber konnte aber der Unterricht in der hiesigen Schule nicht zu der bestimmten Zeit beginnen. Erst mit dem 26ten August desselben Jahres, als an dem Tage der Einführung des neuen Lehrers nahm derselbe seinen Anfang.

Der Herr Schulinspektor K e l l e r hielt zu diesem Zwecke bei versammelter Schuljugend und in Gegenwart des Herzogl.- Schulvorstandes eine gehaltvolle Rede; der Direktor des Schulvorstandes, Herr Pfarrer K a y s e r fügt der freundlichsten Bewillkommnung des neuen Lehrers die herzlichsten Glückwünsche für ihn und die Schule in tiefgefühlten Worten bei. Die Feier wurde mit Gesang und Gebet geendet.

Gott gebe seinen Segen zur Verwirklichung der frommen Wünsche, die aus aller anwesenden Herzen an diesem Tage zu ihm emporstiegen, damit der schöne und herrliche Zweck dieser Anstalt, der Bildung und Unterweisung der Unmündigen, zu seiner Ehre erreicht werde.

Die Schulbesoldung wurde durch die frühere Trennung der Schule zu Geilenau von der hiesigen bei diesen Verhältnissen verringert.

Die bisherige volle Schulbesoldung bestand in -------------- 350 fl. 35 Cr.
Dagegen besteht die gegenwärtige in -------------------------- 250 fl. –
Also weniger ------------------------------------------------------------ 100 fl. 35 Cr.

Auch hatte der bisherige Lehrer 167 Ruten Schulländereien in Benutz im Anschlag zu 6 fl. Davon sind aber gegenwärtig 30 Ruten (wie Acker von ganz geringem Wert abgegangen), deshalb jetzt 137 Ruten noch zu 6 fl. veranschlagt sind.

Die diesjährige Herbstprüfung 1834 fand am 23. September in Gegenwart des Herrn Pfarrers K a y s e r, der Herren Schultheiß S c h e u r e r, Anton L o t z und Heinrich Anton S c h a u b von hier statt.

Ein Generalreskript vom 20. November 1834, ein sehr zweck- und zeitgemäßes Verbot, den Besuch der Wirtshäuser und Tanzgesellschaften von Seiten der Schuljugend betreffend, ist abschriftlich in der Schulregistratur niedergelegt worden.

Die Frühlingsprüfung 1835 wurde am 2ten April in Gegenwart des Herrn Schulinspektors K e l l e r von Diez, des Herrn Pfarrers K a y s e r und der übrigen Mitglieder des Schulvorstandes auf die gewöhnliche Weise abgehalten. Die Schülerzahl betrug 61, fünf – drei Knaben und zwei Mädchen – wurden entlassen und 7 neu aufgenommen.
Vier Prämien, in zwei Baummessern und zwei Spinnrädern bestehend, aus der Gemeindekasse angeschafft, wurden bei dieser Gelegenheit durch Herrn Schulinspektor K e l l e r an die abgehenden Schüler zur Belohnung des Fleißes verteilt.
Die diesjährige Herbstprüfung 1835 fand am 14. September in Gegenwart des Direktors des Schulvorstandes, Herrn Pfarrer K a y s e r, auf die gewöhnliche Weise statt..

Ein Ereignis, welches für die Bewohner hiesigen Dorfes von sehr großem Gewinn in ökonomischer Hinsicht ist, darf in diesen Blättern wohl auch nicht unberührt bleiben. Es ist dieses die über Erwarten gut ausgefallene und in diesem Herbste beendigte Wasserleitung. Zur Befriedigung eines immer drückender werdenden Bedürfnisses von frischem Quellwasser dahier, waren nämlich schon seit einer langen Reihe von Jahren vielfältige Versuche durch Graben und Bohren nach lebendigem Wasser fern und nah vom Dorfe, aber immer vergeblich gemacht worden, so dass man es endlich für unmöglich hielt, einen Röhrbrunnen jemals ins Dorf zu bringen.
Doch der gegenwärtigen Generation war es vorbehalten, ihren sonst so reich gesegneten Wohnort durch eine nun glücklich vollendete Wasserleitung, welche aus 5 Stöcken im Dorfe voll und kräftig ausfließt, und welche allen Bedarf an Wasser in vorzüglicher Qualität für den ganzen Ort liefert, noch in erhöhtem Grade gesegnet zu sehen. Die Gemeinde feiert daher den 25. Oktober d. J. als Brunneneinweihungsfest mit Freude und Dank gegen Gott.

Die Frühlingsprüfung 1836 wurde am 24ten März in Gegenwart des Herrn Schulinspektors K e l l e r von Diez, des Herrn Pfarrers K a y s e r und der übrigen Mitglieder des Schulvorstandes von hier auf die gewöhnliche Weise abgehalten. Die Schülerzahl betrug 63. Fünfzehn , unter denselben, 11 Knaben und 4 Mädchen wurden entlassen und 10, unter diesen, 5 Knaben und 5 Mädchen wurden wieder neu aufgenommen. Vier Prämien in zwei Baummessern und zwei Spinnrädern bestehend, aus der Gemeindekasse angeschafft, wurden bei dieser Gelegenheit durch Herrn Schulinspektor K e l l e r an die abgehenden Schüler zur Belohnung des Fleißes verteilt.
Die Herbstprüfung 1836 fand am 10ten September in Gegenwart der Herren Pfarrer K a y s e r, Schultheißen S c h e u r e r, Heinrich Anton S c h a u b und Anton L o t z auf die gewöhnliche Weise statt.

Die Frühlingsprüfung 1837 fand am 10ten April in Gegenwart des Herrn Schulinspektors K e l l e r von Diez, des Herrn Pfarrers K a y s e r und des übrigen Schulvorstandes von hier statt. Mit Gebet und dreistimmigem Choral: „ Der frohe Morgen weckt mich wieder p.p.“ wurde begonnen. Die Lehrgegenstände, welche vorgetragen wurden, waren bei der III. und IV. Klasse:

1. Religionsunterricht (biblische Geschichte und zwar alttestamentliche).
2. Sprachunterricht (Lesen im II. Lesebuche, sprachlehrliche Proben mit dem Zeitworte, Anfertigen einiger Geschäfts=Aufsätze).
3. Geographie (die Staaten Europas im Allgemeinen).
4. Schriftliches = und Kopfrechnen (III. Klasse Bruchrechnen; IV. Klasse zusammengesetztes Proportions = Rechnen).
5. Vorlegung der Probeschriften.
6. Vorlegung der Industrie=Arbeiten.

Bei der I. und II. Klasse:

Lesen auf den Lesetafeln, im 1. Lesebuche und im Kinderfreunde von Rochow. Erzählen des Gelesenen.
Vor=und Rückwärtszählen im Kopf; Vervielfältigen und Enthaltensein im Kopf und auf den Tafeln.
Probeschriften und Industriearbeiten.

Mit dem zweistimmigen Liede von Nägeli: „ Komm zurück, komm zurück“ wurde geschlossen.. Die Schülerzahl betrug 58; 8 wurden entlassen und 5, 2 Knaben und 3 Mädchen wieder aufgenommen. Vier Prämien wurden zur Belohnung des Fleißes von Herrn Schulinspektor ausgegeben. Johann Anton S t r u t t und Johann Philipp
M ü l l e r erhielten Baummesser, Caroline K ü n z l e r und Caroline B o r n w a s s e r erhielten Spinnräder.

Die Herbstprüfung 1837 fand am 18ten September in Gegenwart des Herrn Pfarrers K a y s e r und Schultheißerei=Verwalters Theodor P a b s t von hier auf die gewöhnliche Weise statt.

Die Frühlingsprüfung 1838 fand am 23. März in Gegenwart des Herrn Schulinspektors K e l l e r von Diez, Herrn Pfarrers K a y s e r, Schultheißereiverwalter P a b s t , Heinrich Anton S c h a u b und Anton L o t z von hier statt. Herr Schulinspektor K e l l e r nahm nach Beendigung derselben Abschied von Schüler und Lehrer, indem er als Dekanats=Verwalter nach Wehen versetzt worden ist. Durch den regen Eifer und die umsichtsvolle Tätigkeit als Schulinspektor wurden unter seiner Verwaltung die Lehrer eben so sehr in ihrem wichtigen Berufe ermuntert als auch sichtbare Fortschritte in den Schülern erzielt. Ein bleibendes Andenken sichert ihm aber auch die erworbene Achtung und Liebe seiner Untergebenen.
Der Lehrer wurde mit einer beständigen Besoldungszulage von 25 fl. jährlich laut Dekret Herzoglicher Hoher Landesregierung vom 10. Mai d. J. bedacht.
Die Schülerzahl betrug 57, 6 wurden entlassen und 5, 4 Knaben und 1 Mädchen neu aufgenommen.
Herzogliche Landesregierung übertrug den Schulinspektionsdienst Herrn Pfarrer W i l h e l m i von Diez, zugleich auch Nachfolger im Pfarrdienste des abgegangenen Herrn Schulinspektors..
Die Herbstprüfung 1838 fand am 17ten September in Gegenwart des Herrn Pfarrers K a y s e r und Schultheißereiverwalters Theodor P a b s t auf die gewöhnliche Weise statt.
Eine neue Ausgabe des Lesebuches für die oberen Klassen der Elementarschulen des Herzogtums wurde mit Anfang des Winterhalbjahres 1838/39 in den Elementarschulen eingeführt. Ein General=Reskript Herzoglicher Hoher Landesregierung A. d, Num. Reg. 24, 601 vom 11. Juni 1838 die Einführung dieses Buches betreffend, bestimmt zugleich, dass von nun an die Lehrgegenstände, welche man unter dem gemeinschaftlichen Namen der Realien begreift, im Lehrplan ausfallen. Hierdurch wird mehr Zeit für andere wichtigere Unterrichtsgegenstände z. B. der Religion, der Sprachlehre, Orthographie, Stilübungen, gewonnen, und das Geschäft des Lehrers rücksichtlich des Realunterrichts dahin bestimmt, die in dem neuen Lesebuche enthaltenen Lehrstücke von den Schülern mit Aufmerksamkeit lesen zu lassen und dem Gelesenen, insbesondere soweit es aus dem Gebiete der Naturgeschichte und Naturlehre entnommen ist, einfache und möglichst kurze Erläuterungen beizufügen. Herzoglich Hohe Landesregierung geht nämlich von der so weisen Ansicht aus, dass die wahre Volksbildung, mithin auch der Unterricht in den Elementarschulen, nicht in vielerlei zum Teil ganz unnützen und aufblähenden Kenntnissen, sondern in einem gründlichen, geordneten, auf den Standpunkt des Bürgers wohl berechneten echt praktischen und auf die Veredlung des Herzens und Befestigung des Willens und Charakters vor allem gerichteten festen Wissen besteht.

Die Frühlingsprüfung 1839 fand am 20. April in Gegenwart des Herrn Schulinspektors W i l h e l m i , des Herrn Pfarrers K a y s e r und des übrigen Schulvorstandes von hier statt. Folgendes kam im Verlauf der Prüfung vor:

Mit Gebet und einem dreistimmigen Choral „Nun danket alle Gott“ wurde begonnen.

Religionsunterricht
III. u. IV. Klasse. Die Pflicht des Gehorsams gegen Gott (Katechisation).
I. u.. II. Klasse. Erzählungen bibl. alttestamentlicher Geschichten und Unterredung darüber.
Sprachunterricht
III. u. IV. Klasse. Lesen im neuen Lesebuche, Naturgeschichte und kurze Unterredung über das Gelesene; auch Deklamieren einzelner Gedichte aus demselben.
IV. Anfertigen eines Briefes, welcher eine kleine Reise beschrieb.
III. Bildung abgeleiteter Eigenschaftswörter.
II. Lesen der bibl. Geschichte.
I. Lesen im ersten Lesebuche u. den Lesetafeln
Rechenunterricht
IV, Der Zweisatz und Proportionsrechnung.
III. Bruchrechnen.
II. Resolvieren und Reduieren ganzer Zahlen im Kopf und auf den Schiefertafeln.
I. Vor- und Rückwärtszählen mit 1, 2, 3, 4.

Hierauf erfolgte die Besichtigung der Probeschriften und Industriearbeiten, und mit dem zweistimmigen Liede von „Nägeli“ „ Im Freien, im Freien“ und Gebet wurde geschlossen.

Die Schülerzahl betrug 54: fünf, ein Knabe und vier Mädchen wurden entlassen, und fünf, 3 Knaben u. 2 Mädchen nach den Ferien wieder aufgenommen.
Fünf Prämien wurden von Herrn Schulinspektor an folgende Schüler ausgegeben:
1. Ein Baummesser an Joh. Philipp D e u t e s f e l d ;
2. Zwei Spinnräder an Luise G a s t e i e r u. Marie Luise K ü n z l e r ;
3. Zwei Scheren an Emilie K a y s e r und Henriette M e i e r.

Die Herbstprüfung fand am 16. September in Gegenwart des Herrn Pfarrers K a y s e r und des Herrn Schultheißen S c h e u r e r auf die gewöhnliche Weise statt.

Die Erbauung eines neuen Schulhauses nebst Ökonomiegebäuden geschah in dem Sommer 1839. Nachdem die Baufälligkeit des bisherigen Gebäudes sowie die Unzweckmäßigkeit einer Reparatur von der Baubehörde erkannt, so wurde bei dem guten Stand der hiesigen Gemeindekasse rasch zu einem Neubau geschritten. Schon im vorigen Herbst begann daher die Arbeit und wurde aus der Erde bis zum Sockel beider Gebäude geführt und bis Ende Oktober d. J. fertig gebracht.

Die feierliche Einweihung des neuen Bildungshauses fand am 12. Februar 1840 statt. Diese Weihe wurde mit dem sonntäglichen Gottesdienst recht zweckmäßig verbunden. Herr Pfarrer K a y s e r hielt demgemäß bei der alten Schule eine feierliche Abschiedsrede, worauf die versammelte Gemeinde nebst der Schuljugend mit einem dreistimmiges Abschiedslied singend in die Kirche zog. In salbungsvoller Rede predigte hier Herr Schulinspektor W i l h e l m i über die Worte Epf. 6, 4.
Nach beendigtem Gottesdienst bewegte sich sodann die andächtig versammelte Menge in einem Zuge, singend „ Der Weihetag ist da“ in den neuen Lehrsaal. Nachdem nun in diesem neuen Raum Herr Schulinspektor
W i l h e l m i eine kräftige Weiherede gehalten, sprach Herr Pfarrer K a y s e r das salbungsvolle Weihegebet. Zum Schlusse sang die Schuljugend durch den Sängerchor unterstützt, „Nun danket alle Gott“.
So möge nun der Vater des Himmels und der Erden in seinen besonderen Schutz nehmen dieses zur Bildung und Unterweisung der Kinder ihm zu Ehren bestimmte Haus, und das Wirken in demselben für Kind und Kindeskind in alle Zukunft segnen.

Zu einem hochverehrlichen Erlasse Herzogl. Landesregierung N Reg. 22, 568 vom 17 Juli 1839 wurde die Errichtung von Sonntags- und Abendschulen dringend anempfohlen, Es wurde demgemäß auch in diesem Winterhalbjahre Sonntagnachmittag, sowie wöchentlich an zwei Abenden 18 Jünglingen Unterricht in der Sprachlehre, Geschäftsaufsätzen, im Rechnen, Schreiben und im Gesange erteilt. Neun erwachsene Mädchen nehmen mit am Gesangunterrichte teil.
Die Frühlingsprüfung 1840 fand am 6. April in Gegenwart des Herrn Schulinspektors W i l h e l m i , des Herrn Pfarrers K a y s e r und des übrigen Schulvorstandes von hier auf die gewöhnliche, im vorigen Jahre beschriebenen Weise, statt.
Die Schülerzahl betrug 54; neun – 4 Knaben und 5 Mädchen wurden entlassen, und sechzehn – 7 Knaben und 9 Mädchen nach den Ferien wieder neu aufgenommen.
Fünf Prämien wurden durch Herrn Schulinspektor erteilt. Messer erhielten Joh. Wilhelm K ü c h l e r und Victor Anton B o r n w a s s e r, Spinnräder, Luise K ü c h l e r u. Marie Elisab. R i n k und eine Schere, Marie Luise
K r ä m e r.
Der Lehrer erhielt in seiner Eigenschaft als Organist u. Glöckner eine jährliche Gehaltszulage von elf Gulden aus dem Kirchenfond laut Dekret Herzoglicher Hoher Landesregierung vom 19. März d. J. und durch Hohe Verfügung derselben v. 29. Juli d. J. Reg. 28, 731 wegen des von ihm erteilten Unterrichts in der Sonntags= und Abendschule einen Ausgleich von vierundzwanzig Gulden.
Die Herbstprüfung 1840 fand am 21. September in Gegenwart des Herrn Pfarrers K a y s e r und des Herrn Schultheißen S c h e u r e r auf die gewöhnliche Weise statt.

Die Frühlingsprüfung 1841 fand am 18. März 1841 in Gegenwart des Herrn Schulinspektors W i l h e l m i, des Herrn Pfarrers K a y s e r, des übrigen Ortsschulvorstandes und einiger benachbarter Lehrer statt.
Begonnen wurde mit einem 3stimmigen Liede aus dem Gesangbuche No. 118 und Gebet.

Religionsunterricht

I. und II. Klasse. Erzählung und Anwendung der Geschichte Abrahams. Bei der Unterredung wurde auch auf die III. u. IV. Klasse übergegangen.
III. u. IV. Klasse. Die Allmacht Gottes gab den Stoff zu einer Katechisation.

Sprachunterricht

I. Kl. 1. Abtlg. Lesen der 16. und 17. Lesetafel.
I. Kl. 2. Abtlg. Lesen im Lesebuche,
II. Kl. Lesen im Kinderfreunde. Bilden einfacher Sätze.
III. und IV. Klasse. Lesen im Lesebuch, Seite 168 ff., sodann Abfragen über das Gelesene den Realunterricht Betreffende. Anfertigen verschiedener Geschäftsaufsätze, so wie Deklamieren einiger Gedichte und religiösen Lieder.

Rechenunterricht

I. Kl. Zählen, vor=und rückwärts mit den Zahlen von 1 – 20. Bei der 2. Abtlg. Multiplikationsaufgaben im Kopfe.
II. Kl. Multiplizieren und Dividieren im Kopfe.
III.Kl. Resolvieren u. Reduzieren der Teile eines Guldens im Kopfe.
IV. Kl.Resolvieren und Reduzieren der verschiedenen gewöhnlichen Geldsorten und leichte Regel der Tri-Aufgaben im Kopfe. Kettensatz=Exempel schriftlich.

Form= und Maßlehre

Die Probeschriften der Schüler, die Schreibbücher der Sonntags = und Abendschüler und die Industriearbeiten wurden besichtigt.

Den Schluss machte der Gesang zweier 2stimmiger Lieder: „Freude, Schwester edler Seelen“ u. das deutsche Rheinlied: „Sie sollen ihn nicht haben“.
Die Schülerzahl betrug 60, 28 Knaben u. 32 Mädchen. 3 Knaben und 6 Mädchen wurden entlassen und 5 Knaben u. 5 Mädchen nach den Ferien wieder neu aufgenommen.

Sechs Prämien wurden unter die abgehenden Schüler von Herrn Schulinspektor W i l h e l m i durchs Los verteilt

a. Sackmesser erhielten:
1. Johann Friedrich K a s p e r
2. Johann Wilhelm H a n u s c h
b. Scheren
1. Henriette P a b s t
2. Marie Sophie K ü c h l e r
c. Spinnräder
1. Henriette K ü n z l e r
2. Sophie B o r n w a s s e r (noch schulpflichtig)

Nach Hoher Verfügung wurde in Folge der Prüfung und Unterrichtserteilung in der Sonntags= und Abendschule dem Lehrer eine Remuneration von 25 fl. zuteil.
Die Herbstprüfung 1841 fand am 20 September in Gegenwart des Herrn Pfarrers K a y s e r u. des Herrn Schultheißen S c h e u r e r auf die gewöhnliche Weise statt.

1842
Zwei bisherige Schulvorsteher, der Feldgerichtsschöffe Heinrich Anton S c h a u b und Anton L o t z werden ihrem Wunsche gemäß entlassen und an ihre Stelle wieder gewählt der Feldgerichtsschöffe Heinrich Anton
I s s e l b ä c h e r und Johann Wilhelm K ü n z l e r .
Die Frühlingsprüfung 1842 fand am 21. Februar in Gegenwart des Herrn Schulinspektors W i l h e l m i , des Herrn Pfarrers K a y s e r und des übrigen Schulvorstandes, sowie des Herrn Justizrates V i e t o r und einiger benachbarter Herren Lehrer statt. Der Gang der Prüfung war dem vorjährigen ganz gleich. Die Schülerzahl betrug 61, 30 Knaben und 31 Mädchen. Entlassen wurden 6 Schüler, nämlich 4 Knaben und 2 Mädchen.

Auch Prämien wurden wieder von Herrn Schulinspektor W i l h e l m i an abgehende und noch schulpflichtige Kinder verteilt. Und zwar

a. Sackmesser empfingen:
1. Christian M e i e r (entlassen)
2. Philipp K ü n z l e r (entlassen)
b. Spinnräder
1. Marie Kathrine K ü n z l e r (schulpflichtig)
2. Christine M i c h e l ( entlassen)
c. Scheren
1. Marie Kathrine K r ä m e r (schulpflichtig)
2. Sophie Kathrine K ü n z l e r (schulpflichtig)

Neu aufgenommen wurden beim Beginn der Sommerschule am 7. März 11 Ankömmlinge, nämlich 7 Knaben und 4 Mädchen.
Nach hoher Regiminalverfügung erhielt der Lehrer für Abhaltung der Sonntags=und Abendschule 25 fl.
Zwei Graswiesen und die frühere Baumschule zusammen für die Summe von 100 fl. wurden aus Gemeindefond für Schulgut angekauft.

Die Herbstprüfung 1842 fand am 15ten September in Gegenwart des Herrn Pfarrers K a y s e r und des Herrn Schultheißen S c h e u r e r auf die gewöhnliche Weise statt.

Den 13ten März 1843 fand die Frühlingsprüfung in Gegenwart des Herrn Schulinspektors W i l h e l m i und Justizrat V i e t o r von Diez, sowie des Herrn Pfarrers K a y s e r und des übrigen Schulvorstandes von hier statt. Der Gang der Prüfung war den früheren gleich. Die Schülerzahl betrug 68, 33 Knaben u. 35 Mädchen, und entlassen wurden 8.
Prämien wurden an die abgehenden Schüler durch Herrn Schulinspektor W i l h e l m i in folgender Weise verteilt:

a. Sackmesser mit Federmesser an
1. Joh. Ludwig I s s e l b ä c h e r,
2.Joh. Anton K ü n z l e r ;
b.Spinnräder an
1. Marie Luise K ü n z l e r
2. Kathrine Elisabethe S c h w a r z
c. Scheren an
1. Luise Pabst
2. Marie Luise S c h a n g

Nach den Ferien wurden wieder 6 neue Ankömmlinge aufgenommen

Die Herbstprüfung 1843 fand am 18. September in Gegenwart des Herrn Pfarrers K a y s e r und des Schultheißen S c h e u r e r auf die gewöhnliche Weise statt.
Laut Dekret Herzoglicher Hoher Landesregierung vom 4. Dezember 1843 erhielt der Lehrer eine jährliche Besoldungszulage von 20 fl. vom 1. Juli d. J. anfangend.

1844
Die Frühlingsprüfung fand am 15. April in Gegenwart des Herrn Schulinspektors W i l h e l m i , des Herrn Pfarrers K a y s e r und des übrigen Ortsschulvorstandes sowie einiger Schulfreunde aus der Nähe, auf die gewöhnliche Weise statt. Die Schülerzahl betrug 66, 33 Knaben und 33 Mädchen; entlassen wurden 7 und 10 wieder nach den Ferien aufgenommen. Prämien wurden durch Herrn Schulinspektor in 3 Messern, 2 Scheren und zwei Spinnrädern bestehend auch dieses Mal wieder an die abgehenden Schüler verteilt.

Der Lehrer wurde im Laufe des Sommers durch eine Vergütung von 25 fl. erfreut. Leider sah sich derselbe vom 4. Juli bis 7. Oktober, also ¼ Jahr, durch ein gichtig rheumatisches Übel bei teilweise sehr schmerzhaftem Krankenlager ganz verhindert, seinem Berufe zu leben. Deshalb versahen auf Anordnung Herzogl. Schulinspektion die Lehrer S c h w e i g h ö f e r des Montags, Mittwochs u. Freitags und M a g e r Dienstags und Donnerstags des Nachmittags Unterricht erteilten..
Die Herbstprüfung wurde am 13, September von beiden genannten Lehrern gehalten unter Aufsicht des Herrn Pfarrers K a y s e r. Nach dreiwöchentlichen Ferien nahm die Schule am 7. Oktober unter Leitung ihres eigenen Lehrers wieder ihren Anfang.

1845
Da der Lehrer immer noch an den Folgen seiner Krankheit litt und dieselbe gegen den Frühling bei einem ungewöhnlich langen Winter, sich leider wiederholte, so musste natürlich auch dabei der Unterricht sehr leiden.
Die Frühlingsprüfung fand am 2. April in Gegenwart des Herrn Schulinspektors W i l h e l m i von Dietz, des Herrn Pfarrers K a y s e r und des übrigen Schulvorstandes von hier statt.
Bei seiner anhaltenden Krankheit zu sehr in seiner Wirksamkeit gehindert, suchte der Lehrer auf den Rat seines Arztes, Herrn Hofrat V o g l e r in Dietz, bei Herzogl. Hoher Landesregierung um einen vierteljährigen Urlaub zum Gebrauch einer Kaltwasser= Heilanstalt nach. Dieser Urlaub wurde ihm auch vom 1. Juli bis 1. Oktober d. J. gnädigst verwilligt, und Lehrer S c h w e i g h ö f e r zu Geilenau von hoher Behörde so lange zu stellvertretenden Dienstversehung beordert, weshalb dann derselbe des Morgens zu Geilenau und des Nachmittags zu Langenscheid unterrichtete.
Sechs Wochen benutzte in dieser Zeit der kranke Lehrer die Wasser= Heilanstalt Mühlbach bei Boppard am Rhein mit gutem Erfolg und pflegte alsdann noch zu Haus bei fortgesetzter Kaltwasser= Kur seine Gesundheit bis zum Ablauf der Urlaubszeit.
Die Herbstprüfung fand am 15. September unter Aufsicht des Herrn Pfarrers K a y s e r, von Herrn Lehrer
S c h w e i g h ö f e r gehalten, statt.
Nach dreiwöchentlichen Ferien nahm die Schule am 6. Oktober von ihrem eigenen Lehrer geleitet, dessen Gesundheit sich unterdessen unter Gottes Hilfe wieder erstarkt hatte, ihren Anfang.
Auch dieses Jahr wurde der Lehrer mit einer Remuneration von 25 fl. aus der Gemeindekasse, so dann auch noch mit 25 fl. aus der Landessteuerkasse erfreut. Letzteres geschah als Unterstützung zu den Heilungskosten und wurde mit herzl. Dank um so mehr entgegen genommen, als die Kaltwasserkur in Boppard eine bedeutende Summe gekostet hatte.

Mit dem 1. Januar 1846 wurden die bisher bestehenden beiden Schulinspektionsbezirke des Amtes Diez anders eingeteilt, und der zweite Bezirk dem Herrn Pfarrer K a y s e r dahier mit den Schulen in Balduinstein mit Hausen, Biebrich, Cramberg, Dörnberg mit Charlottenberg und Kalkofen, Eppenrod, Holzappel mit Horhausen, Geilenau, Isselbach mit Giershausen und Ruppenrod, Langenscheid, Laurenburg, Scheid, Schönborn, Steinsberg und Wasenbach übertragen, die übrigen Orte aber dem Herrn Schulinspektor W i l h e l m i zugewiesen.

Die Frühlingsprüfung fand am 14. April in Gegenwart des Herrn Schulinspektors, Pfarrer K a y s e r dahier sowie des übrigen Ortsschulvorstandes statt. Mit Gesang und Gebet wurde begonnen und geschlossen und die Lehrgegenstände auf die bisher gewöhnliche Weise durchgenommen. Die Schülerzahl betrug 72, 38 Knaben und 34 Mädchen, von welchen 70 der evangelischen und 2 der jüdischen Konfession angehörten.
Prämien, in 4 Messern und zwei Spinnrädern bestehend, wurden an die 5 abgehenden Schüler und einen jüngeren noch in der Schule verbleibenden, der Kathrine M i c h e l , durch Herrn Schulinspektor K a y s e r verteilt.
Dem Lehrer wurde im Laufe des Sommers auf sein Ansuchen noch eine Unterstützung zu seinen vorjährigen Heilungskosten von 25 fl. aus der Staatskasse, sowie später infolge des Prüfungsbereichtes 25 fl. Remuneration aus der Gemeindekasse zuteil.
Eine ungewöhnliche Hitze und Trocknung zeichneten diesen Sommer vor vielen anderen aus, indem bei fast immer gleicher Temperatur 20 – 26 Grad R. Hitze fast in 4 Monaten, Juni bis Oktober, kein Tropfen Regen fiel.
Dessen ungeachtet war der folgende Winter lang, kalt und schneereich.
Die Herbstprüfung fand am 14. September in Beisein des Herrn Schulinspektors K a y s e r statt. Nach vierwöchentlichen Ferien nahm am 12. Oktober die Schule wieder ihren Anfang.

1847
Die Frühlingsprüfung fand am 14ten März in Gegenwart des Herrn Schulinspektors K a y s e r sowie des übrigen Ortsschulvorstandes von hier statt. Mit Gesang und Gebet wurde begonnen und geschlossen und die Lehrgegenstände alle klassenweise durchgenommen.
Die Schülerzahl betrug 77, 38 Knaben und 39 Mädchen, wovon 75 der ev. christlichen und 2 der jüdischen Konfession angehörten.
Der Lehrer wurde durch Dekret Herzogl. Landesregierung vom 26. Mai d. J. mit einer Besoldungszulage von 25 fl., sowie auch durch eine Teuerungszulage von 24 fl. aus der Staats= und 15 fl. aus der Gemeindekasse erfreut. Eine sehr große Teuerung aller Lebensmittel herrschte in steigenden Preisen von der vorjährigen bis zur diesjährigen Ernte. Die diesjährige reiche Getreide= und Obsternte aber tilgte wieder den Mangel.

Die erste Probe der Seidenzucht machte in diesem Frühling Schreiber dieses in hiesiger Gegend. Schon vorigen Herbst war durch Anpflanzung von 200 Maulbeerbäumchen, welche ihm hochlöbliche Schaumburger Armenkommission übergeben hatte, der Grund dazu gelegt worden. Beide, Bäumchen und Raupen gediehen nach Wunsch und die ganze Zucht nahe an 800 Stück Raupen lieferten ¼ Pfund rein weißer und gelber gehaspelter Seide.

Die Herbstprüfung fand am 12. September d. J. in Gegenwart des Herrn Schulinspektors K a y s e r statt.

1848
Die Frühlingsprüfung fand am 20. März in Gegenwart des Herrn Schulinspektors K a y s e r, des übrigen Schulvorstandes, sowie einiger benachbarter Lehrer statt. Mit Gesang und Gebet wurde begonnen und geschlossen und die Lehrgegenstände klassenweise durchgenommen.
Die Schülerzahl betrug 74, 35 Knaben und 39 Mädchen. Entlassen wurden 12 u. nach den Ferien wieder 11 aufgenommen. Prämien wurden durchs Los verteilt.

1. Messer an Philipp H e r b e l und Daniel S c h a n g.

2. Spinnräder an Karoline B o r n w a s s e r und Susanne M i c h e l und

3. Scheren an Sophie P a b s t und Karoline M e i e r.

Ein höchst wichtiges Ereignis, hauptsächlich das Geschenk der Freiheit fand am 4. März dieses Jahres für unser geliebtes Vaterland statt.
In der gedruckten Anlage I, welche vervielfältigt in das ganze Land verteilt wurde, findet sich die Gewährung der 9 Forderungen der Nassauer Bürger von seiner Hoheit unserm edlen Herzoge Adolph verzeichnet und mit seiner Namensunterschrift verbürgt.
In Anlage II dagegen der Kommentar zu diesen Forderungen und der Verlauf der stattgehabten Bewegungen getreu erzählt. Im frommen Glauben an die Vorsehung, welche diese bewegte aber auch schaffende Zeit für Volkswahl nicht bloß für unser engeres Vaterland Nassau, sondern für ganz Deutschland herbeikommen ließ, vertrauen wir fest einer gesegneten Wirksamkeit der Deutschen Einheit, welche letztere namentlich durch Volkswahl hervorgegangene Reichsversammlung zu Frankfurt a/M. kräftig gefördert wird. Namentlich versprechen von dieser politischen Veränderung viel Gutes für unsere Schulen.

Die Herbstprüfung fand am 18. September d. J. in Gegenwart des Herrn Schulinspektors K a y s e r statt.

Mit dem 1. Januar 1849 wurde unser bisheriger Schulinspektor, Herr Pfarrer K a y s e r dahier auf sein Ansuchen von der Schulinspektion entbunden und solche dem Herrn Pfarrer S c h u l z in Holzappel von Herzogl. Landesregierung übertragen.
Am 16. April d. J. fand die Frühlingsprüfung in Gegenwart des Herrn Schulinspektors S c h u l z von Holzappel, des Herrn Pfarrers K a y s e r und des übrigen Schulvorstandes von hier statt. Mit Gesang und Gebet wurde begonnen und geschlossen.
Die Schülerzahl betrug 71, von welchen 10 entlassen wurden. Nach den Ferien traten wieder 9 neue Schüler ein. Prämien wurden keine verteilt, weil die Gemeinde leider die Industrieschule schon bald nach den Märztagen 1848 aufgehoben hatte, sowie überhaupt die plötzlich eingetretene Freiheit der Selbstverwaltung der Gemeinden und des Staates durch das Volk zu vielen Verirrungen führte.
Unser Schulvorstand besteht neben dem Direktor desselben, Herrn Pfarrer K a y s e r aus dem Bürgermeister
K r ä m e r, Feldgerichtsschöffen Ludwig H e n n e m a n n und Gemeinderat Philipp K ü n z l e r.
Die Herbstprüfung 1849 fand am 21. September in Gegenwart des Herrn Pfarrers K a y s e r statt. Nach vierwöchentlichen Ferien begann der Unterricht für das Winterhalbjahr 1849/50 am 22. Oktober.

1850
War die jedesmalige Frühlingsprüfung bis dahin immer ein wahrer Festtag für die hiesige Schule, so war sie es diesmal in sehr erhöhtem Grade. Unser Durchlauchtigster Standesherr, seine Kaiserliche Königliche Hoheit der Erzherzog S t e p h a n von Schaumburg von jeher als wahrer Kinderfreund und warmer Gönner der Schulen bekannt, beehrte uns wie alle Schulen in der Standesherrschaft mit seinem hohen Besuche. Sein lieb= und geistreicher Blick, sein Ein= und Überblick ins Schulleben, sein Interesse für wahrhaft geist= und herzbildenden Unterricht machte sich bald nach seiner frühen Ankunft in der Art geltend, dass er sich unter den Kindern als ein alter Bekannter wie immer zu Hause befand.
Die Prüfung begann während der Gegenwart Sr. K.K. Hoheit mit einem dreistimmigen Choral und Gebet.
Die I. u. II. Klasse wurde im vorbereitenden Religions = od. Anschauungsunterrichte zuerst geprüft., welcher in der I. Klasse an Denksprüche sich anschließend die Begriffe von Gottes Dasein, Allmacht, Weisheit und Güte entwickelte, und in der II. Klasse damit die Jugendgeschichte Jesus in Verbindung brachte. Während die unteren Klassen weiter im Lesen u. Rechnen Proben ihrer gewonnenen Kenntnisse u. Fertigkeiten ablegten, verfertigten die oberen über aufgegebene Themata schriftliche Ausarbeitungen, welche später S. K.K. Hoheit selbst einer genauen Durchsicht unterwarf.
Auf den Wunsch des Durchlauchtigsten Erzherzogs gab sodann die III. & IV. Kl. Proben im Kopfrechnen, namentlich mit den verschiedenen Geldsorten; auch legte seine Hoheit auch in diesem Gegenstand den betreffenden Schülern selbst Fragen vor.
Hierauf folgte Geographie mit denselben Klassen, welche sich über Europa, Deutschland u. insbesondere über das Herzogtum Nassau verbreitete. Dann sang die I. & II. Klasse mehrere einstimmige Schul= und Kinderlieder, und die III. & IV Klasse trug abwechselnd drei= und vierstimmige Choräle und Schullieder vor.
Seine K.K. Hoheit beschenkte nun die obersten Schüler jeder Kl., also 8 Kinder, mit wertvollen Schulbüchern und jeden Schüler außerdem mit einem Wecken und einem Glas guten Bieres, hielt eine zum fortdauernden Fleiß ermunternde sehr eindringliche Alt und Jung zugleich ansprechende Rede und entfernte sich sodann von den Segenswünschen aller für ihren innigstgeliebten, hochverehrten, guten Standesherrn begleitet.
Unter Leitung des Herrn Schulinspektors S c h u l z wurden noch die rückständigen Lehrgegenstände klassenweise vorgenommen. So rechneten noch die I.& II.& III, & IV. Klasse, worauf die abgehenden Schüler, 10 an Zahl, mit einer von und zum Herzen gehenden Rede des Herrn Schulinspektors feierlich aus der Schule entlassen wurden. Mit Gesang und Gebet wurde die herrliche Prüfungsfeier geschlossen.
Eine Gratifikation von 11 fl. wurde dem Lehrer infolge der Prüfung im Laufe des Sommers, von hoher Behörde bewilligt, zuteil.
Die Herbstprüfung hatte, durch bedauerliches Kranksein unsers geliebten Herrn Pfarrers, sich verzögert und fand am 3. Oktober in Gegenwart desselben auf die gewöhnliche, feierliche Weise statt.

Die Frühlingsprüfung 1851 fand am 22. April in Gegenwart des Herrn Schulinspektors S c h u l z von Holzappel, des Herrn Pfarrers K a y s e r sowie des übrigen Schulvorstandes von hier und einiger benachbarter Lehrer statt.
Mit Gesang und Gebet wurde begonnen und geschlossen. Die Lehrgegenstände kamen alle der Reihe nach auf die gewöhnliche Weise in den betreffenden Klassen zum Vortrag und wurde mit der Religionslehre (Katechismusunterricht) bei der III. u. IV. Kl. begonnen.
Die Schülerzahl betrug 63, von welchen 4 wegen Alter und Befähigung mit kräftiger Ansprache und christlichen Ermahnungen von Herrn Schulinspektor öffentlich entlassen wurden.
Nach den vierzehntägigen Ferien traten wieder 8 neue Schüler ein.
Eine Gratifikation von 12 fl. wurde dem Lehrer in Folge der Prüfung auf Vorschlag des Schulvorstandes mit Zustimmung des Gemeinderats von hoher Schulbehörde zugewiesen.
Die Herbstprüfung 1851 fand am 15. September in Gegenwart des Herrn Pfarrers K a y s e r auf die gewöhnliche Weise statt.
Der Lehrer wurde noch gegen das Ende des Jahres durch eine jährliche, persönliche, widerrufliche Gehaltszulage von 20 fl. aus der Staatskasse laut Dekret Ad.Num. 10, 529 vom 1ten November 1851 erfreut.

1852
Auch die diesjährige Frühlingsprüfung war wieder im wahren Sinne des Worts ein Festtag für unsere Schule.
Unser gnädigster Standesherr, Seine Kaiserliche Königliche Hoheit, der durchlauchtigste Herr Erzherzog
S t e p h a n beehrte in Begleitung seiner Exzellenz des Herrn General=Feldmarschallleutnant v. A n d e r s dieselbe mit seinem hohen Besuche und würdigte dabei die Schule und ihre Leistungen bei jedem Schüler bis in das Einzelne jedes Unterrichtsgegenstandes seiner vollen Aufmerksamkeit. Dass dadurch Lehrer wie Schüler, Schulvorgesetzte wie alle beiwohnenden Schulfreunde, die die Wichtigkeit der Handlung zugezogen hatten, auch mehr wie gewöhnlich mit gespannter Verfolgung der Darlegung der erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten der Schüler folgten, ist leicht erklärlich.. Wo aber auch so wie hier und allenthalben im lieben Standesgebiet die Wirksamkeit und Leistungen der Schule anerkannt, der Lehrer geehrt u. auf jede Weise in seinem schweren Berufe ermuntert, die Schüler kindlich herablassend und von Herzen freundlich behandelt und zum Ende noch mit wertvollen Büchern beschenkt, also der Geist auf mannigfaltige Weise wohltätig angeregt wird, - da muss die Saat des Geistes zur schönsten Blüte sich entfalten und die herrlichsten Früchte vorbereiten.
Dank daher Sr. K.K. Hoheit, unserm gnädigsten Standesherrn, dem edlen Kinder= und Menschenfreunde, dem hohen Gönner unserer Schulen, dessen allseitig wissenschaftliche, echt humane Bildung und edler Wohltätigkeitssinn ihm bereits die entschiedene Verehrung aller Bessern in und außerhalb des Standesgebietes erworben hat, bei dem die Schule geliebt und der brave Lehrer geachtet ist und Schutz und Unterstützung findet.
Nachdem die gesamte Schuljugend dem Herrn Schulinspektor, Schulvorstande und Lehrer vor das Dorf geeilt und Sr. K.K. Hoheit sowie seiner hohen Begleitung einen freundlichen Morgengruß gebracht und mit lautem Hoch herzlich empfangen und abgeholt hatte, begann in dem festlich geschmückten Schulsaal die Prüfung mit Gesang und Gebet.
Die Lehrgegenstände wurden klassenweise durchgenommen. Zuerst kam Religionslehre mit den beiden obersten oder der III. u. IV. Klasse, dann bibl. Geschichte mit der II. und zuletzt sogenannter vorbereitender Unterricht mit der I. Kl..
Hierauf las die jüngste und so aufwärts nach und nach die älteren Klassen, während die andern stille Beschäftigung in Anfertigung schriftlicher Aufsätze zur Aufgabe hatten.
Die untere Kl. Setzte sodann wieder laute Übungen im Rechnen fort, während Seine K.K. Hoheit zugleich die sprachlichen Ausarbeitungen alle genau durchsah und liebreich belehrend Fehler rügte, verbesserte und Gelungenes lobte.
Nachdem die unteren Klassen noch einige Lieder gesungen hatten, beschenkte Seine K.K. Hoheit jeden ersten Schüler der Klasse mit einem passenden, wertvollen Buche und ließ diesen und jedem anderen ein Milchbrot nebst Bier verabreichen, worauf die Entlassung erfolgte.
Die III. und IV. Klasse legte nun noch Proben im Rechnen, Lesen und dem damit verbundenen Realunterrichte ab und sang noch einige mehrstimmige Schullieder und Choräle. Hierauf erteilte auch Seine K.K. Hoheit an jeden ersten Schüler der beiden oberen Klassen ein schönes, wertvolles Buch, ließ alle mit Milchbrot und Bier bewirten und sprach zum Schlusse noch freundliche, kräftige Worte der Ermahnung zum beharrlichen Fortschritte im Lernen, worauf Herr Schulinspektor S c h u l z die 14jährigen Schüler mit einer christlich ernsten Ansprache aus der Schule entließ.
Den vollen Schluss machte noch ein andächtiger Gesang und Gebet.
Folgende Schüler als die ersten in jeder Klasse wurden von seiner K.K. Hoheit allergnädigst mit Büchern beschenkt:

Knaben
Mädchen
1 .KL. Christian L o t z Sophie H e r b e l
2. Kl Philipp K ü n z l e r Henriette S c h e u r e r
3. Kl. Wilhelm S c h a u b Henriette M e i e r
4. Kl. Karl H e n n e m a n n Christine P r i e s t e r

5 Knaben und 6 Mädchen, zusammen 11 Schüler, wurden entlassen, und 6 Knaben und 5 Mädchen, zusammen 11 Ankömmlinge, nach den üblichen 14 tägigen Ferien wieder neu aufgenommen.
Der Lehrer wurde im Laufe des Sommers mit einer Remuneration aus der Gemeindekasse von f.l. 12 erfreut.
Die Herbstprüfung fand am 15. September in Gegenwart des Herrn Pfarrers K a y s e r auf die gewöhnliche Weise statt..
Schon vor zwei Jahren beschenkte Seine K.K. Hoheit, unser gnädiger und schulfreundlicher Erzherzog S t e p h a n die hiesige Schule, so wie jede andere in dem lieben Standesgebiet mit einem sehr wertvollen, theoretisch=praktischen Sprachschatze:
„Onomatisches Wörterbuch, zugleich ein Beitrag zu einem auf die Sprache der klassischen Schriftsteller gegründetes Wörterbuch der neuhochdeutschen Sprache“ von Joseph K e h r e i n in den 5 ersten Heften, welche bis Neujahr 1853 so nach und nach auf 13 anhäuften uns nun vollendet 2 Bände liefern.
So macht sich dieser allverehrte, durchlauchtigste Standesherr ebenso um Hebung der Schulen als auch um weitere Fortbildung der Lehrer hochverdient.

Die Frühlingsprüfung 1853 fand am 5. April in Gegenwart des Herrn Schulinspektors S c h u l z , des Herrn Pfarrers K a y s e r sowie des übrigen Schulvorstandes und einiger benachbarter Lehrer statt.
Die Lehrgegenstände wurden klassenweise durchgenommen.
Die Schülerzahl betrug 70, von welchen 9 entlassen und 9 nach den Ferien wieder neu aufgenommen wurden.
Mit dem 1. Mai wurde der bisherige Lehrer W. P r i e s t e r nach fast 19 jähriger Wirksamkeit dahier nach Eppenrod versetzt und Lehrer R o t h von Steinsberg zu seinem Nachfolger ernannt.
Mit dem 1. Mai 1853 wurde Schreiber dieses, Lehrer R o t h , von der Schule zu Steinsberg auf geschehene Präsentation unseres gnädigsten Standesherrn, Seiner Kaiserlich Königlichen Hoheit des durchlauchtigsten Herrn Erzherzogs S t e p h a n an die hiesige Elementarschule versetzt.
Das mir darüber zugefertigte Dekret Herzogl. Staats=Ministeriums folgt hier in Abschrift

Ad. Num 14, 141.

Wir ernennen hiermit den Lehrer Jacob R o t h zu Steinsberg, Herzogl. Kreisamts Limburg zum Lehrer an der Elementarschule zu Langenscheid, Herzogl. Kreisamts Limburg und zugleich zum Organisten und Glöckner in der dasigen evangelischen Kirche und bewilligen ihm eine vom 1. Mai laufenden Jahres anfangende, in Quartal=Raten aus der dasigen Gemeindekasse zahlbare, jährliche Besoldung von zweihundert zwei und fünfzig Gulden 55 Kr. 252 fl. 55 Kr.

sodann

2. Wohnung, angeschlagen zu 15 fl.
3. vom standesherrlichen Speicher zu Langenscheid 3 1/2 Malter Korn, angeschlagen das Malter zu 9 fl., im Ganzen 31 fl. 30 Kr.
4. Zinsen von einem Schulkapital à 291 fl ……….. 14 fl 35 Kr.
5. Schulländereien, wie solche sein Dienstvorgänger in Benutzung gehabt hat, im Ganzen angeschlagen zu 10 fl.
6. Als Organist und Glöckner aus der Kirchenkasse 11 fl.
im Ganzen 335 fl.
und erteilen denselben gegenwärtiges Dekret.

Wiesbaden den 28 April 1853
Herzogliche Ministerialabteilung des Innern

F a b e r

Am 30. Dezember 1822 wurde Schreiber dieses, Jacob R o t h , in Idstein geboren. Vom 6ten bis 14. Lebensjahre besuchte ich die dasige Stadtschule, bereitete mich bis zum 16.Jahre auf den Eintritt in das Schullehrerseminar vor und wurde im Frühjahr 1839 in diese Anstalt aufgenommen. Nach vollendetem dreijährigem Kursus verließ ich dieselbe am 27. April 1842. Mit dem 1. Juni desselben Jahres erfolgte meine Anstellung als Lehrvikar an die Schule zu Wahlrod im Amte Hachenburg. Daselbst wirkte ich 4 Jahre und 1 Monat, indem ich mit dem 1. Juli des Jahres 1846 auf geschehene Präsentation der Erzherzoglich=Östreichischen Rent=Kammer zu Schaumburg als Lehrer an die Schule zu Geilnau versetzt wurde.
Nach beinahe fünfjähriger Wirksamkeit daselbst erfolgte am 1. Juni 1851 aug geschehene Präsentation Seiner Kaiserlich Königlichen Hoheit de durchlauchtigsten Herrn Erzherzogs S t e p h a n meine Versetzung an die Schule nach Steinsberg, woselbst meine Wirksamkeit nur 1 Jahr und 11 Monate währte, da ich durch die Allerhöchste Gnade unsers Durchlauchtigsten Standesherrn an die hiesige Schule befördert wurde..
Verschiedene Umstände verzögerten meinen Überzug bis zum 28. Mai, und am 1. Juni wurde ich durch Herrn Pfarrer K a y s e r dahier in meinen neuen Wirkungskreis eingeführt.
Möge es mir nun vergönnt sein, noch recht lange und segensreich an der hiesigen Schule zu wirken.
Die Herbstprüfung wurde am 15. September von Herrn Pfarrer K a y s e r dahier abgehalten.
Im Laufe des Winterhalbjahres wurde von Seiner Kaiserlichen Königlichen Hoheit, dem Durchlauchtigsten Herrn Erzherzog S t e p h a n die Geschichte der Herrschaften K i r c h h e i m „Boland und Stauf“ für sämtliche Schulen des Standesgebietes angeschafft.

Die Schülerzahl betrug 66. Mit dem Herbst 1853 wurde eine neue Schülerin aus Sumara in Ostindien aufgenommen. Da aber im Laufe des Winters auch ein Schüler starb, so blieb die Schülerzahl unverändert..
Mit dem Herbst 1853 hat sich unter Leitung des Lehrers ein Singverein dahier gebildet, der recht erfreuliche Fortschritte zu machen verspricht.
Die diesjährige Frühlingsprüfung wurde am 21. März von Herrn Schulinspektor S c h u l z in Gegenwart des hiesigen Schulvorstandes abgehalten. Die einzelnen Gegenstände, worin geprüft wurde, waren Religion, Lesen, Aufsätze, Rechnen und Gesang.
Von den 65 Schülern wurden 8, nämlich 5 Knaben und 3 Mädchen entlassen, und beim Beginn des Sommersemesters 16 Zöglinge, nämlich 10 Knaben und 6 Mädchen aufgenommen, wodurch die Schülerzahl sich auf 73 erhöhte.
Am 2. Pfingsttage d. J. nahm Herr Pfarrer K a y s e r feierlich von der hiesigen Gemeinde Abschied, da er schon seit dem 1. April nach Eppenrod versetzt ist. Er hat sich während seiner beinahe 29 jährigen Wirksamkeit dahier in hohem Grade die Achtung und Liebe aller erworben.. Auch unsere Schule verliert an ihm einen ebenso tätigen, als einsichtsvollen Beförderer alles Guten und Schönen. Möge es ihm dahier beschieden sein, auch in seinem neuen Wirkungskreis noch recht lange segensreich zu wirken.
An die hiesige Pfarrei ist Herr Pfarrer Edmund S c h n e i d e r von Dörnberg versetzt, welcher in der Woche nach Pfingsten dahier einzog.. Am 2. Juli hielt derselbe seine Antrittspredigt über Röm. 1, 15 – 17 und wurde sodann von Herrn Dekan W i l h e l m i von Diez in sein neues Amt eingesetzt.
Die Herbstprüfung wurde von Herrn Pfarrer S c h n e i d e r am 2. Oktober gehalten
Da die Dauer der sechsjährigen Dienstzeit des bisherigen Bürgermeisters K r ä m e r mit Ablauf 1854 zu Ende ging, so wurde bei einer neuen Wahl der bisherige Gemeinderechner Friedrich Anton S c h a u b auf Lebenszeit zum Bürgermeister erwählt und von der Landes= Regierung als solcher bestätigt.
Zugleich schied Hermann K r ä m e r aus dem Schulvorstande, und an seine Stelle trat der Vorsteher Anton
K ü n z l e r.
Im Laufe des Schuljahres zog eine Schülerin mit ihren Pflegeeltern von hier weg, wodurch die Schülerzahl auf 72 sank. - Ein Schüler starb, also blieben 71.

1855
Die diesjährige Frühlingsprüfung wurde gehalten von Herrn Schulinspektor c h u l z im Beisein des Ortsschulvorstandes am 16. April. Zwar ging unsere freudige Hoffnung auf die allerhöchste Teilnahme unseres gnädigsten Standesherrn nicht in Erfüllung, da Höchstdieselben wegen des Todes Ihrer Hohen Mutter an keiner Prüfung teilnahmen. Dessenungeachtet wurden doch die von Sr. K.K. Hoheit für die hiesige Schule bestimmten Prämien, bestehend in Büchern für die acht besten Schüler, am Schlusse der Prüfung verteilt. -

Entlassen wurden von 71 Schülern 7, nämlich 1 Knabe und 6 Mädchen; aufgenommen wurden beim Beginn des Sommersemesters 6 Zöglinge, nämlich 3 Knaben und 3 Mädchen, so dass für das laufende Schuljahr die Schülerzahl auf 70 steht.
Am 20. September wurde von Herrn Pfarrer S c h n e i d e r die Herbstprüfung abgehalten.-

Auch im Laufe dieses Jahres erfreuten sich die Schulen des Standesgebietes wieder der besonderen Huld unseres Allerhöchsten Standesherrn, indem Höchstderselbe wieder mehrere äußerst brauchbare literarische Anschaffungen für sämtliche Schulen zu machen geruhte, nämlich:

1. Geographische & geschichtliche Mitteilungen über Venezuela von F e i l e r.
2. Schulvorschriften von G r e i n e r.
3. Die Geschichte der Deutschen von P r ä t o r i u s.
Dem gnädigsten Geber den wärmsten Dank ! -
4. Kindergeschichten gegen die Tierquälerei von R e i t z e n s t e i n .
5. Der Sternenhimmel von S e i b e r t.
6. Kinderfreund von A. K h u e n

1856
Die diesjährige Frühlingsprüfung wurde am 31 März von Herrn Schulinspektor S c h u l z im Beisein des Ortsschulvorstandes wie gewöhnlich abgehalten.
Es wurden am Schlusse derselben 10 Schüler, 7 Knaben und 3 Mädchen, entlassen.

Mit Anfang des Sommersemesters wurden 12 Zöglinge nämlich 7 Knaben und 5 Mädchen in die Schule aufgenommen, so dass die Schülerzahl jetzt 72 beträgt. Das bisherige Mitglied des Schulvorstandes, Anton
K ü n z l e r, schied wegen seines Austritts aus dem Gemeindevorstand auch aus dem Schulvorstande, und an seine Stelle trat der Vorsteher Friedrich M e i e r.
Mit dem Anfang des Sommersemesters wurde der bisherige Schulinspektor, Herr Pfarrer S c h u l z zu Holzappel auf sein Ansuchen von den Schulinspektionsgeschäften entbunden und solche dem Herrn Pfarrer K a y s e r zu Eppenrod abermals übertragen.
Die Herbstprüfung wurde am 16. September von Herrn Pfarrer S c h n e i d e r dahier abgehalten. -

1857
Der zeitige Lehrer wurde laut Dekret Hoher Landes=Regierung vom 20ten Januar d. J. mit einer persönlichen Gehaltszulage von 20 fl. bedacht.

Die diesjährige Frühlingsprüfung wurde am 9. März von Herrn Schulinspektor K a y s e r in Eppenrod im Beisein des Lokal=Schulvorstandes uns einiger benachbarter Lehrer abgehalten. Die Lehrgegenstände wurden klassenweise durchgenommen und zwar mit allen 4 Klassen Religion, Lesen, Aufsätze, Rechnen und Naturgeschichte mit Kl. 3 u. 4.
Da im Laufe des Winters eine Schülerin der 2. Klasse starb, so erschienen auf der Prüfung 71 Schüler. Von diesen wurden 8, nämlich 4 Knaben und 4 Mädchen entlassen. Aufgenommen wurden 13 Zöglinge, nämlich 7 Knaben und 6 Mädchen, wodurch sich nun die Schülerzahl auf 76 erhöhte. –
Bald nach der Aufnahme der neuen Zöglinge, am 25. März starb ein Schüler, so dass die Schülerzahl auf 75 zurückging.
Auf Antrag des Schulvorstandes erhielt der Lehrer eine Gratifikation von 12 fl. aus der Gemeindekasse.
Wegen der schon lange herrschenden Teuerung erhielten sämtliche Lehrer des Landes Teuerungszulage aus den Gemeindekassen und wurde dem zeitigen Lehrer eine solche von 25 fl. verwilligt.
Die diesjährige Herbstprüfung wurde am 16. September von Herrn Pfarrer S c h n e i d e r im Beisein des übrigen Lokal=Schulvorstandes gehalten.

1858

Durch Reskript Hoher Landes= Regierung vom 26. Januar d. J. sind die Lehrer zu ständigen Mitgliedern des Schulvorstandes ernannt worden.
Die Frühlingsprüfung wurde am 9. März von Herrn Schulinspektor Pfarrer K a y s e r zu Eppenrod im Beisein des Lokal= Schulvorstandes abgehalten.
Von 75 Schülern wurden 4, 2 Knaben und zwei Mädchen aus der Schule entlassen und 10 Zöglinge, 5 Knaben und 5 Mädchen, neu aufgenommen, wodurch die Schülerzahl auf 81 sich erhöhte.
Ein Schüler kam als Waisenkind von Holzappel hierher in Pflege, wodurch die Schülerzahl auf 82 stieg.. Der letzterwähnte Schüler kam schon nach einigen Wochen nach Cramberg in Pflege, wodurch also die Schülerzahl wieder auf 81 sank.

Das Jahr 1858 wurde für die nassauischen Lehrer ein Jahr der Hoffnung, indem unterm 12. Juni 1858 eine Verordnung erschien, welche eine Erhöhung des Einkommens der Lehrer in Aussicht stellte und das Gehalt folgendermaßen festsetzte:

§ 1

Für die Elementarlehrer soll künftig als Gehalt veranschlagt werden:
a) den Lehrgehilfen mindestens ………………………175 fl.
b) den Lehrvikarius ……………………………………200 „
c) den Lehrer ………………………………………….250 bis 500 fl.

Da, wo besondere lokale Verhältnisse diese nötig machen, wie in Städten, kann das Gehalt der Lehrgehilfen bis auf 200 fl. und den Lehrer bis auf 800 fl. erhöht werden

§ 2

Den Lehrern soll, wo es irgend tunlich erscheint, eine Wohnung und ein dem eigenen Bedarf entsprechendes Schulgut, beides in mäßigem Anschlag, zur eigenen Benutzung überwiesen werden.

§ 3

Die Beträge und Emolumente, welche die Lehrer in ihrer Eigenschaft als Organisten, Vorsänger, Vorleser, Küster und Glöckner zu beziehen haben, sollen künftig höchstens zur Hälfte als Besoldungsteile angerechnet werden.

§ 4

bestimmt in gewissen Fällen bei unfreiwilligen Versetzungen Überzugskosten.

§ 5

Die Herzogliche Landesregierung hat das Gehalt der Lehrer innerhalb der oben bestimmten Grenzen fortzusetzen und entsprechend zu erhöhen.

§ 6

Die Gemeinden sind verbunden, das also festgesetzte Einkommen ihrer Lehrer aus Gemeindemitteln aufzubringen.

Nachdem nun unterm 14 September l .Js. der Schul=, Orts= und Kirchenvorstand in einer gemeinschaftlichen Sitzung die hiesige Besoldung auf 400 fl. zu erhöhen beschlossen hatte, wurden die desfallsigen Anträge an die Landes=Regierung befördert.-

Die Herbstprüfung wurde am 16. September von Herrn Pfarrer S c h n e i d e r dahier im Beisein des Lokalschulvorstandes abgehalten.

1859
Gegen das Ende des Wintersemesters wurde eine Schülerin wegen Überzugs der Eltern nach Limburg entlassen, wodurch die Schülerzahl auf 80 sank

Durch Reskript Herzogl. Hoher Landes= Regierung vom 5. März l. J. wird nun das Einkommen der hiesigen Schulstelle wie folgt festgesetzt:

1. Bar aus der Gemeindekasse 398 fl. 30 Kr.
2. Wohnung, im Anschlag zu 15 - -
3. Schulgut, im Anschlag zu 25 - -
4. 31/2 Malter Korn von dem
standesherrlichen Speicher
à 9 fl
31 - 30 -
5. Aus der Kirchenkasse 30 fl,
wovon dekretmäßig
15 - -
___________________________________
Sa = 485 fl.:

Wegen Überweisung dieser Besoldung hat sich Hohe Landes=Regierung besondere Verfügung vorbehalten, die bis jetzt noch nicht erfolgt ist.
Zugleich enthält obiges Reskript die Verfügung, dass der Glöckner= und Küsterdienst fortan von dem Schuldienste zu trennen sei, was bereits seit 1. April l. J. geschehen ist.

Die diesjährige Frühlingsprüfung wurde am 22. März von Herrn Schulinspektor K a y s e r von Eppenrode und im Beisein des Schulvorstandes abgehalten. Die Festlichkeit des Tages wurde dadurch aufs Höchste gesteigert, dass in diesem Jahr Se. K.K. Hoheit der Durchlauchtigste Herr Erzherzog S t e p h a n die Prüfung mit Seiner Allerhöchsten Gegenwart beehrte.
Die Prüfung begann mit Gesang und Gebet, worauf eine Prüfung im Religionsunterrichte bei allen 4 Klassen folgte. Hierauf folgte Lesen, schriftliche Aufsätze und Rechnen bei sämtlichen Klassen. Seine Kaiserliche Hoheit überzeugte sich persönlich von den Leistungen jedes einzelnen Schülers. Hierauf wurden einige Lieder von Kl. II wie auch von Kl. III & IV vorgetragen.
Sämtliche Schüler wurden mit Milchbrot und Bier bewirtet, sowie auch die 4 besten Knaben und Mädchen mit sehr wertvollen Büchern beschenkt wurden. -
Der 28. Mai d. J. war für die hiesige Gegend ein Tag des Schreckens. Es entlud sich nämlich nachmittags zwischen 5 und 6 Uhr über unserem Dorfe, sowie über den Fluren ein schreckliches Hagelwetter, das in kurzer Zeit die freudigen Hoffnungen des Landmannes auf eine reiche Kornernte zerstörte. Der Hagel fiel in großen Stücken und so dicht hernieder, dass die Erde stellenweise handhoch damit bedeckt war. Menschen, welche im Freien waren, bekamen starke Beulen am Kopfe. -
Wegen Überweisung der nach vorseitigem Reg.Reskript auf 485 fl. aufgebesserten Schulstelle ist mir folgendes Dekret zugegangen:

Ad. Num. Reg. 21, 512

Nachdem die Besoldung des Lehrers zu Langenscheid, Herz, Amts Diez in Gemäßheit der Verordnung vom 12. Juni 1858 dermalen in folgender Weise festgesetzt worden ist:

1. bar aus der Gemeindekasse daselbst 398 fl. 30 Kr.
2. Wohnungsanschlag 15 - -
3. Anschlag des bisherigen und neuen Schulguts 25 - -
4. Vom standesherrlichen Speicher 3 ½ Malter Korn á 9 fl 31 - 30
5. Gemeindenutzen zu 20 fl. anzuschlagen, aber nicht aufzurechnen
6.

als Organist, Vorsänger aus der Kirchenkasse 30 fl. , wovon
dekretmäßig

15 - -
_____________________________________________________________________
Im Ganzen
485 fl.:

So bewilligen Wir hiermit dem seitherigen Lehrer Jacob R o t h zu Langenscheid das obige Gehalt von 485 fl. vom 1. Juli d. J. anfangend und erteilen ihm hierüber gegenwärtiges Dekret zu seiner Legitimation.
Wiesbaden, den 15 Juni 1859
Herzogl. Nassauische Landesregierung

S c h e p p

Das Reskript Herz. Hoher Landes= Regierung vom 5. März, worin die Besoldung der hiesigen Schulstelle festgesetzt wird, folgt hier in Abschrift:

Herzoglich Nassauische Landes= Regierung
an
Herzogliches Amt zu Diez

Ad. Num. Reg. 38, 784

Die Ausführung der Verordnung vom 12. Juni 1858 über die Besoldungsverhältnisse der Elementarlehrer insbesondere die Festsetzung der Lehrerbesoldung zu Langenscheid betreffend.
Wir haben beschlossen, in Gemäßheit der rubrizierten Verordnung, zu Langenscheid eine Lehrerstelle zu belassen und deren Gehalt dermalen in folgender Weise festzusetzen:

1. bar aus der Gemeindekasse einschließlich der Zinsen von Schulkapitalien pp 398 fl 30 Kr
2. Wohnungsanschlag 15 -
3. Anschlag des Schulguts, bestehend aus
a. dem Bisherigen
1 Morgen 86 Ruten Äcker und Wiesen
b. dem neu Hinzukommenden

1 Morg. 11 Rt. Wiesen
50 - Acker
50 - desgleichen
zusammen zu 25
resp. Der Pachtzins von dem neu Hinzukommenden, bis zur Erledigung der Pacht.
4. Gemeindenutzen, zu 20 fl. anzuschlagen, aber nicht aufzurechnen.
5. Vom standesherrlichen Speicher 3 ½ Malter Korn á 9 fl. 31 - 30 -
6. Als Organist und Vorsänger aus der Kirchenkasse 30 fl.; wovon dekretmäßig 15 -
__________
Summa
485 fl.

Herzogliches Amt wird diese Besoldung, soweit dieselbe in Barem aus der Gemeindekasse besteht, vom 1. Juli 1858 an disponibel stellen.
Wegen Überweisung derselben, bleibt Verfügung vorbehalten. Der Glöckner = und Küsterdienst ist nach Antrag des Kirchenvorstandes von der Schulstelle zu trennen.
Herzogl Amt wird nach Vorstehendem den Gemeinderat zu Langenscheid bedeuten und bei Aufstellung des Budjets und der Kassenvisitationsprotokolle darauf die erforderliche Rücksicht nehmen lassen.
Wiesbaden, den 5. März
S c h e p p

Die diesjährige Herbstprüfung wurde am 14. September von Herrn Pfarrer S c h n e i d e r dahier abgehalten. Am 10. Oktober starb in Eppenrode der Herr Schulinspektor Pfarrer K a y s e r . Bis zum Schlusse des Jahres war sein Nachfolger in der Schulinspektion noch nicht ernannt.

1860
Am 5. Februar nahm Herr Pfarrer S c h n e i d e r Abschied von der hiesigen Gemeinde in einer Predigt über
Kol: 1, 7-9. Er ist nach Cramberg versetzt worden und hat während seines sechsjährigen Wirkens viel Segen in der hiesigen Gemeinde gestiftet.
Zu seinem Nachfolger in der hiesigen Pfarrei ist Herr Pfarrer S t a h l von Dörnberg ernannt, der am 9. Februar hier einzog. Am Sonntage, Oculi, 11. März, hielt derselbe seine Antrittspredigt dahier über Matth. 26, 39 und wurde hierauf von Herrn Kirchenrat W i l h e l m i von Diez feierlich der Gemeinde vorgestellt und in sein Amt eingesetzt.
Die seit Herbst v. J. erledigte Schulinspektion des II. Bezirks im Amte Diez wurde dem Herrn Pfarrer V o g e l von Eppenrod übertragen. –
Die Frühlingsprüfung wurde am 30. März von Herrn Schulinspektor V o g e l von Eppenrod und im Beisein des Lokalschulvorstandes abgehalten.
Die Schülerzahl betrug 81. Davon wurden nach der Prüfung 10, nämlich 5 Knaben und 5 Mädchen entlassen und beim Beginn des neuen Semesters 8 Zöglinge, nämlich 4 Knaben und 4 Mädchen aufgenommen so dass sich die Zahl der Schüler auf 79 reduzierte.
Die Herbstprüfung wurde am 23. September von Herrn Pfarrer S t a h l dahier abgehalten. Aufgenommen wurden noch 3 Kinder von temporär hier wohnenden Eisenbahnarbeitern, so dass auf der Frühlingsprüfung 82 Schüler erschienen.

1861
Die diesjährige Frühlingsprüfung wurde am 16. April von Herrn Schulinspektor V o g e l von Eppenrod und im Beisein des Lokal=Schulvorstandes abgehalten.
Von den 82 Schülern wurden 7, nämlich 6 Knaben und 1 Mädchen entlassen. Beim Beginn des neuen Schuljahres wurden 10 Zöglinge, nämlich 7 Knaben und 3 Mädchen aufgenommen.. Ein Knabe, der bisher die Schule zu Eppenrod besucht hatte, trat in die 3. Klasse der hiesigen Schule ein, so dass die Zahl der Schüler jetzt im Ganzen 86, nämlich 49 Knaben und 37 Mädchen beträgt.
Der vor nun 8 Jahren von hier nach Eppenrod versetzte Lehrer P r i e s t e r ist am 18. April d. J. nach kurzem Krankenlager gestorben.
Im Laufe des Sommers haben 2 temporär hier wohnende Schüler wegen Überzugs der Eltern die Schule wieder verlassen, so dass auf der Herbstprüfung 84 Schüler, nämlich 47 Knaben und 37 Mädchen erschienen.
Die Herbstprüfung wurde am 20. September von Herrn Pfarrer S t a h l dahier im Beisein eines Mitglieds des Schulvorstandes abgehalten.
Das Wintersemester begann am 18. Oktober.
Gegen Ende des Jahres wurde 1 Schüler in die Schule zu Holzappel entlassen, so dass jetzt die Gesamtzahl noch 83 beträgt.

1862
Die diesjährige Frühlingsprüfung wurde am 4. April abgehalten und es ist wohl noch nicht oft der Fall gewesen, dass bei der Prüfung einer Dorfschule Höchste und Hohe Herrschaften zugegen waren, als es hier der Fall war. Es waren dies zunächst unser gnädigster Standesherr, Seine Kaiserlich Königliche Hoheit der Durchlauchtigste Herr Erzherzog S t e p h a n, sodann Seine Kaiserlich Königliche Hoheit der Durchlauchtigste Herr Erzherzog
J o s e p h sowie seine Erlaucht der Herr Graf von E l z ; außer diesen der Referent in Schulsachen bei Hoher Landes=Regierung Herr Regierungsrat Dr. F i r n h a b e r von Wiesbaden, Herr Schulinspektor Pfarrer V o g e l von Eppenrod, Herr Pfarrer Stahl dahier und der übrige Ortsschulvorstand.
Nach einfachem, aber herzlichem Empfang der Höchsten Herrschaften begann um 8 Uhr morgens die Prüfung selbst unter Leitung des Herrn Regierungsrates Dr. F i r n h a b e r und währte bis 2 Uhr nachmittags.
In gewohnter Weise wurden sämtliche Schüler durch die Gnade unseres Allerhöchsten Standesherrn mit Weißbrot und Bier bewirtet und die acht besten Schüler, nämlich

1. Wilhelm K r ä m e r
2. Sophie K ü n z l e r
3. Karl S c h e u r e r
4. Luise H e n n e m a n n
5. Anton S c h a u b
6. Wilhelmine R o t h
7. Albert S t a h l
8. Karoline S c h a u b

mit sehr wertvollen Büchern beschenkt.
Nach beendigter Prüfung wurden von Herrn Schulinspektor V o g e l 16 Schüler – 10 Knaben & 6 Mädchen entlassen.

Mit dem Beginn des Sommersemesters am 8. April wurden 10 Zöglinge – 4 Knaben & 6 Mädchen – aufgenommen, so dass die Gesamtzahl jetzt 77 – 40 Knaben & 37 Mädchen beträgt. –
Davon hat gegen Pfingsten ein temporär hier wohnender Schüler die Schule verlassen, also zählt die Schule jetzt noch 76 Schüler – 39 Knaben & 37 Mädchen.
Die Herbstprüfung wurde am 22. September von Herrn Pfarrer S t a h l dahier abgehalten.
Am 14. Oktober begann das Wintersemester.

1863
Mit dem 1. März wurde 1 Schüler aus der III. Kl. wegen Überzugs nach Weilburg entlassen, weshalb auf der Frühlingsprüfung 75 Schüler erschienen..
Die Frühlingsprüfung wurde am 13. April von Herrn Schulinspektor V o g e l , sowie im Beisein des Lokal= Schulvorstandes abgehalten. –
Entlassen wurden 6 Schüler. 3 Knaben und 3 Mädchen; aufgenommen am 17. April 10 Zöglinge, 4 Knaben & 6 Mädchen, so dass die Schülerzahl jetzt 79, nämlich 39 Knaben und 40 Mädchen, beträgt.
Im Laufe des Sommersemesters wurde 1 Mädchen der 4. Kl. hier entlassen, weil sie sich in Flacht bei ihren Verwandten aufhält und da Herr Pfarrer S t a h l seine beiden Söhne selbst unterrichtet, so beträgt die Schülerzahl jetzt 76, nämlich 37 Knaben & 39 Mädchen.
Die Herbstprüfung wurde am 15. September von Herrn Pfarrer S t a h l dahier wie gewöhnlich abgehalten. –

Auf eine unterm 10. August l. J. eingereichte Beschwerde, „ die Regulierung der hiesigen Besoldungsverhältnisse betreffend“, wurde mir durch ein Reg. Reskript am 16. September eröffnet, dass die beiden unpassend gelegenen Schuläcker zum Vorteil der Gemeinde = Kasse zu verpachten seien und dass dafür der zeitige Lehrer eine jährliche Entschädigung von 15 fl. aus der Gemeinde = Kasse so lange zu beziehen habe, bis besser gelegene Schuläcker angekauft sind.

1864
Da sich im Laufe des Frühjahres die Gelegenheit dazu darbot, so wurde vom Schul= & Ortsvorstande drei passend gelegene sehr gute Gemüseäcker von 50 Meterruten als Schulgut angekauft.
Die Frühlingsprüfung wurde am 20. April d. J. unter dem Vorsitze des Herrn Schulinspektors V o g e l von Eppenrod im Beisein des Lokalschulvorstandes abgehalten. Entlassen wurden 10 Schüler, 6 Knaben und 4 Mädchen, neu aufgenommen am 22. April 5 Zöglinge, 3 Knaben und zwei Mädchen, so dass die Schülerzahl auf 70 herabsinkt.
Nach elfjähriger Wirksamkeit dahier bin ich mit dem 1. Mai nach Höchstenbach A. Hachenburg versetzt und ist die hiesige Schulstelle dem Lehrer H u t h von Isselbach übertragen worden. –

Ich, Georg, Philipp, Ludwig H u t h , wurde am 26. Oktober 1826 zu Marienfels, Amt Nastätten, geboren, besuchte die Elementarschule daselbst vom 6. bis 14. Jahre und wurde von meinem Vater, dem am 25. Oktober 1863 zu Marienfels verstorbenen Lehrer H u t h , zum Lehrerberufe vorbereitet. Beim Beginn des Sommersemesters 1844 ward ich in das Schullehrerseminar zu Idstein aufgenommen. Mit dem 1. Februar 1847, noch vor Schluss der dreijährigen Seminarzeit, beauftragte mich Hohe Landesregierung mit Versehung der Lehrerstelle zu Hüblingen, Amt Rennerod, ernannte mich mit dem 1. Mai 1847 zum Lehrvikar und mit dem 1. April 1851 zum Lehrer dortselbst.
Auf meinen Wunsch blieb ich bei Aufbesserung der Lehrergehalte im Jahre 1858 in Hüblingen, dem Geburtsorte meiner Frau; folgte aber dem Rufe Hoher Landesregierung, welch mich mit dem 1. Oktober 1861 nach Isselbach, Amt Diez, versetzte.
Damit war ich in das Standesgebiet Seiner Kaiserlich Königlichen Hoheit des Durchlauchtigsten Herrn Erzherzog S t e p h a n zu Schaumburg gekommen. Auf erfolgte Präsentation dieses unseres gnädigsten Standesherrn wurde ich dann mit dem 1. Mai 1864 an die Elementarschule zu Langenscheid versetzt. Den 2. Mai bewerkstelligte ich meinen Überzug und wurde am 5ten auf Christi Himmelfahrt durch Herrn Pfarrer S t a h l eingesetzt, worauf ich dann am 6. Mai den Unterricht begann.
Möge mein Wirken ein gesegnetes sein!
Das mir gewordene Dekret Hoher Landesregierung lautet:

Ad. Num: Reg. 14011.

Wir ernennen hiermit den Lehrer Georg Philipp H u t h zu Isselbach, Herzogl. Amt Diez, zum Lehrer an der Elementarschule zu Langenscheid, Herzogl. Amt Diez. Der mit dieser Stelle verbundene jährliche Gehalt, welchen derselbe vom 1. Mai l. Js. An, in so weit er in Barem besteht, in Quartalraten postnumerando zu beziehen hat, umfasst folgende Besoldungsteile:

1. aus der Gemeindekasse Barbesoldung 398 fl. 30 Kr.
2. Wohnung zu 15 - -
3. Schulgut 25 -
4.

Vom standesherrlichen Speicher 3 ½ Malter
Korn a 9 fl

.31- 30-
5. Gemeindenutzen 20 fl., ohne Aufrechnung
6. Als Organist und Vorsänger aus der
Kirchenkasse 30 fl, wovon dekretmäßig
15 - -
_____________
=
485 fl

worüber Wir dem Lehrer H u t h zu seiner Legitimation gegenwärtiges Dekret erteilen.

Wiesbaden den 18. April 1864

Herzoglich Nassauische Landesregierung

S c h e p p

Mit dem 1. Juli gab es weiter eine Veränderung dahier mit dem Schulvorstandsdirigenten.
Die durch den Tod des Herrn Pfarrers S c h u l z zu Holzappel erledigte Pfarrstelle wurde dem Herrn Pfarrer
S t a h l dahier übertragen und Herr Pfarrer D e i ß m a n n von Dörnberg an hiesige Pfarrstelle versetzt.

Der 21. August d. J. war ein Freuden= und Festtag für alle treuen Nassauer. Mit diesem Tage waren es 25 Jahre, dass seine Hoheit, unser geliebter Herzog A d o l f die Regierung angetreten und Jung und Alt, Hoch und Niedrig, - alle Getreuen schickten sich an, diesen Jubiläumstag zu einem Festtage zu machen und dem hohen Jubilar ihre Glückwünsche darzubringen. Dass da die Lehrer mit ihren Schülern nicht zurückblieben, ist leicht zu denken..
Sämtliche Lehrer des Herzogtums Nassau traten zusammen, zeichneten Beiträge zu einer Stiftung für Lehrerwaisen, legten in einer Adresse ihre Gefühle Seiner Hoheit zu Füßen und baten, der Stiftung zum Andenken an diesen Tag Höchst Ihren Namen geben zu dürfen. -
Dem Wunsch wurde gnädigst willfahrt, und es besteht nun eine A d o l f s t i f t u n g für Lehrerwaisen, die gewiss noch viel Segen stiften wird.
Für die Schuljugend war nicht nur der 21. sondern auch der 22. August noch ein besonderer Feiertag. Der Unterricht wurde ausgesetzt und dieser Tag dem Fest entsprechend verlebt.
Seine Kaiserlich Königliche Hoheit, unser geliebter Standesherr, wussten diesen Jubiläumstag in Höchst Ihrem Standesgebiete unvergesslich zu machen.
Zwei Schüler aus jeder Schule der Herrschaft Schaumburg, geführt vom ältesten Lehrer Herrn P r i e s t e r in Holzappel, und sämtliche Herrn Bürgermeister reisten auf Kosten und unter der Leitung Seiner Kaiserlichen Hoheit nach Biebrich und brachten in feierlicher Audienz Seiner Hoheit, unserm verehrten Herzog A d o l f ihre Glückwünsche dar.
Möchte ein so reichlich in Gnaden dargebrachtes Opfer bei den Standeskindern Kaiserlicher Hoheit nicht ohne Segen bleiben.
Möchten insbesondere auch die beiden hiesigen Schulkinder – Karl S c h e u r e r und Henriette S c h a u b – durch Fleiß und ein gutes Betragen sich recht dankbar gegen ihre hohen Wohltäter beweisen und den Andern ein Vorbild sein.

Den 18. September wurde die Herbstprüfung durch Herrn Pfarrer D e i ß m a n n abgehalten. Obwohl im Frühjahr hiesige Schule 2 Schüler, - die Kinder des Herrn Lehrer R o t h ,- und im Herbst einen weiteren im Sohn des verstorbenen Herrn Lehrers P r i e s t e r verlor, so blieb die Zahl 70 doch durch den Eintritt dreier Söhne des gegenwärtigen Lehrers H u t h.
Nach Beginn des Wintersemesters wurde auf Anregen des Herrn Pfarrers D e i ß m a n n eine Abendschule errichtet. Dieselbe wurde ziemlich stark besucht; den Unterricht erteilten an zwei Abenden der Woche der genannte Herr Pfarrer und der Lehrer. Alle Kosten wurden bereitwillig auf die Gemeindekasse übernommen.

1865
Der Winter 1864/65 war sehr streng und schneereich. In manchen Gegenden des Großherzogtums soll der Schnee über zwölf Fuß hoch gelegen haben.
Auch hier musste noch am 1. April die ganze Gemeinde Schnee schöpfen, um es Seiner Kaiserlich Königlichen Hoheit, unserm gnädigsten Standesherrn zu ermöglichen, zur Abhaltung der Frühlingsprüfung hierher fahren zu können..
Doch trat alsbald das herrlichste Frühlingswetter ein, und die Wärme nahm so zu, dass man fast sagen könnte, der Sommer sei diesmal auf den Winter gefolgt.
Bei immer zunehmender Wärme und bei Mangel an Regen entstand eine große Trockenheit, ja Dürre, dass alle Früchte Not litten und Futtermangel eintrat. Heu und Stroh gab es wenig; desto gesegneter war die Ernte an Körnern, Kartoffeln und Wein. –
Wie oben schon bemerkt, wurde die Frühlingsprüfung am 1. April in Gegenwart unsers geliebten Standesherrn, Seiner K.K. Hoheit Erzherzog S t e p h a n, sowie des Herrn Schulinspektors V o g e l und des hiesigen Schulvorstandes abgehalten. Wie gewöhnlich wurden die acht besten Schüler von Seiner Hoheit mit wertvollen Prämien bedacht.
Da zum Schlusse der Prüfung 15 Schüler aus der Schule entlassen, später aber nur 4 in dieselbe aufgenommen wurden, so sank die Schülerzahl auf 59 und durch den Tod des fast blinden Schülers Philipp Anton
I s s e l b ä c h e r am 24. September auf 58.
Einige Zeit nach der Herbstprüfung, welche den 26. September durch Herrn Pfarrer D e i ß m a n n im Beisein des übrigen Schulvorstandes abgehalten ward, stieg die Schülerzahl durch Aufnahme der Sarah H a a s von Grenzhausen, der Wilhelmine S c h a u b von Cramberg und des Heinrich H e n n e m a n n von hier auf 61.
Auch im Winter 1865/66 wurde von Herrn Pfarrer D e i ß m a n n und dem Lehrer H u t h an zwei Abenden der Woche mit 25 – 27 Jünglingen Abendschule gehalten.
In der am 4. März 1865 stattgehabten Sitzung des Gemeinderates wurde in Betreff der Baumschule beschlossen, dem jeweiligen Lehrer zu Langenscheid den ganzen Erlös aus der Gemeindebaumschule unter der Bedingung zu überlassen, dass solche in gutem Stande erhalten und den hiesigen Einwohnern sowie der Gemeinde für ihren Bedarf das veredelte, versetzbare Stämmchen zu vierundzwanzig Kreuzer abgegeben wird.

1866
Die Frühlingsprüfung wurde am 3. April wegen Krankheit im Schulhause auf dem Rathause durch Herrn Schulinspektor V o g e l im Beisein des Schulvorstandes abgehalten. Der Letztere beantragte für den Lehrer eine Gratifikation, deren Höhe der Gemeinderat bestimmen sollte. Dieser beantragte auf 20 fl., welche auch von Hoher Landesregierung genehmigt wurden.
Nach der Prüfung wurden 7 Schüler, 4 Knaben und 3 Mädchen aus der Schule entlassen und 7 Kindlein, 5 Knaben und 2 Mädchen in dieselbe aufgenommen. Es bleibt also die Schülerzahl 61.

Das Jahr 1866 brachte für Deutschland eine politische Umgestaltung. -
Österreich suchte immer stets seine Oberherrschaft über Deutschland zu erhalten und Preußen niederzudrücken, wodurch gar manchem Guten der Eingang verschlossen wurde.
Nachdem Schleswig=Holstein durch Österreich und Preußen war erobert und von Dänemark losgerissen worden, traten zwischen diesen beiden Staaten Zerwürfnisse ein, die schließlich eine Entscheidung durch das Schwert nötig machten. -
Mit Tapferkeit wurde auf beiden Seiten gekämpft; doch die preußischen Heere voll Heldenmut und Siegesbewusstsein warfen die Österreicher, drängten sie immer mehr zurück und machten erst vor der Kaiserstadt Wien Halt.
Die kaiserlichen Herrn waren geschlagen, zertrümmert; der Kaiser musste um Frieden bitten und Preußen gewährte ihn unter harten Bedingungen.
Die übrigen deutschen Fürsten hatten sich beim Beginn des Kampfes zum Teil auf die Seite Österreichs, zum Teil auf die Seite Preußens geschlagen.
Außer Bayern, Württemberg und Baden hatten sich auch Hessen = Darmstadt, Kurhessen und Nassau auf die Seite Österreichs gestellt.
Infolge der glänzenden Siege der Preußen musste Österreich ganz aus Deutschland ausscheiden; dann wurden Nassau, Kurhessen, Hannover und Schleswig = Holstein nebst Lauenburg in Preußen einverleibt, während die übrigen Staaten nördlich der Mainlinie unter verminderter Souveränität ihrer Fürsten mit Preußen zu einem norddeutschen Bunde zusammentraten.
Die süddeutschen Staaten kamen mit Entrichtung bedeutender Entschuldungssummen an Preußen weg.
Wir sind nun Preußen und haben unserm neuen Landesherrn , Seiner Majestät dem Könige W i l h e l m I. Treue geschworen.
Möchte diese Vereinigung uns zum Segen werden!

1867
Die Schicksale des Hauses Habsburg, - wohl auch die des Hauses Nassau, gingen gewiss unserm geliebten gnädigsten Herrn Erzherzog sehr zu Herzen und untergruben Höchst Ihre ohnehin schon sehr angegriffene Gesundheit, so dass der Zustand bedenklich wurde.
Alle angewandten Mittel konnten das Leben des Edeln nicht erstarken und am 19. Februar 1867 hauchte er zu Mentone, im südlichen Frankreich, seine edle Seele aus.-
Sein liebevolles Auge schaut uns nun nicht freundlich an; seine lieblichen Worte klingen nun nicht mehr in unser Ohr. Aber unvergesslich wird er jedem bleiben; auch bei uns bleibe sein Andenken im Segen.
Noch mancher wird beflorten Auges Schaumburgs Höhen hinanschauen, noch mancher seine Hände nach dem Helfer, dem Gütigen, ausstrecken und rufen: Ach weiltest Du noch unter uns.
Wir ehrten das Andenken an den Hohen Toten durch Trauergeläute und Trauergottesdienst. Nun ruhen die teuren Gebeine in der Familiengruft zu Ofen; dem unsterblichen Geiste aber – wir hoffen es zuversichtlich- hat der Allgütige die Pforten des Himmels erschlossen und die ewige Ruhe in Gnaden geschenkt.

Die Frühlingsprüfung wurde den 3. April im Beisein des Schulvorstandes durch Herrn Schulinspektor V o g e l abgehalten; nach derselben sind 9 Schüler, 3 Knaben und 6 Mädchen der Schule, entlassen und auch 9 Neulinge in dieselbe aufgenommen worden.. Da eine eingewanderte Schülerin nach Grenzhausen wieder zurückging, so beläuft sich die Schülerzahl auf 60 Kinder.
Die Herbstprüfung wurde am 17. September durch Herrn Pfarrer D e i ß m a n n dahier gehalten. Bald darauf starb ein hoffnungsvoller Schüler des jüngsten Jahrgangs, weshalb die Schule nur noch von 59 Schülern besucht wird.

1868
Gesundheitsrücksichten bestimmten unsern geehrten Herrn Schulinspektor V o g e l in Eppenrod, um seine Entlassung zu bitten. Wohl hätten wir Lehrer gewünscht, dass er, der überall stets bemüht war, mit Milde Gerechtigkeit zu üben, noch viele Jahre unser Vorgesetzter bleibe; doch Hohe Regierung genehmigte die Bitte und ernannte Herrn Pfarrer D e i ß m a n n dahier zum Schulinspektor.
Auch unter den Leitern des Schulwesens im Regierungsbezirk Wiesbaden war eine Veränderung eingetreten, indem Herr Geheimer = Regierungsrat F i r n h a b e r in Ruhestand trat, und zwei Schulräte, Herr B e y e r für die Evangelischen, Herr H i r s c h f e l d e r für die Katholischen, zu Referenten in Schulsachen ernannt wurden.

Den 13. März wurde die Frühlingsprüfung durch Herrn Schulinspektor D e i ß m a n n im Beisein des übrigen Schulvorstandes abgehalten, wobei 7 Schüler, 3 Knaben und 4 Mädchen entlassen wurden. Beim Beginn des neuen Schuljahres stieg die Schülerzahl durch Aufnahme von 12 Kleinen, 6 Knaben und 6 Mädchen, auf 64.

Das Jahr 1868 zeichnete sich durch große Wärme und Trockenheit der Sommermonate aus. Obwohl dadurch an vielen Orten Futtermangel eintrat, so kann man die Ernte doch eine reichliche nennen. Was hier und da an der Quantität abging, wurde durch die Qualität ersetzt. Obst erntete man überall in großer Menge & Güte.
Die Herbstprüfung wurde diesmal, um den Kindern etwas früher Ferien geben zu können, nach denselben gehalten.

Am 13. Januar 1869 wurden drei Kinder des Bahnwärters S a n d in der Daubach in hiesige Schule aufgenommen, wodurch die Schülerzahl auf 67 stieg.
Den 19. März fand die Frühlingsprüfung statt. Nach derselben wurden 9 Schüler, 5 Knaben und 4 Mädchen der Schule entlassen und 11 Kinder, 7 Knaben & 4 Mädchen in dieselbe aufgenommen, so dass bei Beginn des neuen Schuljahres die hiesige Schule 69 Kinder zählte.
Durch die Bemühungen unseres Herrn Schulinspektors D e i ß m a n n und des Herrn Landrats N a s s e kamen an vielen Orten der Inspektion Fortbildungsschulen zustande. Die hiesige wurde von 20 – 24 Jünglingen besucht. Der Unterricht ward an zwei Abenden in der Woche und am Sonntagnachmittag von Herrn Schulinspektor D e i ß m a n n und Lehrer H u t h erteilt. Letzterer erhielt als Vergütung hierfür 12 Taler aus der Gemeindekasse und von jedem Schüler ½ Taler.

Durch Versetzung eines Bahnwärters trat mit Neujahr ein Schüler aus und zwei traten ein; die hiesige Schule zählte nun 70 Schüler.
Zur Frühlingsprüfung, welche am 16. März 1870 im Beisein des Schulvorstandes durch Herrn Schulinspektor D e i ß m a n n abgehalten wurde, waren Fortschrittsbücher allgemein eingeführt worden. Sie dienen als Aufnahme=, Entlassungs = und Konduitenbuch und vereinfachen die Sache.
Nach der Prüfung wurden 8 Schüler – 3 Knaben & 5 Mädchen der Schule entlassen und 13 – 5 Knaben und u. 8 Mädchen in dieselbe aufgenommen.
Bei Beginn des Schuljahres stieg daher die Schülerzahl auf 75, - sank aber alsbald wieder auf 69, indem die 6 Kinder der Bahnwärter S a n d & S t r a u c h in die Schule zu Balduinstein eintraten. –
Kaum war die Hälfte des Jahres 1870 ruhig dahin geflossen, da brach ein Wetter los, das Deutschland, besonders Preußen zu vernichten sich vorgenommen; dunkle Gewitterwolken überzogen den politischen Horizont; doch dem Herrn sei Dank für seine Gnade ! Schlug das Unwetter auch manche tiefe Wunde, - es ging doch gnädiglich an uns vorüber, zerschmetterte diejenigen, welche es in Übermut heraufbeschworen und machte das Jahr 1870 / 71 zum ruhmreichsten in der preußischen und deutschen Geschichte. -

Alle, die es miterlebt, selbst die kleinsten Kinder werden es nie vergessen, und schon hat die Feder des Geschichtsschreibers dafür gesorgt, dass es auch bei den Nachkommen unvergesslich bleibe. Ich will und kann mich daher hier ganz kurz fassen und nur einiges hier niederlegen, was unser Dorf und unsere Gemeinde betrifft.
Es war im Juli des Jahres 1870. Unser König befand sich gerade zur Erholung und zur Kräftigung seiner Gesundheit in Ems.
Da glaubten die Franzosen mit ihrem Kaiser N a p o l e o n III. den Zeitpunkt gekommen, wo sie ihrer Eroberungslust und ihrem Hochmut genüge tun und Preußen, dessen Emporkommen auch ihnen ein Dorn im Auge war, mit Krieg überziehen und leicht erobern und vernichten könnten.
Ein Vorwand zum Friedensbruch war leicht gefunden; den 15. Juli reiste König W i l h e l m von Ems ab nach Berlin; der Reichstag wurde einberufen und am Eröffnungstage, den 19. Juli, traf die französische Kriegserklärung in Berlin ein.
Da galt es Eile, die deutschen Heere zum Schutze an die Grenze zu bringen.
Auch die Süddeutschen, voran der ritterliche König L u d w i g von Bayern, beeilten sich, ihre Truppen mobil zu machen und sich an Preußen anzuschließen.
Überall eilten die Mannschaften dem Rufe des Königs und Vaterlandes folgend zu den Fahnen, voll Vertrauen auf unsere gerechte Sache, voll Begeisterung, die bedrohten Grenzen des Vaterlandes zu schützen und mit Hilfe des Herrn den hochmütigen Feind zu demütigen.
Aus unserem Orte Langenscheid zogen aus:
1. Ludwig S c h e u r e r
2. Wilhelm K ü n z l e r
3. Ludwig H e n n e m a n n
4. Friedrich K o c h
5. Wilhelm E b e r t s h ä u s e r
6. Joseph F r i e d
7. Ludwig K ü n z l e r

die beiden Letzten als verheiratete Männer-

Überall rührten sich die Hände, die nötigen Vorbereitungen zum großen Kampfe zu treffen, und der 27. Juli ward auf Anordnung Seiner Majestät im ganzen Reiche als Bettag gefeiert, um des Herrn Beistand in der großen Gefahr allgemein zu erflehen.
Tag und Nacht beförderten die Eisenbahnen Soldaten und Kriegsmaterial an die Grenze gegen Frankreich, und die Hauptmacht wurde von Saarbrücken bis in die Gegend von Weißenburg in drei Armeen aufgeteilt. Diese standen unter dem Oberbefehl des Kronprinzen F r i e d r i c h W i l h e l m, des Prinzen F r i e d r i c h K a r l und des General von S t e i n m e t z.
Nachdem nun auch unterm 2. August der 73jährige greise König, in dessen Begleitung sich der Bundeskanzler Graf von B i s m a r c k . der Kriegsminister von R o o n und der Chef des Generalstabes von M o l t k e befanden, den Oberbefehl über sämtliche deutsche Heere übernommen, begann der Angriff von unserer Seite und es folgte unter des Allmächtigen Beistand Sieg auf Sieg.
Den ersten erkämpfte der Kronprinz am 4. August bei Weißenburg, und nachdem auch am 6. August die Franzosen bei Wörth und Forbach geschlagen worden, musste N a p o l e o n seine Heere in die Umgegend von Metz zurückziehen und den Oberbefehl an Marschall B a z a i n e übergeben. Dort kam es am 14., 16. & 18. August zu blutigen Kämpfen, und B a z a i n e musste mit seinen Franzosen in der Festung Metz Schutz suchen und sich von allen Verbindungen abschneiden lassen. -
Wohl hatte sich hier N a p o l e o n noch beizeiten gerettet; doch entkommen sollte er nicht. Bei Sedan wurde er am 1. September gezwungen, zu kapitulieren, überreichte am 2. September dem Könige W i l h e l m seinen Degen und wurde als Kriegsgefangener nach Wilhelmshöhe bei Kassel gebracht.
Welcher Jubel auch in unserm Dörfchen, als die entsprechende Depesche bekannt wurde und die Glocken dankend gen Himmel erklangen!
Die deutsche Einigkeit hatte glorreiche Siege errungen, die geraubten deutschen Provinzen Elsass & Lothringen waren wieder gewonnen. -
Eine Festung nach der andern fiel; am 23. September kapitulierte Toul, am 28ten Straßburg, am 27. Oktober Metz. -
Doch galt es noch manchen harten Kampf um Paris und in den nördlichen und südlichen Provinzen Frankreichs, bis die Franzosen völlig die Waffen streckten.
Erst am 28. Januar 1871 kam ein Waffenstillstand zustande: die Festungswerke um Paris wurden von deutschen Truppen besetzt; am 1. März 1871 hielt ein Teil derselben seinen Einzug in Paris und nach großem Sträuben wurde endlich am 10. Mai 1871 zu Frankfurt a/M. der Friede geschlossen, durch welchen sich die Franzosen verpflichteten, Deutsch = Lothringen mit Metz und das Elsass mit Ausnahme von Belfort an Deutschland abzutreten und 5 Milliarden Franken Kriegsentschädigung zu zahlen.
So endigte dieser Krieg: Frankreich furchtbar gezüchtigt; Deutschland geeinigt, gekräftigt unter dem Szepter eines deutschen Kaisers. Denn auf Antrag der deutschen Fürsten, voran wieder der hochherzige König L u d w i g von Bayern und der freien Städte übernahm unser König W i l h e l m die deutsche Kaiserwürde und wurde am 18. Januar zu Versailles unter dem Donner der Geschütze von Paris zum deutschen Kaiser proklamiert. -
Dass ein solcher Krieg auch viele Wunden auf unserer Seite schlug, ist leicht zu denken. Die Soldaten aus unserem Dorfe kamen glücklich durch bis auf Ludwig H e n n e m a n n und Ludwig K ü n z l e r.
Der erstere wurde schon in der Schlacht bei Wörth schwer verwundet; eine Kugel war ihm in die Brust gedrungen; doch Gottlob! hatte sie nicht den Tod zur Folge. Nach vielen, vielen Schmerzenswochen war er wieder so weit hergestellt, dass er, wenn auch nicht mehr dienen, doch soweit gesund unter uns wohnen kann.
Der Zweite jedoch liegt fern von der Heimat in fremder Erde begraben. Er starb zu Chateau Thierri nicht an erhaltenen Wunden, sondern am Ruhrtyphus.
Mit der trauernden jungen Witwe weinen wir ihm eine Träne der Liebe nach und setzen ihm ein Denkmal in unserem Herzen. Dem armen Waisenkinde, das noch nicht weiß, was ihm geschehen, wollen wir Alle Vater sein.

Die denkwürdigsten Tage wurden auch hier in Langenscheid von Alt und Jung gefeiert; am Tage, wo die Gewissheit von der glücklichen Beendigung des Kampfes eintraf, zündeten wir ein Freudenfeuer an; auf den Geburtstag Seiner Majestät, der dieses Mal sehr festlich begangen ward, , setzten wir auf den freien Platz neben der Kirche eine Friedenslinde; später wurde noch ein Höchsten Orts angeordnetes Friedensfest gefeiert, und als endlich unsere Soldaten aus dem Felde wieder in unser Dorf zurückgekehrt, gab die Gemeinde ihren Söhnen, die den Feldzug als tapfere Soldaten mitgemacht, ein schönes Fest und zollte ihnen den Dank des Vaterlandes..
Möge der Herr ihnen reichlich vergelten, was sie für uns getan! –

Im Winter 1870/71 wurde keine Abendschule gehalten; die Zeit war nicht dazu angetan; der Krieg beschäftigte alle Gemüter Tag und Nacht.
Die Frühlingsprüfung wurde den 23. März 1871 durch Herrn Schulinspektor D e i ß m a n n abgehalten. 9 Schüler, 4 Knaben und 5 Mädchen verließen die Schule, 7 Kinder, 3 Knaben und 4 Mädchen wurden neu aufgenommen, so dass das neue Schuljahr 1871/72 mit 67 Schülern begonnen ward. Am 7. Mai starb jedoch die Schülerin Susanne K ü n z l e r , wodurch die Schülerzahl auf 66 herabsank.
Den 1. August hatten die Lehrer des Amtes Diez unter dem Vorsitze des Herrn Schulrats B e y e r eine Hauptkonferenz und Schreiber dieses musste bei dieser Gelegenheit mit Diezer Schulknaben eine sogenannte Probelektion halten über das Gedicht von J. K e r n e r: „ Der reiche Fürst.“
Die Herbstprüfung wurde den 21. September gehalten, und mit dem am 2. Oktober begonnenen Wintersemester ward der Turnunterricht eingeführt.
Im Laufe dieses Semesters verließ ein Knabe die hiesige Schule und besucht diejenige in Dörnberg. Daher beträgt die Schülerzahl am Schlusse des Wintersemesters 1871/72 65 - 36 Knaben, 29 Mädchen. –

1872
Im Winter 1871 / 72 wurde wieder Abendschule gehalten; sie wurde von zirka 20 Schülern, - meist jungen Männern – besucht. Hauptunterrichtsgegenstand war Rechnen, um die Leute mit den Dezimalbrüchen und dem neuen Maß & Gewicht bekannt zu machen. Dem Lehrer wurden dafür 15 Taler aus der Gemeindekasse.
Bei Stellung des Budgets für die Gemeindekasse wurde auf Antrag des Herrn Schulinspektors D e i ß m a n n , dessen Bemühungen um Aufbesserung der Lehrerbesoldungen dankend anerkannt werden müssen, die hiesige Organistenstelle von 30 fl. auf 30 Taler erhöht.
Den 6. März wurde die Frühlingsprüfung bei einem herrlichen Wetter von Herrn Schulinspektor D e i ß m a n n abgehalten und dabei zum ersten Mal im Turnen geprüft. Nach derselben wurden 6 Schüler, 4 Knaben und 2 Mädchen aus der Schule entlassen und 11 Kleine, 8 Knaben u. 3 Mädchen in dieselbe aufgenommen, wodurch die Schülerzahl auf 70 - 40 Knaben und 30 Mädchen – stieg.
Im Laufe des Jahres wurde durch die Bemühung Hoher Behörden die Barbesoldung des Lehrers aus der Gemeindekasse von 398 fl. 30 kr. auf 260 Taler erhöht und dem Lehrer zum Bezuge vom 1. Januar 1872 an hingewiesen. Die dekretliche Besoldung steht nun auf 305 Taler, indem von den 30 Talern Organistenbesoldung 4 rl.5 Sgr als dekretlich angerechnet sind..
Am 24. Juni 1872 starb der siebenjährige brave Schüler Friedrich K a s p e r; dagegen wurde am 1. August der in 1871 entlassene Schüler Josef G ü l l wieder dahier aufgenommen, wodurch die Schülerzahl 70 bleibt.
Die Herbstprüfung wurde nach den Ferien im Oktober abgehalten.
Den Bemühungen Hoher Behörden und dem persönlichen Eingreifen des Herrn Schulinspektors gelang es abermals, eine Abendschule ins Leben zu rufen; der Erfolg ist aber den Bemühungen wenig entsprechend, da es am guten Willen fehlt.

Zeitsprünge
Schulchronik:

vor 1820
1820-1830
1831-1840
1841-1850
1851-1860
1861-1870
1871-1880
1881-1890
1891-1900
1901-1910
1911-1920
1921-1930
1931-1940
1941-1950
1951-1960
1961-1969

Ortschronik
1873
Den 17. März wurde die Frühlingsprüfung im Beisein des Schulvorstandes durch Herrn Schulinspektor D e i ß m a n n abgehalten. Zum Schlusse derselben wurden 4 Schüler, 2 Knaben und 2 Mädchen aus der Schule entlassen und 15 Kinder, 3 Knaben und zwölf Mädchen in dieselbe aufgenommen. Hierdurch stieg die Schülerzahl auf 81 und wurde nach den „ Allgemeinen Bestimmungen des Königl. Preußischen Ministers der geistlichen Unterrichts- und Medizinal = Angelegenheiten, Dr. F a l k , vom 15. Oktober 1872“ die Halbtagsschule eingeführt.

Im Laufe des Sommerhalbjahres trat der schon mehrfach genannte Schüler Josef G ü l l wieder in die Schule zu Dörnberg über; mit Beginn des Wintersemesters wurde aber ein Mädchen von Altendiez, Katharine G a s t e i e r in hiesige Schule aufgenommen, so dass die Schülerzahl blieb.

Durch die Bemühungen der vorgesetzten Behörden wurde die hiesige Lehrerbesoldung von dem Bezirksrate auf 350 Taler dekretlich normiert.

Das entsprechende Dekret lautet:
Wiesbaden, 10. Dezember 1873

1. Barbesoldung aus der Gemeindekasse 309 rt 5 Sgr
2. Wohnung angeschlagen zu 8 „ 17 „
3. Schulgut 14 „ 8 „
4.

Vom standesherrlichen Speicher 3 ½ Malter
Korn a 5 rt 4 ¼ Sgr.

18 „
5. Gemeindenutzen 11 rt. 13 Sgr. Ohne Aufrechnung
6.

Auf die Dauer des Dienstes als Organist und Vorsänger
aus der Kirchenkasse ohne Aufrechnung

___________
350 rt

Wir haben auf den Antrag des Amtsbezirksrates die Besoldung der Lehrerstelle zu Langenscheid, Königl. Amts Diez, anderweitig in folgender Weise reguliert:

Wir bewilligen dem seitherigen Lehrer Georg Philipp Ludwig H u t h zu Langenscheid dieses Gehalt vom 1. Juli l. Js. Anfangend und erteilen ihm hierüber dieses Dekret.

Königliche Regierung, Abt. für Kirchen= & Schulsachen

De la Croix

1874
Da mit Neujahr der hiesige Herr Pfarrer, Schulinspektor D e i ß m a n n zum Pfarrer in Erbach und zum Dirigenten der dortigen Realschule ernannt wurde, so traten folgende Veränderungen ein.
Herr Pfarrer S t a h l in Holzappel wurde zum Schulinspektor des hiesigen Bezirks, Herr Pfarrer M a g e r w i r t h von Dörnberg zum Pfarrer dahier ernannt.
Der Letztere wurde am 22. Februar, nachdem er in der Woche vorher von hiesiger Gemeinde in Dörnberg abgeholt worden, von Herrn Dekan H a t z f e l d in Flacht dahier in seinen Dienst eingeführt.
Den 25. März wurde die Frühlingsprüfung durch Herrn Schulinspektor S t a h l im Beisein des Herrn Pfarrers und der übrigen Schulvorsteher abgehalten. Beim Schlusse derselben wurden 8 Schüler, 5 Knaben und 3 Mädchen entlassen, und da schon mit Weihnachten 1873 3 Kinder des abziehenden Herrn Schulinspektors D e i ß m a n n die hiesige Schule verlassen hatten, , aber nur 7 Neulinge aufgenommen wurden, so ging die Schülerzahl beim Beginn des Sommerhalbjahres 1874 auf 77 zurück, womit die Halbtagsschule wieder aufgehoben war.
Den 14. April prüfte Herr Dr. H a a s von Limburg die hiesigen Abendschüler. Der Lehrer erhielt später eine Prämie vom Verein im Betrage von 14 Talern.
Auch im Winter 1874 / 75 bestand die Abendschule; doch den meisten Schülern fehlt die Lernlust und die Ausdauer; diese versäumen nicht allein auf jede mögliche Weise den Unterricht, sondern sind auch ein Hemmschuh für die Fleißigen und Lernbegierigen.

1875
In diesem Jahre war die Frühlingsprüfung ziemlich frühe. Sie fand am 23. Februar unter dem Vorsitze des Herrn Schulinspektors S t a h l und im Beisein des Herrn Pfarrers und der übrigen Herrn Schulvorsteher statt.
Am Schlusse derselben wurden 7 Kinder, 4 Knaben und 3 Mädchen der Schule entlassen und mit Beginn des Sommersemesters 11 – 9 Knaben und 2 Mädchen in dieselbe aufgenommen, wodurch die Schülerzahl auf 81 stieg.
Die Prüfung der Fortbildungsschule wurde abermals von Herrn Rektor Dr. H a a s aus Limburg abgehalten.
Den 14. September fand die Herbstprüfung unter dem Vorsitze des Herrn Pfarrers M a g e r w i r t h statt; zum Schlusse nahm derselbe Abschied von der Schule dahier, da ihm mit dem 1. Oktober die durch den Tod des Herrn Pfarrers S c h n e i d e r zur Erledigung gekommene Pfarrstelle zu Cramberg übertragen worden war.
An seine Stelle trat Herr Pfarrer J ä g e r von Dörnberg; derselbe wurde am 17. Oktober durch Herrn Dekan
H a t z f e l d in Flacht in seinen Dienst dahier eingeführt.
Am 27. August fand eine größere Konferenz unter dem Vorsitze des Herrn Schul= & Regierungsrates B e y e r zu Schaumburg statt. Zu derselben waren nicht bloß die Lehrer des ganzen Amtes Diez, sondern auch die meisten der Herrn Geistlichen als die Schulvorstandsdirigenten erschienen.
Durch den Abzug des Herrn Pfarrers M a g e r w i r t h verlor die hiesige Schule 1 Schüler – Eugen
M a g e r w i r t h – dagegen erhält dieselbe im Februar von Cramberg einen solchen – Karl M e f f e r t - zurück, und bleibt dadurch die Schülerzahl auf 81.

1876
Der Winter 1875 / 76 war für die auswärts wohnenden 8 Schulkinder sehr ungünstig. - Kälte, Schnee und zuletzt besonders der Regen und die bodenlosen Wege hinderten die Kinder sehr häufig am Schulbesuche.
Den 14. März fand die Frühlingsprüfung durch Herrn Schulinspektor S t a h l in Gegenwart des Schulvorstandes statt. Es wurden 11 Schüler – 5 Knaben und 6 Mädchen – aus der Schule entlassen. Alsbald ging auch der von Cramberg hierher gekommene Schüler, Karl M e f f e r t, wieder dorthin zurück. Dagegen wurden mit Beginn des Sommersemesters 8 Sechsjährige und 3 Kinder des von Giershausen als Pächter an die Schleuse hiesiger Gemarkung gezogenen Schreiners und Wirtes Heinrich Karl H e y m a n n aufgenommen, wodurch das Schuljahr 1876 / 77 mit 80 Schülern begonnen ward.

Spät im April, als schon alles grünte und blühte, fiel noch einmal eine solche Schneemasse, dass die Äste der Bäume brachen. Auch der schöne Kastanienbaum auf dem Schulplatze verlor durch das Brechen mehrerer Äste auf einer Seite seine herrliche Form.
Im Mai brachen unter den Kindern die Masern aus; da über die Hälfte der Kinder fehlte, wurde auf Beschluss des Schulvorstandes der Unterricht ausgesetzt, was uns jedoch einen Verweis eintrug, da die gesetzlichen Vorschriften unbeachtet geblieben.
Die Herbstferien dauerten in diesem Jahre 6 Wochen, in welcher Zeit der Lehrer an einem Fortbildungs = Kursus in Wiesbaden teilnahm.
Das Winterhalbjahr begann daher erst am 5. November. Der Unterricht wurde aber auch nun noch durch Krankheiten der Kinder gestört. Viele empfanden noch die Nachwehen der Masern; dazu ein Regenwinter, wie keinen erlebt zu haben die ältesten Leute versichern.

1877/1878
Doch sind alle Schulkinder glücklich durchgekommen, bis auf die 7 jährige Karoline S a n d , ein früher recht kräftiges Kind, welches nach langem Leiden am 14. Februar 1877 dem Herrn entschlief.

Nachdem noch am 20. Februar die 10 jährige Elisabethe S c h m i d t, Tochter des Witwers Georg S c h m i d t an der Schleuse, zu ihrer Großmutter nach Braubach gekommen war, besuchten am Schlusse des Schuljahres noch 78 Kinder die hiesige Schule.
Die Frühlingsprüfung ward abermals am 14. März abgehalten. 10 Schüler wurden entlassen, 9 Neulinge aufgenommen, und da die oben erwähnte Elisabethe S c h m i d t im Laufe des Sommers wieder hier eintraf, so blieb die Schülerzahl 78.
Die in diesem Jahre bei Lieferung des Schulholzes entstandenen Zwistigkeiten wurden mit gütiger Hilfe der vorgesetzten Behörden dahin geschlichtet, dass verfügt wurde:

„ Die Gemeinde liefert dem Lehrer zur Feuerung während des Unterrichts in der Elementar= und Fortbildungsschule 14 (vierzehn) Raummeter Buchenholz jährlich und lässt solches anfahren und klein machen. Das übrig bleibende Holz gehört dem Lehrer.“

Vom 15. April 1877 bis zum 1. April 1878 blieb die Schulstelle zu Geilnau unbesetzt, und Schreiber dieses, Lehrer H u t h, erteilte an zwei Wochentagen dorten Unterricht.

Den 16. April wurde die Frühlingsprüfung durch Herrn Schulinspektor S t a h l im Beisein des Schulvorstandes abgehalten. Am Schlusse derselben bat der alte Schulvorsteher Friedrich M e i e r um seine Entlassung und wurde in einer späteren Sitzung des Schulvorstandes an dessen Stelle der hiesige Bürger, Landmann Anton
S c h a u b II., zum Schulvorsteher gewählt.
Da 11 Schüler als Konfirmanden der Schule entlassen, aber nur 7 Kinder in dieselbe aufgenommen wurden, so begann das neue Schuljahr mit 74 Schülern.

Das Jahr 1878 war für hiesige Gegend ein reich gesegnetes; die meisten Früchte lieferten eine gute Ernte; bei Heu, Hafer, Zwetschen usw. konnte man sie als sehr gut bezeichnen. Auch das Erntewetter war meistens günstig.
Für unser Hohes Kaiserhaus, und somit für die Bewohner Deutschlands, war es ein trauriges, schmerzreiches Jahr; denn Deutsche waren es, die in unseliger Verblendung die Mordwaffe gegen unseren treuen Landesvater, den greisen Heldenkaiser W i l h e l m erhoben. Kam Hochderselbe auch bei dem ersten Attentat mit dem bloßen Schrecken davon, so brachte das zweite Seine Majestät in die größte Lebensgefahr. Ein Schrei der Entrüstung ging durch alle Völker.
Allen, denen das Wohl des deutschen Volkes und seines erlauchten Fürsten am Herzen lag, vereinigten Flehen, Bitte und Gebet zum Throne des Allerhöchsten um Erhaltung und Wiedergenesung des Hohen Verletzten. Und dem Herrn sei Dank! Er hat in seiner großen Vatergüte unser Flehen erhört, hat dem Hohen Greise Jünglingskraft geschenkt, die schweren Leiden in Geduld zu ertragen und zur Heilung und vollen Wiedergenesung die geeignetesten Mittel suchen und anwenden zu können.
Möge der Herr Himmels und der Erde wie bisher, so auch ferner Sein Schutz und Schirm sein! Ja, Herr, beschütze unseren teuren Kaiser! Dass er noch viele Jahre mit erstarkter Kraft das Szepter führe! –

Mit dem 1. Februar 1879 schied unser allverehrter Herr Pfarrer Jäger aus unserer Mitte und nahm die Wahl als Pfarrer in Diez an. Unsere besten Wünsche für sein ferneres Wohlergehen seien ihm auch hier dargebracht!
An seine Stelle trat Herr Pfarrer K u h n e r t , welcher Sonntag, den 20. April 1879, durch Herrn Dekan U l l r i c h von Freiendiez dahier eingesetzt wurde.
Da im Schuljahr 1878 / 79 zwei Schüler – Friedrich H e i m a n n und Wilhelm H e r b e l starben und 6 Schüler von hier verzogen, dagegen nur zwei Kinder von auswärts in hiesige Schule aufgenommen wurden, so schließt dasselbe mit 68 Schülern, 34 Knaben und 34 Mädchen.
Die Frühlingsprüfung wurde am 1. Mai durch Herrn Schulinspektor S t a h l von Holzappel im Beisein des Schulvorstandes abgehalten. Herr Pfarrer K u h n e r t und Anton S c h a u b wohnten derselben als neue Mitglieder des Schulvorstandes bei.
Am Schlusse der Prüfung wurden 6 Kinder – 2 Knaben und 4 Mädchen aus der Schule entlassen. Beim Beginn des neuen Schuljahres wurden 10 Neulinge und der im Herbste zu seinen Großeltern nach Giershausen gezogene Christian H e y m a n n wieder in die Schule aufgenommen. Es begann dasselbe also mit 73 Schülern.
Mit dem 1. Juli 1879 wurde Herr Lehrer B l a d von Geilnau nach Essershausen versetzt und die Versehung dieser Stelle Lehrer H u t h in Langenscheid übertragen, der nun jeden Tag nach Geilnau gehen musste. Da Geilnau aber auch mit Beginn des Winterhalbjahres nicht besetzt ward, die Versehung demselben jedoch allein zu schwer fiel, so wurde noch Herr Lehrer R ü c k von Holzappel zur Mitversehung herangezogen.

Die Witterung im Jahre 1879 war eine seltene. Waren im Sommer und Herbst die Schleusen des Himmels oft gewaltig geöffnet, und musste der Landmann bei dem nassen Wetter die guten Tage und Stunden wohl benutzen, um die Früchte, noch ziemlich gut geraten, einigermaßen gut und trocken unter Obdach zu bringen; so trat der Winter hierauf schon frühe sehr kräftig auf, hielt auch mit kurzer Unterbrechung am Ende des Jahres im neuen Jahre recht lange an.-
Infolge des vielen Regens waren viele Früchte, besonders auf den Höhen des Westerwaldes im Reifen zurück; das Einernten wurde verzögert, und als nun der Winter so schnell und hart auftrat, mussten manche Sachen ungeerntet bleiben.
Bei uns war besonders die Kartoffelernte gering, hauptsächlich des nassen Feldes wegen (Tränkseite).

Am 15. März 1880 starb unser Herr Bürgermeister K ü n z l e r nach längerem Leiden, das ihn auch zuletzt dienstunfähig machte. Der Stellvertreter Christian M e y e r II. versah den Dienst und wurde auch bei der bald erfolgten Wahl einstimmig zum Bürgermeister erwählt und demnächst von Königl. Behörde als solcher bestätigt.
Der Winter von 1879 / 80 war ein sehr harter; was seit Menschengedenken nicht vorgekommen, war in diesem Winter geschehen. Der größte Teil der Obstbäume ging an Frostschäden zugrunde, und mancher Baum, der noch etwas Leben zeigt, wird in einigen Jahren abgestorben sein. Am meisten litten die Bäume in den Niederungen und den sonst milden Talgegenden, während dieselben auf den Höhen des Westerwaldes unversehrt blieben.

Den 8. April 1880 wurde die Frühlingsprüfung durch Herrn Schulinspektor S t a h l in Holzappel im Beisein des Schulvorstandes abgehalten.
Mit dem 15. April wurde die Schulstelle zu Geilnau wieder besetzt und hörte mit diesem Tage die Mitversehung auf.
Im Nachsommer beehrte der Departements = Schulrat B e y e r viele Schulen unserer Inspektion mit seinem Besuche.. Hier wohnte derselbe zwar nicht dem Unterrichte bei, nahm aber Einsicht von den Räumen des Schulhauses und erklärte sich bereit, die Einführung des Abteilungsunterrichtes dahier genehmigen zu wollen.

Nach Verfügung Königlicher Regierung vom 2. Dezember 1880 ad. Num. Reg. II 6363 ist nun die Einführung des Abteilungsunterrichts in der Schule zu Langenscheid mit dem Bemerken genehmigt worden, dass dem Lehrer H u t h dortselbst für die Erteilung desselben eine Vergütung von jährlich 150 Mk, vom 1. Oktober laufenden Jahres anfangend, bewilligt worden ist.
Wegen Wohnortsveränderung traten die Kinder des Karl H e y m a n n von Giershausen aus hiesiger Schule, und eine Schülerin, Sarah F r i e d , starb am 8. November, deshalb schließt das Schuljahr 1880 / 81 mit 75 Schülern.

1881
Den 8. März fand die Frühlingsprüfung unter Leitung des Herrn Schulinspektors S t a h l von Holzappel im Beisein des Schulvorstandes statt. Es wurden 15 Kinder – 3 Knaben und 12 Mädchen – aus der Schule entlassen und später 6 – 4 Knaben und 2 Mädchen in dieselbe aufgenommen. Dadurch ging die Schülerzahl auf 66 zurück.
Am 7. September starb nach langem Fußleiden die sechsjährige Schülerin Karoline K ü n z l e r und am 17. November unser guter Nachbar und Schulvorsteher Anton S c h a u b. Dadurch war eine Neuwahl nötig geworden, infolgedessen der Maurer Anton T r a p p zum Schulvorsteher ernannt wurde.

1882/1883
Die Frühlingsprüfung, welche am 23. März durch Herrn Schulinspektor S t a h l von Holzappel abgehalten wurde, zählte die Schule also nur 65 Schüler. Hiervon wurden 6 – zwei Knaben und vier Mädchen zur Konfirmation entlassen, und 3 Kinder verließen wegen Wohnortsveränderung unsere Schule. Dagegen wurden 13 Neulinge aufgenommen, und begann also das Schuljahr 1882 / 83 mit 69 Schülern.
Am 11. September starb nach langem Krankenlager die 9 jährige Schülerin Henriette K r ä m e r .
Am 1. Oktober 1882 starb nach kurzem Kranksein der Schulvorsteher Ludwig H e n n e m a n n , welcher dieses Amt nach dem Eintrag auf Seite 54 schon seit dem Jahre 1849 verwaltete. Infolge dieses Sterbefalles wurde der Schuhmachermeister Philipp Anton H e r b e l zum Schulvorsteher erwählt und von Königl. Schulinspektion bestätigt.

Im Dezember rüstete sich Herr Pfarrer K u h n e r t zum Abzug von hier, um mit dem 15. Dezember eine Pfarrstelle in Schwiebus, Regierungsbezirk Frankfurt an der Oder zu übernehmen. Die Dienstversehung wurde dem Cand. theol. A. S t a h l von Holzappel übertragen. Zu unserer Freude ist auf erfolgte Präsentation Herr
S t a h l vom 1. März an zum Pfarrer dahier ernannt und am 11ten von Herrn Dekan U l l r i c h von Freiendiez in sein Amt eingeführt. Tags darauf, den 12. März, fand die hiesige Frühlingsprüfung durch Herrn Schulinspektor
S t a h l statt. Nach derselben wurden 8 Schüler – 7 Knaben und 1 Mädchen – aus der Schule entlassen. Später wurden 10 Neulinge und 4 Kinder des Schleusenwärters P u f f aufgenommen und betrug die im Sommer 1883 die hiesige Schule besuchende Kinderzahl 74. Da nach langem Leiden der kleine Schüler Heinrich M e f f e r t am 27. Mai 1883 starb, so sank die Schülerzahl auf 73 herab.
Gegen Ende des Jahres 1883 wurde Herr Konsistorialrat, Schulrat B e y e r, zum Oberhofprediger befördert und nach Berlin berufen. -
In welcher Weise die Lehrer des Regierungsbezirks am 20 Dezember 1883 von dem hochverehrten Herrn Abschied nahmen, kann in Nr. 1 des Allgemeinen Schulblattes für den Regierungsbezirk Wiesbaden, Jahrgang 1884, nachgelesen werden.

1884
Die erledigte Stelle wurde durch Herrn Schulrat R i s c h besetzt, welcher auch alsbald zum Konsistorialrat ernannt ward.
Den 21. März wurde die Frühlingsprüfung durch Herrn Schulinspektor S t a h l im Beisein des Schulvorstandes abgehalten. Zum Schlusse derselben wurden 8 Kinder – 5 Knaben und 3 Mädchen und am 30. März zwei Kinder des Bahnwärters Karl S c h a n g nach Limburg entlassen; dann starb am 10. Juni 1884 Wilhelm N i n k; dagegen am 27. März 7 Neulinge und im April nochmals 4 von Bahnbediensteten in hiesige Schule aufgenommen.
Im Sommerhalbjahr betrug also die Schülerzahl abermals 73. Im Herbst wurde jedoch das Kind des Bahnwärters S c h m i d t wieder nach Balduinstein, den 30 Januar 1885 dasjenige des Bahnwärters S e n d nach Weilburg, und zum 27. Februar 1885 wurden die beiden Mädchen des Bahnwärters Karl M ü l l e r nach Oberlahnstein entlassen. Darum schließt das Wintersemester 1884 / 85 mit 69 Schülern.

1885-1887
Die Frühlingsprüfung wurde am 9. März durch Herrn Schulinspektor S t a h l von Holzappel im Beisein des Schulvorstandes und benachbarter Lehrer abgehalten.
Am Schlusse derselben wurden 9 Kinder – 4 Knaben u. 5 Mädchen der Schule entlassen, wodurch die Schülerzahl auf 60 sank.
Da aber am 9. April 13 Neulinge und am folgenden Tage ein hier bei Herrn Bürgermeister M e y e r in Verpflegung gegebener Waisenknabe, Heinrich S c h ä f e r von Wasenbach, in die hiesige Schule eintraten, so stieg zu Anfang des Schuljahres 1885 /86 die Kinderzahl auf 74. Diese verminderte sich aber bald wieder erstens durch den Tod der Karoline K r ä m e r , der Luise S c h m i d t und des Wilhelm R i n g; zweitens durch den Wegzug der zwei Kinder des Bahnwärters Wilhelm M e f f e r t , so dass die hiesige Schule am Schlusse des Schuljahres nur noch 69 Schüler zählte.

Im Laufe dieses Schuljahres waren Verfügungen Königlicher Regierung eingetroffen, betreffend den Abteilungsunterricht und die Prüfungen. Infolgedessen wurde der Abteilungsunterricht dahier aufgehoben, die für Erteilung desselben gezahlten 150 Mark jedoch dem Lehrer H u t h als persönliche Gehaltszulage bewilligt und durch Dekret vom 15 Juni 1886, II 3124 durch Königliche Regierung vom 1. April an genehmigt.

Die Frühlingsprüfung wurde, nachdem die Schule einige Zeit vorher durch Herrn Schulinspektor S t a h l revidiert worden war, am 9. April 1886 durch Herrn Pfarrer Stahl im Beisein des Schulvorstandes abgehalten.
Am Schlusse derselben wurden 5 vierzehnjährige Schüler, 3 Knaben und 2 Mädchen und bald darauf 3 Jüngere, die Kinder des verstorbenen Schleusenwärters P u f f, aus der Schule entlassen; mit Beginn des neuen Schuljahres 1886 / 87 wurden 7 Sechsjährige in dieselbe aufgenommen, so dass von da an sich 68 Schüler in ihr befinden.
Das Sommersemester schloss mit der Herbstprüfung. Zur Industrielehrerin wurde die Ehefrau des Christian
S c h l a u - vorläufig auf ein Jahr – gewählt und begann dieselbe mit Anfang des Wintersemesters ihren Unterricht.

Zur Förderung des Obstbaues beschloss die Gemeinde, jeden Acker im Neuroth, als Gemeindegut auch auf Gemeindekosten – mit einem Obstbaum zu bepflanzen. Die ersten 100 Stück wurden im Herbst 1886 gesetzt und von Lehrer H u t h aus hiesiger Baumschule geliefert.

Nach mehrjähriger Unterbrechung kam für den Winter 1886 / 87 wieder eine Fortbildungs = Schule zustande. Sie begann mit dem 1. November 1886; die höchste Schülerzahl betrug 23; die Lernlust war aber bei vielen Schülern bald verflogen, und an manchen Abenden fanden sich nur 5, 7, 10 Schüler ein.
Sonntag, den 20. März, wurde sie mit einer Prüfung, woran sich 17 Jungen beteiligten, geschlossen. -

Im Laufe des Winters hatte sich auch dahier ein Winzerverein gebildet. An 26 Mitglieder desselben wurden zirka 12 Morgen des hiesigen Gemeindewaldes in der schönsten Lage des Lahngebirges pachtweise abgetreten und wird die erste Bepflanzung mit Weinreben im Frühjahr 1887 erfolgen.

Nachdem am 24. November v. J. eine Revision hiesiger Schule durch Herrn Schulinspektor S t a h l in Holzappel stattgehabt, fand die hiesige Schulprüfung am 4. April 1887 durch Herrn Pfarrer S t a h l dahier statt. Am Schlusse derselben wurden 7 Kinder – 3 Knaben und 4 Mädchen aus der Schule entlassen und am ersten Schultage nach Ostern – am 14. April – 15 Kinder – 10 Knaben und 5 Mädchen - in dieselbe aufgenommen. Das neue Schuljahr begann also mit 76 Schülern.

Der Sommer 1887 war anhaltend trocken; trotzdem konnte man mit der Ernte zufrieden sein. Im Nachsommer und Herbst war hier großer Futtermangel; Grummet gab es fast gar keinen. Nur durch oftmaliges Begießen konnten die neu gesetzten Obstbäumchen erhalten werden, und das bei uns sehr spärlich gewachsene Obst blieb gar klein.
Am 12. September fand die Herbstprüfung, und wie neben bemerkt (Randnotiz des Schulinspektors S t a h l ), am 9. November eine Revision der Schule durch Herrn Schulinspektor S t a h l in Holzappel statt.
Am 4. Dezember wurden die drei Kinder des Herrn Stationsvorstehers F l ä m m i g in Balduinstein aus hiesiger Schule entlassen; dadurch sank die Schülerzahl auf 73 Kinder – 40 Knaben und 33 Mädchen.

1888/1889
Die Fortbildungsschule, welche am 1. November ihren Anfang nahm, wurde von 10 Schülern besucht. Mit einer Prüfung wurde dieselbe am 18. März 1888 geschlossen.
Die Frühlingsprüfung der Elementarschule fand den 23. März durch Herrn Pfarrer S t a h l dahier statt., und es wurden am Schlusse des Schuljahres 12 Schüler – 5 Knaben und 7 Mädchen der Schule entlassen. Bei Beginn des neuen Schuljahres wurden 7 Kinder – 1 Knabe und 6 Mädchen in die Schule aufgenommen. - Die Zahl der Schüler hiesiger Schule sank also auf 68.

Das Jahr 1888 ward für uns zu einem großen Trauerjahr. -

Schon längere Zeit litt unser geliebter Kronprinz an einem bösartigen Halsübel. Alle angewendeten Mittel wollten die gewünschte Heilung nicht bringen, und man musste das Schlimmste befürchten.
Die Leiden des Kronprinzen blieben auch nicht ohne Einfluss auf das Befinden Seiner Majestät, unseres allverehrten hoch betagten Kaisers W i l h e l m.
Am 9. März versammelte ihn der Herr zu seinen Vätern, und der 22. März, sonst mit Freuden und mit Lobgesängen als Kaisers Geburtstag gefeiert, wurde zur allgemeinen, stillen Trauerfeier.
Aus dem fernen Süden eilte der Schwerkranke an das Totenbett des geliebten Vaters, folgte dem höhern Ruf und übernahm als Kaiser F r i e d r i c h den väterlichen Thron.
Doch war seine Regierung nur von kurzer Dauer. Den 16. Juni endete der himmlische Vater die Leiden des stillen Dulders und versetzte uns in neue Trauer. Manche Hoffnung wurde damit zu Grabe getragen.
Wir aber sprachen: Was Gott tut, das ist wohlgetan!

Der Herr hat uns in W i l h e l m II. einen jungen, vom besten Willen beseelten Kaiser gegeben, der die Krone als ein Geschenk Seiner Hand angenommen, und wir bitten den Herrn aller Herrn: Behüte und beschütze unseren Kaiser W i l h e l m II. und erhalte ihn stets auf Deinen Wegen!
Sei mit unserm Kaiser und dem ganzen Vaterland!

Am 24. Mai starb nach achtjähriger Dienstzeit unser Herr Bürgermeister M e y e r . An seine Stelle trat Friedrich Anton Ludwig S c h a u b, jüngster Sohn des früheren Herrn Bürgermeisters S c h a u b.- Wir glauben und hoffen, dass die Gemeinde eine gute Wahl getroffen.
Den 22. August revidierte Herr Schulrat R i s c h die hiesige Schule. Das Sommersemester wurde deshalb ohne Herbstprüfung geschlossen. Dagegen fand, wie vorseitig zu ersehen ist, am 21. November eine Revision durch Herrn Schulinspektor S t a h l statt.
Da es mit der Gründung einer Fortbildungsschule für den Winter 1888 / 89 nicht recht vorwärts wollte, so lud Herr Pfarrer S t a h l die jungen Leute nochmals besonders zum Besuche derselben ein und erbot sich, 3 Stunden wöchentlich unentgeltlich Unterricht in derselben erteilen zu wollen. Die vierte Stunde übernahm der Lehrer, und nach ziemlich regelmäßigem Besuch konnte sie am 11. März mit einer von Herrn Schulinspektor S t a h l abgehaltenen Prüfung abgeschlossen werden.
Der Winter 1888 / 89 war ein ganz absonderlicher. Bis Ende Januar 1889 war es mehr trocken kalt ohne Schnee. Aber im Februar stellte er sich in solcher Masse ein, es gab solche Schneegestöber, wie sie die meisten Leute hier noch nicht erlebt hatten. Dazu häufte ihn der Sturm an manchen Stellen mehrere Meter hoch auf, und es währte bis Ende März, bis er hier ganz verschwand. Diese Witterung gestattete auch keine Arbeiten in den Weinbergen; das Anroden nahm einen geringen Fortgang.

Den 11. April wurde die Frühlingsprüfung durch Herrn Schulinspektor S t a h l im Beisein des Schulvorstandes abgehalten; am Schlusse wurden vier Knaben der Schule entlassen, das Schuljahr jedoch erst am 17. – Mittwoch vor Ostern – geschlossen.
Da mit Beginn des neuen Schuljahres – am 25. April – 12 Neulinge – 10 Knaben und 2 Mädchen – zum Schulbesuch kommen, so steigt die Schülerzahl wieder auf 76.
Durch lang anhaltende Trockenheit ist in manchen Gegenden unseres engeren Vaterlandes die Ernte gar gering ausgefallen; andere haben durch Gewitter und Wasserfluten sehr gelitten. Wir hier durften uns einer ziemlich guten Ernte erfreuen; besonders lieferte die Kartoffel einen guten Ertrag. Auch wurden die ersten Trauben in den angelegten Weinbergen geerntet.
Eine Abendschule kam für den Winter 1889 / 90 nicht zustande.
Im Herbste waren seine Durchlaucht, der Fürst von W a l d e c k, unser gnädigster Standesherr, einige Wochen auf Schloss Schaumburg. Von dort aus machte er Besuche im ganzen Standesgebiet.
Auch wir durften uns des Besuchs Seiner Durchlaucht erfreuen, dessen Freundlichkeit und Herablassung jedem eine liebliche Erinnerung hinterließ. -
Der Dezember brachte Schnee in Masse, und als er gegen Ende des Jahres sich wieder verlor, stellte sich eine Krankheit, die Influenza (=Grippe), in solchem Umfange ein, dass auch die Schulen an vielen Orten mussten geschlossen werden. Der Monat Januar brachte viel Schnee und Regen.

1890
Wie aus nebenstehender Bemerkung ersichtlich, wurde hiesige Schule
am 29. Januar durch Herrn Schulinspektor S t a h l in Holzappel revidiert.

Nach später erfolgter Prüfung wurden beim Schluss des Winterhalbjahres am 1. April 1890 9 Kinder, 3 Knaben und 6 Mädchen der Schule entlassen und beim Beginn des Sommerhalbjahres am 10. April 11 Neulinge, 6 Knaben und 5 Mädchen in dieselbe aufgenommen. Es stieg also die Gesamtzahl auf 78.

Während manche Gegenden im Laufe des Sommers durch Trockenheit, mehr jedoch durch Hagelschlag, Wolkenbrüche und Überschwemmungen zu leiden hatten, blieb unsere Gemarkung und nächste Umgebung durch des Herrn Gnade hiervon verschont, und wir hatten in fast allen Teilen ein solch gesegnetes Jahr und eine solch reichliche Ernte wie lange nicht. Wohl taten Gewitterstürme an einigen Obstbäumen ihre Gewalt zeigen, und zwei mit Frucht beladene Wagen wurden vom Wind umgeworfen – der eine im Heckenweg, etwas ober dem Schulgarten – aber wirklicher Schaden wurde nicht angerichtet, viel weniger, dass Personen Nachteil erlitten.
Darum: Dank dem Herrn für seine Güte und Gnade !

Nach den Herbstferien im September begann das Wintersemester am 6. Oktober und die Abendschule am 4. November mit 10 bis 15 Schülern.

Anfang Dezember stellte sich plötzlich und mit Strenge der Winter ein; man hoffte vergeblich auf baldigen Umschlag, und wenn auch die Kälte nicht zunahm, so hielt sie doch an; mehrere Brunnen hier froren ganz zu und hörten auf zu laufen. -

1891
Viele Schüler litten am Husten; die Jüngsten bekamen teilweise den Keuchhusten und konnten monatelang die Schule nicht besuchen. -
Die anhaltende Kälte trug wohl auch mit dazu bei, dass die Bemühungen des Herrn Pfarrers S t a h l mit Erfolg gekrönt und ein Ofen in unsere Kirche gekauft wurde.
Sonntag, den 25. Januar 1891 hatten wir zum ersten Male eine erwarmte Kirche.

Am 24. Januar 1891 wurde eine der jüngsten Schülerinnen aus hiesiger Schule entlassen und besucht nun, bei der Großmutter in Staffel wohnend, die dortige Schule.
Mit Ende Februar erkrankten einige Schulkinder an der Diphtherie, und die siebenjährige Henriette B a u e r starb am 2. März als die zuerst Erkrankte nach kaum 2tägigem Krankenlager.
Diese Krankheit griff unter den Kindern immer weiter um sich. Im Monat März waren 225 und im April 217 Versäumnisse durch Krankheit zu verzeichnen außer den Tagen, wo der Unterricht ausgesetzt wurde.
Zuletzt trat diese Krankheit nochmals im Schulhause selbst auf, indem ein Enkel des Lehrers erkrankte und die Schule vom 25. April bis 11. Mai geschlossen wurde.
Mit dem Schlusse des Wintersemesters wurden 11 Kinder, 7 Knaben und 4 Mädchen aus der Schule entlassen und am 2. April, beim Beginn des neuen Schuljahres, 8 Neulinge aufgenommen. Eine Schülerin, Henriette W i e s war am 24. Januar 1891 nach Staffel entlassen worden, und es begann also das Schuljahr 1891 / 92 mit 73 Schülern.
Mit Beginn des Winterhalbjahres verließen wegen Wohnortsveränderung die beiden Kinder des Bahnwärters
D i e h l die hiesige Schule, und sank die Schülerzahl auf 71 herab.

Zeitsprünge
Schulchronik:

vor 1820
1820-1830
1831-1840
1841-1850
1851-1860
1861-1870
1871-1880
1881-1890
1891-1900
1901-1910
1911-1920
1921-1930
1931-1940
1941-1950
1951-1960
1961-1969

Ortschronik
1892
Durch Sterbefälle in der Familie des Lehrers, durch Krankheiten, Influenza des Lehrers und der Schüler im nassen Winter wurde der Unterricht gestört und nur geringe Fortschritte erzielt, zumal die Jugend täglich frecher, unfolgsamer, geschwätziger und fauler wird. -
1893
Nach längerer Krankheit starb Herr Lehrer H u t h am 10. August dieses Jahres. Die Schule war während der Krankheit des Lehrers durch die Herren Lehrer M ü l l e r von Geilnau und S t e u p von Cramberg mehrere Monate lang mit versehen worden. Mit dem ersten Juli hatte sich H. Lehrer H u t h pensionieren lassen, und mit dem genannten Termin wurde Schreiber dieses auf seinen Wunsch an die hiesige Schulstelle versetzt.

Geboren bin ich am 21. Januar 1856 zu Katzenbach im Kreise Usingen, woselbst meine Eltern Landleute waren. Nach zweijähriger Vorbereitung bezog ich Ostern 1872 das Seminar in Usingen.
Mit dem 1. April 1875 erhielt ich meine erste Anstellung in Hahn, im Untertaunuskreise; mit dem 1. April 1877 übertrug mir Königl. Regierung die 2te Lehrerstelle in Niederneisen; am 1. Jan. 1879 kam ich nach Dörnberg, am 1. April 1886 nach Holzappel, woselbst ich genau so lange wirkte, wie in Dörnberg.
Meine Ehe ist mit 2 Kindern – Knaben – gesegnet, von welchen der Ältere Obertertianer im Gymnasium zu Montabaur ist, während der Zweite noch zu Hause weilt.
Geboren sind sie, der Ältere am 20 Februar 1879, der Jüngere am 19. Dezember 1880, beide in Dörnberg.
Möge der Herr auf meine Wirksamkeit an der hiesigen Schule seinen reichsten Segen legen.
Die gegenwärtige Schülerzahl beträgt 75.

Der Frühling des Jahres 1893 war schön, namentlich die Monate März und April zeichneten sich durch Wärme aus; aber es fiel kein Regen bis Mitte Juli, bei Tage brannte die Sonne, die Nächte zeichneten sich durch empfindliche Kühle aus.
Dadurch entstand großer Futtermangel, so dass die Leute gezwungen waren, das Laub der Eichen und Hainbuchen zu verfüttern, um dem armen Vieh das Leben zu fristen. Heu wurde nur sehr wenig, etwa ¼ - ⅓ einer Normalernte eingebracht. Die Grummeternte dagegen war ziemlich gut. Korn und Kartoffeln, namentlich aber Obst gediehen herrlich. Weizen, Gerste und Hafer lieferten aber nur geringen Ertrag.

Unser geliebter Schulinspektor, Herr Pfarrer S t a h l von Holzappel erkrankte im Sommer des Jahres 1883 an einem Magenleiden, nachdem er sich schon längere Zeit vorher öfters unwohl gefühlt hatte.
Er suchte Heilung in Gießen und Nassau, aber alle Kunst der Ärzte zeigte sich unzulänglich. Am 10. Oktober rief ihn der Herr aus dem ihm so lieb gewordenen Amte ab.
Drei Tage darauf, am 13. Oktober, standen wir an seinem offenen Grabe u. sahen, wohin sie ihn betteten.
Da mag durch die Seele seiner Lehrer der Gedanke gegangen sein, den H ö l t y ausspricht am Grabe seines Vaters:
„Friede sei um diesen Grabstein her, sanfter Friede Gottes; ach, sie haben einen guten Mann begraben, und mir war er mehr.“

Ja, mir war er nicht der Vorgesetzte, sondern der liebende und väterliche Freund. Nicht nur bei mir, sondern bei allen, die ihm näher treten durften, wird sein Andenken ein gesegnetes bleiben. -
Als ich am 5. Juli 1893 hier in Langenscheid einzog, dachte ich nicht, dass das Zusammenwirken mit Herrn Pfarrer Stahl hierselbst nur ein so kurzes sein sollte.

Aus Kindespflicht musste er die durch den Tod seines Vaters erledigte Pfarrstelle in Holzappel übernehmen; schon vorher hatte ihn die die Königliche Regierung auch zum Königlichen Kreisschulinspektor ernannt.
Bei seiner Herzensgüte, die ein Erbteil der Familie S t a h l ist, wird sich das Verhältnis zwischen ihm und seinen Lehrern als ein freundschaftliches gestalten. -

1894
Nur mit dem größten Bedauern sah ihn seine Gemeinde Langenscheid am 2. Januar von hier scheiden. In den 11 Jahren seiner hiesigen Wirksamkeit hat er die Einwohner mit seltener Anhänglichkeit an sich gefesselt.
Möge es ihm in seinem neuen Wirkungskreise wohl ergehen und Gott ihn segnen.

Mit dem 1. April ist, nachdem Herr Pfarrer B e n d e r aus Hirschberg die hiesige Pfarrstelle ein Vierteljahr mit versehen hatte, Herr Pfarrer P a u l aus Hadamar hierher versetzt.

Langenscheid, den 1. März 1894
C. V e i d t , Lehrer

Am 5. März 1894 fand die diesjährige Frühlingsprüfung statt. Entlassen wurden 8 Schüler, 4 Knaben und 4 Mädchen. Zu Ostern wurden aufgenommen 14 Kinder, zu Herbst traten noch 2 Kinder ein, die seither die Schule in Runkel besucht hatten, so dass zur Zeit die Zahl der Schüler 83 beträgt.

Langenscheid, den 1. Dezember 1894
C. V e i d t .

1895
Das Jahr 1895 war ein für die Landwirtschaft gutes Jahr, Getreide und Heu gab es in Fülle. Die Ernte war gering, namentlich die Kernobsternte, während es Zwetschen in Hülle und Fülle gab,
Die Schülerzahl ging in diesem Jahr zurück auf 76.
Im Nachsommer des Jahres 95 brachen die Masern unter den Schulkindern aus, so dass auf Anordnung Königl. Landratsamts zu Diez die Schule auf 14 Tage geschlossen werden musste.

Das Jahr 1895 war das Gedenkjahr der Siege im Jahre 1870 u. 71. Namentlich wurde auch der Tag der Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches am 18. Januar d. J. in der Schule festlich begangen.
Der Verlauf der Feier war folgender:

1. Gesang der Kinder: Lobe den Herren.
2. Gebet des Lehrers.
3. Verlesen des 21. Psalms.
4. Sodann führte der Lehrer ausgehend von der Erniedrigung Preußens zu Anfang dieses Jahrhunderts den Kindern die Ereignisse des großen Krieges von 1870 / 71 vor, daran Größtes die Kaiserproklamation am 18. Januar 1871 war.
Den Schluss bildete die Ermahnung zur Treue gegen Kaiser und Reich, dessen Wiederaufrichtung so schwere Opfer an Gut und Blut gekostet..
Nach einem dreimaligen Hoch auf Kaiser W i l h e l m, dem das Absingen der Nationalhymne folgte, wurde der Choral gesungen: Nun danket alle Gott.
Deklamationen vaterländ. Gedichte und Vaterlandslieder wechselten nun miteinander ab.

Langenscheid, den 19. Januar 1896
C. V.

1896
Der Winter des Jahres 1895/96 war ein äußerst gelinder. Nur einmal war die Kälte auf 8 Grad gestiegen. Februar und März waren sehr gelinde, so dass die Vegetation ungewöhnlich vorgeschritten ist.
Infolge der günstigen Witterung war auch der Gesundheitszustand der Kinder ein ziemlich befriedigender, obgleich im Februar der Husten einmal stark auftrat.

Langenscheid, den 26. März 1896

V.

Mit Anfang des neuen Schuljahres stellte sich die Schülerzahl auf 82.-
Ansteckende Krankheiten unter den Schulkindern kamen nicht vor.
Die Witterung des Nachsommers war eine sehr regnerische, so dass die Landleute viele Mühe hatten, ihre Ernte trocken einzubringen. -

1897
Wie sein Vorgänger war auch der Winter 1896 / 97 sehr gelinde. Mehr als 8 Grad nach R habe ich nicht beobachtet. Nur einmal trat bedeutender Schneefall ein, durch welchen der Verkehr etwas gehemmt wurde.
Am 16. Januar fand die 400 jährige Gedenkfeier des Geburtstages Ph. M e l a n c h t o n ´s statt und zwar durch Herrn Pfarrer P a u l, da derselbe am genannten Tage Katechismus = Unterricht hatte.-
Die Schülerzahl hatte sich im Laufe des Jahres nicht verändert, sondern ist auf der Höhe von 82 stehen geblieben.

L. den 1. März 1897

V.

Nachtragen will ich noch, dass zu Weihnachten und zwar am 1. Feiertage die Schulkinder in der hiesigen Kirche das Weihnachtsspiel von S p i t t a aufführten, und welches wohl gelang, so dass die Aufführung vielen Anklang bei den Gemeindegliedern fand. -

Auf höhere Anordnung wurde in allen Schulen Preußens und Deutschlands in den Tagen vom 21.- 23. März d. J. der hundertjährigen Wiederkehr des Geburtstages W i l h e l m s des G r o ß e n gedacht. Sonntag den 21. fand Festgottesdienst in der Kirche statt.
Die Kinder versammelten sich an der Schule und wurden von dem Unterzeichneten in geschlossenem Zuge zur Kirche geführt. -
Montag den 22. vormittags um 9 Uhr begann die Schulfeier mit dem Gesange: Großer Gott, wir loben dich. Darauf sprach der Lehrer ein Gebet, in welchem dem Höchsten Dank dargebracht wurde dafür, dass er dem deutschen Volke einen solchen Herrscher gegeben.
Darauf wurde Psalm 23 verlesen u. nun den Kindern das Lebensbild des großen Kaisers in Abschnitten vorgeführt.
Passende Gedichte und Lieder wurden dazwischen vorgetragen.
Am Schlusse wurde auf unseren jetzigen Kaiser, Se. Majestät W i l h e l m II, übergeleitet, ein Hoch auf denselben ausgebracht und die Nationalhymne gesungen. Darauf erhielten sämtliche Kinder Kaiserbrezeln.
Um 11 Uhr war die Feier beendet.
Um 12 Uhr versammelten sich sämtliche Schulkinder zu einem gemeinsamen Spaziergange nach Holzappel. Begünstigt wurde derselbe durch herrliches Kaiserwetter.

Der folgende Tag, Dienstag der 23. März, war schulfrei.
Hoffentlich bleibt die schöne Feier den Kindern lange im Gedächtnis. -
Auch die Einwohner unseres Dorfes wollten zeigen, dass sie das Andenken des großen Kaisers in Ehren halten.
Auf Anregung des Gesangvereins fand am 22. März abends eine gemeinsame Feier statt. Durch die Ortsstraßen bewegte sich nach eingetretener Dunkelheit ein Fackelzug, ausgeführt von den beiden hiesigen Vereinen.
Auf dem Schulplatz wurde Halt gemacht, und nachdem das deutsche Lied von K a l l i w o d a verklungen war, hielt der Unterzeichnete eine kurze patriotische Ansprache, welche mit einem Hoch auf S. Maj. W i l h e l m II . ausklang.
Darauf bewegte sich der ganze Zug vor das Dorf, wo ein weithin leuchtendes Freudenfeuer abgebrannt wurde.

L. d. 24. März 1897

Mit Ostern dieses Jahres wurden 11 Kinder, 9 Knaben u. 2 Mädchen, aus der Schule entlassen. Es traten ein 11 Kinder.
Im Herbste verringerte sich die Schülerzahl nochmals um 1, da ein Knabe von 7 Jahren wegen Wohnortswechsels seiner Eltern austrat. Die Schülerzahl beträgt gegenwärtig 81.
Das Jahr 1897 ist für die Lehrerschaft insofern ein wichtiges, als mit dem 1. April des genannten Jahres das neue Besoldungsgesetz in Kraft getreten ist.
Die ungleichmäßige Ausführung des Gesetzes, durch welche die Lehrer der Städte viel besser gestellt worden sind, hat unter den Landlehrern große Enttäuschung hervorgerufen. Hoffentlich werden die bestehenden Unterschiede in der nächsten Zeit ausgeglichen! -
Ferner hatte man in Lehrerkreisen auch auf eine Aufbesserung der Organistengehälter gerechnet, doch leider umsonst. Die letzteren mit den damit verbundenen Obliegenheiten in keinem rechten Verhältnis.
Da auch die Bezirkssynode erklärt hat, sie könne für die Aufbesserung der Organistenbesoldung rechtlich nichts tun, so wird es in dieser Hinsicht wohl noch eine Zeit lang beim Alten bleiben. -
Wenn auch das Besoldungsgesetz nicht alle Wünsche der Lehrer erfüllt hat,so müssen dieselben doch dankbar sein, dass endlich einmal den früheren unsicheren u. unwürdigen Zuständen ein Ende gemacht ist, um so mehr, da der Lehrerstand sich bei den ausschlaggebenden großen Parteien des Landtages besonderer Sympathien nicht erfreut.

Langenscheid d. 15. Dezember 1897

C. V e i d t

Am 22. Dezember fand eine Revision der hiesigen Schule durch den Königlichen Schulinspektor statt.

Langenscheid den 23. Dezember 1897
Veid t, Lehrer

1898
Die Frühlingsprüfung am Schlusse des Schuljahre 1897 / 98 wurde am von Herrrn Ortsschulinspektor Pfarrer Paul in Gegenwart des gesamten Schulvorstandes abgehalten.

Mit Beginn des Schuljahres 1898/99 betrug die Schülerzahl 83. Drei traten im Laufe des Sommerhalbjahres aus, zwei ein wegen Wohnortswechsels der Eltern, so dass die gegenwärtige Schülerzahl 82 beträgt. Voraussichtlich treten mit Ostern 14 Neulinge ein, 7 Konfirmanden werden nur entlassen, so dass die Schülerzahl auf 89 steigt. Infolgedessen wird Abteilungsunterricht eingeführt werden müssen. -
Bemerkenswerte Ereignisse, die einen Einfluss auf das Schulleben ausgeübt hätten, sind im abgelaufenen Jahre nicht vorgekommen.
Im Laufe des Sommers starb im Sachsenwalde der Waffenschmied der deutschen Einheit, Fürst B i s m a r c k.-
So hat dann auch dieser Gewaltige dem Tode den Tribut zahlen müssen, aber sein Name wird mit Ruhm und Ehrfurcht genannt werden, so lange es deutsche Geschichte gibt. -

1899

Die Ernte des verflossenen Jahres war an Getreide und Futter eine ausgezeichnete. Auch gab es viel Obst.-
Der Gesundheitszustand war im Ganzen ein befriedigender, obwohl in der ersten Hälfte des März die Influenza auftrat u. in Folge daran viele Kinder einige Tage die Schule versäumen mussten.

Langenscheid den 20. März 1899

C. V e i d t , Lehrer

Mit dem neuen Schuljahr stieg die Schülerzahl auf 88. Infolgedessen wurde mit Genehmigung der Königlichen Regierung zu Wiesbaden der Abteilungs = Unterricht eingeführt, derart, dass 6 Jahrgänge vormittags und 2 Jahrgänge (1. & 2. Schuljahr) nachmittags unterrichtet werden.
Im Laufe des Jahres stieg alsdann die Kinderzahl durch Zuzug auf 90.
Das letzte Jahr des zu Ende gehenden Jahrhunderts brachte den Landleuten wiederum eine außerordentlich reiche Ernte, den andren Arbeitern reichlich Arbeitsgelegenheit und hohe Löhne. -
Am 22. Dezember, dem letzten Schultage des scheidenden Jahres, wurde eine kleine Feier veranstaltet, in welcher den Kindern, so gut es möglich war, ein Bild des Jahrhunderts gezeichnet wurde.
Die Kinder wurden hingewiesen auf die Fortschritte in Handel u. Verkehr, vor allem aber auf die Wandlung, die das deutsche Reich durch gemacht hat, das, am Anfang des Jahrhunderts ein Bild des Jammers, der Zerrissenheit u. Knechtschaft, sich durchgerungen hat zu einem einheitlichen, mächtigen Ganzen.
Die zwei mächtigsten Gestalten des Jahrhunderts sind N a p o l e o n und B i s m a r c k.-

1900
Der Gesundheitszustand der Schüler war im allgemeinen befriedigend, nur gegen das Ende des Schuljahres, namentlich in den Monaten Februar und März traten Störungen ein im Unterricht durch eine Krankheit, deren Symptome geschwollene Mandeln und Husten waren.
Viele Kinder mussten deshalb einige Tage die Schule versäumen.
So schließe ich denn diese Aufzeichnungen für das abgelaufene Jahr mit besonderem Danke gegen Gott, da ich mit dem heutigen Tage auf eine 25 jährige Wirksamkeit im Schuldienste zurückblicken darf.

Langenscheid, den 1. April 1900

C. V e i d t , Lehrer

Am Schlusse des Schuljahres, und zwar am 1. April 1900 fand die Revision der hiesigen Schule im Beisein des Schulvorstandes mit Ausnahme des erkrankten Vorstehers Philipp H e r b e l durch den Königlichen Kreisschulinspektor statt. Diese Revision war zugleich die sonst übliche Frühlingsprüfung

Mit dem neuen Schuljahre 1900/1901 stellte sich die Schülerzahl auf 90. Der Gesundheitszustand der Schüler ist ein im Ganzen guter.-

Die Witterungsverhältnisse des Sommers ließen viel zu wünschen übrig. Außer einigen Tagen im Mai war der Vorsommer kalt.
Zur Zeit der Obstblüte trat einige Mal scharfer Frost ein, der indessen die gefürchteten, nachteiligen Folgen für die Entwicklung des Obstes nicht brachte.
Der Juni verregnete vollständig, so dass sich die Heuernte sehr verzögerte. Erst in den heißen ersten Julitagen konnte dieselbe beendigt werden. Und dann kam der Sommer.
Der Juli soll der heißeste gewesen sein seit 35 Jahren. Die zweite Hälfte dieses Monats brachte schlimme Gewitter. Es strömte unendlicher Regen herab.
Furcht und Schrecken brachte der letzte Sonntag im Juli über unser Dorf, indem ein starkes Gewitter mit lang anhaltendem dichtem Hagel unsere Fluren verwüstete.
Leider war nur etwa die Hälfte der Landwirte gegen Hagelschlag versichert.
Welchen Schaden der Hagel am Getreide anrichtete, geht aus der Abschätzung hervor; so soll die Gerste mit 95, der Hafer mit 85 % verhagelt sein.
Auch an den Kartoffeln, den Runkelrüben, in den Gärten und an den Obstbäumen geschah viel Schaden. So wird der Sommer 1900 unsern Landleuten noch lange in unliebsamem Andenken bleiben. L, den 15. Aug. 1900 C. V.

Am 4. Dezember l. J. wurde die hiesige Schule von Herrn Geheimrat H i l d e b r a n d t revidiert. Das Resultat der Revision war ein gutes, u. der Herr Geheimrat sprach dem Unterzeichneten seine volle Zufriedenheit aus.

L. den 15. Dez. 1900

C. V.

1901

Am 18. Januar 1901 waren 200 Jahre verflossen seit der Krönung des ersten preußischen Königs in Königsberg.
In allen Schulen Preußens wurde dieser Tag gebührend gefeiert.
Hier nahm die Feier folgenden Verlauf:
Um 9 Uhr vormittags versammelten sich alle Kinder. Mit Gesang u. Gebet wurde die Feier eröffnet. In einfacher Weise wurden die Kinder hingewiesen auf die Zustände in Brandenburg u. Deutschland vor dem Jahr 1701 u. dann auf die Entwicklung und Gestaltung der Dinge in Deutschland unter den Königen.
Zwei Seiten der Königsherrschaft wurden besonders hervorgehoben: Die Erstarkung und Einigung Deutschlands zu Abwehr feindlicher Angriffe von außen und „Preußens Könige als Schützer der evangelischen Kirche.“
Darauf folgten Deklamationen vaterländischer Gedichte abwechselnd mit Vaterlandsliedern.
Abgeschlossen wurde mit einem Hinweis auf unsern Kaiser u. mit dem Gesang: Heil Dir im Siegerkranz.
Dann wurden die Kinder mit Kaiserbrezeln beschenkt, welche die Gesichter der Kleinen in heller Freude erstrahlen ließen.

L. d. 18. I. 1901





Zeitsprünge
Schulchronik:

vor 1820
1820-1830
1831-1840
1841-1850
1851-1860
1861-1870
1871-1880
1881-1890
1891-1900
1901-1910
1911-1920
1921-1930
1931-1940
1941-1950
1951-1960
1961-1969

Ortschronik

1902

Mit dem Schuljahr 1901 / 1902 stieg die Schülerzahl auf 90; Klasse I hat 55, Klasse II 35 Kinder.

Das Jahr ging ohne bemerkenswerte, das Schulleben betreffende Ereignisse hin.

Im Winter 1901 / 1902 trat vereinzelt die Diphtheritis auf. Wenn auch die Krankheit gerade keinen epidemischen Charakter hatte, wurden doch einige Schulkinder von ihr ergriffen u. zum Teil lange Zeit am Schulbesuch gehindert.

Langenscheid, den 16. März 1902

C. V e i d t, Lehrer

Im Anfang des Schuljahres 1902 / 1903 betrug die Kinderzahl 83.

1903

Im Laufe des Jahres u. zwar mit 3. Jan. 1903 trat eine Schülerin ein, so dass die Zahl der Kinder auf 84 stieg, und zwar umfasst Klasse I. 55, Klasse II. 29 Kinder.
Der Gesundheitszustand war im Ganzen befriedigend .
Mit dem 1. Februar d. J. wurde der seitherige Schulinspektor S t a h l , der 9 Jahre die Inspektion verwaltete, auf seinen Wunsch an die 2te Pfarrstelle in Biebrich a. / Rh. Versetzt. Die erledigte Kreisschulinspektion wurde von der Königlichen Regierung Herrn Pfarrer P a u l dahier übertragen.
Möge derselbe recht viel Freude in seinem neuen Amte haben.

Langenscheid, den 29. März 1903

C. V e i d t

Das abgelaufene Schuljahr war ein ruhiges. Während des Sommers, von Mai bis Oktober, versah der Lehrer die erledigte Schulstelle in Geilnau mit. Zu Beginn des Schuljahres betrug die Schülerzahl hierselbst 81 u. zwar in Klasse I 56, in Klasse II 25.

Mit Herbst trat eine Schülerin wegen Wohnortswechsels aus, so dass die Schülerzahl in Klasse I auf 55 u. die Gesamtzahl auf 80 sank.

1904

Mit Beginn de neuen Schuljahres wird indessen die Schülerzahl wieder steigen. In der 2ten Hälfte des Winterhalbjahres erkrankten ziemlich viele Kinder zum Teil an Diphtherie wie alljährlich. Einzelne Kinder versäumten lange Zeit die Schule.

Langenscheid, den 25. März 1904

V e i d t.

Bei Beginn des neuen Schuljahres 1904 / 05 zählte die hiesige Schule in ihren zwei Klassen 84 Kinder. Ein Schüler trat mit Oktober neu ein, ein anderer braver u. fleißiger Knabe von 10 Jahren starb am 18. Dezember. Das Schuljahr war kein gutes.
Im Sommer traten die Masern auf, an denen die meisten Kinder erkrankten, weshalb der Schulbesuch ein sehr lückenhafter war.
Mit dem Wintersemester kamen dann Scharlach und Diphtherie, denen sich als Dritte im Bunde der Keuchhusten gesellte.
Trotzdem sind bis auf den vorhin erwähnten Knaben unter den Schulkindern keine Opfer zu betrauern.
Aber unter den kleineren Kindern hielt der Tod reiche Ernte und manches Grab hat sich auf dem hiesigen Friedhof gewölbt. Auch Erwachsene fielen der Diphtheritis u. der Influenza zur Beute.
Die Schülerzahl wird nunmehr wieder unter achtzig sinken und die Schule wieder einklassig werden.
Die Witterung des Sommers 1904 war heiß und trocken, die Ernte gut, namentlich die Obsternte reich.

1905

Um so auffallender muss das Auftreten und hartnäckige Verweilen vorgenannter Krankheiten erscheinen.
Der Winter war zwar feucht und schmutzig aber doch im Allgemeinen milde.

Langenscheid, den 21. März 1905.

Das Schuljahr 1905 wurde mit 76 Schulkindern eröffnet.
Im Ganzen war das Jahr für das Schulleben ein ruhiges und förderliches, und im Gegensatz zu dem vorhergehenden der Gesundheitszustand der Schüler ein guter.
Der 5te Mai, der hundertjährige Todestag S c h i l l e r s, wurde entsprechend gefeiert. Auch sei hier des Heimgangs des Geheimrats H i l d e b r a n d t gedacht, der den Lehrern ein zwar strenger aber auch gerechter Vorgesetzter war. Sein Andenken wird bei den Lehrern des Regierungsbezirks in Segen bleiben.
An seine Stelle wurde Herr Schulrat F l e b b e aus Osnabrück berufen.
Namentlich hegt man in Hoffnung, dass nunmehr auch verdiente ältere Lehrer in besser dotierte Stellen versetzt werden, was seither als fast ausgeschlossen galt.


Zeitsprünge
Schulchronik:

vor 1820
1820-1830
1831-1840
1841-1850
1851-1860
1861-1870
1871-1880
1881-1890
1891-1900
1901-1910
1911-1920
1921-1930
1931-1940
1941-1950
1951-1960
1961-1969

Ortschronik

1906

Eine angenehme und willkommene Abwechslung im Schulbetriebe bildete die Feier der silbernen Hochzeit unsers geliebten Kaiserpaares am 27. Februar dieses Jahres. Zu derselben war der gesamte Schulvorstand eingeladen und erschienen.
Die Feier begann morgens um 9 Uhr und nahm folgenden Verlauf:
Nachdem der Choral „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehre“ gesungen war, und der Lehrer ein Gebet gesprochen hatte, trat ein Kind (Else P a u l) heraus und trug einen kleinen Prolog vor.

In sieben Abschnitten wurde hierauf das Leben und Wirken unseres Kaiserpaares geschildert.

1. Rückblick auf die Zeit vor 25 Jahren; der Kaiser im Kreise seiner Familie. Des Kaisers Sorge für Kriegsheer und Flotte.
2. Der Kaiserin häusliches Walten.
3. Die treue Friedensarbeit des Kaisers.
4. Die Unterstützung der christl. Liebestätigkeit durch die Kaiserin.
5. Die Bestrebungen des Kaisers auf den Gebieten der Künste und Wissenschaften.
6. Züge des Wohltätigkeitssinnes aus dem Leben unserer Kaiserin.
7. Schlussmahnung zur Gottesfurcht, Liebe und Pflichttreue.

Dazwischen wurden abwechselnd von Knaben und Mädchen passende Gedichte vorgetragen u. vaterländische Lieder gemeinsam gesungen.

Mit dem 1. u. letzten Verse des Liedes „ Ach, bleib mit Deiner Gnade“ u. mit Gebet wurde die Feier geschlossen.

Dann erhielten die Kinder die von der hies. Gemeinde gestiftete Festschrift zur Silberhochzeit von P e t r i c h u. wurden entlassen.

Langenscheid, den 28. Februar 1906

K. Veidt

Am 30. März wurde die Frühlingsprüfung abgehalten. 3 Knaben u. 7 Mädchen, zusammen 10 Kinder, wurden aus der Schule entlassen.
Ein Mädchen, Else P a u l , verlässt wegen Wohnortswechsels die Schule, ein Knabe trat in das Gymnasium zu Limburg ein.
Neu aufgenommen wurden 10 Kinder, so dass die Schülerzahl dermal 74 beträgt.

Von großer Bedeutung für die Schulen der hiesigen Inspektion ist es, dass Herr Pfarrer und Schulinspektor P a u l von hier nach Eschborn versetzt wurde. Zwölf Jahre war er Pfarrer hierselbst u. 3 Jahre Kreisschulinspektor.
Gemeinde und Inspektion verlieren an ihm einen Mann, der mit großer Einsicht, getragen von Menschenkenntnis u. Menschenliebe, seines Amtes waltete.
Möge die Gemeinde Langenscheid einen Pfarrer erhalten, der in seinen Spuren weiter geht, mögen die Lehrer der Inspektion wieder einen gleich tüchtigen Schulinspektor erhalten.

Zu den Lehrern der hies. Inspektion gehört Schreiber dies mit dem 1. Mai auch nicht mehr, da er mit dem genannten Zeitpunkte nach Griesheim bei Frankfurt a./ M versetzt ist.
Fast dreizehn Jahre habe ich an der hies. Schule gewirkt und fast 30 Jahre in der Grafschaft Schaumburg.
Der Wunsch, in der Nähe meines ältesten Sohnes zu sein, hat mich zu diesem Stellenwechsel veranlasst. Ich weiß, dass ich vieles daran gebe, vor allem die Anhänglichkeit meiner Schüler und der Einwohner Langenscheids.
Aber der liebe Gott, der mich seither geführt, soll auch in Zukunft mein Begleiter sein, aber nicht nur meiner, sondern auch der meiner lieben Schüler.

Er wird alles wohl machen.

Langenscheid, den 30. April 1906

K. Veidt


Königliche Regierung zu Wiesbaden übertrug mir, dem Lehrer Heinr. N a s s die hiesige Lehrerstelle.
Mein Geburtsort Speckswinkel liegt im Kreise Kirchhain Reg.Bez. Kassel.
Nach Entlassung aus dem Kgl. Lehrerseminar zu Usingen am 15. März 1889 übertrug mir die Schulbehörde die ev. Lehrerstelle zu Wengenrotte im Westerwalde ( 1. 4. 1889 ).
Nach siebenjähriger Tätigkeit erhielt ich auf meinen Wunsch die Lehrerstelle zu Frohnhausen b. Battenberg Kr. Biedenkopf.
Zehn Jahre habe ich dort den Unterricht erteilt. Da das Dorf abgelegen von der Bahn liegt, so veranlasste mich dies auch, meinen Kindern eine bessere Ausbildung geben zu können, bei Kgl. Regierung vorstellig zu werden, um eine entsprechende Stelle in der Nähe einer Stadt zu erhalten.
Daraufhin erhielt ich die hiesige Lehrerstelle am 1. Mai 1906.
Von den Schülern und Eltern wurden wir freundlichst empfangen.-
Meine Einführung fand am 9. Mai durch den Kgl. Schulinspektor H o l z h a u s e n – Cramberg – statt.
Schülerzahl beträgt 78.

1907

Entlassen wurden 1907 zu Ostern 14 Schüler und aufgenommen 3 Kinder, 1 Knabe & 2 Mädchen, so dass die Schülerzahl im Schuljahr 1907 67 beträgt.

1908

Entlassen wurden 8 Schüler, aufgenommen 6

15.7. Revision der Schule durch Herrn Kr. Schulinspektor H o l z h a u s e n dergl. durch Herrn Königl. Reg. Schulrat F l e b b e am 24. November 1908.

N.

1908 / 09

Entlassen wurden 9 Schüler & aufgenommen deren elf. 5 Knaben & 6 Mädchen.

Im Frühjahr dieses Jahres wurden 21 neue Schulbänke aus der Schulbankfabrik Neuendorff in Herborn bezogen.

Während der Tage vom 4ten bis 8ten Februar 1909 hatten die Orte an der Lahn unter Hochwasser zu leiden, besonders Dausenau & Nassau.

Schreiber dieser Zeilen war selbst in Dausenau & Nassau und hat gesehen, dass stellenweise der Schutt 2 – 3 Meter hoch die Häuser umschloss. Durch öffentl. Sammlungen wurde den Geschädigten Hilfe zuteil.

Am 24. Nov. besuchte Herr Schulrat F l e b b e die hiesige Schule und war derselbe über die Leistungen der Schüler wohl zufrieden.

1909 – 1910

Schülerzahl 69. Zur Entlassung aus der Schule kommen 6 Schüler, 4 Knaben und 2 Mädchen. In diesem Jahre von September 1909 bis Dezember wurde die Wasserleitung angelegt, welches Unternehmen allseitig in der Gemeinde mit Freuden begrüßt wurde. Der Erbauer war Herr N i e s e n aus Höhr.

Der Winter war in diesem Jahre sehr gelind, nur wenige Tage im Jan. konnten die Kinder den Schlitten gebrauchen. -

1910 / 11

Zur Aufnahme kamen 15 Schüler, entlassen wurden 8; so dass eine Schülerzahl von 81 erreicht wurde.
Im Juli weilte Se. Durchlaucht der Fürst von Waldeck 6 Wochen auf dem Schloss zu Schaumburg.
Am 20. Juli machten die hiesigen Schulkinder einen Ausflug nach Schaumburg.
Im Schlosshofe sangen die Kinder einige Lieder, worauf noch einige Spiele aufgeführt wurden.
Die Fürstin mit ihrer Begleitung war recht erfreut über das Gehörte u. bewirtete die Schüler mit Kaffee & allerlei Gebäck. Beim Spielen (Lauf) beteiligte sich auch der älteste Prinz des Fürsten
Im Herbste dieses Jahres wurde die Konsolidation (die Länderverteilung) zu Ende geführt und mit der Anlage neuer Feldwege begonnen u. die Drainage angelegt.
Zu Neujahr wurde ein Schülerkonzert im neu erbauten K ü c h l e r s c h e n Saale abgehalten. Der Reinertrag betrug 32 M 80 Pfg. (Auslagen 20 M 15 Pf) f. Kostümkleider.
Der Besuch war sehr stark u. die Schüler brachten ihre Festspiele und Gesänge zu schöner Geltung u. ernteten allgemeinen Beifall.

Programm war:

1. Die Neujahrsnacht.
2. Weihnachten im Zauberwald.
3. Herr Frühling gibt jetzt ein Konzert.
4. Weihnachtswunder.
5. Ein Sträußchen am Hute.
6. Du trauter Stern.
7. Lieschens Christnacht.
8. Feldeinwärts flog ein Vögelein.
9. Gedicht.

Der Reinertrag wurde für die Schulbibliothek verwandt.


Zeitsprünge
Schulchronik:

vor 1820
1820-1830
1831-1840
1841-1850
1851-1860
1861-1870
1871-1880
1881-1890
1891-1900
1901-1910
1911-1920
1921-1930
1931-1940
1941-1950
1951-1960
1961-1969

Ortschronik

1912 / 13

Aufgenommen wurden 13 Schüler. Die Schülerzahl betrug 87 Kinder.

Neben der Schule wurde ein größerer Raum als Spielplatz angelegt und eingefriedigt.

1913 / 14

Die Schülerzahl betrug 91 Schüler. Es wurde in diesem Jahre mit der Anlage der Leitung für elekt. Licht begonnen und die Hausanschlüsse fertig gestellt.

August 1914

Kriegserklärung und Mobilmachung 2. – 8.8.

Cir. 42 Krieger sind im Kampfe in Frankreich und Russland beteiligt. Von diesen sind den Heldentod gestorben der Landwehrmann H i n n e b u r g an der Lahnstraße Balduinstein, desgl. Wilhelm S c h a n g daselbst und Wilhelm B a u e r aus Langenscheid.

Im September 1914 überbrachte die Schüler an einem Mittwochnachmittag den verwundeten Kriegern in Diez freiwillige Gaben mancherlei Art, worüber die Empfänger recht dankbar waren.

Am 27. I. 1915

Kaisers Geburtstagsfeier in Gegenwart des Herrn Kgl. Kreisschulinspektors. Der Lehrer hielt die Ansprache über: Vergangenheit, Gegenwart u. Zukunft.
Die Schüler trugen Gedichte, die Bezug nahmen auf den Krieg, u. Lieder vor.-

Die Mobilmachung dauerte vom 2ten bis 8ten August 1914. Der Personenverkehr war in den ersten 14 Tagen ganz eingestellt, und beförderte die Bahn nur Militärzüge u. dergl.
Der Truppentransport vollzog sich rasch und ohne Störungen, so dass der Bahnbehörde und allen beteiligten Beamten besonderer Dank und Anerkennung gezollt wurde.
Groß war die Begeisterung der in den Krieg ziehenden Krieger, denn alle zogen aus mit dem Bewusstsein, dass sie für eine gerechte Sache kämpfen wollen,

Interessant waren die mit Kreide von den ausziehenden Kriegern geschriebenen Aufschriften auf die Außenseiten der Eisenbahnwagen: z. B. „Mit jedem Schuss ein Russ`; mit jedem Stoß ein Franzos` u. a.
Zur Sicherheit gegen fremde Spione stellten Langenscheider allabendlich Wachmannschaften, die nachts die Telefonleitung von hier nach Holzappel bewachten. Auch tagsüber wurde für Sicherheit gegen feindl. Spionage Sorge getragen. Die Brücken über die Lahn, ebenso die Lahnstrecke wurde während der ganzen Kriegsdauer durch Militär bewacht.

Der Schulunterricht wurde vom 2ten bis 18. August ganz ausgesetzt. Viele Lehrer der Schulinspektion Holzappel mussten bei Beginn des Krieges sogl. mit ausrücken, von welchen die meisten sich freiwillig gemeldet hatten.
In Kurzer Zeit, nachdem die verbündeten Deutschen und Österreicher den Krieg in Feindeslande führten, kamen Verwundete nach Diez ins Lazarett, woselbst sie geheilt und wohl verpflegt wurden.
Aus den umliegenden Ortschaften wurden den Kriegern nach Diez Liebesgaben gebracht; Gemüse, Obst, Kuchen, Zigarren und vieles andere.
Auch Schreiber dieser Zeilen hat die Verwundeten in Diez mit seinen Schülern öfters besucht und Liebesgaben überbracht, wie schon oben erwähnt worden.
Auch aus Langenscheid waren Verwundete dort in Pflege, so Karl u. Theodor M e c k e l, Brüder & Söhne des Gastwirts Wilh. M e c k e l; ferner Wilhelm B a u e r , Karl R i n g, auch Heinrich G a s t e y e r und
Unteroff. B r u c h h ä u s e r, Lehrer in Dörnberg, der es in verhältnismäßig kurzer Zeit zum Feldwebel und Leutnant brachte.
Nachdem auch Landwehr- und Landsturm aufgeboten wurde, stellte Langenscheid etwa 72 Mann.

Die Ernte im Jahre 1915 war eine recht befriedigende. Obwohl es überall viel zu tun gab, ist doch alles, was Feld, Wiese und Garten bot, gut eingebracht worden.
Nachbarn halfen sich gegenseitig aus, Kinder und Greise halfen, was in ihren Kräften stand, mit, dass nichts verloren ging. Nur die Sommerfrucht war gering im Ertrag, da der Sommer ohne Regen verstrich! Schon war kein Grünfutter mehr zu haben, man holte Buchen= und Eichenlaub zwecks Verfütterung; da trat doch zur rechten Zeit die ersehnte Regenzeit ein, und nach wenigen Wochen war wieder Futter in ausreichender Menge vorhanden. -

Gaben der Liebe mancherlei Art wurden durch den Herrn Pfarrer G r e v e l u. unter Mithilfe des Frauenvereins der Heeresverwaltung zur Verteilung an die Krieger abgesandt.

Um zu verhüten, dass es an Brot fehlen oder mangeln könne, legte der Staat auf das sogen. Brotgetreide Beschlag.
Aller Überfluss an Korn, Weizen, Hafer wurde an die Heeresverwaltung abgegeben und in Balduinstein zur Bahn abgeliefert. Die Liederanten wurden vom Staate für das gelieferte Getreide durch Geld entschädigt.
Für den Zentner Korn 15 M. Weizen 18 M, Hafer 16,50 Mk.
Es wurden Brotkarten durch die Ortsbehörde, z. Zeit Bürgermeister S c h a u b, jeder Person zugestellt, so dass auf die Person 1 Laib Brot & 4 Pfund wöchentlich gekauft werden durfte.
Alle Lebensmittel wurden teuerer, so dass das Pfd. Rindfleisch von 90 Pfg auf 1 M 20 gegenwärtig gestiegen.
Den 23. I. 1916. Butter das Pfd. 2 Mk. bis 2. 60 M. Ein Ei 15 bis 22 Pfg..-
Käse Pfd 1. 60 M. Schweinefleisch 1. 50. Schinken geräuchert 2.60. Rotwürste trocken und geräuchert 3 M p Pfd !
Frauen aus Langenscheid, deren Männer, die Ernährer der Familie im Kriege waren, erhielten monatlich aus Staatsmitteln eine Geldunterstützung je nach Bedürftigkeit.
Auch erhielten solche Männer auf Ansuchen von der Militärbehörde zur Zeit der Aussaat oder Ernte einen 14tägigen od. dreiwöchentlichen Urlaub.
Da die besten Arbeitskräfte im Felde stehen, gab die Militärverwaltung aus dem Gefangenenlager zu Limburg Gefangene zu Arbeitsleistungen an die Antragstellenden ab.
Auch Langenscheid bewarb sich um 20 gefangene Russen, die auch eintrafen und den Bewerbern zugewiesen wurden.

Da mit Ausbruch des Krieges sogleich viele Lehrer ausrückten, mussten viele Schulen durch zurückbleibende Lehrer vertreten oder mit versehen werden.
Schreiber dieses stand im 48sten Lebensjahre u. bekam die Schule zu Geilnau v. 15. 8. 1914 bis 1. 4. 1915 zur Vertretung überwiesen; wöchentlich 3 mal je 2 Stunden, u. vom 1. 4.. 1915 bis 15. 9. 1915 die Schule zu Hirschberg, woselbst täglich nachmittags 2 Unterrichtsstunden zu halten waren.
Nach den Herbstferien beteiligte sich auch der Lehrer M a n n w e i l e r aus Geilnau am Schulunterricht in Hirschberg.
Ich hatte von nun an 3 mal wöchentlich je 3 Schulunterrichtsstunden in Hirschberg zu halten. Dementsprechend kürzte sich der Stundenplan entsprechend für Langenscheid.

Die Witterung in den Monaten Dezember 1915 u. Januar 1916 war gelinde, fast keinen Frost, nur einige Tage Schnee & Eis. Blühende Schneeglöckchen fanden sich schon Mitte Januar blühend vor..
Die Bäume auf der Schulwiese am Walde oberhalb des Daubach wurden von mir im Jahre 1915 gepflanzt; ebenso 1916 solche im sogen. Schlaggraben beim Friedhof

Beteiligung der Schüler an der 4ten Kriegsanleihe v. 2. bis 22. März 1916.

Um dem Staate die Mittel zur Weiterführung des Krieges zu verschaffen, erging an alle Schulen der Ruf, mitzuhelfen.
Auch die Schüler zu Langenscheid haben die Summe von 2.109 Mk aufgebracht, in der Inspektion Langenscheid ( Kgl. Kreisschulinspektor G r e v e l) ergab die Sammlung die Summe von 35.000 M.
Es wurde gezeichnet von den Schülern zu Langenscheid wie folgt

M.
Pfg.
1. Gunda N a s s
50
-
2. Ernst K ü c h l e r
20
-
3. Wilh. G ü l l
30
-
4. Emma F a y
20
-
5. Frieda B r u c h h ä u s e r
50
-
6. Mina G ü l l
10
-
7. Hugo B o r n
50
-
8. Wilh. u. Auguste O p e l
100
-
9. Karl, Emil u. Fritz S t r u t
100
-
10. Hedwig B a u e r
20
-
11. Ludwig H e r o l d
5
-
12. Wilh. L o t z
50
-
13. Wilh.,Karl, Rud. S c h m i d t
6
-
14. Paul D e u t e s f e l d
10
-
15. Theo K ü n z l e r
10
-
16. Wilh. u. Auguste K ü n z l e r
6
-
17. Hermann H e r o l d
3
-
18. Wilh. u. Lina G ü l l
50
-
19. Wilh. u. Paula S c h e u r e r
20
-
20. Paula I s s e l b ä c h e r
50
-
21. Lina I s s e l b ä c h e r
50
22. Lina u. Erna K ü n z l e r
30
-
23. Ernst u. Wilhelmine M e c k e l
50
-
24. Mina u. Rud. R a a b
50
-
25 Luise, Ludwig u. Wilh. W e i m e r
60
-
26. Lina K ü c h l e r
10
-
27. Wilh. S c h m i d t
1
-
28. Hugo u. Wilhelmine M e c k e l
50
-
29. Emma S c h a u b
6
-
30. Toni u. Paula S c h m i d t
20
-
31. Lina H e r o l d
20
-
32. Wilh. u. Lina S c h a u b
40
-
33. August G ü l l
20
-
34. Emma u. Auguste K o c h
40
-
35. Wilh. u. Karl M e c k e l
100
-
36. Wilhelm H e r b e l
10
-
37. Wilh. K ü n z l e r
50
-
38. Wilh. G ü l l
100
-
39. August T r a p p
50
-
40. Auguste u. Lina F i s c h e r
20
-
41. Hermann P h i l i p p s
20
-
42. Lina H e r o l d
20
-
43. Lina, Oskar,Elsa K o c h
15
-
44. August N i n k
2
-
45. Heinrich F a b e l
3
-
46. Luise S c h a u b
100
-
47. Karl T r a p p
20
-
48. Ludwig R i n g
20
-
49. August K o c h
50
-
50. Rudolf B o r n
20
-
51. Lina K u h m a n n
50
-
52. Ludwig K r ä m e r
50
-
53. Wilh. S c h a u b
5
-
54. Theod. Wilh. S c h l a u
197
-
55. Gertrud G r e v e l
35
-
56. Auguste K ü n z l e r
50
-
57. Wilh. G a s t e y e r
10
-
58. Emilie K ü n z l e r
5
...............
...............
2.109
MK


Zur V. Kriegsanleihe, die vom 10. Sept. bis 6. Oktober 1916 dauerte, wurden von den Schülern zu Langenscheid in Summa 1383 M. an die Landesbankstelle in Diez eingezahlt.

In den schweren Kämpfen bei Verdun & in der Somme-Schlacht starben den Heldentod fürs Vaterland:
Albert K o c h und
Friedrich K ü c h l e r, beide im 20sten Lebensjahre.

In den Kämpfen am Hartmannsweiler Kopfe fiel der Landwehrmann & Metzgermeister Wilhelm O h l (Unteroffz). Auch der Gardist Wilhelm B a u e r starb den Tod f. Vaterland. Der mehrmals verwundet gewesene Lehrer Wilhelm B r u c h h ä u s e r (Res. Leutnant) fiel in den Kämpfen b. Verdun (mit dem „Eisernen Kreuze ausgezeichnet!).
Als vermisst & später als gefallen gemeldet wurde ferner Karl H e r o l d (21 Jahre).

In den Kämpfen in Russland fiel der Gardeinfantrist Wilhelm T r a p p im 21. Lebensjahre.
Schon seit Oktober des Jahres 1914 gilt als vermisst Wilhelm P a p s t (Reservist).

1917

Anfangs Mai sammelten die Schüler die Knospen von Buchen, auch die jungen Blätter von Himbeeren und Brombeeren zwecks Teebereitung, sowie Waldmeister. Dabei wurden Raupennester auf Obstbäumen aufgesucht und vertilgt.

Die Ernte des Jahres 1916 war gut, so dass es vorerst an Nahrung nicht fehlte. Auch die Witterung war derart günstig, dass die Wintersaat rechtzeitig ausgesät werden konnte.
Mit dem 10. II. 1917 trat Kälte ein, die anhaltend bis in den Anfang des April anhielt.
Es entstand Kohlenmangel und Mangel an ausreichendem Brennholz, so dass der Schulunterricht auf 3 Wochen ganz ausgesetzt werden musste.

Durch die Fortdauer des Krieges stellte sich auch der Mangel an ausreichenden Nahrungsmitteln ein, so dass die wichtigsten Lebensmittel nur gegen sogen. Marken zu erhalten waren und für jede Person eine bestimmte Menge abgegeben werden durfte.( Brot à Pers. 1 Laib 2 ½ Pfd., Butter 30 Gramm, 1 Ei pro Woche).

Am 20. April wurden durch Vermittlung des hies. Königl. Kreisschulinspektors Herrn Pfarrer G r e v e l 18 Kinder aus Wiesbaden nach Langenscheid von hiesigen Familien in Pflege für den ganzen Sommer hindurch aufgenommen.
Nach dem tägl. Schulunterricht halfen diese Kinder ihren Pflegeeltern, so weit es eben möglich war. Die Schülerzahl der hies. Schule betrug mit dem 1. 4. 1917 „Einhundert“ und 18 Schüler.

Am 22. 6. wurde die Größere der beiden Kirchenglocken vom Turme genommen und an die zust. Stelle der Heeresverwaltung abgeschickt.

Zur 6ten Kriegsanleihe wurden in der Schule gezeichnet 1070 Mark.
Zur 7ten Kriegsanleihe wurden in der Schule gezeichnet 1015 Mark.
Die 8te 1130 M.

Infolge einer Verwundung in den Kämpfen bei Markirch starb im Feldlazarett der Landsturmmann Ludwig B r u c h h ä u s e r.- Derselbe wurde am 6. Sept. 17 auf dem hies. Friedhofe beerdigt unter militärischen Ehren (kurz vorher war dessen Vater gestorben), so dass diese Familie in tiefes Leid versetzt wurde; der Grabrede des Ortsgeistl., Herrn Pfarrer G r e v e l , lag die Bibelstelle zugrunde: „Ich habe einen guten Kampf gekämpfet.“
Die ergreifende Rede wirkte tröstend auf alle Leidtragenden. -

Auf Anregung der Kgl. Regierung wurde mit Anfang Oktober eine IIte Lehrerstelle in Langenscheid errichtet und Fräulein D e l i u s aus Wiesbaden nach hier beordert (Lehrsaal im Rathaus, Weiherstraße).

Die elektrische Straßen- u. Ortsbeleuchtung wurde im Herbste 1917 fertig gestellt, im Schulhaus konnte am 22. 11. abends das Wohnzimmer zum ersten Mal erleuchtet werden durch elektrisches Licht! Eine Wohltat, auf die man schon lange gehofft hatte.

Am 10. Dezember starb infolge einer Verwundung der Landsturmmann Karl I s s e l b ä c h e r in einem Lazarett zu Gent.

Am Weihnachtsfest ( 25. 12. 1917 ) abends 6 Uhr versammelten sich die Kinder in der Kirche zu einer Schülerfeier. Obwohl 2 Tannenbäume aufgestellt waren, so fehlte die Kerzen diesmal, weil keine Talglichter zu haben waren. - Stattdessen brannte aber das elektrische Licht. Die Kinder trugen passende Gedichte und Lieder vor, und fand die Feier mit einer passenden Ansprache des Herrn Pfarrers G r e v e l ihren Abschluss.

Auch der 400 jähr. Gedenktag der Reformation wurde in würdiger Weise gefeiert am 31. 10. 1917 ( die Schüler erhielten ein Buch, in dem über L u t h e r s Leben u. Wirken berichtet wird ).

1918

Am 27. Januar 1918 war die Feier: „ Kaisers Geburtstag.“
Zu Ostern wurden 6 Knaben und 8 Mädchen aus der Schule entlassen (aufgenommen wurden 6 Knaben).
Infolge einer Krankheit wurde ich vom 1. 4. bis 31. 6. beurlaubt. Die Vertretung übernahm Herr Lehrer G ö b e l aus Hirschberg.
Zur 9ten Kriegsanleihe wurden 1154 M. gezeichnet u. 1500 M. durch Vermittelung aufgebracht

Ludwig K ü c h l e r, Schütze, starb infolge e. Verwundung im Lazarett zu Ingolstadt, u. fand am Totenfest seine Gedenkfeier in der Kirche statt.

9. Nov. 1918. Durch den Abschluss eines Waffenstillstandes kehrten unsere Truppen in Eilmärschen aus dem Westen zurück. -
Es war genug des Blutvergießens.
Etwa 10 Tage anhaltend bewegten sich die Truppen vom Rhein kommend über Holzappel und Hirschberg nach Diez u. weiter. Es war ein ergreifendes Bild, solch` eine sieghafte Armee sich auflösen zu sehen! -
Man sah es den Kriegern an, wie schwer das Schicksal auf ihnen geruht hatte; überall aber wurden sie ehrenvoll und freudig begrüßt und aufgenommen.
Auch in Langenscheid fanden Bayern und württemberger Soldaten Notquartier, man bot alles auf, sie würdig zu empfangen und zu verpflegen.

Langenscheid im besetzten Gebiet (1918 / 1919)

Bereits am 15. Dezember trafen die ersten französischen Besatzungstruppen hier ein. Auch hier wurden etwa 150 Mann Infantrie einquartiert. Nur einige Offiziere bezogen Bürgerquartier, während die Soldaten in den Gasthäusern von Wilh. K ü c h l e r u. M e c k e l Unterkunft fanden bei Selbstverpflegung.
Auf Anordnung des Kommandanten wurden an alle Ausgänge des Dorfes Posten ausgestellt, und konnten die Einwohner von hier nur gegen einen Erlaubnisschein ( Ausweis ) vom fr. Kommandanten u. der hies. Ortspolizei ( Bürgermeister ) ausgestellt, das Nachbardorf besuchen.
Der Verkehr in das nicht besetzte Gebiet, also nach Limburg, war streng verboten; Übertretungen wurden mit Gefängnis und Geldstrafen belegt.
Das Benehmen der fr. Besatzung war würdig und gab zu Klagen keinen besonderen Anlass.
Nach etwa 14 Tagen verließen diese Truppen Langenscheid und bezogen Diez. Später bezog noch ein kleiner Trupp hier Notquartier, der auch nach einigen Tagen nach Diez weiter vorgeschoben wurde.
Nun blieben wir von feindl. Besatzung verschont.
Dagegen wurden öfters von den umherliegenden Besatzungstruppen hier Futtermittel für die Pferde abgeholt.

Vom franz. Oberkommando wurden eine Menge Vorschriften erlassen, die genau von der Bevölkerung befolgt werden musste. Die Uhr wurde nach franz. Zeit gestellt. -
Am Hause des Bürgermeisters, früher Anton S c h a u b , jetzt Karl K ü n z l e r musste die franz. Fahne dauernd aushängen. Jeder Offizier musste gegrüßt werden.
Von morgens 6 bis abends 9 Uhr war der Verkehr auf der Straße gestattet. Nach 10 durfte kein Licht mehr brennen.
Keinerlei Versammlungen durften abgehalten werden ohne Genehmigung des Kommandanten.
Alle Waffen und Patronen mussten dem Bürgermeister abgeliefert werden, diese kamen nach Diez in Verwahrung.
Jeglicher Briefverkehr ins unbesetzte Gebiet wurde verboten.
Das waren recht unangenehme Bestimmungen, die man zu erfüllen gezwungen war.
Heute, am 14. II. 1919, lese ich, dass Postkarten familiären Inhaltes wieder zu schreiben erlaubt sind u. überall hin wieder gesandt werden dürfen.
Im Schulhause ( Lehrzimmer ) wurde von einem franz. Offizier ein Plakat aufgehängt mit der Aufschrift:

„Frankreich ist eine große Nation!
Frankreich strebt bloß nach edlen Zielen!
Frankreichs Ideale sind Gerechtigkeit, Recht und Loyalität.
Wie jeder Deutsche sein Vaterland lieben soll,
muss jeder gebildete Mensch Frankreich hoch achten.“


Von Februar bis heute, 1. 8. 1919, hatte Langenscheid anhaltend Besatzung (Artill.), die Geschütze standen eine Batterie vor dem Dorfe nach Balduinstein, die andere auf dem Schul-u. Spielplatz.

1920

Im Schulhause war dauernd die Offiziersküche und in der Küche drei Soldaten beschäftigt. Tagsüber und bis oft nachts 12 Uhr blieben die Off. Im Wohnzimmer der Lehrerwohnung.
Ich und meine Frau hatten nur das Schlafzimmer inne. An Ruhe und ernste Arbeit konnte man nicht denken.
Mit dem 20. 9. 1920 wurde die Besatzung zurückgezogen und blieb nur Diez von Truppen besetzt.
Auch das Reisen in das unbesetzte Gebiet wurde gestattet. Jede Person vom 12ten Lebensjahre an erhielt einen Personalausweis; dieser war überall mitzuführen.
In den Eisenbahnwagen wurde strenge Kontrolle durch franz. Beamte geführt, und wer den Pass nicht hatte, wurde mit Haft und Geldstrafe belegt, oft in Höhe bis zu 4 Wochen u. M. 500 bis 1000!

1921

Mit der Zeit ließ auch diese Strenge nach und gegenwärtig, Jan 1921, wird nur in seltenen Fällen Kontrolle ausgeübt..
Was nun die Lebensmittel betrifft, so muss mitgeteilt werden, dass langsam eine Preissteigerung aller Nahrungs- und Genussmittel eintrat.
Es kostet jetzt, Jan. 1921, das Pfund Rindfleisch 12 M., Schweinefleisch 20 M., Wurst 8, 10 u. 15 bis 24 M. pro Pfd., Mehl 4 u. oft 5 M.
Auch die Kleidung ist sehr teuer. Ein Anzug 5 bis 600 M. Schuhe d. Paar 250 – 300 M.
Durch diese hohen Ausgaben musste eine allgemeine Erhöhung der Beamtengehälter und Arbeitslöhne eintreten. Der Stundenlohn des Arbeiters beträgt jetzt 5 M., auch 6 u. 7 M.
Das Gehalt eines Lehrers mit 15 Dienstjahren 12000 M. bei 10 % Steuerabzug.

Mit dem 1. Jan. 1921 ist Frl. D e l i u s hier aus dem Schuldienst entlassen und wurde die II. Klasse Frl. H i l d e b r a n d t aus Wiesbaden vertretungsweise übertragen. V. II. 1921.

Am 6. März 1921 fand die Einweihung der Gedenktafel der gefallenen Krieger aus Langenscheid in der hiesigen Kirche statt. Schulkinder sangen: Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben! Gesangverein: „Ich kenn ein` hellen Edelstein, das treue deutsche Herz“; gepredigt wurde von Herrn Pfarrer G r e v e l über: Wir sollen auch das Leben für die Brüder lassen! Es war eine erhebende Feier in Wehmut und in Leid! –

1922

In diesem Jahre fehlte ausreichender Regen und trat eine lang anhaltende Trockenheit ein. Die Heuernte war so gering, dass die Landleute das Vieh mit dem Laub der Eichen fütterten.
Erst im Spätherbst kam ausreichend Regen, so dass die Aussaat des Wintergetreides erfolgen konnte.
Die Preise für Lebensmittel stiegen andauernd.

Am 25. Mai 1922 wurden die neuen Glocken aus der Gießerei in Sinn b. Herborn hierher gebracht & am Palmsonntag fand die Einweihung statt.
Die Kirche war festlich geschmückt und hielt der Ortsgeistl. Herr Pfarrer G r e v e l die Weiherede, wobei die Schulkinder und der Gesangverein Lieder vortrugen.

Die Preissteigerung für Lebensmittel schritt immer weiter fort und kostet heute, im Aug. 1922, das Pfd. Fleisch 60 – 75 M., Butter 1 Pfd. 80 – 100 M, 1 Ei 8 – 9 M! Mehl 25 M., Zucker 45 M.., Schuhe 800 – 1000 M. d. Paar. Dem entsprechend mussten auch die Arbeitslöhne aufgebessert werden, so dass ein Arbeiter täglich 240 M verdienen muss.

1923

Auch wurden die Lehrergehälter von Monat zu Monat aufgebessert.
Im Jahre 1923 trat eine weitere Verteuerung aller Lebensmittel ein, so dass jetzt 1 Pfd. Fleisch 3400 M., Butter 4000, Öl d. L. 8000 M kostet.

Der Winter war sehr gelinde, es regnete viel.
Aus der Schule wurden 6 Knaben & 7 Mädchen entlassen.

Am Tage nach Himmelfahrt starb Herr Pfarrer G r e v e l im Alter von 57 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit ( Lungenentzündung , 13. Mai 1923 ).
Die Leichenrede hielt Herr Dekan W i l h e l m i , Diez. Viele Geistliche und ein großer Trauerzug fanden sich am Grabe zusammen, woselbst Herr Dekan W. in längerer Rede den Lebensgang und die Berufstreue und großen Geistesgaben des Verblichenen schilderte.

Ich bin mit dem Verstorbenen gleichzeitig aus dem Kreise Biedenkopf nach Langenscheid gekommen und habe ihn als einen aufrichtigen, edlen und treuen Prediger kennen gelernt; er war vorbildlich in jeder Hinsicht; er war ein Salz der Erde und ein Licht der Welt ! Er war ein Sämann, der auch den Kindern in verständlicher Weise im Schulunterrichte den Religionsunterricht erteilte. Neun Jahre hindurch war er Kreisschulinspektor und hat bei allen Lehrern sich als ein treuer Berater in Schul- u. Unterrichtsangelegenheiten gezeigt, und jeder, der ihn kannte, wird ihm ein dauerndes Andenken bewahren.
Er ruhe in Frieden!

Mit dem 1. Okt. 1923 wurde Herr Pfarrer S t e u b i n g v. Frankfurt a./M. an die hiesige Pfarrstelle versetzt und durch den Herrn Dekan W i l h e l m i in Diez in sein Amt eingeführt.

1924

Zu Ostern 1924 wurden 5 Knaben und 4 Mädchen aus der Schule entlassen und 3 Schüler, 2 Knaben u. 1 Mädchen aufgenommen.

Die Witterungsverhältnisse waren für die Landwirtschaft sehr ungünstig. Im Frühjahr hielt die nasse und kalte Witterung an bis in den Mai. -
Auch der Sommer brachte viel Regen, und die Ernte wurde nicht gut eingebracht. Korn, Hafer und Weizen wuchsen auf dem Halm wieder aus, so dass der Ertrag in vielen Ortschaften gering ausgefallen ist.
Im Herbste wurde wieder die Mark – sogenannte Goldmark als allgem. Zahlungsmittel eingeführt, was überall sehr zu begrüßen war.
Jedoch haben viele Sparer bedeutende Verluste gehabt, so dass für eine Billion nur eine Goldmark gerechnet wurde. -
Auch die Lehrergehälter wurden in Goldmark ausgezahlt ( monatlich ).

1925

Mit dem 1. 10. 25 hatte sich H. Lehrer H. N a s s pensionieren lassen.
Die Regierung zu Wiesbaden übertrug mir ab 1. 11. 25 die Versehung der hiesigen Lehrerstelle.
Geboren wurde ich am 25. 6. 1898 zu Scheuern im Kreis Unterlahn. Dort besuchte ich die Volksschule von meinem 6. bis zum 10. Jahre. 4 Jahre genoss ich dann den Unterricht der Realschule zu Nassau. Meine berufliche Vorbildung erhielt ich in Usingen und zwar von 1912 bis 1915 in der dortigen Präparandenanstalt und von 1915 bis 28. II. 1917 im Seminar daselbst..
Am 1. III. 1917 rief mich das Vaterland, dem ich zwei Jahre lang gern diente. Mein Schicksal führte mich auf den Balkan, in die Nähe Monastirs und nach Flandern.
Am 1. 3. 1919 zog ich den feldgrauen Rock wieder aus, um meine Ausbildung zum Abschluss zu bringen.
Ich bezog das Lehrerseminar zu Homberg im Bezirk Kassel und legte dortz am 24. Oktober 1919 meine erste Lehrerprüfung ab.
Am 1. 1. 20 trat ich meine erste Stelle zu Becheln an , woselbst ich 5 ¾ Jahre lang wirkte. -
Ich bin verheiratet und ist meine Ehe mit einem Knaben - F r a n z – W e r n e r - gesegnet.
Gebe Gott meinem Wirken hier seinen Segen !

Langenscheid, den 15. 11. 1925

August M i n o r.
Lehrer.

1926

Am 27. III. Wurde das achte Schuljahr entlassen. Es waren 4 Mädchen und 5 Jungen. Die Schule ist z. Zt.., also am 10. 4. 26 37 Schüler stark. Dazu kommen nun noch die Schulneulinge, die am 13. 4. 26 aufgenommen werden.
Im Laufe des Schuljahres ist eine Schülerin an Zuckerkrankheit gestorben.
Von 1925 ist noch nachzutragen:
Die Schule war bis zum 1. 4. 25 zweiklassig. Am 1. 4. 25 wurde Frl. H i l d e b r a n d t, seit 5. 2. 21 hier Lehrerin, nach Dillenburg versetzt und die Schule zu einer einklassigen gemacht.
Herr Lehrer Nass wurde beurlaubt und hatten die Vertretung die Kollegen G ö b e l – Hirschberg und H u c k e – Geilnau.

10. 4. 26 M i n o r

Seit über Jahresfrist ist ein Stauwerk mit Kraftanlage an der Lahn unterhalb Balduinstein im Bau. Der Cramberger Berg ist durchstochen und läuft ein Teil der Lahn durch diesen Tunnel, um auf diese Weise das nötige Gefälle für die elektrische Kraftanlage zu bekommen.

14. 12. 1926 M i n o r

Am 19. 12. 1926 führte die Schule im K ü c h l e r s c h e n Saale in einem Märchenabend „Dornröschen“ auf. Das Spiel bedeutete einen vollen Erfolg und fand überall Anerkennung.
Die Veranstaltung war eine reine Schulangelegenheit, zu welcher Betonung ich durch die Vorgeschichte des Spieles leider genötigt bin. –

Kurz vor Weihnachten begann Herr Pfarrer S t e u b i n g ein Krippenspiel mit den Kindern einzuüben. Nun benachrichtigte die Gemeindevertretung Herrn Pfarrer, dass es der Gemeinde befremdlich vorkäme, dass Herr Pfarrer neben dem bereits seit Wochen in Vorbereitung befindlichen Weihnachtsspiel des Lehrers noch eine zweite Sache begänne.
Auf diesen Wink hin erklärte Herr Pfarrer u. a., er habe von der Schulaufführung nichts gewusst und weiter haben ihn Kinder um das Krippenspiel gebeten. -
Das kirchliche Krippenspiel kam nicht zur Aufführung. –

22. 12 1926 M.

Z. Zt. Werden Verhandlungen geführt über die Erbauung eine Kriegerehrenmals für Langenscheid. Als Platz ist der Kirchhof ( Seite nach dem Daubachtal zu) ausersehen.

28. 12. 26 M.

1927

In Vorausahnung, dass etwa über einige Rechtssachen der Schule Zweifel entstehen werden, sei folgendes aufgeschrieben:
Der Schulplatz, das ist der mit Bäumen bestandene Platz der Schule gegenüber, gehört der Schule, nicht der Gemeinde.
Der Platz ist Geschenk des Fürsten von Schaumburg. Es ist der Zehntplatz. Dort stand die Zehntscheune.
Der zweite Spielplatz auf der anderen Seite der Straße gehört der Gemeinde. Er ist nur der Schule zur Verfügung gestellt. Es sollte dort einmal eine zweite Schule gebaut werden. Der Gedanke wurde aber fallen gelassen

Das Dienstland besteht aus den Stücken:

1) Wiese am Hirschberger Weg, Kataster Nr. I 126
7, 39 a
groß
2) """"" I 127
7,40 a
"
3) Wiese mit Acker, Schlaggraben " V 237
41,68 a
"
4)" Tränkgarten VI 96
14,36 a
"
5)" Bachberg VII 81
3,12 "
"
6) Acker Bornweg XVI 184
6,72 "
"
7) Das Grundstück am Geilnauer Weg
2,90 a
groß

Letzteres ist Platz für eine aufgeteilte Baumschule. Außerdem gehört der hinter der Schule liegende, mit einer Mauer versehene Hausgarten zur Schule ( zus. Mit Hofraum 12, 71 a ).


Lehrer Willi M e t z l e r schreibt hierzu in einem Anhang:

Berichtigung


Die Kirchenchronik berichtet:

Im Jahre 1843 wurde der Langenscheider Zehnte abgelöst. Die Gemeinde Langenscheid kaufte ihn von der Herrschaft Schaumburg für 30.000 Gulden.
Im Anfang des Jahres 1845 wurde deshalb die seitherige Zehntscheune abgebrochen.
Der Platz, auf welchem die Zehntscheuer gestanden hatte, wurde auf untertänigstes Ansuchen des Schul= und Ortsvorstandes zu Langenscheid der Gemeinde für einen Spielplatz der Schuljugend von seiner K. K. Hoheit dem durchlauchtigsten Erzherzog für 70 Gulden überlassen.
Im Herbst 1845 wurde der Platz durch den Gärtner W o l f von Diez mit 30 Kugelakazien und in der Mitte mit einer Rosskastanie bepflanzt.
Zur Zeit steht die Rosskastanie noch. Sie blüht rot. Die Akazienbäume sind längst durch andere ersetzt worden.

Langenscheid, im Februar 1937

Willi M e t z l e r, Lehrer

Das Jahresquantum Schulholz beträgt 3 ½ Klafter Buchenscheitholz ( Regierungsverfügung vom ).
Es besteht der Brauch, dass der Lehrer den Holzfahrern einen Schnaps zur Aufmunterung spendiert. Das Holz wird in Fron gefahren.
Dem Lehrer steht das Recht zu, Schulholz in seiner Wohnung zu brennen. Es ist dies die Gegenleistung für Unterhaltung und Besorgung der Klassenzimmerheizung und Sorge für das Schulholz nach dem Spalten ( Aufsetzen zum Trocknen im Schulhof, wegtransportieren ).
Noch eines „Rechtes“ sei hier Erwähnung getan:
Die Familie des Lehrers hat in der Kirche einen besonderen Platz. Es ist die der Kanzel gegenüberliegende, erste, geschlossene Bank im Schiff. Dahinter liegt die gleich ausgeführte Bank für die Familie des Pfarrers.

M.

Heute, am 7. Aug. 27 wurde unter großer Beteiligung das Kriegerdenkmal auf dem Kirchhof eingeweiht.
Nach Überwindung vieler Hindernisse ( die Genehmigung zur Ausführung in der von der Gemeinde gewünschten Form war sehr schwer zu erhalten ), konnte die Gemeinde endlich ihren gefallenen Helden ein würdiges Mal errichten.
Der Entwurf und die Steinmetzarbeiten wurden von dem Bildhauer H ü b e l – Bergnassau – angefertigt.-
Bei der Feier sprach Herr Pfarrer S t e u b i n g die Weiherede. Es sprachen dann noch Herr Brgstr. M e y e r , Herr A. K ü n z l e r für den Gesangverein und ich selbst für Schule und Turnverein. Die Kinder wirkten durch einen Sprechchor „Für uns“ mit.

9. 8. 27 M.

Nachtrag: Ostern 1927 wurden 11 Schüler entlassen und 12 Schüler aufgenommen. Die Schülerzahl beträgt nun 50.
M.

Am heutigen Tage fanden die üblichen Reichsjugendwettkämpfe der Schulen in Diez statt. Unsere Schule errang einen zweiten Preis mit der Durchschnittsleistung des Schülers von 43 Punkten. Es wurden folgende Übungen gemacht: Schlagballweitwerfen, Laufen und Weitspringen.

1. 9. 27 M i n o r

Am 19. 12. 27 fand der Märchenabend der Schule statt.
Es wurde „Die Gänsemagd“ gegeben. Der Reinertrag des Abends betrug 105 RM.-
Durch unsere beiden Märchenabende ( 1926 u. 1927 ) bekamen wir die Mittel zur Anschaffung eines Epidiaskopes. Die Hälfte der Gestehungskosten trug die Gemeinde. Die Verdunkelungseinrichtung wurde von mir selbst hergestellt.

20. 12. 27 M i n o r

1928

Zum Abschluss de Schuljahres wurde eine Ausstellung der Mädchenhandarbeiten und der Zeichen= + Schreibarbeiten der Schüler veranstaltet. Eine Anzahl der Eltern besah diese Sachen.
Entlassen wurden zu Ostern 1928 11 Schüler, neu aufgenommen wurden 9 Schüler. Die Zahl der Schüler beträgt jetzt 48.

5. 4. 28 M i n o r

Herr Pfarrer S t e u b i n g ist auf seinen Wunsch hin zum 1. Juni d. J. nach Eller bei Düsseldorf versetzt worden.

1. 8. 28 M.

Die Schülerzahl sinkt durch Wegzug einer Familie um 3, die Gesamtzahl der Schüler ist jetzt 45.

15. 9. 28 M.

Am 1. 12. 1928 wurde die Pfarrstelle wieder besetzt durch den Pfarrer Hans D i e t z , bisher in Wissenbach.
Am 16. 12. war der Märchenabend der Schule im Saale K ü c h l e r . Es wurde „Schneewittchen“ gespielt. Das Spiel war sehr gut. Reingewinn 76 M.

Am 2. Weihnachtstag 28 M i n o r

1929

Der Winter 1928 / 29 war ein überaus kalter und lang anhaltender. Trotzdem war der Gesundheitszustand der Kinder zufrieden stellend.
Oster wurden entlassen: 1 Mädchen und 3 Jungen.
Aufgenommen wurden 4 Mädchen und 2 Jungen.
Der Stand der Klasse ist 47 Schüler.
Zur Schulentlassung war eine Ausstellung von Handarbeiten und Zeichen + Bastelarbeiten veranstaltet. Der Besuch war gut.

Ostern 1929 M i n o r , Lehrer

Am 17. 4. 29 verließ eine Schülerin d. Schule.
Klassenstand jetzt 46
1. 5. 29 M i n o r

Am 10. Aug. 29 fand die Verfassungsfeier der Schule statt. Der Raum war geschmückt. Die Feier bestand aus Vortrag, Liedern, Sprechchor. Gäste waren nicht zugegen ( 10 Aug. war ein Samstag, Erntezeit ! ).

20. 8. 29 M i n o r , Lehrer

Die Weihnachtsfeier fand auch in diesem Jahr in K ü c h l e r s Saale statt. Unser diesjähriges Spiel, das zuerst ausgesucht war ( der Teufel mit den 3 goldenen Haaren ) verfiel der Ablehnung durch die Eltern einer Schülerin, die des Teufels Großmutter spielen sollte. Das Mädchen „durfte“ nicht die Rolle spielen. Wir spielten dann die Tanzgeige und Schattenspiele von S a c h s ( ! ? ).
Die Einnahme ergab einen Reingewinn von 78, 30 M.

L. den 1. 1. 1930 M i n o r

Am 24 9. 29 verließ eine Schülerin die Schule. Stand jetzt 45.M i n o r

1930

Zum Jahresabschluss fand eine Ausstellung der Handarbeiten der Mädchen sowie der im Laufe des Jahres erarbeiteten Sammlungen heimatkundl. Art. Auch eine Sammlung hiesiger Hölzer war ausgestellt. Die Ausstellung war an einem Sonntag und sehr gut besucht.
Entlassen wurden am 31. 3. 1930: 1 Mädchen, 2 Knaben. Aufgenommen wurden 2 Mädchen, 3 Knaben. Schülerzahl bei Anfang des Schuljahres also 47 Schüler. M i n o r
Am 30. 6 30. verließ eine Schülerin die Schule. Am 30. 7. 30 trat ein Schüler neu ein. Stand 47.

L. den 5. 8. 30 M i n o r

Im Laufe dieses Jahres wurde das Wohnhaus des Maurers Wilhelm K o c h abgerissen. An seine Stelle kam ein neues Wohnhaus. Das alte K o c h` s c h e Wohnhaus war ein Teil des alten Schulhauses, das vor ca. 90 Jahren. als baufällig und ungeeignet für die Schule erklärt wurde.
Jetzt steht noch ein Teil dieses alten Schulhauses, es ist dies das Hinterhaus des Landwirtes Wilhelm S c h l a u.
Das Lichtbild zeigt das alte K o c h` s c h e Haus vor dem Abbruch.
















Eine Weihnachtsfeier fand in diesem Jahr nicht statt.

L. den 27. 12. 30 M i n o r

1931

Ostern 1931 wurden 4 Kinder entlassen und 13 aufgenommen. Der Stand der Klasse ist nach Ostern 56. Die Zusammensetzung nach Alter und Geschlecht ist zur Zeit durch die Nachkriegsjahrgänge sehr merkwürdig geworden. Sie folgt hier

Schuljahr
8
- K
2 M
"
7
1 "
1 "
"
6
4 "
6 "
"
5
6 "
4 "
"
4
3 "
4 "
"
3
4 "
3 "
"
2
2 "
2 "
"
1
9 "
5 "

Auch in diesem Jahr war eine Ausstellung von Schülerarbeiten. Die besten Arbeiten wurden mit Preisen bedacht.

Seit Februar ist eine Schulsparkasse eingerichtet worden durch die Nass. Landesbank.

Langenscheid, den 1. 5. 31 M i n o r

Über das Schuljahr 1931 – 32 lässt sich in kurzen Worten berichten. Der Stand der Schüler war Ostern 56 ( s. Aufstellung oben ! ). Entlassen wurden als Konfirmanden 2 Schüler ( 1 K. , 1 M ), ein Junge trat in das Gymnasium Limburg ein, neu aufgenommen wurden 4 Schüler, so dass der Stand der Klasse für das Schuljahr 1932 / 33 57 Schüler beträgt.
Da die Zahl der Schüler noch im Wachsen ist ( beträgt jetzt schon 57, so sehe ich beschwerlicher Arbeit entgegen.
Aussicht auf eine zweite Lehrkraft besteht bei den katastrophalen Verhältnissen aller Kassen nicht. Dass damit auch die Leistungen der Schule sinken müssen, ist unausbleiblich.
Die politisch regen Zeiten wirken auch auf die Schule. Die Oberklasse, besonders die Jungen, interessieren sich lebhaft für die Tagesgeschichte.
Versuchen, die Schüler parteipolitisch einzuspannen, musste ich energisch entgegen treten ( Umzüge ).
Die Wahlen der letzten Zeit lassen im Dorf einen deutlichen Ruck zur nationalsozialistischen Partei erkennen.

Mai 1932 M i n o r

Im Juni wurde der Schulhof, der in sehr schlechtem Zustande war, im Wege der Fron neu hergerichtet.

1. August 32. M i n o r

Über dem Leben des Dorfes wie der Schule liegt eine große Unruhe. Die politischen Verhältnisse steuern auf eine endliche Klärung hin. Je länger es dauert, desto klarer kann man erkennen, dass nur noch der Nationalsozialismus Rettung sein kann. Eine Besinnung auf uns selbst tut not.
Alles Geschwätz von Verständigung und Besserung durch Zusammenarbeiten mit den anderen Ländern kann nicht mehr über die riesengroße Not hinwegtäuschen.
Man hat das fatale Gefühl, dass die Regierung versucht, aus dem großen Programm H i t l e r s einzelne Gedanken herauszubrechen und zu verwirklichen, um das schwankende Staatsschiff zu retten.
Wann endlich wird H i t l e r an den Platz, der ihm gehört und den er doch einmal einnehmen wird, kommen?

Nov. 1932 M i n o r

1933

Heute, am 30. Januar 1933, hat der Herr Reichspräsident endlich den lang ersehnten Schritt getan: Adolf H i t l e r ist Reichskanzler geworden.

Heil ihm !

30. 1. 33 M i n o r

Durch das deutsche Volk geht ein Aufbruch wie wohl selten in der deutschen Geschichte. Wir erleben eine große Zeit.
Mitten hineingestellt ist die Schule in dieses Erleben. Wir sitzen oft am Rundfunk und nehmen teil am Weltgeschehen. Tage wie der von Potsdam gehen wohl nicht mehr aus dem Gedächtnis der Jugend verloren.
Heute feiern wir den Tag der Arbeit. Auch die Schule soll erkennen, dass Deutschland eine Wandlung durchmacht. Aus dem Klassenstaat soll ein Volk werden. Den Glauben daran haben wir. Möchten wir bald die Verwirklichung sehen.

Die diesjährigen Osterferien waren verlängert. Der Schulanfang ist am 2. Mai, so dass der April ganz frei war.

1. 5. 33 M.

Die Schule hat seit 1. 4. 33 66 Schüler. Die Regierung schickte uns einen Hilfslehrer, den Lehrer August S c h n e i d e r aus Braunfels. Er hatte bis jetzt an verschiedenen Stellen hospitiert. Auf dem Rathaus wurde eine zweite Klasse eingerichtet. Leider dauerte die ganze Herrlichkeit nur 12 Tage. Herr S c h n e i d e r ist nach Geilnau versetzt.
Wir sind wieder einklassig.

15. 5. 33 M i n o r

Heute gedachten wir des deutschen Helden S c h l a g e t e r! Wir hörten auch im Rundfunk eine schöne Übertragung.

27. 5. 33 M i n o r

Der Reformgedanke in der Landschule scheint vorwärts kommen zu wollen.
Ich nahm an einer Landschulwoche in Wörsdorf teil. Dort trafen sich über 100 „Landschulreformer.“ Mir bereitete diese Tagung große Freude: sie zeigte mir, dass doch mit dem Problem der wenig gegliederten Landschule gerungen wird.
Nicht klar ist mir das Ziel des Herrn Prof. Rede in Wörsdorf geworden. Auch war vorerst keine gemeinsame Wegelinie zu erkennen. Aber dass man an dem Problem arbeitet, es also erkannt hat, ist schon etwas! Die Woche dauerte vom 26. 6. – 1. 7.

L. den 21.7. 33 M i n o r

Heute, am 21. 7. 33, war die Arbeitsgemeinschaft der Junglehrer hier zum Hospitieren. Nachmittags hielt ich ihnen einen Vortrag über Landschulreform.

M i n o r

Im Dorfe treten Scharlacherkrankungen in großer Zahl auf. Bis jetzt verliefen aber alle Fälle sehr leicht. Auch im Schulhaus erkrankte ein Kind an Scharlach. Die Schule wurde daraufhin bis zum 15. 10. geschlossen.

20. 10. 33 M i n o r

Die Arbeit unserer Regierung, unser Volk zum „Volk“ werden zu lassen, hat schöne und erhebende Feiern beschert: das Erntedankfest, den Handwerkertag.
Das ganze Dorf war an den Vorbereitungen zu den Tagen beschäftigt.
Der Bauernstand spürt, dass er nicht mehr Stiefkind ist, dass der Staat und die Regierung ihn zum Kernstücke des Reiches machen will.

15. 11. 33 M i n o r

1934

Der Winter 1933 / 34 zeigte eine Opferwilligkeit des Volkes wie wohl zu keiner Zeit der Geschichte. Auch die Schule zeigte sich hilfreich beim Vertrieb der Blumen und Anstecknadeln usw. die die NSV zwecks Geldbeschaffung verkaufte.
Zu Ostern wurden 4 Knaben und 6 Mädchen entlassen, nach Ostern 5 Knaben und 2 Mädchen aufgenommen. Der Stand der Schule ist 63 Schüler.

1. 5. 34 M i n o r

Unser deutsches Volk ist in tiefste Trauer versetzt. Unser unvergesslicher Reichspräsident, der große General des Krieges, der Schirmherr der Nation ist gestorben! Die Glocken läuten Trauer, die Fahnen wehen Trauer, wir alle spüren den Verlust, der uns traf.

L. den 5. Aug. 34 M i n o r

Wir hörten im Rundfunk die Übertragungen von der Trauerfeier des großen Toten, wir sahen in den Zeitungen viele Bilder. Die Schüler sind gefasst von der Größe unseres verstorbenen Generalfeldmarschalls wie von nur wenig anderen Menschen.

L. den 15. 8. 34 M i n o r

Im Dorf treten sehr stark die Masern auf. Sehr viele Schüler sind krank. Die Schule wurde geschlossen.

2. 9. 34 M.

Heute starb unser Schulkamerad Rudi M e i n e c k e. Er war an Masern, Mittelohrentzündung und Lungenentzündung erkrankt. Dazu kam noch während der Operation oder danach eine Hirnhautentzündung.
M e i n e c k e gehörte zum 1. Schuljahr, die Schule hat jetzt noch 62 Schüler.

20. 9. 34 M i n o r

In diesen Tagen wurde das neu gerodete Feld im „Kumpf“ verpachtet. Dort war Wald. – Hoffentlich bewährt sich der Boden im „Kumpf“. Schon einmal war dort gerodet worden. Doch hat man den Distrikt aber wieder verwalden lassen, weil er nicht genug trug,

L. den 15. 12. 1934 M i n o r

1935

Wir haben einen großen Tag erlebt! Gestern und vorgestern waren unsere Gedanken bei unseren Brüdern an der Saar. Heute hörten wir endlich das Ergebnis: 90, 5 % der Saarbevölkerung haben sich für ihr Vaterland entschieden.
Die Saar ist wieder deutsch! Nun ist endlich der letzte Zankapfel beseitigt.
Nur noch Tage und Wochen wird es dauern, dass der letzte Franzos` das Saargebiet verlässt. Dann ist das Land wieder ganz daheim!
Wir hörten im Rundfunk das Ergebnis der Saarabstimmung und die Rede des Führers.

Langenscheid, den 15. 1. 1935

Aug. M i n o r

Zum 1. 10. 1935 werde ich Langenscheid verlassen, um nach Salzböden im Krs. Wetzlar zu gehen. 10 Jahre bin ich hier gerne gewesen. Manches Gute durfte ich erleben und empfangen.
Jetzt in den Tagen des Umzugs merkt man, dass die Wurzeln des Verwachsenseins doch sehr tief eindrangen.
Aber die andauernden Erkrankungen meines jüngsten Kindes zwingen uns zum Weggehen nach einem Platz mit milderem Klima.
So leb denn wohl, mein liebes Langenscheid !

Langenscheid, den 28.9. 35

Aug. M i n o r

10 Bogen eingeheftet. Grund: schlechtes Papier.M.


Ab Nov. 1935 wurde mir auf eigenen Wunsch die hiesige Schulstelle übertragen.

Geboren wurde ich am 23. 1. 1902 als Sohn des Hauptlehrers M e t z l e r in Wallau / Wiesbaden. Ich besuchte die Volksschule Wallau. Alsdann die Präparandenanstalt und das Seminar Usingen i./ T..
Am 1. März 1923 bestand ich die erste Lehrerprüfung. In den Schuldienst wurde ich nicht gleich übernommen – Junglehrerlos. 5 Jahre Arbeitslosigkeit. Arbeit suchte und fand ich als Maschinist, Hilfsarbeiter an der Regierung Wiesbaden, als Bücherreisender und Vertreter der Likör + Schnapsfirma Ruir, Wiesbaden.
Ab 1. 2. 25 wurde ich an der Berufsschule Wallau und ab 1. 2. 26 an der Volksschule Wallau als Hospitant beschäftigt.
Nebenher nahm ich an dem staatl Lehrgang zur Ausbildung von Turn-Sport-+ Schwimmlehrern an der Universität Ffm. teil und bestand in der Zeit vom 23. – 25. 2. 28 das Turn- Sport – Schwimmlehrerexamen.
Am 16. 4. 28 wurde ich von der städt. Schuldeputation Wiesbaden zur Vertretung einer Lehrerstelle an die Lorcher Mädchenschule überwiesen. Diese Vertretung endete am 22. 12. 28.
Vom 1. 1. 1929 wurde ich auftragsweise der Volksschule Bieber Krs. Biedenkopf überwiesen. Kurz war meine dortige Beschäftigung, und am 1. 4. 29 kam ich nach Neunkhausen, Oberwesterwaldkreis. Ich unterrichtete die Grundschule.
Am 15. 11. 30 legte ich die zweite Lehrerprüfung ab und wurde am 1. 12. 30 endgültig angestellt. 6 ½ Jahre war ich auf dem schönen Westerwald. Die schlechte Dienstwohnung zwang mich, Umschau nach einer anderen Stelle zu halten. Nach Süden zog es mich zur Lahn. Mein Wunsch ging in Erfüllung, und so kam ich am 1. 11. 1935 nach Langenscheid.
Der Empfang war herzlich. Die Schule war schön geschmückt.
Am Abend um 8 Uhr zog ein Fackelzug zur Schule und Bgstr, M e y e r hielt eine Begrüßungsrede. Der Gesangverein trug 2 Lieder vor Den Ausklang bildete eine kurze Ansprache meinerseits.

Willi M e t z l e r.

Allgemeine Weihnachtsfeier im Saale K ü c h l e r. Schule beteiligt sich mit Weihnachtsliedern + Gedichten.

23. 12. 35

M.

An der Christvesper beteiligt sich ebenfalls die Schule mit Weihnachtsliedern.

24. 12. 35

M.

1936

In diesem Jahre läuteten wieder seit langer, langer Zeit die Kirchenglocken das neue Jahr ein, was bei allen Dorfbewohnern eine frohe Stimmung auslöste.
Möge so rein wie der Glockenklang das neue Jahr verlaufen und die Reinheit der Menschen bewahren.

1. 1. 1936 M e t z l e r

Am 30. 1. 36 um ½ 10 Uhr eine schlichte Feierstunde zum Tage der Machtübernahme.

Am 29. I. 36 wurde von den Kindern eine Pfandsammlung durchgeführt. 41 ¾ Pfd. Lebensmittel im Werte von 10, 73 RM war das Ergebnis.

31. 1. 36 M.

29. 2. 36 Dorfgemeinschaftsabend. Schule mit Liedern beteiligt. Ortsbauernführer B o r n sprach über das Thema Dorfgemeinschaft. Träger der Veranstaltung DAF (Deutsche Arbeitsfront).

1. 3. 36 M.

Die diesjährige Handwerksausstellung am 15. 3. 36, die sehr schöne Arbeiten der Schülerinnen zeigte, wurde im Schulsaal durchgeführt.

16. 3. 36 M

Das Schuljahr 1935 / 36 ist am 26. 3. 36 zu Ende.
Entlassen werden 7 Schüler: 3 Knaben, 4 Mädchen

26. 3. 36 M.

Das Schuljahr 1936 / 37 beginnt mit dem 15. April.
Aufgenommen werden 6 Schüler: 1 Knabe, 5 Mädchen.
Stand der Schule: 28 Knaben, 31 Mädchen – 59 Schüler.

Die ABC-Schützen erhalten ihre Brezel.
Von den entlassenen Schülern besucht Ernst D e u t e s f e l d die Schule noch 1 Jahr länger auf Antrag der Eltern hin.

15. 4. 36 M.

Heute begingen wir in schlichter Feier den Geburtstag des Führers.

20. 4. 36 M.

Nationalfeiertag des dtsch. Volkes.
Das Dorf ist geschmückt. Schule beteiligt sich mit Liedern und Gedichten an der Feier. Im Anschluss an die Feier Kinderfest. Allerlei Spiele werden ausgetragen. Als Belohnung gab es Würstchen, Brezeln und sonstiges Gebäck.

1. 5. 36 M.

19. Juni 36 dtsch. Jugendfest.
Wettkampf: Lauf, Weitsprung, Ballweitwurf, wurde von jeder Schule selbstständig durchgeführt. 99 % erhielt die Siegernadel.
M.

Seit dem 10. Juni 36 haben wir in Deutschland nur noch eine Fahne + das ist die Hakenkreuzfahne.

M.

In der Zeit vom 18. Mai – 9. Juli hatte ich die Vertretung der Schule in Geilnau. Lehrer B a u e r war zur achtwöchentlichen Übung zum Militär in Butzbach einberufen.

9. Juli 36 M.

Am 4. 10. war der Erntetag. Das ganze Dorf feierte. Die Ernte war in diesem Jahre schwierig. Die Heuernte wurde gut eingebracht. Man ersehnte Regen, um die Rüben setzen zu können. Der Regen kam + Regenwetter blieb bis zum Ende der Ernte. Mühsam musste die Ernte abgerungen + eingebracht werden. Die Sonne sah man selten.
Ein Schüler verlässt die Schule.
Stand der Klasse: 58 Schüler 20. 10. 36 M.

.

Die Schule sammelt Altmaterial ( Vierjahrsplan ). 7. 11. 36 M.
Der Staatsjugendtag ist lt. Ministerieller Verfügung vom 4. 12. 36 aufgehoben..
An den Sonnabenden wird lehrplanmäßig Unterricht erteilt
Infolge Grippeepidemie ( 75 % der Einwohner krank ) wurde die Schule geschlossen.
Von 58 Schülern waren am 12. 12. 36 noch 13 Schüler gesund. Auch sie erkrankten am folgenden Tag,
Eine Weihnachtsfeier fand nicht statt.

1937

Heute ,7. I. 1937, erster Schultag nach den Weihnachtsferien, waren wieder alle Schüler anwesend.

7. 1. 37 M.

Am 23. 1. 37 Dorfgemeinschaftsabend. Die neue Dorfchronik wird eingeführt.

Freitag, den 22. 1. 37 besuchte die Schule die Ausstellung des Reichsnährstandes: Bauerntum und Ernährung in Diez.

Der 30. Januar wurde in würdiger Schulfeier begangen. 9 Uhr Radioübertragung.

30. 1. 37 M

VDA Sammlung vom 8. 2. – 18. 2. 37 ergab den Betrag von 11, 85 Reichsmark.

M.

Am 3. II. 37 verlässt der Schüler Kurt W o l f die hiesige Schule ( Auswanderung nach Amerika, New York ).

4. 2. 37 M.

Hochwasser. Infolge Regenwetter, Schneefälle + Schneeschmelze floss der Lahn reichlich Wasser zu. Siebenmal wurde Hochwasser gemeldet. Am 22. 2. mussten die Schieber an der Schleuse gezogen werden. Unaufhörlich wälzten sich die Wassermassen weiter.
Der Geilnauer Sauerborn war restlos ersoffen. Das Wasser war bis 30 cm an die Lahnstraße gestiegen (gemessen am Hause E n d e r s). Die Lahnschiffe, 14 an der Zahl, lagen an der alten Schleuse. Der Schiffsverkehr war verboten.
Auf einem Lahnschiff spielte das Töchterlein eines Schiffsführers. Aus unbekannten Gründen fiel das Kind in die Lahn. Ein Schiffsmatrose sprang ihm nach, um es zu retten. Er erreichte das Kind.
Der Vater des Kindes wollte dem sehr ermüdeten Matrosen zu Hilfe eilen, sprang ins Wasser, jedoch ein Herzschlag machte seinem Leben ein Ende. Kind und Matrose wurden gerettet, während der Vater ein Opfer der Lahn blieb.
Lange Zeit später ( zirka 2 Wochen ) konnte er an der Schleuse Hollrich geländet werden.
27. 2. 37 M.

Die diesjährige Handarbeitsausstellung, die rege besucht wurde, war am 14. März 37. M.

Pfarrer D i e t z ist erkrankt. Seine Vertretung übernahm Pfarrer H o m a n n , Hirschberg. Infolgedessen fand die Vorstellung der diesjährigen Konfirmanden am 14. März statt und die Konfirmation am Palmsonntag, 21. März 13 Uhr.

Das Schuljahr endete mit dem 24. März 1937. Entlassen wurden 7 Schüler: 4 Mädchen + 3 Knaben. Aufgenommen wurden am 12. April 1937 7 Neulinge: 4 Mädchen, 3 Knaben.
Schülerzahl zu Beginn des Schuljahres 1937 / 38 57 Kinder: 26 Knaben + 31 Mädchen.
Die Schulneulinge bekamen ihre Brezel.

12. 4. 37.

Das Kind Maria Theresia S c h m i d t, Daubachtal, wird der Schule Balduinstein überwiesen ( in Zahl 57 nicht enthalten ).. Verfügung des Herrn Landrats vom 19. 6, 37 unter Nr. I. 2/16

M.

Führers Geburtstag in Feierstunde gefeiert.

20. 4. 37 M

Der 1. Mai wird wie in jedem Jahr gefeiert. Maikönigin war Gretel K o c h.

2. 5. 37 M.

Die neue Waschküche.
Der 12. Mai ist der erste Bautag. Im Wirtschaftsgebäude im Hofe, der frühere Viehstall, später Autogarage wird Waschküche. Sie war innerhalb 10 Tagen fertig. Eine große Erleichterung für die Waschtage, eine Freude für die Wäscherin.
Vorher war die Waschküche im ersten Keller, welcher kein Fenster hat eingerichtet. Dieser Übelstand ist beseitigt.

23. 5. 37 M.

Der 28. Mai ist ein großer Tag für Langenscheid. Der Regierungspräsident reist durch das Land und kommt auch nach Langenscheid. Auf dem Weiherplatz ist alles versammelt.
Der hohe Besuch kommt, hält kurz eine Ansprache, und weiter führt sein Weg.

28. 5. 37 M.

Seit dem 1. Juni 37 ist hier im Rathaus ein NSV – Kindergarten eröffnet worden. Eine Erleichterung für die Eltern, die tagsüber auf dem Felde sind.

M.

Die diesjährigen Jugendwettkämpfe fanden für die Mädchen am 5. 6. u. für die Knaben am 12. 6. in Holzappel, Sportplatz am Herthasee, statt. Die Mädchen erreichten alle die Punktzahl für die Siegernadel, während 5 Jungen leer ausgingen.24. 6. 37 M.

In der Zeit vom 21. – 26. Juni waren 10 Mädchen im BdM-Zeltlager Chausseehaus / Wiesbaden.

27. 6. 37 M.

In den Sommerferien waren 12 Jungen mit dem Jungbann 25 auf Fahrt.

M.

Am 23. August besuchte die Schule, 5. – 8. Schuljahr, die Freilichtspiele in Katzenelnbogen. Gegeben wurde: Götz von Berlichingen.

24. 8. 37 M.

Die Brombeeren sind reif. Kampf dem Verderb. Die Schule sammelte am 25. 8. Beeren. Die NS-Frauenschaft verarbeitete die Beeren. Ergebnis: 34 Pfd. Brombeergelee.

26. 8. 37 M.

VDA-Sammlung vom 18. 9. – 22. 9.. Ergebnis: 12, 60 MK.

M.

Der Schüler Heinz Z u m b a c h verlässt die Schule am 26. 9. infolge Wegzugs nach Plettenberg. Stand der Schülerzahl: 56 ( 25 K. + 31 M. ).
M.

Seit dem 22. September erteilen lt Verfügung die Geistlichen keinen Katechismus-Unterricht mehr. Die Stunden übernimmt der Lehrer.

26. 9. 37 M.

Der Unterricht der Grundschule ist nach den „Richtlinien für den Unterricht in den vier unteren Jahrgängen der Volksschulen“ vom 10. 4. 37 durchzuführen,.
Nach den Herbstferien 1937 sind für alle Schulgattungen 5 Turnstunden vorgesehen.

1. 10. 37 M.

Kreisschulrat J u n g trat wegen Erreichung der Altersgrenze am 1. 10. 37 in den Ruhestand. Vertretung übernimmt Kreisschulrat F r o m m , Limburg.

2. 10. 37 M.

Das Erntedankfest in üblicher Weise gefeiert.

4. 10. 37 M.

Mit Wirkung vom 1. Oktober wird Kreisschulrat K e i p e r ( seither Kreis Biedenkopf ) der Schulaufsichtsbezirk Unterlahn übertragen.

15. 10. 37 M.

Nach den Herbstferien bekam die Schule einen neuen Anstrich
Schülerin Emmi H a s t e n t e u f e l ward am 16. 11. 37 von Geilnau in die hiesige Schule überwiesen.
Stand der Schüler: 57, 32 Mädchen, 25 Knaben.

16. 11. 37 M.

In der Zeit vom 5. – 12. 37 nahm ich an einem Sonderlehrgang für Schwimmen an dem Institut für Leibesübungen (Uni Marburg) teil. Ich erwarb den Lehrschein der dtsch. Lebensrettungsgesellschaft.
Vertretung übernahm Lehrer B a u e r, Geilnau.

14. 12. 37 M.

Die Ortsstraßen erhielten am 22.12.37 neue Straßenschilder. Die Schule hat nun genaue Bezeichnung. Schulstraße 1; statt früher Ortsnummer 88.

An Weihnachten war regelrechtes Regenwetter; doch bald trat starker Frost auf + es konnten 17o Kälte gemessen werden. Die Lahn war zugefroren, der Schiffsverkehr lahmgelegt.

1938

An Neujahr lag Schnee, der etliche Tage liegen blieb.

6. 1. 38 M.

Der Wetterumschlag hat große Schneeschmelze zur Folge. Die Lahn steigt; Hochwasser wird gemeldet.

14. 1. 38 M.

Die Schulsparkasse zeigt den Betrag von 1703, 85 Rm.
M.

Der 30. Januar wurde in gebührender Weise gefeiert.
Das Ergebnis der Altmaterialsammlung hatte Ende 1937 folgendes Ergebnis:

Altpapier: 315 kg.
Eisen und Metallabfälle: 195 kg.

Heute, 3. 2. 38, wurde der neue Pfad nach Balduinstein, der in gerader Linie ( Richtung ) nach dem Bahnhof läuft, dem Fußgängerverkehr freigegeben. Jedoch im Winter wird einer Rodelbahn alle Ehre machen. Das Gefälle ist zu steil.M.

.

Am 13. 3. 38 war Handarbeitsausstellung, die rege besucht war.
M.
Im Saalbau K ü c h l e r veranstaltete die Schule am 20. 3. 38 einen Unterhaltungsabend unter dem Motto: „ Ein Jahreslauf in Lied, Poesie + Prosa.“ Die Veranstaltung verlief sehr gut + die Eltern sowie Einwohnerschaft waren vollkommen zufrieden und des Lobes voll.

M.

22. 3. 38. Die seitherige Handarbeitslehrerin, Frau G e i ß , hat ihre Kündigung eingebracht. Dem Kreisschulrat werden 2 Vorschläge vorgelegt:

a) Frieda B r u c h h ä u s e r.

b) Frau Friede S c h l a u .

M.

Das Schuljahr endete mit dem 31. 3. 38.

Stand der Klasse: 57 Schüler
25 K.
32 M.
Entlassen wurden: 3 Schüler
2 K.
32 M.
Neu aufgenommen: 2 Schüler
2 K.
-
Somit Stand der Klasse: 56 Schüler
25 K.
31 M.

Nach den Ferien wird der Schüler Heinz R e i s der Mittelschule Diez überwiesen.
Schülerzahl: 55 Schüler: 24 K. 31 M.

M.

Der 4. Mai war für die Kinder ein großer Tag. Unsere Reisekasse war kräftig. Mit einem Schüler = Sonderzug ( 800 Schüler ) ging die Reise nach Frankfurt a / M zum Rhein-Main-Flughafen.
Dort konnten wir das Luftschiff „Graf Zeppelin“ einer Innenbesichtigung unterziehen. Nach längerem Aufenthalt auf dem Flugplatz zeigte man uns die Anlagen des Rollfeldes. Direkt standen wir an den Flugzeugen. Unvergesslich diese Eindrücke..
Weiterhin ging es nach Ffm. hinein zum Tiergarten; zur Besichtigung standen uns 3 Stunden zur Verfügung. Alsdann ging es zur Heimreise.
Abmarsch von Langenscheid zur Bahn: 7. 00 Uhr.
Ankunft in Lgschd. abends 8, 15 Uhr ( 20, 15 Uhr ).

M.

Im Laufe des Sommers sammelten die Schüler Heilkräuter + konnten als Drogen-Ware abliefern:

Brombeerblätter
27
kg
Brennnesselblätter
1,640
"
Kamille
0,620
"
Lindenblüten
0,482
"
Sa
29,742 kg

M.

In der Lehrerwohnung wurde gemacht:

1. In der Küche ein neuer Fußboden gelegt (Kiefernholz).
2. Das kleine Zimmer ( Eingang rechts ) tapeziert, nachdem zuvor die Nische gebrochen + verputzt war.
3. Das große Zimmer ( Straßenseite ) tapeziert.
4. Im kleinen Zimmer anschließend ein neuer Ofen aufgestellt, damit im Winter der Eiskeller verschwindet.
5. Im Keller + auf dem Speicher endlich elekt. Licht gelegt.
6. Der Treppenaufgang zur Schule erhielt ebenfalls eine Lampe.

Endlich Licht im gesamten Haus.

M.

Ich erhielt meinen Einberufungsbefehl zur Ableistung einer militärischen Übung zum 24. 10. 38 nach Montabaur ( E / I. R. 80 ). Am 31. 12. 38 war die Übung zu Ende und wurde entlassen.
Die Vertretung übernahm Lehrer B a u e r, Geilnau und ab Dezember Lehrer P h i l i p p a r , Hirschberg.

M.

1939

Heute, 12. 1. 39, überbrachte Bgstr. M e y e r der Schule ein großes Führerbild als Geschenk von der Gemeinde.

M.

30. Januar 39.
Feierstunde zum „Tag der Machtübernahme.“
Im Anschluss Radioübertragung der Rede Dr. Goebbels.
Der 30. Januar war schulfrei.

M.

8. 3. 39.
Abends 20.35 Uhr ein Schneegewitter, gewiss ein seltenes Schauspiel.

21. 3. 39.
Die Schulwandtafeln werden neu gestrichen.

Zur diesjährigen Schulentlassung veranstalteten wir eine Entlassungsfeier. Die Feier fand im Saale M e c k e l statt. Die Feier war gut gelungen und eindringlich.
Das Schuljahr endete am 24. 3. 1939. Die Entlassungsfeier war am 23. 3 abends 8 Uhr.
Entlassen wurden: 7 Knaben, 6 Mädchen.

M.

Das neue Schuljahr 1939 / 40 beginnt am 12. 4. 1939.
Aufgenommen wurden: 8 Schüler: 5 Knaben, 3 Mädchen

Stand der Klasse: 50 Schüler: 22 Knaben, 28 Mädchen.

13. 4. 39 M.

Führers Geburtstag und der 1. Mai werden in der üblichen Weise gefeiert.

M.

Lange Zeit ist mir für das beginnende Schuljahr nicht gegeben. Am 10. 5. 39 erhalte ich den 2. Einberufungsbescheid zu einer zweiten militärischen Übung bei E / I. R. 80 Montabaur.
Beginn des Kursus 15. Mai 39.
So ziehe ich am 14. Mai 1939 wieder in die Kaserne ein.

13. 5. 39 M e t z l e r


Folgender Text auf Seite 184 der Schulchronik:

„Für evt. Eintragungen durch Herrn Lehrer P h i l i p p a r freigelassen.
Vertretung hier: vom 13. 5. 39 bis 31. 1. 41.“

Seite 185: Leerseite

Folgender Text auf Seite 186 der Schulchronik:

„Freigelassen für Abschrift des von Lehrer M e t z l e r auf beiliegendem Blatt Aufgeschriebenem – 1. 2. 41 bis 15. 1. 42.“

Seite 187: Leerseite

Folgender Text auf Seite 188 der Schulchronik:

„Abschrift des von Lehrer D i e h l Aufgeschriebenem – 1. 2. 42 bis 31. 7. 44.“

Folgender Text auf Seite 189 der Schulchronik:

„ 1. 8. 44 bis 26. 3. 45 - P h i l i p p a r.“

1945

Auf Seite 190 der Schulchronik beginnt wieder die Niederschrift nach der zeitlichen Abfolge.

Am 1. Oktober 1945 übernahm ich den Unterricht an der hiesigen einklassigen Volksschule.
Ich stamme aus einer evangelischen Beamtenfamilie und bin am 3. Juni 1923 in Nassau / Lahn geboren.
Nach dem Besuch von Grundschule und staatlicher Oberschule ( Limburg / Lahn ) bis zu bestandener Reifeprüfung begann ich meine fachliche Ausbildung an der Hochschule für Lehrerinnenbildung in Koblenz / Oberwerth.
Ostern 1943 legte ich dort mein 1. Examen für das Lehramt an Volksschulen ab..
Ich kam als außerplanmäßige Lehrerin nach Sankt Goar / Reg. Bez. Koblenz an eine vierklassige Volksschule und unterrichtete im 3./4. Schuljahr.
Allmonatlich nahm ich an einer Junglehrertagung unter Leitung des dortigen Schulrates teil.
Den Einmarsch der Amerikaner am 26. März 1945 erlebte ich in Diez, dem Wohnort meiner Eltern, mit.
Da die Schulen schon vorher wegen ständiger Fliegergefahr geschlossen worden waren und auch den ganzen Sommer über geschlossen blieben, hielt ich mich zu Hause auf, erteilte Privatunterricht und wartete ab.
Es dauerte geraume Zeit, bis das Leben in Gemeinde und Staat wieder in einigermaßen geordneten Bahnen lief.
Erst im Herbst des Jahres 45 erging an die Lehrerschaft die Anweisung, sich zum Schuldienst zu melden.
Gehälter waren natürlich auch keine gezahlt worden und wurden auch später nicht nachgezahlt.
Ich sah nun endlich die Möglichkeit gekommen, einen Schulwechsel vornehmen zu können – es war schon immer mein Wunsch, an einer nassauischen Schule tätig sein zu dürfen – und betrieb meine Versetzung von Sankt Goar in den hiesigen Kreis.
Wir waren zwar auch hier verwaltungsmäßig keine Nassauer mehr, gehörten jetzt samt den drei anderen rechtsrheinischen Kreisen (St. Goarshausen, Unterwesterwald, Oberwesterwald) zum neu gebildeten Lande Rheinland-Pfalz innerhalb der französischen Besatzungszone, doch brauchte ich dann nicht die Beschwerlichkeit des Hin= und Herreisens zwischen St Goar und Diez au mich zu nehmen.
Wie beschwerlich aber das Reisen zur Zeit ist, wird man ermessen können, wenn man erfährt, dass sämtliche Lahnbrücken kurz vor Kriegsende gesprengt wurden.
Kein Zugverkehr, nur unzuverlässiger Lastwagen= und Autobusverkehr über die Landstraße.
Außerdem war und ist die Ernährungslage so schlecht, dass keinerlei Hilfe von Seiten meiner Eltern zu erwarten war.
Ich meldete mich also beim kommissarischen Schulrat in Diez zur Wiedereinstellung in den Schuldienst.
Er übertrug mir die Verwaltung der Lehrerstelle in Langenscheid.
Sogleich trat ich meinen Dienst an, fand Schulhaus und Schulraum unversehrt, dem Unterrichtsbeginn stand nichts im Wege.
Ich fand folgende Situation vor:
Einklassige Schule mit 90 Kindern, davon etwa 10 Kinder ortsfremder evakuierter Familien.

Ein neues Schuljahr begann, obgleich die Kinder in dem alten von 1944 auf 1945 nur etwa 4 Monate sehr lückenhaften Unterricht genossen hatten.
Von den wenigen Vertretungsstunden – seit 1942 fand nur an drei Tagen in der Woche Unterricht statt – waren in der letzten Zeit die meisten wegen drohender Fliegergefahr ausgefallen.
Die einzelnen Jahrgänge waren also inzwischen alle eine Klasse aufgerückt, ohne dass eine Versetzung ausgesprochen worden wäre, das 8. Schuljahr war schulentlassen ohne Abgangszeugnisse.
Die Kinder kamen, zwar an keine Schulzucht mehr gewöhnt, aber begeistert und arbeitswillig.
Durchschnittlich begabte Kinder im 6. Schuljahr waren nicht fähig, fehlerfrei abzuschreiben; die Lücken im Wissen waren riesig, sind es heute noch, die Mängel an Kenntnissen und Fertigkeiten derart groß, dass es kaum möglich scheint, sie auszugleichen.
Ich nahm sogleich den Jahrgang 1939 als erstes Schuljahr auf und begann mit der Arbeit.
Möge sie segensvoll sein !

Langenscheid an Weihnachten 1945

Irene O p e l

Seit Januar 1946 wohne ich im Dorf. Die täglichen Wege zwischen Diez und Langenscheid durchs Daubachtal waren zu anstrengend für mich.
Alle evakuierten Familien haben das Dorf verlassen, sie mussten dorthin zurück, wo sie 1939 ihren Wohnsitz hatten nach Frankfurt, Düsseldorf und anderen Großstädten.
Die Zahl der Kinder sinkt auf 78, davon 34 Knaben und 44 Mädchen.
Die Nöte in der Schule sind sehr groß. Jegliche Unterrichtsmittel fehlen, Bücher, Hefte und Schreibmaterialien.
Zeitweise ist kein Stück Kreide in der Klasse. Griffel und Hefte sind nur auf dem Tauschwege zu bekommen. Die Schulneulinge ( 5 Knaben, 11 Mädchen ) haben nur alte, gesprungene Tafeln.
Die alten Schulbücher, Lese=, Rechen= und Sprachbücher mussten eingesammelt und der Militärregierung in Diez übergeben werden; neue gibt es keine.
Im Augenblick haben wir keinerlei Lesestoff, alle Rechenaufgaben müssen angeschrieben werden.
Die Anweisungen zum Lehrplan, den wir bis zum Herbst aufstellen müssen, enthalten sehr viel Einschränkungen.
So darf auf Anordnung der Militärregierung kein Geschichtsunterricht erteilt werden. Der Erdkundeunterricht beschränkt sich auf die Behandlung von Frankreich und Amerika. In der Naturkunde fällt die Erbbiologie ganz weg.
Im Deutschen fällt sehr viel Stoff fort, der bislang zum festen Bestand unserer Lesebücher gehörte, Heldensagen und viele geschichtliche Stoffe.
Für den Religionsunterricht liegt ein Plan vor.
Herr Pfarrer S t e u b i n g, seit Dezember hier ansässig, und der Bruder des zu Lehrer M i n o r s Zeiten hier bediensteten Pfarrers, erteilen den Religionsunterricht an vier Wochenstunden. Der Unterricht in Erdkunde wird noch erschwert dadurch, dass die Landkarten durch Einzeichnen von Grenzen, die durch den Krieg neu entstanden waren, unbenutzbar geworden sind.

1946

Der Charakter der einklassigen Schule lässt sich nicht wahren; dazu sind zuviel Kinder da, der Raum fasst nur etwa 60 Kinder.
Ich habe Halbtagsschule eingerichtet; die Oberstufe wird vormittags, die Grundschule nachmittags unterrichtet.
Es ist eine harte Arbeit, die ich zu bewältigen habe; sie verlangt Zähigkeit, Ausdauer, Geduld und pädagogische Fähigkeiten und beansprucht völlig meine ganze Zeit.

25. Februar 1946

I. O p e l

An Ostern gingen 2 Knaben und 2 Mädchen zur Konfirmation.
Die Entlassung aus der Schule findet aber erst mit Schuljahrende im Herbst statt.
Inzwischen ist Herr M e t z l e r , der Stelleninhaber aus Kriegsgefangenschaft heimgekehrt. Er könnte sofort im Schuldienst beginnen; denn viele Stellen im Kreis sind noch unbesetzt, überall fehlt es an Lehrern; es sind Lehrerinnen da, die zwei einklassige Schulen zu versehen haben. Doch muss er erst seine politische Säuberung betreiben.

1. Mai 1946

I. O p e l

Der Sommer lässt sich gut an. Doch gibt es viel Ärgernis, weil dauernd um Urlaub für die Kinder ersucht wird. Es fehlt überall an Arbeitskräften, und viele der Väter sind noch in Gefangenschaft oder werden gar noch vermisst.
Die beiden konfirmierten Knaben sind ganz beurlaubt; sie sind die einzigen, die zu Hause die Feldarbeit machen können.
Wir gehen Heilkräuter sammeln und regelmäßig auf die Kartoffelkäfersuche. Dieser Schädling tritt in Massen auf.
Lehrer= und Schulbücherei mussten von militaristischem und nationalsozialistischem Gut gesäubert werden.
Alle nach 1933 erschienenen Bücher mussten auf Anordnung der Militärregierung entfernt werden. In der schulfreien Zeit 1945 hatten schon Angehörige der Besatzungsmacht die Bestände stark gelichtet. Nun sind beide Büchereien auf einen kleinen Bestand zusammengeschrumpft. Neues aber ist auf dem Büchermarkt nicht zu bekommen.

Johanni 1946

I. O p e l

Am 30. August wurden die beiden Knaben und die beiden Mädchen in einer würdigen Feier entlassen.
Am 1. September Neuaufnahme von 15 Kindern, 11 Mädchen, 4 Knaben. Gesamtschülerzahl 85, 30 Knaben, 55 Mädchen.
4 Kinder sind während des Sommers abgegangen.

Trotz der gut ausgefallenen Ernte herrscht große Not im Land. Die Lebensmittelzuteilungen sind völlig unzureichend.
Schmächtig aussehende Kinder kommen ins Dorf und betteln um Brot, Kartoffeln und Birnkraut.
Leute bieten Tauschartikel an.
Brennholz muss selbst im Wald geschlagen werden; die Leute ziehen mit Handkarren hinaus und holen Reisig und Knüppelholz. Keiner ist sich zu schade dazu.
Bucheckern werden zentnerweise gelesen.
Für sämtliche lebenswichtige Artikel werden Phantasiepreise geboten; in den Städten blüht der „schwarze Markt.“
Die Zonengrenze zwischen Diez und Limburg ( alte Grenze der entmilitarisierten Zone von 1918 ) hindert jeglichen Verkehr lahnaufwärts, in Richtung Frankfurt und Wiesbaden; nur wer einen von der Militärregierung in Montabaur genehmigten Pass besitzt, kann die Grenze passieren. Lahnabwärts ist der Verkehr aber auch gehemmt, da wegen der gesprengten Brücken der Eisenbahnverkehr still liegt.
Wir haben nach keiner Richtung hin Bewegungsfreiheit.
An den Eisenbahnbrücken bei Balduinstein und Fachingen sind die Arbeiten aufgenommen.

Im Sommer waren die ersten Junglehrerarbeitsgemeinschaften, die allmonatlich stattfinden sollen.

10. Oktober 1946

I. O p e l

Ein strenger Winter mit durchschnittlich 20° Kälte hat eingesetzt.
Wir üben eifrig für eine Weihnachtsfeier Lieder und Spiele. Durch regelmäßige Gesangsstunden, in denen weniger unterrichtet als gesungen wird - gerade das tut den Kindern nämlich Not – will ich ein reichhaltiges Liedgut ansammeln, aus dem wir zu jeder Gelegenheit schöpfen können.
Für das 1. Schuljahr sind inzwischen Fibeln aus Basel und für das 2. und 3. Schuljahr Lesebücher aus dem Schwarzwald eingetroffen. Sämtliche anderen Bücher fehlen noch immer. Die Oberstufe liest aus einem Leseheft, das wir bald auswendig können.

16. Dezember 1946

I. O p e l

1947

Nach dem überaus harten Winter – die Kälte hielt seit Neujahr ununterbrochen an – ist nun doch der Frühling gekommen. Wir maßen Kältegrade bis zu 30°. Der strenge Winter von 1928 / 29 soll bei weitem nicht so hart gewesen sein.
Der Boden war bis jetzt noch hart gefroren.
Die Bauern beginnen allmählich mit der Frühjahrsbestellung, trotzdem noch überall Spuren alten Schnees zu erkennen sind. Sie sind in ihrer Arbeit fast einen Monat zurück.

27. April 1947

I. O p e l

Nach einem feuchtwarmen Mai, der uns auf eine gute Ernte hoffen ließ, setzte ein heißer, trockener Sommer ein.
Wenn kein Regen mehr fällt, ist eine völlige Missernte zu erwarten.
Wir üben für die Entlassungsfeier im Herbst zwei= und dreistimmige Sätze, Märchenspiele, Tänze und einen Schwank von Hans S a c h s .
Zur Entlassung kommen 3 Knaben und 2 Mädchen. Aufgenommen werden 2 Knaben und 1 Mädchen.
Im August fand eine Revision durch Herrn Schulrat R ö m e r statt, die zu dessen Zufriedenheit ausfiel.

29. August 1947

I. O p e l

Die Entlassungsfeier in K ü c h l e r s Saal war ein voller Erfolg.

Die Missernte an Kartoffeln und Getreide ist eingetreten. Die Obsternte war zufrieden stellend. Trotzdem habe ich auch in diesem Jahr wieder keinen Anteil am Obstertrag des Schullandes. Wie wird es der Kollege halten, der Herrn M e t z l e r s Stelle einnimmt?.
Herr M. ist nach Gückingen versetzt.
Der Schulrat machte mir keinerlei Hoffnung auf eine zweite Lehrkraft.

6.Dezember 1947

I. O p e l

1948

Im Januar überraschenderweise übernahm ein junger Lehrer, Herr B ö h m e r, der gerade seine berufliche Ausbildung in Weilburg abgeschlossen hatte, die Oberstufe.
Damit wurde die Schule zweiklassig.
Die Grundschule, die ich versehe, ist in dem schon früher für Schulzwecke benutzten Raum im Rathaus untergebracht.
Den Gesangsunterricht in der Oberstufe erteile ich weiterhin.

12. Februar 1948

I. O p e l

Im August wurden schulentlassen 2 Knaben und 2 Mädchen.
Neu aufgenommen wurden 13 Kinder, 8 Knaben und 5 Mädchen.

Zur Konfirmation und zum Reformationsfest sangen wir dreistimmige Sätze in der Kirche.

Nach einem milden Winter brachten uns ein schöner Sommer und Herbst eine ausgezeichnete Ernte. Steinobst und Äpfel gab es in solcher Menge, wie Jahre vorher nicht mehr.
Trotz seiner Zusage, wir würden uns hinsichtlich des Obstes schon einigen, verweigerte mir auch der neue Kollege einen kleinen Anteil am Obst..

1. November 1948

I. O p e l

Zum 30. November scheide ich, da ich mich verheirate, auf eigenen Wunsch aus dem Schuldienst aus.
Härten und Widerwärtigkeiten, die zu überwinden waren, vermögen nicht das schöne Erinnerungsbild zu trüben, das ich von Schule und Dorf mitnehme.
Der Abschied fällt mir schwer.
Meinen lieben Schulkindern, der Schule und dem Dorf wünsche ich eine segensreiche Zukunft.

Langenscheid, den 26. November 1948

Irene O p e l , Lehrerin

Ges. 15. 2. 49, R ö m e r , Schulrat

Am 13. Jan. 1948 übernahm ich den Unterricht an der Oberstufe der hiesigen Volksschule.

Meine Heimat ist Schlesien. Mein Vater war Beamter bei der Reichspostdirektion der schlesischen Hauptstadt Breslau, in der ich am 19. 9. 21 geboren wurde.
Da mein und meiner Familie Schicksal ein ewig gültiges Dokument für unsere Zeit darstellt, will ich es hier in knapper Form umreißen.
Das Jahr, an dem ich an dem humanistischen Gymnasium in Breslau meine Reifeprüfung ablegte, brachte uns den 2. Weltkrieg.
Als Soldat und später als Offizier in Russland erlebte ich diesen folgenschwersten aller Kriege in jeder Phase bis zu seinem bitteren Ende.
Meine Heimat und meine Angehörigen sah ich nach meiner Rückkehr aus der Gefangenschaft nicht mehr.
Schlesien war an Polen abgetreten, meine Eltern waren nach Berlin geflohen, wo mein Vater als Ministerialbeamter kurz nach Kriegsende verschwand, um nie wieder aufzutauchen.
Meine Mutter, völlig mittellos geworden, arbeitete mit 57 Jahren auf dem Bau als Ziegelklopferin, um sich den notwendigsten Lebensunterhalt zu schaffen, der jedoch noch weit unter dem Existenzminimum lag, bis sie zu Verwandten bei Görlitz ziehen konnte.
In Hamburg, wo ich das begonnene Studium der Forstwissenschaft fortsetzte, fand ich meine Lebensgefährtin, deren Bilanz des Krieges gleich der meinigen aus einem Rucksack und dem Willen bestand, sich nicht unterkriegen zu lassen.

Als ich das Sinnlose einer Fortsetzung meines Studiums erkannte, entschloss ich mich, einen anderen meiner Natur entsprechenden geistigen Beruf zu ergreifen und – wurde Lehrer.

Den gegen uns immer wieder erhobenen Vorwurf, unseren Beruf als „Broterwerb“ ergriffen zu haben, weise ich als engstirnig und unüberlegt zurück.
Ich fühle mich wohl in meinem neuen Beruf und erkenne ihn als Lebensaufgabe an.

Von Mai bis Oktober 46 unterrichtete ich an der Unterstufe der zweiklassigen Schule Altenkirchen Kr. Oberlahn.
Diese halbjährige Schulhelferzeit war die Vorbereitung für das zweisemestrige Kurzstudium am Pädagogischen Institut in Weilburg, das ich im November 47 mit der ersten Lehramtsprüfung abschloss.
Mein erster Lehrauftrag als apl. Lehrer führte mich nach Langenscheid.
Die Situation, die ich hier vorfand, war folgende:
Während des ganzen Krieges und der ersten Nachkriegszeit hatte wie an vielen Schulen kein geregelter Unterricht stattgefunden.
Der Kollegin, die bis zu meinem Eintreffen die Schule allein verwaltete, waren die zuletzt über 80 Kinder buchstäblich über den Kopf gewachsen, so dass die Teilung für sie und die Kinder eine Erleichterung bedeutete.
Da die Kinder in hiesiger Gemeinde sehr aufgeschlossen sind, machte mir die Arbeit vom ersten Tage an viel Freude.
Die Lehrarbeit erleichterte sich im Laufe des Jahres zusehends, da endlich die notwendigen Lehrbücher für die einzelnen Fächer herausgegeben wurden und angeschafft werden konnten. Zur Auflockerung und Belebung der Schularbeit machten wir im Sommer und Herbst einige Ausflüge, u.a. nach Limburg und Bad Ems.
Die bei den Kindern besonders ausgeprägte Lust am Theaterspielen ließ im Herbst einen bunten Abend entstehen, dessen reichhaltiges Programm allen Teilen große Freude bereitete und reichen Beifall fand.
Die Entlassungen und Neuaufnahmen von 1948 sind bereits vermerkt ( S. 91 ).
Am 30. Nov. 48 schied Frl. O p e l wegen Heirat aus dem Schuldienst aus.
Nach anfänglich guter Zusammenarbeit erwachte in der Kollegin unverständlicherweise Unwille und Missgunst darüber, dass ein dienstjüngerer Kollege die formelle Stellung des Schulleiters innehatte. Die darauf sich mehrenden Intrigen und Hinterhältigkeiten stellten meine in harten Zeiten erworbene innere Ruhe oft auf eine Zerreißprobe.
Ich muss das hier erwähnen, da diese Haltung zu unberechtigten und z. T. nachweislich lügenhaften Eintragungen in diese Chronik führten (von Jan. – Nov. 48).

Nach dem Ausscheiden von Frl. O p e l übernahm ein junger Kollege von der Lehrerbildungsanstalt Andernach, Herr S t i c k e l m a n n, die Unterstufe. Wir hatten eine erfreuliche und gegenseitig befruchtende Zusammenarbeit.

1949

Mit dem Jahr 1949 taucht ein neues Schreckgespenst am Himmel, der sich kaum beruhigt hat, auf. Das Wort „Atombombe“ beherrscht die Schlagzeilen der Zeitungen und die Gemüter der Menschen, die durch die allmähliche Gesundung der wirtschaftlichen Lebensverhältnisse gerade etwas zur Ruhe gekommen sind.
Ein Wettrüsten zwischen den ehemaligen Siegerstaaten hat eingesetzt, und die Atombombe wird in der Propaganda offen als Einschüchterungsmittel für den Gegner benutzt.
Unterdessen bemüht sich der parlamentarische Rat in Bonn, dem westlichen Deutschland eine Verfassung zu geben.
Es liegt in Gottes Hand, ob er die verblendete Menschheit noch einmal aus dem Dilemma herausführt und uns damit den dritten Weltkrieg erspart, der höchstwahrscheinlich den endgültigen Untergang der abendländischen Kultur herbeiführen würde.

Um dem Wunsche der Gemeinde, die einen Organisten und einen Dirigenten für ihren Gesangverein benötigt, zu willfahren, habe ich in einen Tausch mit Herrn Lehrer F e r g e r eingewilligt, der den letzteren Posten schon seit einigen Monaten innehat.
Herr F e r g e r übernimmt ab 1. April 1949 die hiesige erste Lehrerstelle, während ich die Schule in Dörnberg – Hütte übernehme.

So scheide ich von Langenscheid, mehr der Not gehorchend, als dem eigenen Triebe. Denn es verbindet mich manche liebe Erinnerung mit dem Ort und den Menschen.
Besonders die Kinder, die mir während meines Hierseins neben den kleinen Schulsorgen viel Freude gemacht haben, hoffe ich noch oft zu sehen.
Mein Wunsch für sie ist, dass sie in eine friedliche Zeit hineinwachsen.

Langenscheid, am 28. III. 49

Horst B ö h m e r , Lehrer




Die Gründe zu meiner Versetzung nach Langenscheid hat mein Vorgänger in seinen Abschiedsworten niedergeschrieben.
Mein bisheriger Lebenslauf: Am 7. 10. 99 in Gemünden, Westerwald, geboren. Vater – Maurer und Landwirt.
Auf Wunsch der Eltern werde ich Lehrer.
Ausbildung in Herborn und Dillenburg. Unterbrechung der Seminarzeit durch meine Einberufung zum Kriegsdienst.
Im März 1920 Abgangsprüfung. Meine 1. Stelle – als Vertreter der einklassigen Schulstelle in Berzhahn, Nachbarort von Gemünden. Begabte und sehr musikalische Kinder. Ich verdiene mir dortselbst die Sporen als Dirigent des dortigen Gesangvereins.
Mein 1. Konzert brachte ein unvergessliches Erlebnis. Ich erzählte es anlässlich meines 50. Geburtstages meinen hiesigen Sängern:
„Von meinem Onkel, der sehr stolz auf mich war, werde ich zum Anziehen eines Gehrockes, den ich mir zu dem Zwecke erst leihen muss, angehalten.
Hinter dem herabgelassenen Vorhang treten die Sänger zum 1. Liede auf. Nach Angabe des Tones trete ich zurück bis zur Berührung mit dem Vorhang.
Nun kommts: Der Vorhang wird aufgerollt und erfasst meine Rockschöße. Ich werde halb mit hochgezogen zum minutenlangen Gelächter der Berzhahner.-
Meine Nutzanwendung: Die Füße hübsch auf der „Erde“ behalten, dann schadet`s nichts, wenn man hoch hinaus will.“ –
Nach 1 ½ jähr. Tätigkeit dortselbst muss auch ich einen Tausch eingehen – wie mein Vorgänger – nach Bretthausen b / Neukirch.
Nach 4 Wintermonaten auf dem Hohen Westerwald werde ich nach Mensfelden versetzt. Dortselbst meine 2. Lehrerprüfung.
In dem benachbarten Linter lerne ich meine 1. Frau kennen. 1926 daselbst abgebaut. Nach Lohrheim.Einklass. Schule. Nach 2 Jahren Tod meiner Frau.
Beginn der nationalsoz. Bewegung. Zuerst entschiedener Gegner bis 1940, dann doch noch Anschluss an dieselbe u. Eintritt in die Partei.
Aus diesem Grunde werde ich 1947 nach Dörnberg-Hütte versetzt.
Von dort wurde ich noch im selben Jahre zum Leiter des hies. Männergesangvereins geholt.
Von nun ab unablässiges Bemühen der Sänger u. des Bürgermeisters, nach Langenscheid zu ziehen.
Ich willige endlich ein und ziehe am 1. 4. 49 hier ein.
Gesangverein und Mandolinenklub bringen mir unter Beteiligung des ganzen Dorfes ein Ständchen.
Bürgermeister K ü n z l e r hält eine Begrüßungsansprache, wobei er die hohe Würde eines Lehrers herausstellt. Ich antworte bewegt. -

Bei meinem Dienstantritt kann ich einen erfreulichen Bildungsstand der Kinder u,. einen guten Schülerdurchschnitt feststellen. Auch die Ernährung der Kinder ist gegen die der Hütter bedeutend besser. Und nun kommt noch die Schulspeisung dazu. 40 Kinder (Normalverbraucher) nehmen teil.
Da die Lebensmittel von Amerika kommen, sind sie gut. Den Hauptanziehungspunkt bildet jedoch die Schokolade. Eine benachbarte Frau D e u t e s f e l d richtet die Speisen gegen ein geringes Entgelt an.

Die Währungsumstellung hat auch für den Schulbetrieb einen bedeutenden Fortschritt gebracht, sind doch wieder Schulhefte und Schiefertafeln in genügender Menge zu haben. Auch der so notwendige Bedarf an Schulbüchern kann wieder geliefert werden, vor allem Rechenbücher u. Lesebücher. Der Vertreter des Westermann-Verlages bietet schon wieder neue Karten an.
Der Schulbeginn wird im Sommer auf Wunsch der Eltern auf ½ 8 Uhr festgesetzt. -
Im Mai dieses Jahres wird nach langer Beratung in Bonn das Grundgesetz der westdeutschen Bundesrepublik beschlossen.
Nach einer darauf folgenden Wahlerhalten wir dann auch eine Bundesregierung.
Das Bild des Bundespräsidenten H e u ß wird von der Gemeinde angeschafft und der Schule übergeben.
Die Schulen werden angewiesen, Belehrungen über den demokratischen Gedanken u. insbesondere über das Grundgesetz zu geben. -
Am 31. August findet die Entlassung der Schüler im Rahmen einer Goethe-Feier statt. Es werden entlassen: 5 Mädchen u. 3 Knaben.
Aus der Grundschule kommen 16 Kinder hinzu, so dass der Schülerstand beträgt:

Knaben Mädchen
Oberstufe: 19 33
Grundschule: 14 17
----------- -----------
33 50 = 83

Die diesjährige Ernte brachte einen Rekord-Körnerertrag. Bei Kartoffeln und Dickwurz sowie Futter war es dagegen eine vollständige Missernte. Der regenlose Sommer ließ kein Weiterwachsen der o. gen. Früchte zu. Auch die Obsternte war gering.
Die ältesten Leute haben eine solche Trockenheit nicht erlebt.
Die Bauern müssen Kartoffeln kaufen. Ca. 500 Zentner werden aus dem Westerwald eingeführt. -
Um ihre Abhängigkeit von dem Dreschmaschinenbesitzer H ö h r in Altendiez aufzuheben, beschließt die hies. Bauernschaft den Erwerb einer eigenen Dreschmaschine. Den Betrag von 10 000 M schießt die Gemeinde vor. Dazu ist sie durch ihre Einnahmen aus dem Waldbetrieb im Daubachtal in der Lage.
Die Gemeinde fühlt sich außerdem so stark, dass sie aus eigenen Mitteln eine neue Lehrerwohnung auf dem freien Platze gegenüber der Schule bauen will.
Sie will dadurch den jetz. 2.Lehrsaal, der den Anforderungen durchaus nicht genügt, für einen Rathausraum gewinnen u. die jetzige Lehrerwohnung zum 2. Lehrsaal machen. -

Im November begannen wir in der Schule mit der Vorbereitung eines Weihnachtsspieles. Die Oberstufe übte: “Weihnachtsmanns Doppelgänger“ u. „Gänsehirtin am Brunnen..“
Das Spiel der Grundschule hieß: Am Sonntag vor Weihnachten fanden die Darbietungen im vollbesetzten Saale ( K ü c h l e r ) statt. Alle Darbietungen fanden reichen Beifall. -

Von Oktober bis November nahm Herr S t i c k e l m a n n an einem vorbereitenden Kursus zur II. Lehrerprüfung in Andernach teil. Während dieser Zeit musste ich seine Klasse vertreten.

1950

Nach Fertigstellung und Genehmigung der Zeichnung, die von dem in Lgschd. geb., jetzt an der Bahn in Limbg. angestellten Adolf H e r o l d ausgeführt worden war, wurde im Februar mit dem Ausschachten begonnen. Langenscheider Arbeitslose wurden beschäftigt. Die Bauern leisteten die Fuhren.
Die übrigen Bürger wurden aufgefordert, einen halben Tag umsonst zu helfen. Es sammelte sich ziemlich Wasser, das herausgepumpt werden musste (früherer Weiher).
Man hörte sagen, „in das Wasserloch“ hätte man nicht bauen sollen.
Anfangs März wurde im Beisein der Schulkinder von Bgmstr. K ü n z l e r der Grundstein gelegt.
Die Kinder sangen „Im Märzen der Bauer.“
Die Ausführung der Maurerarbeiten war dem hies. Bauunternehmer K ü c h l e r übertragen worden. Das Fundament war bald heraus, die Betondecke aufgelegt, und nun wuchs das Haus zusehends. Fast täglich brachten Autos Steine, Kalk oder Sand.
Bereits an Pfingsten konnte das Richtfest gefeiert werden. Die Gemeinde versammelte sich vor dem Neubau.
Auf dem Gebälk hatten sich die Gemeindevertretung, die Handwerker u. die Lehrer eingefunden. Mit dem Liede „der Mai ist gekommen“ wurde die Feier eingeleitet. Bgmstr. K ü n z l e r begründete die Notwendigkeit des Baues, dankte allen freiwilligen Helfern, sodann den Handwerkern und vor allen Herrn Adolf H e r o l d .
Anschließend wurde auch mir gestattet, einige Worte zu sagen.
Mit dem Wunsche, dass das Haus in eine friedliche Zeit hineindauern möge, schloss ich.
Anschließend waren die Handwerker, Gemeindevertreter u. Lehrer zu einem Schmaus eingeladen. Auch alle übrigen Bürger erhielten einen Gutschein, den sie beliebig verwenden konnten.
Die Zimmerarbeiten wurden von der hies. Fa. I s s e l b ä c h e r u. Co. hierselbst ausgeführt. Die Dachdeckerarbeiten lieferte B r a u e r, Nassau.
Fast ohne Beregnung kam das Haus unter Dach.
Wären nun auch die Innenarbeiten in demselben Tempo gefolgt, so hätten wir am 1. Okt. Gewiss einziehen können. Doch trat jetzt eine große Verzögerung ein, hauptsächlich bedingt durch die allgemeine Bautätigkeit u. die damit verbundene vielseitige Inanspruchnahme der Arbeiter.
Mitte Dezember endlich waren beide Wohnungen zum Beziehen fertig. Das Treppenhaus soll im Frühjahr fertig gestellt werden, ebenso der Außenverputz und die Einzäumung.
Die Schreinerarbeiten wurden von dem hies. Schreiner B a u e r ausgeführt. Die Installationsarbeiten lagen in den Händen der Gebr. K ü n z l e r von hier, die Anstreicherarbeiten in denen des Herrn F e l s e r von hier.
Die Weihnachtsfeier bot uns, den beiden Lehrern, Gelegenheit, unseren Dank an die Gemeinde auszusprechen.

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Nachdem die Lehrerschaft durch 2 Vorträge des Kreismedizinalrates auf die Aktion der Tbc-Schutzimpfung vorbereitet war und durch Verteilung von Aufklärungsmaterial an die Eltern noch ein Übriges hinzugetan wurde, folgte die erste Testierung durch Pflastern.
Nach Ausscheidung der „Positiven“ folgte eine zweite Testierung u. darauf die Impfung.
Die Mehrzahl der Kinder unterzog sich derselben.
Ein Mädchen, das erst Ostern in die Schule gekommen war, litt bis in den Herbst hinein unter einem Ausschlag.

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Kurz vor der Heuernte unternahm die Oberstufe einen Omnibus-Ausflug, der uns durch das Kannebäckerland, ins Rheintal, auf der rechten Seite des Stromes entlang bis zum Drachenfels führte.
Wie bestiegen denselben, hatten aber keine klare Sicht und wurden auf dem Abstieg von einem Gewitter überrascht. Bei Beuel setzten wir über den Rhein nach Bonn, besichtigten das Bundeshaus, das Beethoven-Denkmal u. fuhren auf der linken Seite des Rheines aufwärts nach Koblenz.
Nach einer Rundfahrt auf Rhein u. Mosel u. einem kurzen Aufenthalt am „Deutschen Eck“ bestiegen wir den Omnibus zur Heimreise.
Die Unterstufe machte später gemeinsam mit Holzappel eine Fahrt nach Frankfurt.-----------------------------

Nach lange vorausgegangener Ankündigung kam im Sommer dieses Jahres der erste Transport an. Es waren 5 – 7köpfige Familien aus Ostpreußen u. Schlesien, die von 1945 ab in niedersächsischen Lagern untergebracht waren.
Wohnungsmäßig erfreuen sie sich hier einer besseren Unterbringung, dagegen ist es mit den Erwerbsmöglichkeiten schlecht bestellt.
In Abständen von einigen Wochen folgten dann ein 2. u. 3. Transport, so dass wir heute ca. 80 Flüchtlinge haben. Unter den zuletzt angekommenen waren kleinere Familien (Frau mit Kind od. Kindern) u. Einzelpersonen. Sie wurden mit Verständnis u. Mitgefühl aufgenommen, was im besonderen Maße von der Betreuung dch. Den Bürgermeister gesagt werden kann.
In Verbindung mit der diesjährigen Weihnachtsfeier der Schule wurde eine Bescherung aller Flüchtlinge durch eine Gemeindesammlung vorgenommen.

Hatten wir im vorigen Jahre soviel Sonnenschein, dass alles Wachstum stockte, so war uns in diesem Jahre ein Rekord an Regen beschert. Nur mit Mühe konnten die Bauern ihre reiche Ernte bergen.
Die Regenfälle mehrten sich besonders in den Herbst hinein, wo es durch den reichen Obstsegen soviel Arbeit gab, dass die Bauern auch sonntags um die Einbringung ihrer Ernte bemüht waren.
Leider waren die Obstpreise sehr niedrig. Für Kartoffeln war überhaupt kein Absatz da. So wurden denn nach langer Zeit die Silos wieder einmal gefüllt. Ein neues wurde gebaut.

Mit dem Wiederaufbau der letzten im Kriege zerstörten Brücke im Lahntal wurde endlich im Sommer dieses Jahres begonnen. Sie wird nach einem vollständig neuen Verfahren – ohne Gerüste von unten her - gebaut.
Auf beiden Seiten werden zuerst mächtige Betonklötze in die Erde gegossen, die als Haltelager für die zu spannenden Brückenbogen dienen. An starken Schienen hängend wird der Beton stückweise von beiden Seiten weiter gebaut.
Die Ausführung liegt in den Händen der Fa. D y c k e r h o f f.
Die Gemeinde Langenscheid muss 12.000 DM aufbringen

Wie im vorigen Jahre, so hielten wir auch diesmal am Sonntag vor dem Feste unsere Feier, um den Weihnachtssonntag selbst für eine Veranstaltung der Vereine frei zu halten.
Zu Beginn sangen wir eine Anzahl Lieder, die sorgsam ausgewählt u. 3stimmig gesungen seit langem das beste Ergebnis meines Gesangunterrichtes darstellten.
Es waren darunter moderne polyphone Sätze von Otto J o c h u m, die er im Augsburger Singkreise gesungen hat.
Die Eltern würdigten diese Leistung durch starken Beifall.
Anschließend spielten die Kleinen 2 nette Spiele, darunter „die Katzenschule“, welch letzteres durch die Mitwirkung des Koll. S t i c k e l m a n n eine besondere Note erhielt.
Von den Knaben der Oberstufe wurde ein schwierigeres Stück „Till Eulenspiegel“, das sehr an den „Hauptmann v. Köpenick“ erinnerte, gespielt.
Die Mädchen führten ein Krippenspiel auf.

Am 31. August fand die Entlassung der Schüler statt. Es wurden entlassen: 7 Knaben u. 3 Mädchen. Neu aufgenommen wurden zu Ostern 3 Knaben u. 7 Mädchen. Hinzu kamen einige Flüchtlingskinder. Der Schülerstand beträgt:

Oberstufe:
Kn.
19
Mdch.
43
Grundschule:
"
16
"
16
----
-----------
-----
-----------
35
59
= 94

1951

Nach einer durch Frost verursachten kurzen Unterbrechung der Arbeiten um die Weihnachtszeit konnten dieselben bei dem bald wieder eintretenden milden Wetter wieder aufgenommen werden. Trotzdem dauerte es noch bis Ende April bis zur endgültigen Fertigstellung und Freigabe.
Die Einweihung wurde auf den Anfang des Monats Mai festgesetzt.
Unsere Schulkinder beteiligten sich an der Ausschmückung mit dem ersten Grün.
Ein Massen-Männerchor aus den Vereinen der umliegenden Ortschaften gebildet, sang zu Beginn der Feier den Chor „Heimatgebet“ v. K a u n.
Dann wurde die Brücke von einem Vertreter der Regierung an den Kreis übergeben. Unser neuer Landrat M e y e r - D e l v e n t h a l übernahm sie.
Der kath. Geistliche aus Balduinstein u. unser Pfarrer S t e u b i n g sprachen danach.
Zum Schluss sang der Chor noch das Lied: Sonntag ist`s heut`.
Unsere Gemeindevertreter waren zu einer Feier mit den Prominenten eingeladen worden.
Um die Sänger, die ja bei der Feier mitgewirkt hatten, nicht leer ausgehen zu lassen, bewilligte die Gemeindevertretg. ihnen Freibier.

Anmerkg.: Durch geschickte Verhandlg. hatte es unser Bürgermeister erreicht, dass die Brücke vom Kreis übernommen wurde, während vorher die Anliegergemeinden, hauptsächlich Lgschd., Träger der Unterhaltung waren.

Der noch für den Herbst 1950 vorgesehene Außenverputz unserer Lehrerwohnung musste wegen zeitweiligem Mangel an Geld auf das Frühjahr 1951 verschoben werden.
Die Firma B e c k e r u. N o l d aus Holzappel führte die Arbeiten noch zum Angebotspreise aus, obwohl die Preise sehr gestiegen waren.
Die Fa. K ü c h l e r von hier begann nun auch mit den Arbeiten an der Einfassungsmauer. Das Holzgeländer lieferte Schreiner B a u e r.
Schon sehr zeitig im Frühjahr stellten sich auch die Anstreicher ein, um die Mansarden u. das Treppenhaus fertigzustellen.
Leider zogen sich die Arbeiten so in die Länge, dass erst vor Weihnachten der letzte Pinselstrich getan wurde. Ebenso zogen sich die Arbeiten an unserem Hofe derart in die Länge, dass erst vor Weihnachten das letzte Gestück zugedeckt wurde..

Im Spätsommer des Jahres konnten endlich auch die Arbeiten an dem Doppelwohnhaus K ü n z l e r , das bereits im vorigen Jahre bis zum Sockel gediehen war, fortgesetzt werden. Es wird aber noch bis zum Frühjahr dauern, ehe es bezogen werden kann.

Eine weitere Arbeit wurde noch im späten Herbst begonnen: da, wo der übrig gebliebene Sumpf des früheren Weihers war, wurde ein Löschwasserbassin eingebaut.
Fassungsvermögen: 100 cbm. Ausführung der Arbeiten: Fa. K ü c h l e r .

In jedem Sommer veranstaltet der hiesige Turnverein ein Turn- u. Leichtathletikfest. Es werden auch die umliegenden Turnvereine eingeladen, aber ihre Beteiligung ist so gering, dass das Fest nur eine interne Angelegenheit des hies. Vereins ist.
Mit einem Feldgottesdienst beginnt das Fest. Danach erfolgt die Einweisung der Teilnehmer an ihre Kampfplätze. Nachmittags folgen turnerische Gesamtübg. Dieselben wurden in diesem Jahre durch ein heftiges Gewitter gestört.
Die Leitung des Vereins liegt in den Händen junger Männer: Alfred K ü n z l e r u. Walter B o r n. Beide sind talentiert u. sprechgewandt. Der Turnbetrieb erfasst den größten Teil der Jugend.
Im Sommer werden die Geräte auf den Weiherplatz gebracht, wo man gleichzeitig Leichtathletik betreibt.
Eines fehlt dem Verein: er betreibt keinen Spielsport, weder Handball noch Faustball, noch ein anderes Spiel. Dabei sieht man die Jungen in ihrer freien Zeit nichts anderes treiben, als Fußball spielen. „G o s s e Hof“ ist der Spielplatz.

Der Gesangverein hatte in seiner Generalversammlung beschlossen, den Besuch der Oberhäuser Sänger zu erwidern. Später wurde es den Sängern leid wegen der damit verbundenen hohen Ausgaben. Als der Verein sich dann bereit fand, die Fahrtkosten zu tragen, kam die Fahrt zustande.
Sie fiel, da wir schlechtes Heuwetter hatten, mitten in die Heuernte.
Ein großer Omnibus der Bundesbahn führte uns über die Autobahn mit einem Abstecher an den Kölner Dom ans Ziel.
Vom Oberbürgermstr. der Stadt empfangen, bezogen wir unsere Quartiere.
Abends ein Gartenkonzert mit dem „Ossian“, das aber wegen der Abendkühle schlecht besucht war. Der folgende Tag stand jedermann zu freier Verfügung. Sehenswürdigkeiten der Stadt u. Umgebung wurden besichtigt.
Am Montagmorgen Fahrt nach Sterkrade zur „Guten Hoffnungshütte.“ Für viele war das ein Erlebnis. Am späten Nachmittag – Heimfahrt.
Auch die Schule unternahm wieder eine Omnibusfahrt. Sie führt nach Wiesbaden, Mainz, Rüsselsheim – Frankfurter Flughafen – Zoo – Römerkastell Saalburg u. Feldberg.

Das Wetter in diesem Jahre stand wiederum ganz unter dem Einfluss des Ozeans: sehr viel Bewölkung u. noch mehr Regen als im vorigen Jahr, es dürfte ein Rekordjahr an Regen gewesen sein.
As Wachstum auf den Feldern war darum wieder sehr üppig. Den ersten Klee konnten die Bauern nicht alle verfüttern, sie mussten einen großen Teil dörren. Die Fruchternte war so reichlich, dass die Bauern keinen Platz mehr in der Scheune hatten.
Sie druschen das Getreide vom Felde u. setzten hohe Strohhaufen ins Freie.
Die Entwicklung des Kartoffelkäfers wurde durch die Nässe u. Kälte sehr gehemmt, so dass die Bauern fast keine Bekämpfungsmittel anzuwenden brauchten.
Nässe u. schwere Niederschläge hatten andererseits den Boden so fest gestampft, dass die Lockerung fehlte u. darum geringere Ernteerträge zu verzeichnen waren.
Die hohen Schweinepreise veranlassten die Bauern, alle übrigen Kartoffeln einzusilieren, so dass manche Leute ihre Not hatten, ihren Winterbedarf zu erhalten. Leider brachte uns das Jahr fast kein Obst.

Als die Arbeiten im Felde fast alle verrichtet waren, hielt die Klauenseuche auch hier ihren Einzug. In der Mitte des Dorfes verbreitete sie sich sehr schnell.
Kinder eines betroffenen Gehöftes wurden durch vet. poliz. Maßnahmen vom Besuche der Schule ausgeschlossen.
So hatten wir in einer Woche nur die Hälfte der Schüler zum Unterricht.
Endlich wurde geimpft. Leider reichte der Impfstoff nicht fürs ganze Vieh, so dass die Seuche noch immer weiter um sich griff, bis sich die erste Impfung endlich bemerkbar machte.
Ca. 40 Gehöfte ( darunter einige mit nur Ziegen ) waren verseucht. 5 Kühe, 8 Kälber u. 2 Ziegen gingen ein oder wurden geschlachtet.
Während der ersten strengen Sperrmaßnahmen ruhte jegliche Tätigkeit der Vereine. Als nach etwa 3wöchiger Dauer der erste Stopp eintrat, löste sich der Sperrzwang in Wohlgefallen auf.
Just in diesen Tagen starb ein Bürger der Gemeinde, Rudolf R a a b.
Wir konnten ihm nun das Geleit geben u. ihm alle Vereinsehren erweisen.

Das Abflauen der Maul- und Klauenseuche ermöglichte der Schule nun auch noch die Einübg. einiger Theaterstücke zu einer Weihnachtsfeier.
Die Kleinen spielten 2 Weihnachtsspiele, während die großen Mädchen das Märchen „König Drosselbart“ u. die großen Buben „Leben, Sterben u. Erlösung des Dr. Faust“ zur Darstellung brachten.
Zu Beginn sang der gemischte Chor einige Weihnachtslieder.

Der Schülerstand beträgt:

Knaben Mädchen
Oberstufe: 16 14
Grundschule: 36 13
----------- -----------
30 49 = 79

1952

Der Karnevalsbetrieb hat nun auch in den Dörfern vollen Einzug gehalten. Die Vereine Langenscheids wechseln mit der Abhaltung einer Veranstaltung ab. Der Gesangverein verzichtete auf einen Preismaskenball und hielt dafür eine „Kappensitzung“ ab.
In Büttenreden wurden Vorkommnisse des Jahres glossiert, wobei man über die Talente eines Dorfes staunen musste.
Am Fastnachtsdienstag machten die Kinder einen Zug durchs Dorf u. begaben sich anschließend zu einem Kinderball in den K ü c h l e r s c h e n Saal.
Eine Anzahl Mütter fand sich ein, um dem Treiben zuzusehen. Ich halte dies für wichtig, damit die Kinder unter Beobachtung sind.

Der Gesangverein nahm in diesem Jahr an einem Wettstreit in Katzenelnbogen teil. Mit einem 2. u. zwei 1. Preisen kehrte er zurück.
An einer Ehrenpforte am Eingang des Dorfes hatte sich die Einwohnerschaft des ganzen Dorfes versammelt, um uns zu empfangen. Im Vereinslokale wurde die Feier des Sieges fortgesetzt.
Auch in diesem Jahre unternahm die Schule eine Omnibusfahrt. Da wir die großen Mädchen bereits an einer Fahrt des Frauen- u. Mädchenchores beteiligt hatten, konnten wir noch eine Anzahl Kinder der Unterstufe mitnehmen.
Unsere Fahrt ging über Montabaur nach Koblenz, am Rhein entlang bis hinter Andernach, das Brohltal aufwärts bis zum Laacher See. Besichtigung der dortigen Klosterkirche, Weiterfahrt bis Cochem. Unterbrechung der Fahrt durch eine Wanderung über eine Moselhöhe bis nach Eller. Heimfahrt durchs Moseltal bis Koblenz. Kurzer Halt am Dtsch. Eck. Durchs Lahntal heimwärts.

In den Sommerferien wurde der Schulsaal der Oberstufe restauriert.

Das Jahr 1952 ist wieder durch eine abnorme Trockenheit gekennzeichnet. Der 2. Klee verdorrte zusehends. Auch die Heuernte war geringer. Für die Kartoffelnbefürchtete man eine totale Missernte, die aber nicht eintrat, weil die meisten „Stücker“ auf der guten Seite der Langenscheider Gemarkung lagen.
Dagegen fiel die Dickwurzernte kläglich aus. Ein reicher Obstsegen war aber zu verzeichnen, besonders Äpfel, während die Zwetschen größtenteils vom Baume fielen.
Die Preise für gepflückte Apfel waren verhältnismäßig geringer als für Schüttelobst. 8 – 12 M gegen 5 M pro Ztr.

Nach dem Blätterfall – wenn im Felde alles geackert ist, beginnt der Holzeinschlag. Da die Gemeinde Lgschd. schon ziemlich viel Nutzholz sowohl als Brennholz schlagen lässt, beteiligt sich an den Arbeiten, wer kann, d.h. von den Bauern. Sie verdienen sich ihre Steuern u. Abgaben u. werden bevorzugt bei der Holzzuteilung.
Da die Nutzholzpreise sehr hoch stehen, hat die Gemeinde z. Zt. Eine gute Einnahme. Der Anfall von Brennholz ist jedoch bei der starken Auswertung gering. Darum muss die Gemeinde den weiteren Bedarf im Niederwald ( Lahnberge ) decken.
Die schwierige Abfahrt des Holzes von hier ließ eine Verteilung desselben nicht zu, weshalb es versteigert wurde. So konnte man seinen Bedarf gut decken, während in anderen Nachbargemeinden größte Holzarmut herrscht.
Die Holzeinnahme der Gemeinde betrug in diesem Jahre ca. 80 000 DM. Während ein erheblicher Teil wieder ausgegeben wird für Kulturarbeiten, so bleibt doch so viel übrig, dass die Gemeinde in jedem Jahre etwas beginnen kann.
In diesem Jahre wurde die Pflasterung der Saarlandstr. u. der Klampengasse durchgeführt.
Es war ferner geplant, eine Leichenhalle auf dem Friedhof zu errichten. Auf einer Gemeindeversammlung wurde darüber eingehend gesprochen.
Von einigen rückständigen Meinungen abgesehen, war die große Mehrheit für die Errichtung einer solchen. Die Ausführung wurde aber hinausgeschoben.
Die Gemeindevertretung betrachtet es ferner als ihr Anliegen, die Gefallenen des letzten Krieges durch Anbringung einer Gedenktafel an dem bestehenden Ehrenmal zu ehren. Die Einweihung geschah in einem Festakt.

Im Herbst dieses Jahres fanden die Kommunalwahlen in Rheinland-Pfalz statt. In unserer Gemeinde wurden 2 Listen aufgestellt, eine Bauern- u. eine Sammelliste der Arbeiter, Angestellten u. Flüchtlinge.
Die Anregung dazu kam von dem Bürgermeisteramt, zu dem Zwecke, die Durchführg. der Wahl, d. h. der Zählung zu erleichtern gegenüber der Praxis der Personalwahl bei einer Einheitsliste..
Die Liste der Bauern erhielt 5, die der Arbeiter 6 Stimmen.
Beide Fraktionen einigten sich auf die Wiederwahl des bisherigen Bürgermeisters, die dann einstimmig erfolgte. Am Abend derselben brachte ihm der Gesangverein ein Ständchen.
Gerührt dankte der Bürgermstr. u. gab bekannt, dass es für die ganze Bevölkerung Freibier in sämtlichen Wirtschaften gäbe.

Unsere Weihnachtsfeier wurde wie in den vergangenen Jahren am Sonntag vor Weihnachten abgehalten. Die Bevölkerung nahm wieder vollen Anteil.

Der Schülerstand beträgt:

Knaben Mädchen
Oberstufe: 12 23
Grundschule: 15 14
----------- -----------
27 37 = 74

1953

Auf meinen wiederholten Antrag im Schulvorstand, dass an unserem Schulplatz, der besonders in seinem unteren Teil nach jedem Regen nicht zu betreten war, etwas geschehen müsse, befasste sich der Gemeinderat damit.
Es wurde ins Auge gefasst, außer der Abtragung der Lehmschicht um das Bassin herum u. einer Neubekiesung des Platzes, denselben einzufassen, weil man es nicht länger verantworten könne, dass die Kinder beim Spielen die immer mehr von Autos belebte Straße mit benutzten.
Bei einer Besichtigung kam man zu dem Entschluss, die Straße, die hier zu schmal u. abgerundet ist u. wegen der unübersichtlichen Kurve einen Engpass bildete, gleich ein Stück zu verbreitern u. abzuflachen. Auf meinen Antrag, in die Einfassungsmauer an beiden Seiten eine Lücke zu lassen, damit Kinder u. Erwachsene den Platz wie bisher überqueren könnten, wurde nur zögernd eingegangen.
Ferner hatte ich in der Schulvorstandssitzung eine Renovierung des Schuläußeren beantragt. Beide Arbeiten wurden dem hiesigen Bauunternehmer K ü c h l e r übertragen.

Als derselbe den alten Putz der Schule untersuchte, ergab sich dessen Brüchigkeit u. die Notwendigkeit, denselben abzuschlagen u. einen ganz neuen Verputz aufzutragen.
Die Gemeindevertretung bewilligte die Mehrkosten, und so konnte mit der Arbeit begonnen werden.
Auch die Vorderseite des Ökonomiegebäudes wurde mit verputzt.

Kurz vor dem Besuch der Oberhäuser Sänger konnten die Gerüststangen umgelegt werden. Die Begrüßung konnte auf dem neu hergerichteten Platz erfolgen.

Einer Einladung des hies. M.G.V. waren die Oberhäuser Sänger gern wieder gefolgt. Nach herzlicher Begrüßung fand abends im Saalbau K ü c h l e r ein Konzert statt, das von beiden Vereinen bestritten wurde.
Der Verein „Ossian“ zeigte eine sehr gute Schulung und machte den besten Eindruck.
Am 2. Abend fand ein fröhlicher Kommers im Vereinslokal statt.
Der Montagmorgen vereinigte beide Vereine zu einer Besichtigung der Schaumburg.

Nach einem günstigen Vorfrühling setzte in der Zeit des eigentlichen Wachstums Trockenheit u. Kälte ein, so dass das Gras u. der Hafer nicht voran kamen. Der Ertrag war dann auch weniger als mittelmäßig. Auch die anderen Fruchtarten blieben zurück.
Man hoffte nun, dass doch der Sommer besseres Wetter bringe, aber nein, es regnete einmal nicht, und so wurde auch die Kartoffel- u. Dickwurzernte gering und das Futter wieder ebenso rar wie im vorigen Jahr.
Nach dem reichen Apfelsegen des Vorjahres zeigten nur vereinzelte Bäume einen Behang. Zwetschen gab es reichlich. Auch die Gärten litten sehr unter der Wasserarmut.
Man musste sich wundern, dass unsre Wasserquelle noch immer so viel hergab, so dass höchstens von einer zeitweisen Verknappung gesprochen werden konnte, obwohl bis Weihnachten kein durchdringender Regen gefallen war u. von überall her Wassermangel gemeldet wurde.

Die Vergrößerung seiner Schilddrüsen behinderten mehr u. mehr Herrn S t i c k e l m a n n so sehr in seiner Arbeitsfähigkeit, dass er sich zu einer Operation entschloss.
Während seines Ausfalls übernahm ich die Mitversehung der Unterstufe. Nach den Sommerferien konnte er den Unterricht wieder selbst ausüben.

Bald nach seinem Wiederbeginn erschien Herr Reg. Rat G e r l a c h von Montabaur, um ihn für eine einkl. Schulstelle auf dem Westerwald zu gewinnen. Mit der Begründg., dass er seine Stimme noch schonen müsse, entging er einer Versetzg.
Die sinkende Kinderzahl in Langenscheid veranlasste ihn aber, sich um die frei werdende Stelle in Allendorf zu bewerben.

Bei schönem Wetter unternahm die Schule Ende April eine Wanderung auf den Mensfelder Kopf. Eisenbahnfahrt bis Diez. Durch Freiendiez auf der „alten Straße“ durch die Felder zur Höhe. Aussicht diesig. Auf der Straße nach Lindenholzhausen. Wir zählten die Autos auf der Autobahn. Rast am Lubentius-Brunnen. Auf der Frankf. Straße nach Limbg. Besichtigung des Domes u. Heimfahrt.
4 Wochen später erfolgte eine Autobusfahrt. Sie führte uns zunächst nach der Burgruine Merenberg, die wir an klaren Tagen von hier aus sehen können. Danach Besichtigung des Weilburger Schlosses, die die Kinder sehr beeindruckte. Weiterfahrt nach Braunfels u. Besichtigung de dortigen mehr burgartigen Schlosses (Behandlung der Ritterzeit gerade dran). Mittagsrast. Über Wetzlar u. Gießen nach Marburg.
Besichtigung der Elisabethenkirche. Heimfahrt über Herborn u. Westerwald.

Am Sonntag vor Weihnachten veranstaltete die Schule wieder einen Theaterabend. Wir erfreuten uns, wie immer, eines zahlreichen Besuches. Da unsre Schülerzahl sehr gesunken ist, konnten wir beinahe alle Kinder mitspielen lassen.
Die Unterstufe spielte „Waldweihnacht“ u., mit der Mittelstufe zusammen: „Wir bauen eine Straße“, die Jungen der Oberstufe „Der Wundertiegel“ u. die Mädchen „Mutters alter Schal.“ Alle Darbietungen wurden mit Beifall aufgenommen.

Der Schülerstand beträgt:

Knaben Mädchen
Oberstufe: 12 18
Grundschule: 12 07
----------- -----------
24 25 = 49

1954

Konnte ich in der Chronik des vorigen Jahres bereits berichten, dass der Koll. S t i c k e l m a n n seine Bewerbg. Um die Stelle in Allendorf eingereicht hatte, so kann ich nun seine Versetzung dorthin zum 1. 5. u. seinen Umzug zum 1. 8. mitteilen.
Kurz vor seinem Wegzug bereiteten wir ihm einen ehrenvollen Abgang im Rahmen einer Gesangstunde.
Ich überreichte ihm ein Buch u. dankte ihm für seine gewissenhafte u. fleißige Hingabe in der Schule.
Auch der Bürgermeister überreicht ihm ein Bild u. dankte ihm im Namen der Gemeinde.

Nun ist die Schule wieder einklassig geworden, u. es bestehen keine Aussichten für eine bald. Zurückverwandlung in eine 2klassige.
Das Freiwerden des 2. Lehrsaales ließ jedoch den schon lange gehegten Plan der Errichtung eines Kindergartens zur Verwirklichung kommen. Zuerst wurden die Mütter befragt und eine Vereinigung der Freunde des Kindergartens gegründet.
Da die Gemeinde bereit war, den Hauptanteil der Unterhaltungskosten zu tragen, u. eine frühere Kindergärtnerin aus Langenscheid sich wieder bereit erklärte, so konnte bereits am 1. Juli der Betrieb eröffnet werden. Den mit Arbeit überlasteten Müttern wurde somit eine fühlbare Erleichterung zuteil.
Wenn bei der Versetzung des Kollegen S t i c k e l m a n n von der Herabminderung der Schülerzahl die Rede war, so mag hier noch hinzugefügt werden, dass das Wegziehen einiger Familien ebenfalls dazu beigetragen hat.
So zogen in der Mitte des Jahres die Flüchtlingsfamilien M a ß u. H i l d e b r a n d nach Oberlahnstein u. nun zum 1. Januar die Familie G i e b l e r nach Osthofen. Die Fam. M a r t i n mit 2 vorschulpfl. Kindern zog nach Geilnau. Ein einziger Zuwachs einer Familie mit 4 Kindern steht dem entgegen.
Die nach Oberlahnstein versetzten Familien beteiligten sich an dort aufgeführten Siedlungsbauten. Aber auch hier in Lgsch. regte sich die Baulust. Eine Anzahl Interessenten – man nannte zuerst 7 – bemühte sich um Bauplätze.
Als man die unbebaute Lücke zwischen Weiherplatz und Luisenstraße ins Auge fasste, regte sich der Widerstand der dortigen Gartenbesitzer.
Besonders der Landwirt K r ö l l e r, dessen Besitztum als Baugrundstück für ihn selbst eingetragen ist, weigerte sich hartnäckig. So suchte u. fand man Bauplätze am Eingang des Dorfes von Hirschberg her.
3 Baulustige haben die Ausschachtungsarbeiten noch vor Einbruch des Winters ausgeführt, einer unter ihnen sein Haus im Rohbau ausgeführt.

Während in den vergangenen Jahren kaum ein Wassermangel zu verzeichnen war, machte sich überraschenderweise ein solcher im Frühjahr bemerkbar, als man mit der Abdichtung des Hauptreservoirs beschäftigt war. Man stellte dabei einen ungenügenden Zulauf aus der Quelle fest. Dadurch wurde man auf die Quellkammer unterhalb Hirschbergs aufmerksam.
Dank der Umsicht u. Sachkenntnis unseres Wassermeisters Ernst K ü c h l e r wurde der Schaden gefunden u. behoben, so dass der Zufluss des Wassers heute wieder ausreichend ist.

Wie in jedem Jahr, so unternahm die Schule auch in diesem Jahr eine Omnibusfahrt. Sie führte uns über Bd. Schwalbach – Schlangenbad nach Rüdesheim, von wo aus wir mit der neu erbauten Sesselbahn zum Niederwalddenkmal fuhren. Von hier aus zu Fuß nach Aßmannshausen u. nun wieder mit dem Omnibus nach St. Goarshausen zum Besuch der Wilh. – Tell – Aufführung auf der Freilichtbühne des Loreley-Felsens.
Nach vorausgegangener guter Vorbereitung nahmen die Kinder ein nachhaltiges Erlebnis von der Aufführung mit.

Während der Sommerferien erhielt der Schulsaal einen neuen Anstrich.

Da sich die überwiegende Mehrzahl der Langenscheider von der Landwirtschaft ernährt, so kann die Erwähnung des Wetters nicht unterbleiben:
Während das Frühjahr trocken u. zu kalt war, so dass der Graswuchs u. der Wuchs des Getreides zu wünschen übrig ließ, so bescherten uns der Sommer und Herbst überreichlich mit Regen.
Die Bauern blieben mit ihren Arbeiten stets im Rückstand. Sehr viel Frucht wurde im feuchten Zustand u. ausgewachsen heimgefahren. Die Bauern verloren einfach die Geduld. Ist der Sommer verregnet, so rechnet man mit einem trockenen Herbst.
Aber auch um diese Hoffnung wurde er betrogen. Kartoffel- u. Dickwurzernte mussten bei dem denkbar schlechtesten Wetter getätigt werden.
Der Obstanfall war reichlich, aber eben darum kaum Nachfrage. Das Schüttelobst wurde zu einem geringen Preis sehr zögernd aufgekauft. Alle Äpfel sind weniger süß als sonst infolge des Mangels an Sonne.

In Verbindung mit dem diesj. Gefallenengedenktag fand die Einweihung einer Gedenktafel in der Kirche statt. Die Feier wurde umrahmt u. verschönt durch zwei Liedvorträge des gemischten Chores: 1. „Sanktus“ u. 2. „Ruhe in Frieden aus.“

Auch in diesem Jahr veranstaltete die Schule wieder einen Märchenabend.
In 3 Märchenspielen 1. Rübezahl, 2. Der Bärenhäuter, 3. Die Gänseliesel u. der Kuckuck konnten wir die meisten Kinder mitspielen lassen.
Von dem Erlös bestritten wir eine Fahrt nach Wiesbaden zu „Peterchens Mondfahrt.“

Der Schülerstand beträgt:

Knaben Mädchen
Oberstufe: 10 11
Grundschule: 14 1
----------- -----------
24 12 = 36

1955

Im Rückblick auf das Jahr 1955 muss der Chronist feststellen, dass es sowohl für die Bauern als auch für die Arbeiter gewinnbringend u. segensreich war. War auch das Frühjahr kalt, besonders die Monate April und Mai, so dass z. Bsp. die Obstblüten erfroren, so gediehen doch alle Fruchtarten so reichlich, einschließlich Heu und Klee, so dass die Bauern viel Vieh halten u. absetzen konnten.
Die Scheunen und Silos füllten sich. Auch die Arbeiter hatten ununterbrochen Arbeit u. Verdienst.
Hierbei möchte ich erwähnen, dass die hiesige Baufirma K ü c h l e r eine größere Anzahl Bauarbeiter beschäftigte. Sehr beschäftigt war auch die Firma I s s e l b ä c h e r u. Co., ferner die Fa. K ü n z l e r .
Der sich anhebende Wohlstand wurde sichtbar in einer regen Bautätigkeit. 4 neue Wohnhäuser wurden fertig gestellt. Eine ganze Anzahl kleinerer u. größerer Umbauten in den Bauernbetrieben wurde vorgenommen. Überall regte es sich. Viele der Arbeiten wurden durch Selbsthilfe u. Nachbarnhilfe weitgehend verbilligt.
Das Haus des Theo M e c k e l wurde nach seiner Aussage für 16 000 M erstellt. Zu ungefähr demselben Preis bauten auch die anderen Familien.
Die Familie H e n n i g baute sogar für die Hälfte der veranschlagten Summe.
Es muss aber erwähnt werden, dass kein Sonntagmorgen mehr geheiligt wurde. In einem Fall, wo der Lärm der Betonmischmaschine bis in die Zeit des Kirchgangs hineinreichte, sah sich der Pfarrer veranlasst, Anzeige zu erstatten. Der Kirchenbesuch ist dadurch nicht besser geworden.
Die Anhebung des Wohlstandes wurde auch durch die zunehmende Motorisierung sichtbar, ist doch in den Weihnachtstagen der 10. Traktor ins Dorf gekommen. Einschränkend ist allerdings zu sagen, dass die meisten auf Teilzahlungen erworben wurden.

Der Motorisierung des Dorfes kommt nun die endlich erneuerte Straße zum „Stock“ hin zugute. Dieselbe war durch Frostaufbrüche im vergangenen Winter so zerstört worden, dass eine Erneuerung unumgänglich geworden war.
Bis aber die dazu notwendigen Gelder bereitgestellt waren – die Gemeinde Langenscheid bewilligte 15 000 M – u. bis die Ausschreibung der Arbeiten erfolgte, wurde es Herbst.
Durch günstiges Wetter begünstigt, konnten sie aber noch vor Eintritt des eigentlichen Winterwetters beendet werden. Da die Straße einen neuen Unterbau (Grobschotter) darüber eine Feinschotterschicht u. endlich eine Teersplittabdichtung erhalten hat, dürfen wir hoffen, dass dieselbe nun allen Anforderungen genügen wird.

Von der Schule ist zu berichten, dass durch den Fortzug des bisherigen Schuldieners H a s t e n t e u f e l das kleine Zimmer neben dem Schulraum frei wurde und nun die Gelegenheit gegeben war, diesen Raum zur Benutzung als Nebenraum hinzuzugewinnen.
Der Vorschrift entsprechend musste die trennende Wand durch eine Glaswand ersetzt werden. Diese Arbeiten wurden in den Weihnachtsferien ausgeführt, weil die Handwerker vorher keine Zeit hatten.
Lediglich die Erneuerung der Treppenstufen, die sehr ausgetreten waren, erfolgte bereits in den Sommerferien.
Als Nachfolger des bisherigen Schuldieners wurde von dem Gemeinderat der Bäcker Oswald W a l t e r bestellt..

Eine Schulwanderung führte uns über Geilnau – Hütte- Charlottenberg nach dem Goethepunkt u. nach dem Kloster Arnstein.

Der Schülerstand beträgt:

Knaben Mädchen
Oberstufe: 9 12
Grundschule: 18 5
----------- -----------
27 17 = 44

1956

Das Jahr 1956 brachte uns eine solche abnorme Regenmenge, dass es das vorausgegangene noch weit in den Schatten stellte. Amtliche Stellen stellten zwar einen Zusammenhang mit den laufenden Atomversuchen stets in Abrede, aber im Volke wollte der Hinweis auf „Atom“ nicht verstummen.
Man muss sich wundern, wie die Bauern ihre Ernte überhaupt noch eingebracht haben, u. dieses war nur möglich durch den Einsatz zahlreicher moderner Maschinen. Am schlechtesten kam der Hafer ein. Das zeigte sich beim Dreschen.
Die Anschaffung eines Gebläses zur Dreschmaschine verzögerte zwar den Beginn des Hausdrusches, wurde aber doch – weil Leute sparend – mit Befriedigung angenommen.
Die Regenmenge hatte nicht überall ein üppiges Wachstum zur Folge.
Auf Böden mit tonigem Untergrund blieben die Kartoffeln u. Dickwurz in der Entwickluing so zurück, dass es teilweise Fehlernten gab.
Der Obstsegen – außer Zwetschen – war so reichlich, dass der Preis für Äpfel das Pflücken kaum lohnte. Große Mengen Schüttelobst wurden abgefahren.

Der Honigertrag war dem Wetter entsprechend der geringste unter den letzten schlechten Jahren, so dass viele Imker ihren Einsatz nicht erhielten.

Die Einrichtung des Schulnebenraumes machte sich im abgelaufenen Jahre bereits bezahlt. Der Nutzen kam hauptsächlich dem 2. u. 3. Schuljahr zugute, für die nun Gelegenheit zum notwendigen Üben gewonnen wurde, während das 1. Schuljahr unter meiner persönlichen Regie blieb.
Im Monat Mai unternahm die Schule einen Omnibusausflug, der uns nach Wiesbaden – Mainz – Rüsselsheim, mit Besichtigung der Opelwerke – Flughafen Rhein-Main – Tiergarten Frankfurt – Saalburg führte. Für einen kurzen Abstecher zum Feldberg blieb uns keine Zeit mehr übrig.
Eine Schulwanderung mit allen Jahrgängen folgte im Juni zum Gabelstein – Talhof mit Besichtigg. u. der Schaumburg. Das Wetter war nicht günstig u. überraschte uns mit einem Regenschauer, als wir gerade auf der Schaumburg angekommen waren.
Am 7. Mai, um ½ 9 Uhr erschien Schulrat D o l l zu einem Besuch der Schule. Die Oberstufe hatte Geschichte. Nach einer Zusammenfassung des dargebotenen Stoffes übernahm er selbst das Abfragen u. überzeugte sich von den vorhandenen Kenntnissen.
In der folgenden Rechenstunde verweilte er längere Zeit bei der Oberstufe und legte den Hauptwert auf mündl. Rechnen.
Im Deutschunterricht überzeugte er sich durch Diktate von der Rechtschreibung und ließ sich anschl. viele Gedichte vortragen.
Anschließend prüfte er die Kenntnisse in Erdkunde u. forderte die Kinder auf, ihm ausführliche Angaben über unsere Heimat zu machen.
In der zur Schule gehörenden Waschküche mussten die Rohre zur Wasserleitung erneuert werden. Um den Beton nicht aufbrechen zu müssen, verlegte man diese durch den Garten. Die Gelegenheit wurde von mir wahrgenommen, um eine Zapfstelle anbringen zu lassen.

Noch vor Beginn der Weihnachtsferien erfolgte eine Mehrfachimpfung der beiden unteren Jahrgänge. Es ließen sich 16 Kinder impfen.

An Ereignissen in der Gemeinde ist die im November erfolgte Gemeindewahl zu nennen. Es wurden 2 Wahlvorschläge eingereicht: Liste Ad. K ü n z l e r (Arbeiter) u. Liste Rud. B o r n (Bauern). Bei der Wahl erhielt die Liste 1 = 6, die Liste 2 = 5 Mandate. Als neue Abgeordnete zogen Wilh. G e i ß, Willi K ü c h l e r, Wilh. G ü l l u. Werner M e c k e l in das Gem.-parlament ein.
Das neue Parlament wählte einstimmig den alten Bürgermeister K ü n z l e r wieder.
Aus Anlass der Bürgerm.-Wahl erhielt jeder Gemeindebürger einen Gutschein über 2.- M; in Abwandlung der Tradition, dass früher aus dem gleichen Anlass eine dicke Eiche im Gemeindewald gefällt wurde, deren Erlös dem „Volke“ einen Freitrunk verschaffte.

Die letzte Tat des alten Parlamentes war die Ausführung seines Beschlusses, ein weiteres Stück unseres Ortsstraßennetzes – am alten Backhaus – zu pflastern. Gleichzeitig wurde der Graben am Diezer Weg in Rohre gefasst.
Die Rohrverlegung sowie die vorbereitende Arbeit zur Pflasterung wurde von der hies. Fa. K ü c h l e r ausgeführt.

Zahlreiche Lgschd. Arbeiter benutzen Motorräder, um zu ihrer auswärtigen Arbeitsstelle zu gelangen. Auf seiner Heimfahrt wurde der Friseur S a u e r - ein Flüchtling, der genau vor einem Jahr in die „Gülle Mühl“ geheiratet hatte – in Altendiez vom Anhänger eines Lastwagens überfahren und getötet.
Einige Monate vorher stieß der bei der Fa. T r i t s c h beschäftigte Autoschlosser Otto G e r h e i m von hier zwischen Diez u. Altendiez mit einem Lastwagen zusammen. Die Folgen waren für ihn schwer, er verlor sein rechtes Bein unterhalb des Knies.
Noch gut abgelaufen war ein 3. Unfall, bei dem das Mädchen Ilse W e i m e r auf der abendlichen Heimfahrt mit leichten Verletzungen davon kam.

Mit Beginn des neuen Jahres übernahm der Bäcker W a l t e r den Betrieb der Frau W a l t e r u. zog in deren Haus um. In die freigewordene Stelle des Schulhausmeisters rückte der frühere Hs.-mstr. H a s t e n t e u f e l , der vor einem Jahre wieder zurückgekehrt war, ein.

Der Schülerbestand beträgt

Knaben Mädchen
Oberstufe: 6 7
Grundschule: 21 11
----------- -----------
27 18 = 45

1957

Während sich das Wetter der vergangenen Jahre 1955 u. 56 durch außerordentliche unnormale Nässe unangenehm bemerkbar machte, erlebte wir im Juni des vergangenen Jahres doch wieder einmal der Sonne wärmende Kraft für die Dauer von fast 3 Wch. Die Landwirte ernteten zwar weniger aber umso besseres Heu.
Während der kalten Tage im Mai war allerdings das Wachstum – besonders des Hafers – sehr zurückgeblieben, u. bei Beginn des Juli zeigte sich eine Notreife dieser Frucht. Die Hackfrüchte gediehen gut – nur die Obstbäume blieben ohne Behang. Die ausfallende Ernte der Obsternte, sowie das gute Erntewetter im Herbst (wenn auch im Sept. noch nass) hatte eine frühe Beendigung der Feldarbeiten zur Folge. Im ganzen war das Jahr 1957 für unsere Landwirte erfolgreich.

Leider brachte die Hitzewelle im Juni einen sehr bedauerlichen Unfall für Langenscheid mit sich.
Als der hiesige 18-jährige Postschaffner Manfred H e r b e l an einem dieser heißen Tage.noch schnell vor dem Abendessen ein kühlendes Bad im Herthasee nehmen wollte, ertrank er durch Herzschlag. Alle Wiederbelebungsversuche waren erfolglos. Die Teilnahme des Dorfes war sehr groß, da der Junge sich großer Beliebtheit erfreute. Auch in dem Postamt Diez hatten sie ihn gern (vor seiner Einstellg. in den Postdienst hatte er sich einer Prüfung zu unterziehen, aus der er neben 27 Mitbewerbern als Sieger hervorging).
Da man als Ursache des Herzschlages die ungenügende Fertigkeit im Schwimmen angab, richtete ich in einer Eingabe an die Gemeinde die Bitte, den Bau einer eigenen Schwimmanlage ins Auge zu fassen, damit unsere Jugend das Schwimmen besser erlerne.
Gleichzeitig machte ich die Gemeindevertretg. darauf aufmerksam, sich mit dem Neubau einer Schule zu befassen, da unsere alte Schule viel zu sehr im Lärmzentrum stehe, was sich während der Hitzezeit, als man nur bei geöffneten Fenstern existieren konnte, sehr störend bemerkbar machte.

In einer schönen Aprilwoche unternahm ich mit allen Jahrgängen der Schule eine Wanderung über das Obstgut Schwalbenstein, wo wir in den Gewächshäusern schon reifende Pfirsiche sahen, nach Birlenbach, die dortige neue Schule besichtigend u. bewundernd.
Anschließend wanderten wir nach Fachingen zur dortigen Quelle u. fuhren mit dem Zug nach Balduinstein zurück.
Im Juni führte uns eine Schulwanderung (bis einschl. 3. Schuljahr) über Altendiez nach Diez, da ich in der Heimatkunde viele Lücken betr. unserer Kreisstadt festgestellt hatte. Leider konnten wir an diesem Tag die Jugendherberge u. das Heimatmuseum nicht besichtigen. Auf dem Golfplatz vergnügten sich die Kinder 1 Std. lang.

Zu Beginn des Unterrichts nach den Sommerferien erfolgte eine Omnibusfahrt mit den Jahrgg. der Oberstufe zum Siebengebirge – den Drachenfels besteigend. Nach der Überfahrt üb. den Rhein besichtigten wir den Plenarsaal in Bonn. Die letzte Strecke führte uns zum Laacher See u. über Koblenz zurück.

Auch in dem vergangenen Jahr entfalteten die Langenscheider eine rege Bautätigkeit. Besonders in der Schulstraße war „was los.“
Der Kaufmann B a r t h startete mit einem energischen Umbau seines Hauses. Die vorher noch auf der Straße stehende Treppe wurde dabei in das Haus zurückgesetzt. Dasselbe geschah bei dem Nachbarhaus des W. H e c k e l m a n n .
Beide Häuser, sowie das des Nachbarn I s s e l b ä c h e r wurden neuzeitlich verputzt. Letzterer u. auch Herr H e c k e l m a n n hatten vorher moderne Fenster eingebaut. -
Der Gastwirt Arthur M e c k e l baute einen neuen großen Saal, da er gezwungen war, das schlechte Dach seines Hauses umzudecken.
Der Bauer H e i b e l baute seine Scheune hoch u. deckte sie mit dem neuen Stoff „Eternit“, der den Dachdecker erübrigt.
Bei allen Arbeiten konnte man eine große Hilfsbereitschaft der Nachbarn u, Bekannten feststellen.
Die Bautätigkeit der Gemeinde beschränkte sich in diesem Jahre auf die Erweiterung des zu klein gewordenen Friedhofes.


Am Neujahrstag 1957 hielt der bisherige Pfarrer S t e u b i n g seine letzte Predigt. Er erkrankte zur selben Zeit, als er die Vorbereitung zu seinem Wegzuge nach Wiesbaden traf.
Seine Erkrankung ließ ihn vorzeitig um seine Pensionierung einkommen.
Von nun an wurden wir bis zum Herbst durch die verschiedenen Pfarrer des Dekanats Diez betreut.
Zum Erntedankfest wurde der neue Pfarrer S i e b e r t von Dekan B o h r i s eingeführt. Da in der Wohnung vorher viele Arbeiten ausgeführt werden mussten, so dauerte es noch Wochen bis zu seinem Umzug.

Die Bundestagswahl im September des Jhrs. hatte folgendes Ergebnis in Langenscheid:
Sozialdemokr.: 139, CDU: 48, FDP: 65, BHE: 25. DP: 17, DRP: 31

Der Schülerbestand beträgt:

Knaben Mädchen
Oberstufe: 8 7
Grundschule: 12 15
----------- -----------
20 22 = 42

1958

Durch eine amtl. Verfügung wurden die Schulleiter darauf hingewiesen, für bessere Beleuchtungsverhältnisse in den Schulen Sorge zu tragen.
Da auch in unserer Schule dieselben unzureichend waren, beantragte ich 4 neuzeitliche Beleuchtungskörper. Gleichzeitlich sollte die mangelhafte Leitung ersetzt u. unter Verputz gelegt werden.
Die Ausführung fiel mit der Erneuerung des Anstriches des Klassenraumes zusammen.
Zur Verbesserung der Schulhygiene wurde ferner eine Selbsttränke am Eingang zur Klasse installiert.
Bereits im April unternahm ich mit der ganzen Klasse, einschl. der Kleinsten, eine Wanderung, die uns über Geilnau (Brunnen) nach Scheidt führte, wo wir die dortige neue Schule besichtigten. Danach setzten wir die Wanderung nach Laurenburg fort u. fuhren mit dem Zug nach Balduinstein zurück.
Befürchtungen der Eltern, dass der Weg für die Kleinsten zu weit wäre, erwiesen sich als unbegründet, da man dieselben bald nach der Heimkehr noch munter auf dem Schulhof u. der Straße spielen sah.


Unser Schulnachbar Wilh. O p e l , der in diesem Jahr von seinem bisherigen Amt als Fleischbeschauer zurücktrat, überließ uns sein Mikroskop und machte damit der Schule ein wertvolles Geschenk

Im September unternahmen wir eine Omnibusfahrt nach der Tropfsteinhöhle in Attendorn mit Zwischenlandung auf den Fuchskauten. Genau um 1 Uhr waren wir am Ziel u. besichtigten mit großem Interesse die Gebilde der Höhle. Nächstes Ziel war die Listertalsperre. Und dann eine schöne Heimfahrt durchs Sauerland u. an der Westerwälder Seenplatte vorbei. Bei einsetzender Dunkelheit Ankunft in Langenscheid.

Ein feuchtwarmes Frühjahr begünstigte das Wachstum der Saaten außerordentlich u. versprach eine Rekordernte – die aber leider nicht eintrat, da auch noch in der Reifezeit schwere Niederschläge fast sämtl. Frucht umlegten, so dass die Ernte dadurch sehr erschwert u. im Ertrag vermindert wurde.
Ein besonders heftiger Gewittersturm ereignete sich während unserer Abwesenheit in der zu Ende gehenden Ferienzeit.
Schon auf unserer Heimfahrt sahen wir überall die angerichteten Verwüstungen. Zuhause angekommen, erfuhren wir dann, dass auch die Heimat nicht verschont geblieben war.
Dem Nachbarn L o t z - H e i b e l war das Dach vom Hause geflogen u. schwere Beschädigungen hatte das neu gedeckte Dach seiner Scheune erfahren.
Um Sekundenlänge hätten die von dem Nachbarhause herabfallenden Ziegel u. Bretter beinahe die in das gegenüberstehende Haus eintretende älteste Tochter Waltraut H e c k e l m a n n getroffen.
In meinem Schulgarten sah es wüst aus. Im benachbarten Holzappel hatte der Sturm das zum bevorstehenden Sängerfeste aufgestellte Zelt abgerissen. -

Zur Ernte zurückkommend: es gab außergewöhnlich viel Stroh, so dass sich beim Drusch die Strohhaufen rund um das Dorf vermehrten.
Die Kartoffel- u. Dickwurzernte war vom guten Wetter begünstigt. Die Kartoffeln (nicht dieselbe Menge wie voriges Jahr) kamen so sauber aus der Erde, dass man beim Einsilieren auf die Wäsche verzichten konnte. -
Ein reicher Apfelsegen konnte eingeheimst werden, aber kaum Zwetschen. Das Fallobst kam im Preis auf 4, 50 M. Auch meine Honigernte war befriedigend, pro Volk 1 Eimer = 25 Pfd.

Gegen Ende des Jahres hörte man von dem Eingehen weiterer landwirtschaftl. Betriebe. Es handelt sich um den Landwirt Oswald M e c k e l, dem nacheinander die junge Frau u. der Vater starben, um den Kleinlandwirt Hermann H e r o l d u. um den Arbeiter Wilh. W e i m e r . Die Äcker u. Wiesen sinken daher immer mehr im Wert u. erhalten kaum noch einen neuen Herrn. Man erhofft von einer neuen Zusammenlegg. eine Besserung.

Sie beschränkt sich auf Umbauten u. Anbauten. So der Bauer M e c k e l (Weiherwese) u. der Bruder desselben (Eckepetersch). Sie vergrößerten beide ihre Scheunen u. Ställe.

Einen Wiederaufbau tätigte der Mandolinen-Club. Seine Mitglieder nahmen sich vor, das während des Krieges verfallene Aussichtstempelchen hinter dem Koppelplatz wieder herzustellen.
Zum festlichen Einweihungstag wählte man den Sonntag im Juli, an dem der M,.G.V. „Ossian“ aus Oberhausen zu Besuch in Langenscheid weilte.
Das gz. Dorf u. seine Besucher pilgerten am sonnigen Nachmittag zum Koppelplatz, wo wir bei musik. Umrahmung der Festrede des ehemaligen „Kreisleiters“ Oskar K o c h zuhörten. Sie gipfelte in den begeisterten Ruf „ Deutschland muss leben u. wenn wir sterben müssen.“
Am Abend desselben Tages fand im Saale der Gastwirtschaft K ü c h l e r ein Konzert der beiden befreundeten Vereine statt. –

Ein bes. Bauvorhaben führte die Gemeinde aus. Nachdem sie in einer Gemeinderatsstzg. die Erhöhung der Gemeindesteuer beschlossen hatte, konnte sie nunmehr öffentl. Mittel beantragen – wie aus dem „Grünen Plan“ für den Ausbau seiner Feldwege.
Man erhielt 40 000 DM und konnte mit diesem Betrag folgende Hauptwege unseres Feldes befestigen:1. Wieslatter Feld, 2. Anwenderspfad, 3. Demmersheck, 4. Niederfeldchen. Die Ausführung lag in den Händen der Fa. K ü c h l e r , die das Befestigungsmaterial aus dem Steinbruch in Fachingen Tag u. Nacht heranfahren ließ. Hiesige Bauern nahmen sich gern den Verdienst mit.

Das diesj. Dek.- Gustav – Adolfs –Fest fand an einem Sept.-Sonntag in Langenscheid statt. Die Festpredigt hielt Dekan B o h r i s .
Den geringen Fassungsraum unserer Kirche berücksichtigend hatte man vor u. neben der Kirche bei offenen Türen Bänke aufgestellt. Der Gottesdienst wurde durch die Mitwirkg. des Eppenroder Bläserchores bereichert.
Nach dem Hauptgottesdienst fand eine Nachversammlung in dem Saalbau K ü c h l e r statt. Hier sprachen ein Diaspora-Pfarrer aus Rennerod u. der aus Brasilien heimgekehrte Pfarrer über ihre Erlebnisse in der Diaspora.
Eine ansehnliche Kollekte wurde dem Pfarrer aus Rennerod zum Zwecke der Fertigstellung ihrer neuen Kirche zugeteilt.

Am Reformationstag wurde unser neuer Pfarrer S i e b e r t , nachdem er sein Probejahr hinter sich hatte durch den Propst zu N i e d e n in die hiesige Pfarrstelle eingesetzt. An der Einsetzungsfeier beteiligte sich auch der gemischte Chor.

In den Herbstmonaten folgten kurz hintereinander ein Manöverball u. ein 10 jähriges Stiftungsfest des V.D.K. , beide Veranstaltg. im neuen Saale des Gastwirtes M e c k e l.

„Feierndes Langenscheid“ – so könnte man angesichts der zahlreichen Veranstaltungen, die im Laufe des Jahres hier stattfinden, sagen.
Die Leistungen der Vereine gehen jedoch stark zurück.

Der Schülerbestand beträgt:

Knaben Mädchen
Oberstufe: 10 1
Grundschule: 15 17
----------- -----------
25 18 = 43

1959

Die Schülerzahl hat seit Ostern wieder um die Zahl der Schulneulinge (=7) zugenommen, da kein Entlassjahrgang vorhanden war. Sie beträgt nun 50. Sie bewegt sich auch in den nächsten Jahren weiter aufwärts, aber nicht so, dass schon bald eine 2. Lehrkraft u. damit eine Erleichterung einträte. -

In einer Schulvorstandssitzung wurde von mir die Anschaffung neuer Schulbänke für die Oberstufe beantragt. Nach Bewilligung der Mittel durch die Gemeindevertretg. übertrug mir der Bürgermeister die Auswahl, die auf 2sitzige Tische u. Stühle der Fa. Neuendorff, Herborn, fiel. Der Anschaffungspreis betrug 1 500.-DM.-
Da man die Tische leicht bewegen u. aufeinander setzen kann, lässt sich der Schulsaal leicht in einen mit Sitzreihen versehenen Hörraum od. Filmraum verwandeln.
Da auf den Stühlen auch Erwachsene bequem sitzen können, ist der Raum im kalten Winter gut für Gottesdienste zu benutzen oder für Gesangstunden des gem. Chores oder für Veranstaltungen des Volksbildungswerkes.
Damit ist nun erst die Voraussetzg. für die Arbeit des Volksbildungswerkes gegeben.
Hat auch die Schuleinrichtung durch das neue Gestühl eine wesentliche Verbesserung erfahren, so darf doch der Blick nicht von dem immer notwendiger werdenden Neubau einer Schule abgelenkt werden.

Eine Wanderung mit der Schule ist heute nur noch auf wenig befahrenen Straßen möglich. So wählten wir den Weg durch Wald nach Isselbach, wo wir eine Brauerei u. eine Mühle besichtigten.
Der Rückweg führte uns am Herthasee vorbei über die „Schwarze Lay.“

In der Zeit zwischen Sommer- u. Herbstferien führte uns eine Omnibusfahrt über den Feldberg nach Bad Homburg, nach Frankfurt zum Zoo u. später zum Flughafen.-

Der Unterricht fand im verflossenen Jahre ohne Unterbrechung durch Erkrankung der Kinder oder des Lehrers statt.

Das Jahr 1959 war durch eine große Trockenheit u. eine gnadenlose Sonneneinstrahlung während des ganzen Sommers bis in den Herbst hinein gekennzeichnet.
Während das Getreide gut gewachsen u. gut eingebracht wurde – fast 14 Tg. früher als sonst – litt das Wachstum des Grünfutters sowie der Kartoffeln und Dickwurz sehr unter der Trockenheit.
In vielen Orten stellte sich empfindlicher Wassermangel ein, während die Langenscheider Quelle unvermindert ergiebig blieb. Der Bedarf wuchs jedoch so sehr, dass auch hier sich zeitweise Verknappungen einstellten.
Schadhafte Stellen in den Zuleitungen und Anschlüssen, die noch vor Einbruch des Winters behoben werden konnten, führten zu kurzen Einschränkungen der Wasserentnahme.
Um auch den Zufälligkeiten zu begegnen (Rohrbrüche u. dgl.) will die Gemeinde noch in diesem Winter (auf Betreiben unsres rührigen Wassermeisters K ü c h l e r) ein zusätzliches Reservoir erbauen.
Die Obsternte war so gering, dass der Eigenbedarf nicht gedeckt werden konnte. Mein Honigertrag lag jedoch weit über dem Durchschnitt.

Die Tätigkeit der Vereine ging weiter zurück. Im Turnverein wird nur noch Tischtennis gespielt. Der Mandolinenklub vegetiert nur eben dahin. Das Leben im Schützenverein ist – ebenso schnell wie der Aufstieg war – wieder abgestiegen. Lediglich im Gesangverein hat sich der bisherige Besuch der Gesangstunden erhalten.
Aber ein Zuwachs an Sängern erfolgt auch hier nicht mehr.
Die „Feiern“ aber finden noch alle statt – auch ohne eigentliche Tätigkeit.
Wenn man den Ursachen dieses allgemeinen Nachlassens nachgeht, dann muss man der großen Vermehrung der Fernsehapparate einen großen Teil der Schuld zuschieben.
Der Jugend liegen Schlager aus der Musikbox näher als die oft viel zu kunstvollen Lieder.

In demselben Maße nimmt auch der Besuch der Kirche ab. An einem gewöhnlichen Sonntag geht die Besucherzahl kaum über 10 hinaus – trotz der fortgesetzten Appelle des Pfarrers zum Besuch der Kirche.
Nur an 2 Sonntagen des Jahres ist die Kirche vollbesetzt: dem Volkstrauertag u. dem Totensonntag.


Zu meinem 60. Geburtstag am 7. Okt. erschien unter Führung des Bürgermeisters u. unter Begleitung des Schulvorstandes meine ganze Schülerschar, um mir unter Überreichung wertvoller, von den Kindern gestifteter Bücher, zu gratulieren.
Am Abend wurden mir weitere Geschenke vom Männergesangverein, vom Frauen- u. Mädchenchor u. von der Gemeinde überreicht.

1960

Der anhaltenden Trockenheit im vorigen Jahre musste ein Jahr mit vielen Niederschlägen folgen, um den Wasserhaushalt in Ordnung zu bringen.
Nahm das Frühjahr bis zum Heumachen (einschließl.) noch einen normalen Verlauf, so setzte bei der Fruchternte regnerisches Wetter ein, das bis zum Herbst nicht mehr aufhörte.
Die Bauern, welche mit Mähmaschinen u. Bindern arbeiteten, kamen noch mit einem „blauen Auge“ davon. Kleinbauern aber, welche auf den Mähdrescher aus Eppenrod gewartet hatten, konnten ihre stehen gebliebene Frucht im Herbst verbrennen.
Sofort gedroschenes u. gleich darauf geliefertes Getreide verlor in den Trockensilos 25 bis 30 % des Gewichtes.
Kartoffeln u. Dickwurz waren dagegen durch den häufigen Regen im Wachstum sehr begünstigt u. brachten eine Rekordernte.
Der Obstbehang war zwar sehr gut, doch blieben die Äpfel zwerghaft klein – wohl eine Folge der vorjährigen Regenarmut.
Meine Honigernte, die immer in den Juni fällt, war wieder sehr gut –
Mehrere Bauern schafften bereits den 2. neuen, größeren Traktor an.

Auch in diesem Jahre wurde weiter gebaut. In der Weiherstraße riss der jetz. Arbeiter Oswald M e c k e l über die Hälfte seines Hauses ab u. baute diesen Teil neu auf. Gegenüber wurde noch im Oktober das Haus der Ww. K r ä m e r abgerissen u. in kürzester Zeit wieder aufgebaut.
In der Oberstraße wurden 2 Häuser umgebaut u. eins mit neuem Außenputz versehen.
Das Vorhaben der Gemeinde, die Vergrößerung des Wasser-Reservoirs, wurde bis zum Frühjahr durchgeführt. Ferner wurden endlich die Schulstraße u. Weiherstraße gepflastert, worüber wir in der Schule besonders froh waren, als damit wieder unser Schulhof frei wurde.
Zum 1. September des vergang. Jahres wurde der am Wasserbau beamtete Theo O p e l von hier, der seit dem Auszug des Herrn S t i c k e l m a n n die 2. Lehrerwohnung inne hatte, nach Bad Ems versetzt. Ich meldete dies der Regierung u. machte sie auf die steigende Schülerzahl u. die damit verbundene Wiederbesetzung der hies. 2. Stelle aufmerksam.
Der Bescheid der Regierung war zunächst ablehnend, „solange es noch Schulen mit mehr als 53 Kindern (unsre derz. Zahl) gibt.“
Wider Erwarten folgte kurz darauf die Mitteilung der Wiederbesetzung durch einen Herrn S c h r u p p. Derselbe, geb. in Bergnassau, trat dann auch die Stelle an u. bezog bald darauf die Wohnung. Er ist verheiratet, aber noch ohne Kinder.
Der Kindergarten musste daraufhin wieder das „Feld“ räumen.
Zwei neue Tafeln u. ein Lehrertisch u. Sessel wurden angeschafft. Herr S c h r u p p übernahm den Unterricht der 3 unteren Jahrgänge, wodurch mir eine fühlbare Entlastung zuteil wurde.

Eine Maiwanderung der Oberstufe führte über Balduinstein zum Talhof – den Wurzelweg hinauf – an der Habenscheider Kirche (Besichtigung) vorbei – üb. Bärbach nach Schönborn. Dortselbst Mittagsrast. Weiter durch den Wald nach Hohlenfels.- Durch den Wald nach Lohrheim. Dortselbst Besichtigung des Kaolinwerkes u. danach Heimfahrt.+

Zur Zeit der olymp. Spiele eine Busfahrt zum Rhein u. Koblenz zum Deutschen Eck.-Nach Stolzenfels, Besichtigg.- den Rhein aufwärts ins Nahetal – Bad Kreuznach – Bad Münster a./Stein – Erwanderung der Ehrenburg – über Mainz nach Wiesbaden, Besichtigung der Kuranlagen.- Auf der Heimfahrt wurden die durch Radio mitgeteilten Siege unserer Läufer mit Begeisterung aufgenommen.

Am 23.Okt. fand in der Schule die Wahl des Gemeindevorstands statt. Man hatte auf die Aufstellung 2er Wahllisten verzichtet u. einer Gemeinschaftsliste zugestimmt. Dieselbe wurde von dem Bauern Werner M e c k e l angeführt.
Freiwillig verzichtet hatten die bisherigen, langjährigen Vertreter Heinr. R i n g u. Rudolf B o r n . Auf der Liste fehlten ferner die Namen der bisherigen Vertreter Adolf K ü n z l e r u. Willi K ü c h l e r. Für sie waren neue Kandidaten aufgeführt.
Am Tag vor der Wahl wurden 100 Briefe von der Post ausgetragen, in denen auf die Verdienste des bisherigen Bürgermeisters u. der in der Liste fehlenden Namen hingewiesen. wurde: Arthur M e c k e l, Wilh. S c h e u r e r, Werner K ü n z l e r u. August I s s e l b ä c h e r .
Erste Aufgabe des neuen Gemeinderates war die Wahl des Bürgermeisters. Da dieser vorher gesagt hatte, nicht mehr amtieren zu wollen, orakelte man, wer nun . . . . .?
Aber es war wohl nicht ernst gemeint von unserem Ortsoberhaupt, da er die – bei einer Stimmenthaltung – einstimmige Wiederwahl wieder annahm.
Der Gesangverein brachte ihm am Abend ein Ständchen.

Der Turnverein hat in seiner letzten Generalversammlung einen neuen Vorsitzenden – Ewald S c h a u b – gewählt. Das Turnen hat seitdem wieder einen neuen Auftrieb erhalten.
Auch in dem Mandolinenklub ist eine Veränderung eingetreten: Der langjährige Dirigent desselben – Herr S t r u t t (76 Jhr.) hat die Leitung an seinen Enkel Karl S t r u t t abgetreten. Mit der Einübg. leichter Werke hat er Erfolg gehabt, so dass man den Verein 2mal nach auswärts zur Mitwirkg. bei Festkommersen verpflichtete.

Der Gesangverein nahm von einer geplanten größeren Reise Abstand u. besuchte nur Veranstaltungen der Nachbarvereine.
Der gemischte Chor sang zum Erntedankfest in der Kirche „Lobe den Herrn“ von Hugo D i s t l e r , ferner von Werner G n e i s t „Ich singe dir“ – zum Volkstrauertag „Ave verum“ v. M o z a r t u. „Selig sind die Toten.“

Der Schülerbestand beträgt:

Knaben Mädchen
Oberstufe: 17 10 = 27
Grundschule: 12 15 = 27
----------- -----------
27 18 = 54

Es werden entlassen: 6 Knaben
1 Mädchen

1961

Der Winter war sehr mild. Schnee u. Kälte konnten sich nicht vor der warmen Westströmung durchsetzen. So konnte schon zeitig mit der Aussaat begonnen werden. Aber wie so oft, wenn der Vorfrühling allzu verlockend war, folgten auch diesmal die Rückschläge.
Während Ende April die Bienenvölker „reif“ waren, brachte der Mai so viel Kälte mit, dass wir wieder die Futterapparate herbeiholen mussten. Auch der Juni war nasskalt. Ende desselben u. Anfang Juli gab es endlich Heuwetter.
Aber bald darauf setzte schon wieder Regenwetter ein, das – mit Unterbrechungen – bis in den Herbst hinein anhielt. Der Hafer wurde schlecht eingebracht. Um die Mähdrescher zankte man sich. Der Körnerertrag war mäßig.
Kartoffeln u. Hackfrüchte gab es reichlich.
Leider blieben unsre Obstbäume ohne jegl. Ertrag, außer den Zwetschenbäumen, die einen vollen Behang zeigten. Selten waren auch die Früchte so rein u. frei vom Monila-Pilz als in diesem Jahr.
Man konnte also wirklich von einem Zwetschen-Segen sprechen, der jedoch stellenweise ein Zusammenbrechen der Bäume verursachte und – zur weiteren Folge hatte, dass fast keine Nachfrage bestand. –
Äpfel wurden durch die Raiffeisen-Genossensch. aus Tirol beschafft. Auch in den Kolonialw.-Hdlg. waren sie jederzeit zu haben, und in der Schule konnte man in der Pause keinen Mangel an Obst sehen. –

Die Gemeinde Langenscheid befindet sich, zusammen mit der Nachbargemeinde Hirschberg, in einem Zusammenlegungsverfahren. Die Anpassung an die Weltwirtschaft, die zur Zeit in der E.W.G. erfolgt, erfordert die größte Rationierung der landwirtschaftl. Betriebe, und dazu gehören auch große Äcker u. Wiesen.
Im Zuge der Zusammenlegung werden auch die Hauptfeldwege der Gemarkung befestigt. Dieses besorgt die Fa. K ü c h l e r , deren LKWs man nun schon wochenlang mit Steinschutt aus dem Fachinger Steinbruch beladen durch das Dorf fahren sieht, nachdem vorher ihre neue „Raupe“ die Wege ausgehoben hatte. –
In den Wochen vor Weihnachten sah man die Bauern zum „Wunschtermine“ nach „Hannetons“ gehen, wohin das Kulturamt sie bestellt hatte. Es wird noch aufregende Überraschungen geben, wenn im kd. Jahre die Austeilung der neuen Grundstücke erfolgt.
Aber wie enttäuscht auch jeder sein wird, nach Überwindung derselben wird man die Notwendigkeit der Zusammenleg. einsehen u. sich damit abfinden.
In Verbindg. mit der Zus.-Legg. soll auch eine neue geschlossene Obstanlage erstehen. Man will die bisherige Streulage der Bäume aufgeben, da viele Bäume nur noch Hindernisse bei der Bearbeitung der Felder sind. –
Gleichzeitig wurde auch ein neuer Bebauungsplan in die Zusammenlegg,. einbezogen.
Von der Schule wurde auf die Notwendigkeit der Fixierung eines Schulneubau-Geländes hingewiesen. Dasselbe wurde nun im Einverständnis mit der Baubehörde an den Nordausgang der Weiherstraße festgelegt. Mit dem Bau einer neuen Schule wird aber wohl vorerst noch nicht begonnen werden, obwohl die alte Schule in immer zunehmendem Maße dem Lärm der Motoren ausgesetzt ist. –

Obwohl die Fa. K ü c h l e r das ganze Jahr über vollbeschäftigt war, so hat sie doch keine nennenswerten Bauvorhaben hier im Dorf ausgeführt. Erst im Dezember des Jahres wurde der Neubau eines Wohnhauses am „alten Lichthäuschen“ begonnen, dessen Bauherr der Schreiber dieser Zeilen ist. Am Ausgang des Dorfes u. doch so nahe am Dorfe, mit dem ungehemmten Blick in die Landschaft, schien uns diese Stelle al „Ruheplätzchen“ wie geschaffen.
Es bedurfte aber außer der Einigung mit den Besitzern der Zustimmung der Gemeindevertretung, da der Platz außerhalb des Ortsberinges liegt.
Letztere stimmte nicht nur der Bebauung des Platzes zu, sondern fand sich auch bereit, die Wasserleitung bis vor das Haus zu verlegen u. den oberen Weg zu befestigen.
Auch noch andere Baulustige haben sich zur Errichtung eines Neubaus im kd. Jahr entschlossen.

Die Neuwahl des Bundestages im September dieses Jahres ließ die polit. Wellen in Langenscheid nicht höher schlagen. Zwei Wahlversammlungen waren schlecht besucht, wo hingegen die Wahlbeteiligung 80 % betrug.
Die meisten Stimmen erhielt, wie immer, die SPD. Auch die FDP konnte einen beträchtlichen Zuwachs verzeichnen, während die DRP – wie allgemein – gewaltig abnahm, womit der Traum der Unbelehrbaren wohl ausgeträumt sein dürfte.

Im Oktober des Jahres fand eine kirchl. Visitation im Dekanat Diez statt. Auch Lgschd. wurde visitiert. Unter der Mitwirkg. des Gesangvereins u. Gem. Chores wurden der Gottesdienst am Sonntag in d. Kirche u. die Gemeindeversammlung am Abend im Saalbau M e c k e l abgehalten. Zu letzterer war auch der Propst erschienen.
Seine Rede galt der Wiederbelebung des kirchl. Lebens. Am Dienstag ders. Woche fand ein Männertag u. am Freitag ein Frauentag statt. Alle Veranstaltungen waren gut besucht. Ob aber die erhoffte nachhaltige Belebung folgen wird?
Meine Beobachtung führt zu der Feststellung: Je mehr Autos u. je mehr Fernsehapparate ins Dorf kommen, umso geringer wird das „Wir-Gefühl.“
Nicht nur die Kirche – auch die Vereine im Dorfe haben darüber zu klagen.
Zwar konnte der Gesangverein in diesem Jahre einen besonderen Erfolg buchen, als er auf dem Gesangwettstreit in Flacht den 1. Ehrenpreis, den höchsten Ehrenpreis, den Dirigentenpreis u. noch einen weiteren errang. Aber dieser Erfolg kann nicht über die ob. gen. Feststellg. des Rückganges des Vereinslebens hinwegtäuschen.

Im Sommer dieses Jahres wurde mit dem Umbau unsres Lichtnetzes begonnen. Alle Lichtmasten an der Straße wurden abgelegt. Dafür sah man auf allen Dächern neue Ständer erstehen. Gleichzeitig wurde die Straßenbeleuchtung wesentlich verbessert. 40 Blitzableiter wurden angebracht, die sämtlich an die Wasserleitung geerdet wurden.
Ei neues, größeres Lichthäuschen wurde in der Mitte des Dorfes errichtet, das jedoch noch auf den Einbau der Aggregate wartet. Durch diesen Umbau werden wir im Dorfe auf lange Zeit hinaus bestens mit Strom versorgt werden.

Der Schülerstand beträgt:

Knaben Mädchen
Oberstufe: 10 12 = 22
Grundschule: 14 12 = 26
----------- -----------
24 24 = 48

1962

Bis zum Weihnachtsfeste des vorigen Jahres war das Wetter gelinde gewesen, so dass sich der Schreiber eines zügigen Fortschreitens an seinem Neubau erfreuen durfte.
Unter der Mithilfe zahlreicher Sänger des M.G.V. wurde am Sonntag vor Weihnachten die Betondecke auf den Sockel gebracht. Dann trat Waffenruhe ein, denn der Winter beherrschte für kurze Zeit das Feld.
Es konnte aber bei Nachlassen der Kälte bald weiter gearbeitet werden, so dass – mit Unterbrechungen – am 1. März Richtfest gehalten werden konnte.
Der weitere Ausbau, sowie die Putzarbeiten wurden in den trockenen u. heißen Sommermonaten Juli – August ausgeführt, so dass ich schon mit einem Bezug des fertigen Hauses im Herbst rechnete. Es wurde aber Weihnachten darüber.
Am Hlg. Abend zogen wir ein.
Kurz zuvor hatte ich von der Regierung die Genehmigung zum Auszug aus d. Dienstwohnung erhalten. Gleichzeitig erhielt auch die Gemeinde die Genehmigung für die Besetzung der frei gewordenen Wohnung durch den neuen Förster N i e ß für 2 ½ Jahre. –
Ein weiteres Haus wurde nach dem Wald zu in den Rohbau gestellt. Der Bauherr J u n g kommt aus dem Ruhrgebiet.
Weitere 4 Häuser des Dorfes wurden mit einem neuen Außenputz versehen. Der Bauunternehmer K ü c h l e r wollte für sich selbst eine Lagerhalle errichten, wurde aber von dem sehr frühen Einbruch des Winters überrascht.


Im Frühjahr konnten die Bauern bedeutende Auswinterungsschäden auf ihren Weizenfeldern feststellen, weil zu wenig Schnee gelegen hatte. Auch dem Wachstum der übrig gebliebenen Frucht sowie des Futters war das kalte Frühlingswetter sehr ungünstig.
Im Mai u. Juni musste ich noch die Bienen füttern.
Das Heuwetter war dann schön, aber der Ertrag gering. Mit dem Futter für das Vieh mussten die Bauern sehr haushalten.
Über Erwarten groß war der Ertrag in der Kartoffelernte. Alle Silos konnten gefüllt werden. Der Obstertrag war befriedigend.
Der Bauer legt aber keinen allzu großen Wert mehr auf reichen Apfelsegen, da die Preise zu niedrig sind.
Zahlreiche ältere Apfelbäume waren im Zuge der“ Zusammenlegg.“ über Winter auf moderne Weise mit der Raupe umgedrückt worden.
Im Nachsommer erfolgte die mit großer Spannung erwartete Ausgabe der neuen Äcker u. Wiesen. Aufgeregt sah man die Bauern miteinander diskutieren, und die Beschwerdetermine waren sehr besucht. Die Wellen der Beunruhigung legten sich aber bald wieder. –

Zwei weitere Landwirte müssen ihre Wirtschaft aufgeben: Aug. H e c k e l m a n n u. Arthur K ü n z l e r . Beide wurden von einem tragischen Unglück betroffen, als sie beim Einreißen des Hauses E u t e n e u e r in Diez im Dienste der Fa. K ü c h l e r von einem Mauereinsturz überrascht und schwer verletzt wurden.
Unter sehr großer Anteilnahme wurden beide zu Grabe getragen.

Eine Schülerwanderung führte uns im Frühjahr nach Oranienstein, wo wir unter Führung des Museumsleiters H e c k die unbewohnten Räume des restaurierten Schlosses besichtigten. Im Spätsommer nahm die Oberstufe an einer Sammelfahrt der Schulen des Unterlahnkreises mit der Eisenbahn nach Miltenberg a. Main teil.

Der Schülerbestand beträgt:

Knaben Mädchen
Oberstufe: 11 15 = 26
Grundschule: 16 14 = 30
----------- -----------
27 29 = 56

1963

Ein selten langer Winter – von Buß- und Bettg. an bis weit in den Februar hinein – war uns beschert. Da sich aber der Frost in mäßigen Grenzen hielt - von einigen Tiefpunkten abgesehen – so war er zu ertragen. Das Wintergetreide hatte unter der Schneedecke keine Not gelitten.
Im März gab es noch einmal sehr kalte Tage – für mich willkommen, um mit meinen Bienen umzuziehen. Das anschließende Frühjahr war nasskalt. Der Heuertrag war daher gering – auch meine Honigernte.
Für die Hackfrüchte war das Wetter günstig – so auch der Ertrag im Herbst. Der Sommer brachte eine Reihe schöner Erntetage. Wessen Getreide aber jetzt noch nicht reif war u. abgeerntet wurde, der kam wieder in ein „Tief“ hinein u. musste lange warten. Manche hatten es dem Mähdrescher stehen gelassen, der aber nicht alles bewältigen konnte u. auf sich warten ließ. Man darf wohl annehmen, dass der 1. Mähdrescher in Lgschd. nicht mehr lange wird ausbleiben, nachdem die Strukturveränderung nun gewaltige Fortschritte gemacht hat u. wir bereits Bauern mit 60 Morgen Land haben.
Nach der Zusammenlegg. sieht man nun die großen „Lappen“ in unsrer Feldmark.
Der Maschinenpark der Bauern wird sichtbar vermehrt, erneuert u. verbessert (Traktoren). Das dafür notwendige Geld verdienen sie mit Holzfällen im Schaumb. Wald, mit Stammholzfahren u. a. Arbeiten.
Im Frühjahr wurde die geschlossene Obstplantage angelegt. In den Vorgärten des Dorfes sah man die Zusammenlegung in der Anlage neuer Gärten sichtbar werden.
Viele Viehweiden wurden angelegt. Leider ist dadurch unsre schöne Schlittenbahn nicht mehr benutzbar geworden.

Die hiesige Raiffeisengenossenschaft hat durch den Tod des langjährigen Geschäftsführers Hch. R i n g einen Wechsel in der Besetzg. dieses Postens erfahren. Der neue Geschäftsführer P h i l i p p s hat sich aber schon gut eingearbeitet u. kann bereits einen doppelten Umsatz verbuchen.

Die Lagerhalle der Fa. K ü c h l e r steht nun am Eingg. des Dorfes, wenn auch der Platz vor derselben noch immer der Einplanierung harrt.
In der Altengarten-Str. baute sich der nach hier zurückgekehrte Maurer Heinz H e r o l d ein neues Haus (Rohbau).
Das Haus der Eheleute J u n g wurde in der Woche vor der Kirmes bezogen.
Das Aussiedler-Ehepaar Werner M e c k e l hat mit dem Rohbau begonnen – leider kam wiederum der Winter zu früh. Die Fa. K ü c h l e r war wieder überbeschäftigt u. meistens auswärts in Seelbach, Diez, Hirschberg u. anderwärts tätig, Raupe u. Bagger, die stets im Einsatz waren, haben nun noch einen großen Bruder – eine Dampfwalze - bekommen.
Dieselbe war für die Wiederherstellg. der durch die „Pipeline“ zerstörten Wege notwendig geworden.
Für die Bauplanung unsrer Leichenhalle wurde eine Gemeindeversammlung anberaumt. 3 Pläne wurden zur Diskussion vorgelegt. Eine Abstimmung erbrachte noch keine klare Entscheidung. Man zog anschließend das Bauamt zur Beratung heran. Daraufhin erfolgte nun die Ausarbeitung des Entwurfs durch Herrn K ü c h l e r .
Aber zur Ausführung gelangte derselbe nicht mehr.

Nach dem Umbau unseres Stromnetzes u. dem Bau eines neuen Transformatorenhauses erfolgte in diesem Sommer die Verkabelung unsrer Starkstromzuleitung. Eine Arbeitskolonne der Fa. F ö r g e r, Diez, in Zusammenarbeit mit der M.K.W. hatte wochenlang zu tun. Das Dorf soll durch diesen Umbau unabhängiger in der Stromversorgung werden. -

Der Lgschd. Mandolinenklub hatte sich um das diesjährige Verbandstreffen beworben, das in 2 Veranstaltungen, einem Kommersabd. u. dem darauf folgenden Vereinstreffen stattfand.
Es waren staunenswerte Leistungen, die manche guten Vereine darboten u. damit ihren schwächeren Brüdern einen Ansporn gaben.
Auch der Männergesangverein war am Kommersabd. mit einem Beitrag beteiligt. Derselbe beabsichtigt, im kommenden Jahre sein 75jähriges Jubiläum festlich zu begehen. Die Vorbereitg. dafür haben schon damit eingesetzt, dass wir in diesem Jahr 4 auswärt. Veranstaltungen besuchten – in der Erwartung der Gegenbesuche ders. im nächsten Jahre. –

Die Schularbeit nahm in abgelauf. Jahr ohne Erkrankg. eines Lehrers u. ohne auswärtige Vertretg. einen normalen Verlauf.
Das Auftreten der Mumps war allerdings eine lästige Störung des Unterrichts. Da das Gesundheitsamt auch das Fernbleiben von Geschwistern der Betroffenen vom Unterr, verfügte, war die Zahl der Fehlenden vor den Herbstferien beträchtlich. –

Nach den Sommerferien unternahm die Schule einen Omnibusausflug, der uns durch das Aartal üb. Bad Schwalbach, Schlangenbad nach Mainz führte, wo wir den Dom besichtigten. Anschließend Weiterfahrt nach Rüdesheim – mit der Sesselbahn zum Niederwalddenkmal. In Lorch Besuch eines großen Weinkellers. Noch spät Führung durch die Räume der Marksburg, was die Kinder am meisten beeindruckte.

Am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien erhielt die Schule einen neuen Ölofen (groß. Schulsaal). Der alte Kohlenofen, obwohl er im vorigen Jahr neu ausgemauert worden war, hatte einen schweren Schaden in der Feuerung, was seine weitere Verwendbarkeit ausschaltete.

Die Notwendigkeit des Neubaus einer Schule wurde auch in der diesj. Schulvorstandssitzg betont. Da man aber noch nicht genau sehen kann, wohinaus die Schulreform geht (Mittelpunktschule), da man ferner zuerst die Leichenhalle bauen will u. da die Einnahmen der Gemeinde aus dem Walde nicht mehr wie früher fließen, ist dieses Projekt vorläufig noch weit zurückgeschoben. –

Der Schülerstand beträgt:

Knaben Mädchen
Oberstufe: 11 15 = 26
Grundschule: 19 11 = 30
----------- -----------
30 26 = 56

1964

Die Schülerzahl hielt sich im vergang. Jahre soeben an der Grenze der zur Erhaltung der 2. Lehrerstelle notwendigen Zahl – 54, steigt aber in den kommenden Jahren bis über 70.
Die 2. Lehrerstelle wäre also für länger garantiert, wenn nicht schon in naher Zukunft eine grundlegende Änderung dahingehend erfolgt, dass aus der geplanten Gemeinschaftsschule in Hirschberg Wirklichkeit wird.
Die Verwirklichung ist – auf unbestimmte Zeit gesehen – unaufhaltsam, nachdem das Land Rheinland-Pfalz durch Gesetzeskraft die Landschulreform durchführen will.
In Langenscheid ist bisher keine Unruhe durch die Planung in der Elternschaft entstanden – wie etwa in Eppenrod, das im Begriff war, eine eigene, neue Schule zu bauen und sich nun einem „Stopp“ beugen soll. –

Im Juni unternahmen wir (bis einschl 3. Schulj.) eine Schulwanderung, die uns durch Freiendiez zum Mensfelder Kopf, von da zur Lubentiusquelle, Lindenholzhausen u. weiter zum Limburger Dome führte.
Bei der großen Hitze boten uns das Sauerwasser des o. g. Brunnens u. der Schatten der dabei stehenden Bäume eine wohltuende Labung.

Nach den Sommerferien führte uns eine Omnibusfahrt über die Fuchskaute – Siegen (bei ebenso großer Hitze) zur Atta-Höhle nach Attendorn. Die Heimfahrt ging an der Listertalsperre vorbei nach Altenkirchen, von da weiter zum Kloster Marienstatt, wo wir längere Zeit rasteten, über Hachenburg an den Westerwälder Seen vorbei nach Hause. –

Nach einem sehr wüchsigen Frühjahr setzte im Juni eine „tolle“ Hitze ein, die der Einbringung der Heuernte zwar günstig war, aber das Wachstum der Hackfrüchte hemmte. Auch das Futter wurde knapp.
In den Gärten musste fleißig gegossen werden, was aber – zum, Lobe unrer Wasserversorgung sei`s gesagt – ohne Einschränkung möglich war.
Obwohl es den ganzen Sommer keinen Regen gab, war die Kartoffelernte noch über Erwarten gut. Es brauchten auch keine Notverkäufe aus den Viehbeständen durchgeführt zu werden.
Bei den Erntearbeiten, besonders bei dem Einsatz der Mähdrescher (der erste kam zu Beginn der Ernte in den Besitz 2er hiesiger Landwirte) war das anhaltende trockene Wetter sehr fördernd. Im Ganzen war es wieder ein durchaus zufrieden stellendes Jahr. –

Dem Bauern H e i b e l gelang es, seinen modernen, neuen Viehstall noch zum Herbste in Betrieb zu nehmen, während der Bauer Arthur M e c k e l seinen Anbau erst nach der Herbstarbeit begann.
Die Arbeiten am Aussiedlerhof gerieten so sehr ins Stocken, dass der Besitzer, Werner M e c k e l , es aufgab, noch vor Weihnachten einzuziehen.
Erst ganz spät im Jahr stellte der Bauunternehmer K ü c h l e r den Rohbau seines neuen Hauses fertig. Seine Halle wurde bei einem Sturm so sehr beschädigt, dass er außer 2 neuen Wänden das ganze Dach neu herrichten musste.
Mit den beschädigten Fahrzeugen, die in der Halle standen, entstand ihm ein Schaden von über 30 000 DM.
Es sind ferner die vielen Gebäude zu erwähnen, die zum Sängerfeste einen neuen Anstrich erhielten.
Schon lange vor demselben wurde damit begonnen, unser Dorf „besuchsfähig“ zu machen. An allen Ecken u. Kanten regte es sich. Vorgärten wurden angelegt, Zäune erneuert u. mit Farbe gestrichen. Das Dorf war nicht wieder zu erkennen. Die letzten Vorbereitungen wie: Aufschlagung des Zeltes, Beflaggung u. Ausschmückung des Dorfes geschahen unter einer drückenden Hitze.
Am Samstagnachmittag war alles bereit, die Gäste u. die am Kommers teiln. auswärt. Vereine, darunter den M.G.V. „Ossian“ aus Oberhsn., für dessen Sänger 75 Quartiere bereitgestellt waren, zu empfangen.
Eine enorme Bereicherung erfuhr das Programm durch das Hinzukommen des Fanfarenzuges „Rote Funken“ (gemanaged dch. unsere derzeit. Jagdpächter N o é u. M a n t e y)..
Zusammen mit der 25 Mann starken Kapelle aus Siershahn war ihre Musik bis in den letzten Winkel des großen Zeltes zu hören.
Eigene Gesangsvortrage, solche der Gastvereine, Fahnenweihe, Reden, ein Reigen der Mädchen nach dem Walzer „An der sch. bl. Donau“, gesungen vom Gem. Chor Langenscheid, verstärkt mit dem von Linter u. begleitet vom Orchester füllten den Abend. Anschließend Tanz.
Am Sonntagmorgen Wertungssingen, anschl. Festzug u. Freundschaftssingen u. wieder Tanz u. dasselbe noch den gz. Montag.
52 hl Bierkonsum war das wirtschaftliche Fazit. Das Fest war ein triumphaler Höhepunkt unsres dörfl. Lebens gewesen.
Der respektable äußere Verlauf des Festes kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass das eigentl. Anliegen des Vereins: die Gesangspflege – sehr im Rückgang ist, was mich in der Generalversammlung zu der Bemerkung veranlasste, dass wir zwar die „Schlacht“ gewonnen hätten, aber den „Krieg“ möglicherweise verloren. –

Ein besonderes nicht zu übergehendes Ereignis des Jahres war die Gemeinderatswahl im Oktober und die darauffolg. Bürgermeisterwahl. Die Liste der Arbeiter errang 8 Mandate, während die Liste der Bauern gemäß dem Rückgang dieses Standes nur 3 Sitze erringen konnte.
Da der an der Spitze der Arb. Stehende Ewald S c h a u b keine klare Zusage zur Übernahme des Bürgermeisteramts geben konnte, wurde ein anderer dieser Liste, der vor 3 Jahren zugezogene Kriminalbeamte Adolf S c h u p p nominiert u. mit 7 für ihn abgegeb. Stimmen gewählt.
Eine offiz. Übergabe des Amtes fand etwas später im Schulsaal statt, wobei auch der M:G:V: dem neuen Bürgermeister ein Ständchen brachte.
Dem alten Bürgermeister wurde von seinem Nachfolger Würdigung u. Anerkennung gezollt.
Der Beschreiber dieses Vorganges, selbst vor seinem Übertritt in den Ruhestand stehend, möchte hier dem alten Bürgermeister K ü n z l e r , mit dem er 15 Jahre lang zusammen zu arbeiten hatte, gerne bestätigen, dass unsre Zusammenarbeit stets voller Harmonie u. gegenseit, Achtung der Stellung des anderen erfolgte.
Ich fand stets Verständnis für die Belange der Schule.
Folgende in seiner Zeit erfolgten Leistungen der Gemeinde für die Schule sind zu verzeichnen:

1. Die Erbauung eines neuen Lehrerdoppelwohnhauses.

2. Die Befestigung der beiden Schulplätze u. die Umgrenzg. des Schulplatzes an der Straße . zum Schutze der in der Pause spielenden Kinder.

3. Die Neubedachung u. Erneuerung des Außenputzes des alten Schulhauses.

4. Die Herrichtung eines Teiles der bisher. Lehrerdienstwohnung zu einem 2. Lehrsaal u. die Versehung desselben mit neuen, modernen Tafeln.

5. Die Anschaffung von neuen Tischen u. Stühlen für die Oberstufe.

6. Die Herrichtg. des an den Schulsaal angrenzenden Zimmers zu einem Nebenraum.

7. Die jährl. Bereitstellg. eines ausreichenden Etatbetrages zur Ergänzg. u. Erweiterung der Lehrer-u. Schülerbücherei sowie von Karten, Baukästen u. Anschauungsmaterial.

8. Eine jährl. Beihilfe d. Gem. zu den Unkosten unsrer Omnibusfahrt.

9. Die Bereitstellg. eines Bauplatzes für eine neue Schule, u. nachdem ein eigenes Bauprojekt gefallen ist, eines Geländes für eine Gemeinschaftsschule nahe bei Hirschberg.

1965

Konnte ich noch am Ende des vorigen Jahres von der beabsichtigten Mi.-Schule in Hirschberg (Bereitstellg eines Baupl.) berichten, so hat sich das Bild im Laufe dieses Jahres völlig geändert.
Die Regierung hat die Errichtg. solch kleiner Mi-Sch. ganz aufgegeben u. will nur noch große Schulen, die in der Grundschule mindestens doppelzügig sind, bezuschussen.
So hat denn die Planung des Ausbaus der Schule in Holzappel zu einer größeren Mi.-Sch. Gestalt gewonnen.
Auch die Langenscheider Elterngemeinde wurde in einer öffentl. Versammlung (Teilnahme der Bez.Reg. durch Assess. S c h w a m m u. Schulrat W ü r z) zur Stellungnahme aufgefordert.
Nach den Ausführg. der o. gen. Herrn (wichtigstes Argument: dass die Reg. für den Bau von kl. Schulen keine Mittel mehr bereitstellt) entschied sich die Elternversammlung einstimmig für den Anschluss an Holzappel. Noch vor Ende dieses Jahres wurde der Gesamtschulverband Holzappel gegründet.

Als am 1. Okt. dieses Jahres die Neubesetzung der hies. Stelle nicht erfolgen konnte, wurde der Schreiber dieser Zeilen um weitere Dienstleistg. Bis Ende dieses Jahres gebeten. Bis dahin wird dann auch die Freimachung der 2. Dienstwohnung erhofft. –

Bis tief in den Dez. hinein blieb sich das Wetter in diesem Jahr treu: immer neue Regenfälle – ein Regenjahr ganz ausgeprägter Art! Zum wievielten Male wurden Überschwemmung u. Hochwasser mit beträchtl. Schäden – mal aus d. Norden, mal aus d. Süden – gemeldet.
Auch hier gab es Regen zum Überdrusse, aber Gott sei Dank keine Überschwemmung.

Die Heuernte (reichlich) konnte in einer Regenpause gut eingebracht werden. Auch im Herbst stellte sich für die Kartoffel- u. Dickwurzernte gutes Wetter ein. Aber hätten wir für die Fruchternte keine Mähdrescher zur Verfügung gehabt (4 einheimische, 2 auswärt.), so wäre viel verdorben.
Es kann bei dieser Gelegenheit auch erwähnt werden, dass die Gemeinde – für ihre Dreschmaschine keine Verwendung mehr findend – dieselbe verbrennen ließ. –
Obsternte: Es gab viele schöne Zwetschen, aber es blieben viele auf den Bäumen hängen, vielmehr sie verfaulten. Dagegen gab es keine Äpfel.


Neben der Fertigstellung des Kaufhauses K o c h u. des Neubaus K ü c h l e r erregte der Umbau unseres Pfarrhauses starkes Aufsehen. Jedermann bleibt kopfschüttelnd stehen. Mindestens 100 000 DM werden zur Erhaltung u. Modernisierung dieses alten Fachwerkhauses investiert.
Man fragt sich, warum man das alte Haus nicht abgerissen u. ein neues – von der Straße weg in den Garten – gebaut hat. Alle Einwendungen des hies. Kirchenvorstandes u. a. Leute halfen nichts. Darmstadt entschied. –
Zwei Neubauten wurden in der verlängerten Weiherstraße angefangen. –

Endlich wurde auch in diesem Herbst die vor einem Jahr begonnene Leichenhalle fertig gestellt. Die Einweihg. wurde mit der Beisetzg. der ersten Leiche, der Frau G a s t e y e r , verbunden. Da diese auf einen Wochentag fiel, konnte der Gemischte Chor die Feier nicht verschönern. Die Aufwendg. für die Fertigstellg. Fielen höher aus als man angenommen hatte, so dass die Gemeinde noch ein größeres Darlehen aufnehmen musste.


Überhaupt ist die Gemeinde durch den Ausfall ihrer früheren Einnahmen aus dem Waldbesitz in eine neue Situation geraten. Sie muss nun sehen, woher sie die notwendigen Geldmittel auftreibt.
So beschloss die neue Gemeindevertretung u. a. die Aufbringg. der Kosten für die Wasserleitung u. Kanalisierung neu zu regeln. Neue Wasseruhren sollen helfen, den Wasserhaushalt zu ordnen, u. die Festsetzg. eines Verbrauchspreises von 60 Pfg pro cbm Wasser soll wenigstens die Selbstfinanzierung der Ausgaben für die teuere Unterhaltung d. Wasserleitg. u.. Kan. herbeiführen.
In einer gut besetzten Bürgerversammlung legte Herr Bgmstr. S c h u p p die neue Situation dar. Man wunderte sich über seine Vertrautheit mit mehreren anderen Stoffgebieten, die auch in der Versammlung angeschnitten wurden.


Eine Feier ganz besonderer Art fand am Karfreitag auf dem Friedhof statt, wo die Restaurierung des Gedenksteines eines Langenscheiders, des vor 90 Jahren verstorbenen Ludwig B o r n (.Abgeordneter zunächst des Nassauischen, dann des Preußischen Landtages), zum Anlass einer Fam.-Feier unter Mitwirkung des Gesangvereins gemacht wurde.
Der frühere Pfarrer S t e u b i n g hatte einiges „ausgegraben“, das er nach einer Kaffeetafel in d. Gastwirtschaft M e c k e l vortrug (siehe Programm).

An einem der wenigen schönen Tage anfangs Juli unternahmen wir eine Wanderung ins Jammertal. Ein fahrplanm. Zug am Morgen sollte uns nach Laurenbg., ein Anschlussomnibus nach Kördorf bringen, von wo aus wir ins Jammertal einsteigen wollten.
Rechtzeitig am Bahnhof Balduinstein eingetroffen, warteten wir vor demselben auf den Zug. Da aber außer uns noch die Schule von Geilnau auf den später fahrenden Sonderzug wartete, blieben wir wie diese draußen stehen, während unser fahrplanmäßiger Zug einlief u. ohne uns abfuhr.
Ein Telefongespräch mit dem Bushalter in Laurenburg veranlasste diesen, auf uns zu warten, wenn wir mit dem späteren Sonderzug ankamen. So wurde noch die vorgesehene Wanderung möglich. –
Nach den Sommerferien fand unsre übliche Omnibusfahrt – durchs Weiltal, zum Großen Feldberg, zum Einkaufszentrum, zum Zoo in Frkft. u. zum Flughafen statt.

Nach Vollendg. meines 65. Lebensjahres am 7. 10. 64 hatte ich meinen Austritt aus d. Schuldienst zum 31. 3. 65 beantragt. Im Februar 65 entschied ich mich, um ein weiteres halbes Jahr Verlängerung einzukommen, womit ich dem Wunsche der Reg. sehr entgegen kam. Nach Ablauf dieses halben Jahres trat die Regierung an mich heran, meinen Schuldienst noch bis Ende dieses Jahres zu versehen.
Am letzten Schultag vor Weihnachten fand nun meine Abschiedsfeier statt. Schulrat W ü r z , der mir bei der Aushändigg. der Pens.-Urkunde in seinem Sprechzimmer bereits eine Ansprache gehalten hatte, war noch einmal erschienen.
Nach dem Liede „Lobe den Herrn“ eröffnete Kollege S c h r u p p die Feier. Danach hielt Schulrat W ü r z eine Ansprache, in der er die Bedeutung des in freier Verantwortung schaffenden Lehrers am Wachsen u. Gedeihen der Kinder würdigte.
Nach ihm ergriff Bgmstr.-Stellvertreter S c h a u b (der Bgmstr. selbst war durch einen Unfall am selben Morgen verhindert zu kommen) das Wort. Er würdigte auch meine außerschulischen Bemühungen um das Dorf u. meine Verbundenheit mit den Leuten.
Er überreichte mir zum Dank der Gemeinde einen Band des Buches „Unsre großen Deutschen.“
Danach fand Herr Koll. S c h r u p p noch Worte der Anerkennung unsrer guten Zusammenarbeit u. überreichte mir ebenfalls Geschenke der Kinder.
Alle wünschten sie mir noch gute Jahre des Ruhestandes. Nach einigen Gedichten der Schüler bedankte ich mich für die anerk. Worte u. Geschenke u. fand selbst Worte des Dankes, dass es mir vergönnt war, in Gesundheit hier zu wirken u. schloss mit den Goethe-Worten aus dem „Türmer“: „ Es sei wie es wolle, es war doch so schön.“

Damit beendige ich meine Eintragg. u. wünsche meinem Koll. S c h r u p p u. allen Kindern Erfolg u. Gedeihen.

0. F e r g e r

Das Ende der Dorfschulen kündigt sich an

- Verfasser: Röttker Feigel, Lehrer i. R. -

Im Zuge der zunehmenden Technisierung aller Bereiche unseres Lebens zeichnete sich mit Beginn der 60 er Jahre das Ende der kleinen Dorfschulen ab. Die allgemeine Entwicklung auf dem Bildungssektor kündigte die „Mittelpunktschule auf dem Lande“ an, die nach Altersstufe, Begabung und Neigung differenzierte und effektive Ausbildung ermöglichen sollte.
Der akute Schulraummangel in Holzappel und die allgemeine Tendenz zur Konzentration des gesamten Schulwesens auf dem Lande forderten von den Gemeinden weitgehende und einschneidende Entscheidungen. Für die Esterau hatte die Schulbehörde als Ziel eine 18 klassige Mittelpunktschule vorgesehen.
Schulsitzgemeinde sollte Holzappel werden.

Die Gründung des Schulverbandes Esterau

Zunächst galt es, einen Schulverband zu gründen, dessen Ziel der Bau und die Unterhaltung einer gemeinsamen Schule sein sollte.
Viele Gemeindeväter standen dieser neuen Idee anfangs recht skeptisch gegenüber. Doch schließlich war es dann soweit. Die Verantwortlichen in den Gemeinden gaben nach Anhörung der Elternschaft „grünes Licht“ für den Zusammenschluss.
Gemäß einer Organisationsverfügung der damaligen Bezirksregierung Montabaur vom 1. Dezember 1965 wurde die Gründung eines Schulverbandes mit den Gemeinden Holzappel, Charlottenberg, Dörnberg, Geilnau, Giershausen, Horhausen, Isselbach, Langenscheid, Ruppenrod und Scheidt mit Wirkung vom 15. Dezember 1965 vollzogen. Nur die Gemeinden Hirschberg und Laurenburg standen noch abseits, die aber im Jahre 1966 dem Schulverband beitraten.
Das Richtfest für die 18 klassige Grund- und Hauptschule wurde am 6. Dezember 1968 gefeiert.
Nachdem im Sommerhalbjahr 1969 mit Volldampf am Innenausbau gearbeitet und die umfangreiche Schuleinrichtung ausgewählt und beschafft worden war, konnten Schüler und Lehrer termingerecht zu Beginn des Schuljahres 1969 / 70 am 28. August 1969 in die neue 18 klassige Esterauschule einziehen.
Es wurden zunächst 16 Klassen gebildet, 9 Grundschulklassen und 7 Hauptschulklassen.


1 a 30 Frau Minor
1 b 31 Frau v.den Bergh
1 c 30 Herr Houben
2 a 37 Frau Hofmann
2 b 35 Frau Linkenbach
3 a 31 Herr Piepenbrink
3 b 31 Herr Klaßen
4 a 35 Herr Stotz
4 b 35 Herr Feigel
5 a 30 Herr Schrupp
5 b 29 Herr Kirdorf
6 a 27 Herr Maxeiner
6 b 27 Frau Quadt
7 43 Herr Schäl
8 36 Herr Ziegler
9 43 Herr Schmiedel

Am 16. Juli 1969 endete die fast zweihundertjährige Schulgeschichte der Ortsgemeinde Langenscheid mit den Lehrern Paul Schrupp und Röttker Feigel.

Röttker Feigel, Lehrer i. R.

Langenscheid, im August 2003